Literaturgefluester

2016-05-08

Zum Muttertag in die Blumengärten Hirschstetten

„Der Muttertag ist eine nazististische Angelegenheit!“, sagt die Tochter, deshalb am Tag des Tages, wo die Väter mit den Kindern den Müttern das Frühstück ans Bett bringen, keine Blumen und keine Schokolade in Herzform, aber eigentlich, glaube ich, kommt diese Art die Hausfrau zu feiern aus Amerika und in den Schulen wird für die Mütter gebastelt, gezeichnet und ein Gedicht geschrieben.

Ich kann mich an das Maiglöckerlsträulein im Blumengeschäft meiner Volksschulzeit erinnern.

Kein Geld im Börserl und ich sollte, könnte es, doch meiner Mutter kaufen. Eine freundliche ältere Dame hat geholfen und ein paar Einladungen zu Kaffee und Kuchen hat es später auch gegeben und der Alfred hat das Menü aus dem „Gratis-Gusto“, gekocht, während ich in der Pubertät auch den Protest übte.

Die ist lang vorbei und ab fünfundzig in die Kartei der Bezirkvorstehung hineingeraten, für alle Frauen, egal ob Mutter, Tante, Pflegemutter, denn das ist die Generation der Frauen, die nach dem Krieg zum Aufbau Österreichs beitrug, sagte und schrieb die ehemalige Bezirksvorsteherin und lud ins „Haus des Meeres“ und ins Pensionistenheim mit musikalischer literarischer Begleitung zu Kaffee und Kuchen.

Auch das ist schon vorbei, denn heuer gab es einen Kurzausflug in die Blumengärten von Hirschstetten, irgendwo im zweiundzwanzigsten am Stadtrand von Wien, hinter dem SMZ-Ost, dem Donauspital und Erinnerungen an die Schlacht von Aspern und Napoleon, die ich eigentlich für Gemüsegärten und die Produktion der Wiener Gärtner gehalten hätte, die ich manchmal am Naschmarkt oder bei den Gustotage im Stadtpark sehe.

Aber die sind wahrscheinlich woanders und das Wetter ist  schlecht und kalt am vierten Mai, als ich einen der zwei bereitstehenden Busse vis a vis der Bezirksvorstehung klettere.

Obwohl ich jetzt ja schon das sechste oder siebendte Mal an der Veranstaltung teilnehme, einmal hat mich das „Margaretner Fest für Kunst und Kultur“ daran erinnert, scheine ich immer noch die jüngste zu sein und die alten Damen plaudern, lachen und begrüßen freundlich den Bezirksvorsteher, der durch die Reihen geht und von einer Epidemie namens „Regenitis“ erzählte, die an diesem Tag in Mariahilf grassiert und zu vielen Absagen führte. Trotzdem ist der Bus voll bis auf den letzten oder vorletzten Platz.

Und den Haupteingang zu den Gärten, weit hinter Kagran, wo ich früher ja sehr oft zu Supervisionen oder Psychologievorlesung in die Krankenpflegeschule ins SMZ-Ost oder Donauspital fuhr, haben wir auch versäumt, also noch einmal in den Bus einsteigen, an der „Hofer-Filiale“ vorüber, auf der einen Seite fährt eine Straßenbahn, auf der anderen gibt es einen Bus und zwei Gärtner in ihren grünen Anzuügen, die Blumenschere in einer der Hosentasche, stehen zur Begrüung und Führung bereit, erklären gleich, daß man hier keine Blumen kaufen kann, denn die Gärten sind eine städtische Angelegenheit und gehören eigentlich dem Steuerzahlen.

Dafür gibt es aber einige Inforbuden, wo man sich Prospekte holen kann, der Eintritt in die Gärten ist von Dienstag bis Sonntag von zehn bis achtzehn bzw. zwanzig Uhr frei. Nur am Montag fahren die Gärtner mit den großen Maschinen über das Feld. Es gibt ein Zelt, das man für Hochzeiten mieten kann und zu Weihnachten und Ostern einen Markt mit vielen Standeln, an denen wir vorrübergehen.

Ein Palmenhaus gibt es auch und viele Blumen, Tulpen und einen Seerosenteich.

Dreihundert Zieseln hüpfen herum oder verstecken sich wegen der Kälte und der führende Gärtner scheint in Eile, soll er doch offensichtlich das, wofür er sonst eineinhalb Stunden Zeit hat, in einer dreiviertel Stunde erzählen. So ist keine Zeit für das Palmenhaus, in dem es sehr heiß soll, sonst ist es, wie schon beschrieben an diesem Nachmittag sehr kalt und der Gärtner, die beiden Busse sind in zwei Gruppen aufgeteilt, zeigt die Schaugärtnen, wo am Beispiel einer fiktiven Familie, Gärten für die verschiedensten Bedürfnisse geplant sind. So gibt einen „Partygarten“, eine „Dachtertrasse“ und einen „Seniorengarten“, eine Prachtstraße mit Schaukelstühlen gibt es auch, an der man vorüberziehen kann und immer wieder Schaustafeln, wo man über die ausgestellten Pflanzen auf Deutsch und Lateinisch nachlesen und sich weiterbilden kann.

Der Gärtner erklärt, die Konifären und die seltenen gelben Magnolien, die es nur hier zu geben scheint, zeigt auf die Zypressen und die Reihe, wo wieder seltene alte Apfelbbäume angepflanzt werden und man alle Sorten und nicht nur wie „Beim Billa“, der Gärtner launig schildert, „Äpfel nach rot oder grün soritert“, finden kann.

Man kann die Blumengärten auch für Hochzeiten nützen, beziehungsweise mieten, eine Dame fragt nach dem Preis der Veranstaltung und was man alles dabei machen kann? Später sehen wir dann eine Braut, offensichtlich aus einer türkischen Familie, ihr Kleid hochhalten und über die Steine zum Fototermin hüpfen und über den Seerosenteich geht es auch.

Es gibt einen Garten mit Pflanzen der chinesischen Medizin, einen mexikanischen und einen indischen Garten, ein Bauernhaus mit Hendln, Ziegen und Schafen, einen sogenannten Streichelzoo mit einer Begegnungszone für Mensch und Tier und einen großen Spielplatz, womit, wie der Gärtner erzählt, eigentlich alles begonnen hat.

Einen Gemüsegarten, der gerade angelegt wird, gibt es , Führungen und Forschungsprojekte, den Schildkrötengarten habe ich erst später bei meinem eigenmächtigen Rundgang, wodurch ich fast den Bus versäumte, erkundigt.

Also zweiunddreißig Attraktionen zum Erforschen und Erholung, wie ich auf meinen Prospekt sehen kann, auf realtiv kleinen Raum, fährt doch auf der einen Seite die 22A und die 95A-Busse, auf der anderen die Straßenbahn vorbei und jetzt haben wir unsere Runde im Schnelldurchgang beendet, die Gärtner verabschieden sich und es geht zu den vorbereiten Kuchen und Kaffee, auf den schon „Zur Veranstaltungschilder“ auf den Glashausfenstern hinweisen.

Weil es so kalt ist, einige Damen haben schon ein Taxi genommen, fährt der Bus auch früher ab, eigentlich wäre der Sommer, die richtigere Zeit gewesen, die Pflanzenpracht, die jetzt erst, wie der Gärtner erklärte, geplant und hergerichtet wird, zu sehen, im Winter ist offenbar nur das Palmenhaus und der Weihnachtsmarkt geöffnet und wir brausen über die Autobahn wieder zurück in die Stadt, haben ein kleines Freizeitparadies der MA 42 gesehen und während wir im Bus auf die Abfahrt warteten, offensichtlich haben sich noch einige andere Damen selbstständig gemacht oder den richtigen Bus nicht gefunden, fahren die Autos mit den Hochzeitsgästen in den Garten. Der Bezierksvorsteher wünscht bei der Verabschiedung noch einmal einen schönen Muttertag und hat schon  Pläne für das nächste Jahr.

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