Literaturgefluester

2016-05-21

Literarische Reisevorbereitung

Wir werden ja demnächst nach Kroatien auf Urlaub fahren und so haben meine Lektürevorbereitungen schon  begonnen, da ich mir  vor einiger Zeit angewöhnt habe, auf meinen Urlauben jeweils landesspezifische Bücher zu lesen, in Ungarn also einen Ungarn-Schwerpunkt mit Sandor Marai, Magda Szabo, Imre Kertesz etcetera, nach Litauen habe ich mir die Leseprobenhefterln mitgenommen, die ich in Frankfurt 2002 bekommen habe.

Bei der Radfahrt von Ulm nach Regensburg habe ich überhaupt gleicheinmal meinen schwarzen Reisekorb mit „Thalia-Abverkaufbüchern“ zum Deutschen Lesen angefefüllt und bin dann mit einem solcherart gekauften Clemens Meyer ein paar Wochen später nach Leipzig zu Utes Geburtstagsfest gefahren.

Die kroatische Buchauswahl hätte ich gedacht, sollte nicht  schwer sein, gibt es ja auf der Buch-Wien und auf den Messen immer  diesbezügliche Schwerpunkte von „Kultur-Kontakt“, „Wieser“ bringt mit seiner „Edition Zwei“ immer Zweisprachige und hat auch die „Europa-Erlesen-Reihe“, aber dann habe ich gesucht und gesucht und außer Marica Bodrozic, 1973 in Jugoslawien geboren,  seit 1973 in Deutschland lebend wie in der Erstausgabe von „Tito ist tot“ steht, die ich vor Jahren, als es noch keine Bücherschränke gab, in einer Kiste vor einem Antiquariat, um nur dreißig Cent, glaube ich, in einer Kiste gefunden und nicht gelesen habe, weil ich Erzählungen nicht mag, nicht so viel gefunden.

Bei „Europa erlesen“ gibt es bei mir nur „Belgrad“ und „Budapest“, neben „Niederösterreich“, „Linz“ und „Wien“, die ich vor einem Jahr etwa im Schrank gefunden habe und bei der „Eiition „Zwei“, gabs nur Stanko Andrics „Der Simurg“ und dann neben dem schon gelesenen,  eher slowenische Autoren, wie die überhaupt in der Mehrzahl zu sein scheinen, „Hermagoras“, hat mir da ja einmal eine ganze Kiste geschickt  und wenn ich nach einem mir bekannten Autorennamen googlete, habe ich sehr oft entdeckt, daß das Slowenien sind, wie sich ja vielleicht überhaupt die Frage stellt, wer als kroatischer Autor zu verstehen ist?

Bei Marica Borozic, steht im Buch „In Jugolslawien geboren“, sie lebt aber in Deutschland, das trifft auch auf Jagoda Marinic zu oder nicht einmal, denn die wurde 1977 in Waiblingen geboren, ihre Eltern stammen aber aus Dalmatien, dem südlichsten Zipfel von Kroatien und an die habe ich bei meiner Suche, als ich schon Marica Bodrozic und Bora Cosic herausgesucht hatte, gar nicht gedacht, da ist aber Alfred mit einem von ihr geschriebenen „Gebrauchsanweisung für Kroatien“ gekommen und ich habe mich daran erinnert, daß die Autorin beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und ich einmal bei einem dieser „Ein Euro Buchlandungs-Abverkäufe“ von ihr den Geschichtenband „Eigentlich ein Heiratsantrag“ gekauft habe.

Es ist also gar nicht so leicht zu erkennen, ob der im ehemaligen Jugoslawien geborene Autor, jetzt ein Kroate ist oder nicht.

So wurde Bora Cosic, der im März auf der Liste für den „Leipziger Buchpreis“ stand 1932 in Zagreb geboren, lebt, wie  in meiner in der  „Edition Brigitte“ erschienenen Ausgabe von „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution“ steht, in Rovinij, Istrien und Berlin, das Buch ist aus dem Serbischen übersetzt, Dragan Velikic, der ehemalige serbische Botschafter hat seine Jugend in Pula verbracht und auch einen Roman darüber geschrieben und Marica Bodrozic kann man wahrscheinlich auch nicht als typische kroatische Schriftstellerin bezeichnen.

Solche habe ich also nicht gefunden, beziehungsweise nicht in meinen Buchständen und ich kaufe mir für meine Reiselektüren ja nur selten extra was, sondern schöpfe aus meinen schon vorhandenen Bücherbergen.

Der Alfred aber kauft, nämlich bevorzugt Reiseführer und da hat er mir, wie schon erwähnt Jagoda Marinics „Gebrauchsanweisung“ gebracht und dann noch eine „Picus Lesereise Kroatien“ von Tomo Mirko Pavlocic, nämlich „Krawatten, Schlösser, Weinberghäuser“, einen uralten „Dubrovnik-Reiseführer“, aius dem Jahr 1976, sieht heute wahrscheinlich alles anders aus, habe ich im Schrank auch einmal gefunden und dann bin ich Leipzig auf der Buchmesse extra zum Kroatienstand gegangen, wo ich allerdings nur einen englischsprachigen Katalog „V B Z – the best of Coratian Literature“ entdeckte, wo ich Autorenportraits und Buchvostellungen von Ivica Prtenjaca, Ankica Tomic, Aleksandar Novakovic, Dragan Pavelic, Predrag Crnkovic, Hrvoje Salkovic, Nura Bazdulj-Hubijar, Davor Spisic, Marinko Koscec, Jelena Markovic und Josip Mlakic, Namen die mir eigentlich nicht viel sagen, gefunden habe, den ich mir aber auf meine Reise, neben den schon erwähnten Reiseführern, dem Bora Cosic Roman, den „Simurg“ und „Tito ist tot“ mitnehmen werden.

„Eigentlich ein Heiratsantrag“ werde ich für alle Fälle auch einpacken, damit ich in Kroatien keinen Lesenotstand bekomme, obwohl das Buch wahrscheinlich nichts damit zu tun haben wird und dann könnte ich auch andere Bücher von der Liste, wie Chick Lists oder Krimis, die ja immer für Reisen empfohlen werden, einpacken.

Da habe ich auch einen Eugen Roth Gedicht Band „Gute Reise“ auf meiner Leseliste, denn ich  lesen sollte, damit ich endlich zu meinem Vicki Baum-Schwerpunkt komme und während meiner Berührungsrecherchen bin ich auf ein anderes Buch gestoßen, das passen könnte oder, wie die anderen schon erwähnten Bücher auch wieder nicht, nämlich Heimito von Doderers  „Die Wasserfälle von Slunj“, die sich ja dort befinden, aber heute, wie Doderer in den Sechzigerjahren, wo er das Buch geschrieben hat, schreibt, wahrscheinlich gar nicht mehr existieren.

Das Buch werde ich bis zu meiner Abfahr wahrscheinlich schon ausgelesen und besprochen haben, also mit leichten Gepäck zwei alten und einem aktuellen Reiseführer nach Kroatien, Bora Cosic, Stanko Andric und Marica Bodrozic und ansonsten auf der Buch Wien, in Leipzig, etcetera die Ohren und die Augen aufhalten, wenn es wieder etwas über die kroatische Literatur zu hören und zu sehen gibt und vielleicht ist in Kroatien dann ohnehin nicht soviel Zeit zum Lesen, weil man sich im Urlaub ja das Land anschauen soll, so daß ich gespannt bin, was ich alles von dem Mitgenommen lesen werde.

Aber das Büchersammeln bin ich in Zeiten, wo in den Blogs überall die Bücher aussortiert werden und an Hand von einem tollen Buch über das tolle Gefühl des Loslassens und sich Befreien geschrieben wird, ist, bin ich daraufgekommen, in diesem Punkt nützlich und werde es höchstwahrscheinlich weiterbetreiben, da ich ja, wie man sieht, immer wieder alte Bücher hervorziehe oder auch schon Mal, was  Gelesenes nochmals lese, obwohl ich mich inzwischen gar nicht mehr so an meine Leseliste halte und herumjongliere,  Bora Cosic und Marica Bodrozic, beziehungsweise Stanko Andric stehen  noch gar nicht darauf.

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2 Kommentare »

  1. „Bora“ von Ruth Cerha hast du ja schon gelesen 🙂 das lese ich gerade, sozusagen virtuell in Kroatien

    Kommentar von ankedoersam — 2016-05-21 @ 18:03 | Antwort

  2. Ja, habe ich, aber vielen Dank für den Hinweis! Auf das hätte ich jetzt vergessen,allerdings ist Ruth Cerha, wie Heimito von Doderer keine kroatische Autorin

    Kommentar von jancak — 2016-05-21 @ 18:16 | Antwort


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