Literaturgefluester

2016-07-14

Beginn der O-Töne

Die „O-Töne“, das „Literaturfest im Museumsquartier“, das es, glaube ich, seit 2004 gibt, wo im Sommer jeden Donnerstag ungefähr, die österreichische Gegenwartsliteratur vorgestellt wird, die man dann auch auf den Buchpreislisten findet, habe ich bisher bedingt durch meine „Sommerfrische“ eher versäumt.

Das heißt, 2010 war der Alfred, glaube ich, mit dem Karli in den Masuren und da  bin ich an zwei Wochen hingegangen, einmal, glaube ich, zum Wolfsgruber und dann hat Clemens Berger sein „Streichelinstitut“ vorgestellt und bei der Eröffnung war ich auch.

Aber heuer ist ja alles anders, da gibt es ja keine wirkliche „Sommerfrische“ sondern nur ein verlängertes Wochenende und wenn wir schon am Donnerstag fahren, dann höre ich mir zuerst die O-Töne an, habe ich mit dem Alfred ausgemacht, die heuer offenbar auch ein bißchen anders sind, denn es gibt vor der Hauptschiene mit Autoren, wie Friederike Mayröcker, Thomas Glavinic oder Michael Köhlmeier immer eine Debutantenlesung, um wie die Veranstalterin bzw. Daniela Strigl, die Moderatorin sagte, auf die junge Gegenwartsliteratur hinzuweisen, vielleicht auch, weil es ja heuer außer dem österreichischen Buchpreis  einen für Debutanten gibt.

Ich habe heute sehr intensiv an meinen „Berührungen“ korrigiert und bin cirka um halb sieben mit dem ersten Durchgang fertig geworden, so daß ich mich etwas früher in Richtung „Museumsquartier“ aufmachte, weil ich auch nicht wußte, wie das mit dem Platzandrang ist.

Katharina Winkler mit ihrem derzeit auf jeden Blog erscheinenden Roman „Blauschmuck, von der ich gar nicht wußte, daß sie Wienerin ist, sie lebt in Berlin, war die Debutantin, Thomas Glavinic mit seinem „Jonas-Komplex“, den ich schon ein bißchen auf dem blauen Sofa in Leipzig hörte, das Hauptprogramm, so daß eigentlich ein großer Andrang zu erwarten war.

Das Wetter war aber nicht sehr gut, die Veranstaltung fand trotzdem ich Haupthof statt und ich habe einen ziemlich guten Platz in der zweiten Reihe bekommen.  Petra Eckert, die ich vom „Residenz-Verlag“ kenne, gehört auch zum  Organisatorenteam und kümmerte sich um die Platzreservierungen. Der Lehrer aus Retz war da, die Autogrammsammlerin und eine „Alte Schmiede Stammbesucherin“, junge Männer verteilten Sackerln mit den Goodies, denn das Festival wird vom „Falter“, vom „Standard“, von der „Bawag-PSK“, sowie vom Bund und der Stadt Wien gesponsert.

Und noch etwas war neu für mich, so gab es vor den angekündigten Lesungen ein Konzert, das heißt ein junger Mann, namens Markus Klein spielte ein paar Lieder und erwähnte mehrmals, daß er sich freue, das in Wien tun zu dürfen.

Das Wetter hielt an und Daniela Strigl erzählte ein bißchen etwas zu Katharina Winklers Roman, der auf sehr subtile Art und Weise von Gewalt erzählt.

Eine junge Frau, eine Kurdin tut das und erzählt von dem Blauschmuck, das heißt die Gewaltverziehrungen, die die Männer ihren Frauen antun, die dann noch stolz darauf sind, erzählt von der arrangierten Hochzeiten, der Entjungferung und von der Reise zu dem Land, wo es die Jeans gibt, die ja ebenfalls eine blaue Farbe haben.

Wirklich ein ungewöhnlicher Ton und ein offenbar interessantes Buch, das ich vielleicht einmal finde und dann kam der 1972 in Graz geborene Thomas Glavinic, beziehungsweise wurde er von Daniela Strigl zu seinem „Jonas Komplex“ interviewt, der mir ja kein unbekannter ist und es ist wahrscheinlich auch ein Buch mit einem siebenhundert Seiten Umfang, das dann im Herbst auf mindestens einer der Buchlisten stehen wird. So ist es gut, sich damit zu beschäftigen und ich hatte mich schon am Vormittag mit dem steirischen Erfolgsautor beschäftigt, hat sich der doch irgendwie mit Stefanie Sarnagel angelegt und liefert sich mit ihr per Facebook einen Kampf, wo sie sich gegenseitig beschimpfen.

Nun gut, daß ich Thomas Glavnic manchmal ein wenig zu aggressvi empfinde, habe ich, glaube ich, schon geschrieben. Jetzt denke ich aber, das ist irgenwie sein Vermarktungsstil und er war am heutigen Abend auch sehr freundlich, bedankte sich beim Publkum, daß es trotz der Kälte ausharrte, um ihm zuzuhören und erzählte auch etwas von seinem Jonas, der ja inzwischen in drei seiner Romane, „Der Arbeit der Nacht“ und noch „Dem größeren Wunder vorkommt“.

Interessant, daß Thomas Glavinic seine früheren Romane ja alle in verschiednen Stilen geschrieben hat, jetzt scheint er den seinen gefunden zu haben. Und der „Jonas Komplex“ hat, wie Daniela Strigl einleitete, auch drei Erzählstränge, es gibt dem Jonas, den Millionär, der sich irgendwie in Richtung Südpol aufmacht oder sich von seinen Anwalt auf einsame Inseln verschicken läßt, wo er dann nackt herumliegt. Es gibt auch einen dreizehnjährigen Jungen und einen Ich-Erzähler, der Drogen konsumiert, mit einer Tierärztin einen Sexvertrag hat, während der junge seine Lehrerin verblüfft, in dem er der Klasse ein Referat über die verschiednen Selbstmordarten hält.

Thomas Glavinic hat  einen sehr klaren und deutlichen Stil zu lesen, so führte er sein Publkum trotz Kälte durch das Buch, das wahrscheinlich interessant und spannend ist, aber ich bin ja abgesehen vom „Das bin doch Ich“ kein wirklicher Glavinic-Fan, habe noch den „Kameramörder“ auf meinen Lesestapel und bin gespannt, ob mir der „Jonas Komplex“ beim Buchpreisbloggen begegnen wird.

Nächste Woche geht es  weiter mit dem Open Air Programm, wo die Veranstalterin schon ein schöneres Wetter angekündigt hat und ich bin auch nicht ganz sicher, ob ich hingehen soll, weil ich Eva Schmidt ja schon einmal in der „Alten Schmiede“ hörte und den Debutband der Irmi Fuchs auch schon gelesen habe.

Dann würden wir nicht so spät nach Harland kommen, was ja von Vorteil wäre.

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