Literaturgefluester

2016-04-30

Schimpfen wie ein echter Wiener

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Bei der Reihe „Stadtbekannt“ aus dem „Holzbaum-Verlag“, die ja schon einige „Wien-Bücher“, wie „Unnützes Wien Wissen“, „Kaffee in Wien“, „Frühstücken in Wien“ oder „Wiener Grätzel Josefstadt“, bzw. „Siebenstern“, herausgegeben hat, ist jetzt ein  „Schimpfwörterbuch“ oder ein Buch über das Schinmpfen herausgekommen.

Nun bin ich, obwohl ich öfter, auch hier im Blog beschimpft werde, keine, die gerne schimpft und auch keine, die wirklich Dialekt spricht, hat ja meine Mutter darauf geachtet, daß ich mich immer in Hochdeutsch ausdrücke, um es einmal im Leben besser zu haben.

Ich verstehe aber  Dialekt, mag ihn eigentlich auch, nicht unbedingt die Schimpfwörter „Heast Oida, schleich, di!“ oder so und denke, daß er sich auch wandelt, so bin ich mir gar nicht so sicher, ob alles, was in dem Buch zu finden ist, wirklich noch angewandt wird und ob zum Beispiel bei den Würstlständen, die ja oft schon durch Kebab-Buden und Aisa-Nudeln-Stände ersetzt wurden, „A Eitrige mit an Buckl und an Patzn Senf“ verlangt wird.

Aber schön der Reihe nach.

Das Impressum wird mit „Wer das Buachl verbrochen hat“ übersetzt, sonst könnte ich an den Übersetzungen einiges aussetzen, beziehungsweise würde ich das Wienerisch Hochdeutsch und nicht Nord- Bundesdeutsch oder überhaupt geschraubt übersetzen, weil ich letzteres auch schon für einen Dialekt halte und könnte da gleich das Eingangsbeispiel anführen.

Sagt da nämlich die Hausmeisterin, die in der Realistät oft wahrscheinlich besser Serbisch als Wienerisch spricht und vor hundert Jahren sprach sie wohl eher Böhmisch: „Drahts de gschissene Muik o, eas saublede Gfraster, sonst hol i de Kieberei!“ und das heißt, würde ich meinen, nie und nimmer „Dreht die vermaledeite Musik ab, ihr saublöden widerwärtigen Personen, sonst hole ich die Polizei!“, sondern  „Dreht die beschissene Musik ab, ihr blöden Leute!“

Das ist mir auch an anderen Stellen aufgefallen, daß ich anders übersetzen würde, aber jetzt hinein ins Buch. Es gibt neun Kapiteln und ein Register. Eine Warnung gibt es auch, daß für das Anwenden der Beschimpfungen keinerlei Haftung übernommen wird!

Na gut, also auf eigene Verantwortung in das Buch, ich schimpfe ja ohnehin nicht so viel, obwohl mich der Alfred öfter als „Grantscherbn“ oder als „grantiges Wiener Weibl“ bezeichnet, aber das ist, habe ich gelernt, eigentlich die Bezeichnung für einen grantigen Mann, das weibliche Pendant wäre die „Keppltant!“

In Kapitel eins geht es um Sex, also um das „Pudern“, das nicht von Puder kommt und dann natürlich, um den „Oasch“, ein, wie ich lese, sehr beliebtes Wiener Schimpfwort.

Da gibts also das „Oaschgsicht“, das „Oaschgfries“ bis zur „Oaschpartie“ und auch einige gebräuchliche Redewendungen, wie „I reiß ma sicher net den Oasch auf fia di“, auch meiner Meinung nach sehr umständlich übersetzt, bis zum „Das geht mir am Oasch vorbei!“

Beim Würstlstand und beim „Essn und Trink auf Wienerisch“ war ich schon. Da gibt es aber noch das „Wiaschtl“ und das „Für die Wiascht“, nicht zu verwechslen und auf der „Nudlsuppm“ beteuern sicher einige „nicht dahergschwommen zu sein!“.

Es gibt den „Schmarrn“, der eigentlich was Feines ist, wenn er aus Topfen oder Palatschinkenteig besteht, aber man kann auch einen „Schmarrn“ reden und ein arme Leute Essen, also für die auf der „Nudlsuppm dahergeschwommenen“, war er früher auch.

Dann gibts noch „Das Krügerl, das Glaserl, das Stamperl, das Tröpferl“, meist mit Wein wahrscheinlich und was das Bier betrifft, wird das hier  mit Gerstensaft übersetzt. Ob das der Mann am Wiener Würstlstand versteht? Wahrscheinlich nicht, auch wenn er ein „Tschusch“ ist, aber da sind wir schon beim Kapitel „Überall  Gscheade und Auslända“ und haben  das „Oida verschwind und hoit  de Goschn!“ ausgelassen.

Daß der Wiener sehr überheblich gegenüber alle jenseits der Stadtgrenze ist, kann ich bezüglich meiner Mutter und meinem aus St. Pölten stammenden Mann bestätigen. Sie hat „Gscheader“ also Geschorerer, ein Begriff für den Bauern oder Leibeigener, also Landbewohner, denke ich, zu ihm gesagt, während der Mundl Sackbauer aus dem „Ein echter Wiener geht nicht unter“ , die St. Pöltner schon für „Tschuchn“, also Balkanbewohner hält.

Ein weiteres wichtiges Kapitel ist der Tod oder das „Okrotzn in Wean“.

Da kann man auch „De Potschn strecken, ins Gros beißn“ und noch vieles anderes sagen. Selbstmord oder „Si di Kugl gebn“ kann man auch. Wenn man aber von der Donaubrücke springt, hat das, wie ich gelesen habe, öfter auch andere Motive.

Das gehts zu „Proleten, Gsindl und zur gspriztn Bagage“, also zum Schimpfen durch die sozialen Schichten.

Und auf der Werbeseite kann ich sehen, daß man sich solche Schimpfwörter auch auf Taschen oder T-Shirts drucken lassen und  kaufen kann.

Man kann sein Gegenüber auch als „Blada, Wampata, Schiacha!“ oder anders beschimpfen.

Und bei der Polizei, also der „Heh“ sind wir schon gewesen und wer noch immer glaubt, daß die Polizei, dein Freund und Helfer ist, kann hier „A Kieberer is ka Habera“ lesen.

Dann gehts zu den „Dümmlichen Typen“ auch wieder, wie ich meine „bled“  übersetzt, „in Wien“, also den „Dodln“ Dillos“, „Fetznschädln“ etcetera.

Die Wienerin ist a „Urschl“ „Fusn“, Keifn“, während der Wiener als „Wappler“, „Zniachterl“ „Dodl“, etcetera beschimpft werden kann.

Damit wären wir schon am Ende und sehen hier, weil das gelbe Biachl wirklich schöne Illustrationen hat, das Wiener Riesenrad, in dem die „Grätzn“, „Gurkn“, etcetra sitzen und „Hupf  in Gatsch, Gfrast!“ und anderes schreien.

„Wiener Kultur, das ist Kunst und Musikgenuß. Kaffee und Schnitzerl, sprühender Charme und Weinseligkeit. A so a Schas! Mindestens genau so wichtig ist in Wien die Schimpfkultur, also die Fähigkeit, zu allem und jedem passende unhöfliche, witzig- beleidigende und obszöne Worte und Redewendungen zu finden“, steht noch am Buchrücken.

Wieder was gelernt? Und nicht vergessen, bevor mans ausprobiert, Haftung für die Folgen wird von den Buchautoren nicht übernommen!

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