Literaturgefluester

2016-07-13

Podium-Sommerlesereihe

Die „Sommerlesereihe des Literaturkreises Podium“, Lesungen zu einem bestimmten Thema, die meistens im Cafe Prückl, aber auch in der „Alten Schmiede“ und an anderen Orten stattfinden, gibt es seit 1993.

Da hat sie Claudia Erdheim eingeführt, seit 2003 wird sie von Christa Nebenführ weiterorganisiert und da hatte ich, mit meinem  Wunsch auch mitzumachen, Schwierigkeiten, weil ihr meine Art zu schreiben, beziehungsweise meine Texte nicht gefallen und zu jammerig sind.

Ich bin auch kein Mitglied des „Literaturkreises Podium“, habe aber früher einige Texte in der Zeitschrift gehabt und war auch manchmal bei den Abschluß oder Eröffnungsveranstaltungen,  die in der „Alten Schmiede“ stattfanden.

Im Cafe Prückl war ich weniger, bin ich den Sommer  auch meistens in meiner Sommerfrische und nicht in Wien, aber heuer ist es anders, da ist es sich für die letzte Veranstaltung in der „Alten Schmiede“ ausgegangen und das heurige Podium Thema „Literatur und Arbeit“ ist  auch sehr interessant.

Eigentlich ist es meines, könnte man so sagen, habe ich dazu doch viel geschrieben,  bin  wahrscheinlich auch so gut, wie die die anderen Eingeladenen, schreibe ich ja realistisch und kenne mich bezüglich der Arbeitswelt auch ein bißchen aus.

Die Reihe hat auch auch schon am vorigen Mittwoch im „Vorwärtsgebäude“, der ehemaligen Arbeiterzeitung stattgefunden, da war ich in der „Alten Schmiede“ und am Montag, als die erste Prückl Lesung mit Armin Baumgartner, Elfriede Bruckmaier und Karin Ivancsics war, auch.

Und heute fand die Veranstaltung mit Malte Borsdorf, Konstantin Kaiser und Verena Mermer in der „Alten Schmiede“ statt. Christa Nebenführ moderierte und erzählte von einem Essay den Konstantin Kaiser 1987 für das „Wiener Tagebuch“ geschrieben hat.

„Hinter die Mauer gehen- Exkurs über Arbeitsweltliteratur“, hat er geheißen,  den hat er Christa Nebenführ geschickt, die ihn daraufhin eingeladen hat, Gedichte zur Arbeitswelt zu lesen und den Essay am Ende der Veranstaltung als Diskussionsgrundlage verlas und der war sehr interessant, beziehungsweise sehr polemisch, bezog sich Konstantin Kaiser doch auf den damals existierenden „Max von der Grün Preis“, auf die „Werkkreise der Literatur der Arbeitswelt“ und meinte, daß eine Literatur der Arbeitswelt auch eine „Befindlichkeitsliteratur“ wäre und daher in Frage gestellt werden sollte.

Das sehe ich ein bißchen anders, denn als ich 1973 literarisch zu schreiben angefangen habe, gab es gerade Michael Scharangs „Charly Traktor“ und die realistischen Romane von Wolfsgruber und Innterhofer, die heute vielleicht schon wieder vergessen sind. Sie waren ein realistisches Aufblitzen in einer ansonsten eher experimentellen Literaturszene, aber wahrscheinlich das, wie auch ich schreiben wollte und so habe ich im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ auch begonnen, beziehungsweise habe ich mit ihm, das war, glaube ich, 1982, beziehungsweise Bärbl Danneberg, Hilde Langthaler, Elfriede Haslehner, Sigrid Faber, Erika Danneberg, Brigitte Gutenbrunner, ein Wochenende in der Steiermark auf einer Alm mit dem „steirischen Werkkreis der Literatur der Arbeitswelt“ verbracht. Dann kam auch der „Max von der Grünpreis“, wo ich regelmäßig meine Texte, zum Beispiel, meine „Slavica“, mit der ich dann auch einmal nach Kärnten, als es dort kurzfristig einen „Preis der Arbeit“ gegeben hat, eingeladen wurde, schickte.

In Linz habe ich nie etwas gewonnen, mit der „Slavica“ nur fast, wie mir einer der Juroren sagte, wurde aber 1987 zu einer Schreibwerkstatt eingeladen, wo ich Traude Korosa und auch den lieben Rudi kennenlernte, der damals Linzer Stadtschreiber war. Ilse Kilic hat in diesem Jahr, glaube ich, einen der Preise gewonnen.

Der „Max von der Grünpreis“ wurde dann auch eingestellt, wie es auch die „Werkreihe zur Literatur der Arbeitswelt“, die in den siebziger Jahren bei „Fischer“, glaube ich, herausgegeben wurde, längst nicht mehr gibt.

Den „Luitpoldt-Sternpreis“, wo ich mich auch beteiligt habe und auch ein paarmal was gewonnen habe, gibt es ebenfalls nicht mehr und vielleicht auch keine Autoren mehr, die sich mit der Arbeitswelt befassen.

Das stimmt, glaube ich, nicht so ganz, denn es gibt ja noch einen Werkkreis um Gerald Grassl und Christian Schreibmüller„Volksstimmefest“ auftreten und es gibt das „Linke Wort“ beim „Volksstimmefest“ und da wird ja auch „Literatur zur Arbeitswelt“ gelesen, aber die Arbeitswelt hat sich seit den Siebzigerjahren sicherlich geändert,  ist glänzender, aber auch viel brutaler geworden.

Die  1984 geborene Verena Mermer, die  auch schon beim „Linken Wort“ gelesen hat und die ich im Rahmen, der von Semir Insaif geleiteten Schreibwerkstatt in der „Gesellschaft für Literatur“ kennenlernte, schreibt, glaube ich, in einer sehr modernen frischen Art von der Welt der Sekretärinnen und Kellner oder Köchinnen in Cateringsfirmen. Während der  1981 in Reutlingen geborene Malte Borsdorf, einen viel konventionelleren Textauszug brachte, schreibt er doch an einem Roman über die Hamburg er Sturmflut von 1962, „Die Arbeit der Scheuerleute“, wo es um Solidarität, Unterdrückung und Ausbeutung ging.

Dazwischen las Konstantin Kaiser seine Stadtgedichte, zitierte Theodor Kramer und Siglinde Bolbecher und in der Diskussion über die Begehrlichkeit und die Befindlichkeit der Arbeiterliteratur ging es auch weit in die Geschichte zurück.

Christa Nebenführ zitierte einen Roman von Alexander Chronin, man könnte aber auch B. Traven oder Hans Fallada anführen oder überhaupt die „Büchergilde Gutenberg Bücher“, die sich in der Bibliothek meiner Eltern in der Wattgasse befanden.

Christa Nebenfür stellte auch die Frage, ob die Arbeiterliteratur nicht auch von bürgerlichen Schriftstellern geschrieben wurde?

Zum Teil sicherlich, zum anderen Teil wurden durch den „Max von der Grün“ und den „Luitpold Sternpreis“ und die „Werkkreise zur Arbeitswelt“, glaube ich, auch Arbeiter zum Schreiben animiert, die aber inzwischen wieder damit aufgehört haben dürften und die „Werkreihe“ hat vielleicht auch nicht so viele Leser gehabt, weil realistische Literatur ja auch nicht für so vollwertig gilt.

So gesehen ist die „Podium-Sommerlesereihe“ sicherlich sehr interessant und wichtig. Montag bin ich ja diesen Sommer nicht so oft in Wien, aber vielleicht geht es sich an den Mittwochen noch aus hinzugehen und das „Linke Wort“ beim „Volksstimmefest“ hat heuer auch ein ähnliches Thema, das allerdings genaugenommen „In Arbeit“ heißt, so daß man hier auch seine „Work in Progress“ vorstellen kann, was zu Christa Nebenführs Eingangsfrage, ob „Literatur nicht vielleicht auch Arbeit“ ist, zurückführt und die Antwort lautet ganz eindeutig ja, in meinen Schreibberichten, kann man die meine ein bißchen nachvollziehen.

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