Literaturgefluester

2016-06-04

Grenzübertritte

Filed under: Glosse,Reisebericht — jancak @ 08:04
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Der heurige Urlaub geht nach Kroatien, ganz klar, denn dort ist es schön, man kann baden, die Küste entlangfahren, sich erholen, Wellnessen, Spas besuchen etcetera. Die Anna war mit ihren Klienten das letzte Jahr, glaube ich dort und der Alfred mit dem Karli im September und der fragt mich immer, wo fahren wir das nächste Jahr hin?

Ich bin, das schtreibe ich immer, nicht so ein besonderer Reisetyp und einer der gerne badet auch nicht. Es ziehen mich, glaube ic,h auch gerne die östlichetren Gebiete, als die Strände von Italien und Griechenland an, obwohl mit Griechenland und der Krise habe ich mich ja im letzten Sommer in Harland auf der Terrasse und via You Tube sehr beschäftigt, früher waren wir mit der kleinen Anna sehr oft in Italien beziehungsweise in der Toscana.

Als wir 1987 mit ihr in der Türkei waren, haben wir auf der Rückfahrt die Tante Dora in Belgrad besucht und das 1998, kurz vor dem Kosovokrieg noch einmal der schon größeren Anna wiederholt und da sind wir schon beim Thema.

Denn ich habe mich ohne viel von dem Land zu wissen, für Kroatien entschieden, macht doch dort auch der Thomas Wollinger mit seiner Schreibegruppe seine Screibeurlaube, Camps oder Workshops und so hat sich der Alfred, ich glaube schon im Februar oder März nach der Ferienmesse von der er einen Rucksack voll Prospekte nach Hause brachte, hingesetzt und die Route geplant.

Zuerst wollte er über Triest und mit dem Schiff fahren, dann hat er einen anderen sehr detailierten Plan gemacht, den ich nicht besonders angeschaucht habe, denn bevor ich nicht dort bin, interessieren mich die Reisehandbücher und die Gebrauchsanweisungen nicht sehr.

Daß man damit einfahren kann, habe ich vor ein paar Jahren in Riga bemerkt, denn da suchte der Alfred den Campingplatz, den „best Camp of town“ und ich schaute in einem seiner Reiseführer nach und sah, daß dort „Die Hunde von Riga“ als passende Reiselektüre empfohlen wurden und shit, das hatte ich ja vor einiger Zeit im Schrank gefunden und nicht mitgenommen, verdammt!

So habe ich mich schon diesmal vorher nach der passenden Lektüre umgeschaut und nicht viel gefunden oder Schwierigkeiten  mit der Einordnung gehabt, wer denn jetzt ein kroatischer Autor ist? Marica Bodozic wurde dort geboren, ist aber in Deutschland aufgewachsen, Jagoda Marinic wurde überhaupt schon dort geboren, hat aber ein Kroatienbuch geschrieben, Bora Cosic, der heurige Gewinner der Leipziger Buchmesse wurde in Zagreb geboren, lebt in Rovinji und Berlin und viele Autoren, die mir vom Namen her passend schienen entpuppten sich als Slowenen.

Von denen habe ich im Literaturhaus  schon einiges gehört und auf den Messen auch diverse Vorschauen und Leseproben mitgebracht, meine Kroatienliteraturausbeute war also eher dürftig und die Autoren lebten dann eher woanders und jetzt, wo ich schon in Harland bin, bin ich noch darauf gekommen, daß ich außer „Tito ist tot“ auch noch „Titos Brille von Adriana Altaras, die 1960 in Zagreb geboren wurde, aber 1967 in Italien lebt, über meinen Bett liegen habe.

Aber ich wollte über Grenzen schreiben und die sind nicht nur im Kopf, sondern auch auf der Straße und jetzt viel mehr als je, denn obwohl wir ja in der EU sind, werden die jetzt, wo soviele Flüchtlinge nach Österreich und Deutschland wollen, ẃieder verstärkt kontrolliert, was ich schon letztes Jahr als wir in Salzburg in den Zug nach Ulm einstiegen, merken konnten. Heuer im Jänner in Salzuburg noch einmal und als wir im März in Leipzig waren, wurden wir an der deutschen Grenze zwar nicht angehalten, mußten aber an der Polizei vorbei im Schritttempo fahren.

Aber jetzt wollten wirnach Kroatien und mußten da gleich nach Leibnitz unserem ersten Tagesreiseziel  durch Slowenien fahren. Das war früher, als es die EU noch nicht im heutigen Umgang gab, jugoslawisches Staatsgebiet und als ich vor vielen Jahren einmal mit dem Herrn Benesch und der Sigrid ein paar Tage in der Steiermark verbrachte, gerieten wir beim Schwammerlsuchen irrtümlich ins slowenische Grenzgebiet und hatten keine Päße mit.

Jetzt fuhren wir zuerst einmal eine Stunde durch Slowenien, bevor wir nach Kroatien kamen und als ich dort,  mit dem Lesen der kroatischen Gebrauchsanweisung begonnen habe, waren wir schon wieder weg, denn der Alfred wollte das Wochenende in Kotor in Montenegro verbringen, weil es dort die berühmten Fjorde gibt.

Um dorthin zu gelangen mußten wir noch einmal über eine Grenze, nämlich durch Bosnien-Herzegowina und der Alfred begann, obwohl er sich doch einen so tollen Reiseplan machte, davon zu reden, daß er sich die berühmte Brücke von Mostar, die es ja nicht mehr oder nicht mehr in derursprünglichen Form gibt, ansehen will.

Die haben wir dann nicht gesehen, sondern sind von Kotor, Mentenegro, das im Gegensatz zu Kroatien nicht in der EU ist, aber den Euro als Zahlungsmittel hat, wieder nach Kroatien zurück und daß es dort in den Neunzigerjahren einen Krieg gegeben hat, der die jugoslawische Föderation auseinanderbrach, war vielleicht auch daran zu merken, daß überall gebaut wurde, aber vielleicht betraf das auch nur die Appartmanis für die Touristen, die ja in Scharen nach Kroatien kommen.

In Dubrovnik steht an der Stadtmauer aber genau geschrieben, was der Krieg alles zerstörte und in der Geschichte, die man in den Reisehandbüchern nachlesen kann, ist auch sehr viel von Kriegen, Zerstörungen und Grenzversciebungen zu erfahren.

Über die Grenze ging es aber von Montenegro wieder ein Stück durch Bosnien und dann fuhren wir auch von Dalmatien nach Istrien, das aber zum selben Land gehört, während die Städte Opatija, Rieka, Rovinji, Dubrovnic früher anders geheißen haben, weil sie offenbar zu Italien gehörten und die Spuren der K und K Monarchie soll zumindest laut Führer auch überall zu merken sein, der Wiener Einfluß auf den Hotelterrasse  von Opatija, wohin sich früher die Wiener Künstlerschickeria in den Urlaub verzog, aber auch heute urlauben  sehr viele Österreicher in Kroatien, offenbar weil es billiger, als Italien ist und die Kellner sprechen meistens, vielleicht weil sie ehemalige Gastarbeiter waren, auch sehr gut Deutsch und ob sie jetzt Bosnier, Serben, Kroatier, etcetera sind, ist vielleicht nicht so leicht auszunehmen, wie auch dieSprache, die einmal serbokroatisch hieß und wahrscheinlich immer noch in beiden Ländern mit Ausnahme der verschiednen Dialektausdrücke, die ja auch das österreichische vom Deutschen unterscheidet, wie ich merken kann, wenn ich in Leipzig auf der Messe nach einem Sackerl frage, obwohl die auch dort schon manchmal antworten, „Aha, Sie komme4n aus Österreich!“, zu verstehen ist.

Das Sprachproblem fiel aber weg, da ich weder kroatisch noch serbisch spreche und auch nicht tschechisch, obwohl meine Gropßmutter, glaube ich, von dort genauso, wie die Tante Dora herkam, die sich ja  nach Serbien verheiratete, so daß mich der Grenze 1998 einige Male so ansprach, weil er mich dem Namen nach vielleicht für eine Slowenin hilt,

Jetzt wurden wir meistens  auf Englisch angesprochen, bevor die Kellner auf das Deutsche überwechselten und in Pula sind die Straßentafeln, wie in Kärtnen, wo es deswegen immer noch große Probleme gibt, zweisrachig. Deutsch und Italienisch, die Leute sprechen dort oft auch so und die Kellner versuchen es mit einem „Bon Giorno!“ und vor hundert Jahren hat die Stadt Wien in Rovinji oder Rovingo ein Erholungsheim oder ein Seespital mit einer Dr. Luegner Warte, der damals ja in Wien Bürermeister war, errichtet.

Interessant die Spuren der Geschichte, die man in Kroatien finden kann, die Türken sind auch einmal eingefallen und ganz vorher waren die Römer da, so daß man immer noch durch Tempeln wandern und Mosaike bewundern kann. Die meisten Toruisten kommen aber zum Baden, was wir nicht so machten und die letzten Urlaubstage hat es auch sehr viel geregnet und das letzte Stück, als wir von Motovun abreisten, ging auch wieder durch Slowenien an Ljubiana und Maribor in Richtung Graz vorbei und im „Ex Libris“ wurde gerade, als wir in Harland in die Endergasse einbogen ein neuer Roman eines Slowenen, der über den Krieg geschrieben hat, vorgestellt und interessant dazu ist vielleicht auch, daß der Bosnier Sasa Stanisic im „Merian-Heft über Kroatien“ einen Artikel hat.

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