Literaturgefluester

2016-07-15

Die Abenteuer des braven Sodaten Schwejk

Jetzt kommt etwas ganz Altes, ein Klassiker und eine „Aufbau-Ausgabe“ von 1982, die offenbar vom Alfred stammt, was  auch sehr interessant, daß das Buch, das so offen zur Rebellion und Wiederstand aufruft, in der DDR verlegt wurde. Ich nehme an, der Alfred hat es dort in einer Buchhandlung gekauft oder von seinen Verwandten geschenkt bekommen.

Ein Buch vor dem ich mich wahrscheinlich  lang gedrückt habe, weil ich in den Sechziger- oder Siebzigerjahre, den Film oder die Fernsehserie mit Fritz Muliar gesehen habe und da ist bei mir offenbar nur die Blödelei hängen geblieben, die ich ja nicht so mag, dabei ist es ein Buch, das über den ersten Weltkrieg handelt   und der hat mich  vor zwei Jahren sehr beschäftigt und eines der erste Bücher, wie ich bei „You Tube“ fand, das zum Widerstand aufrief.

Jetzt wurde es neu übersetzt, diese Übersetzung liegt oder lag bei Anna Jeller, die angeblich viel besser sein soll, weil das „Bömakeln“ fehlt, ich habe noch die alte, bin aber bei Neuübersetzungen ohnehin immer skeptisch, denn die Originalausgabe kann man ja auch nicht verändern und den Zeiten anpassen.

„Der brave Soldat Schwejk“ entnehme ich also „Wikipedia“ ist ein unvollendeter antimilitaristischer und satirischer Schelmenroman des, 1883 geborenen und 1923 verstorbenen, tschechischen Schriftstellers Jaroslav Hasek, der damit berühmt wurde. Er ist ursprünglich, 1921, in Zeitschriften erschienen und besteht aus vier Teilen.

Im ersten Teil „Im Hinterland“ wird gerade Franz Ferdinand in Sarajewo erschoßen und der Prager Hundefänger,  der wegen Blödheit aus dem Militärdienst entlassen wurde, geht wie jeden Abend in sein Stammwirtshaus, wo auch ein Spitzel sitzt, was dazu führt, das sowohl Wirt, als Gast wegen Hochverrats oder sonst noch einiges verhaftet werden. Der Wirt deshalb, weil er das Kaiserbild heruntergenommen hat, weil dort immer, die Fliegen darauf schissen. Der Wirt wird deshalb zu einigen Jahren verurteilt, Schwejk, der immer treuherzig schaut und „Melde gehorsam, Herr Oberlajtnant!“, sagt, kommt frei, beziehungsweise wird er bei der Musterung, als Simulant verhaftet, weil  er Rheuma hat.

Köstlich könnte man sagen, die Stelle, wo der Militärarzt, den Tauben, Lahmen, etcetera, Klistiere und Magenauspülungen verordnet, damit sie gesund werden und sich freiwillig melden.

Schwejk meldet sich auch und kommt zu einem besoffenen Feldkuraten, der eigentlich jüdischer Abstammung ist, aber irgendwie, den Katholizismus bevorzugte, der sauft sich arm, verliert beim Kartenspielen seinen Burschen, an den Oberleuntant Lukasch, der hat aber keine Freude an ihm, obwohl er ihm am Anfang beibringt, daß er alles machen, muß, was er ihm befiehlt.

„Wenn ich sage, spring ins Feuer, dann tue es!“

Schwejk denkt nicht daran oder doch, so einfach ist das bei einem, der immer treuherzig schaut und wegen Blödheit aus dem Militärdienst entlassen wurde, nicht festzustellen.

Der Oberleutnant hat ständig Frauengeschichten, bei denen Schwejk vermitteln muß. Dann soll er ihm einen Hund verschaffen, er tut es, in dem er einen von einem Oberst klaut, was den Oberleutnant in arge Schwierigkeiten bringt. Er wird an die Front versetzt und fährt mit Schwejk im Zug dorthin, der redet ihm wieder in seiner Treuherzigkeit, um Kopf und Kragen, zieht dann die Notbremse, wird verhaftet und muß  zu Fuß nach Budweis gehen, weil er das Geld für die Fahrkarte wieder treuherzig vertrinkt.

Und so weiter und so fort und irgendwie merkt man die Fortsetzungsgeschichten, weil jedes Kapitel eine eigene Handlung mit ähnlichen Wiederholungen hat.

Schwejk kommt  wieder zu Lukasch, der ihn zu einer Ungarin schickt, dort kommt es zu einer Schlägerei und der Oberleutnannt, der auch als Trottel geschildert wird, hat, wegen seinem Burschen wieder  Schwierigkeiten, will ihn eigentlich loswerden, die Vorgesetzten lassen es aber nicht zu, so bekommt er zwar einen anderen Burschen, mit dem er aber auch nicht viel Freude hat, denn der frißt ihm alles weg und Schwejk kommt mit ihm als seine Ordonnanz ins Feld.

Das passierte dann schon im zweiten Teil „An der Front“, im dritten Teil „Der glorreiche Zusammenbruch“ muß die Ordonnanz das Telefon bewachen und es kommt zu einem Durcheinander, weil man nicht mehr weiß, wann man ausrücken soll und, wie es mit der Marschverpflegung ist.

Dann geht es los  „Quer durch Ungarn“, die gemeinen Soldaten unterhalten sich übers Essen, während sich die Offiziere mit einem Ganghofer-Buch beschäftigen müssen um das Cheffrieren zu lernen. Nur leider hat der brave Soldat Schwejk, die zwei Teile verwechselt, beziehungsweise gedacht, daß man das Lesen mit dem ersten beginnt, eine heillose Verwechslung entsteht, die den  Kadetten Biegler, der schon von Offizierswürden träumt, als „Träger von Cholerabazillen“ in die Lazarettbaracke bringt, indessen bleibt der Zug in Budapest die ganze Nacht lang stehen, die Soldaten sollten, wie zuerst Salami, jetzt Emmentaler bekommen, allein sie bekommen wieder nur gute Sprüche und Ansichtskarten.

Italien erklärt den Krieg an Österreich-Ungarn, die Abfahrt wird alle drei Stunden verschoben, mildtätige Damen erscheinen und verteilen Pastillen und wollen den Soldaten dafür eine Ansprache halten, Oberleutnant Lukasch hat wieder Schwierigkeiten von seinem hungrigen Burschen, die nötige Verpflegung zu erhalten, bis der Abfahrtbefehl endlich kommt.

Dann gehts an die galizische Grenze mit Hauptmann Sagner, Oberleutnant Lakasch, dem esoterischen Koch Jurajda,  Rechnungsfeldwebel Wanek, Telefonist Chocounsky und dem eifrigen Leutnant Dub, vom Zivilberuf Lehrer, den Schwejk nur „Halbfurzer“ nennt und der diesen am liebsten wegen Hochverrats vor Gericht stellen will.

Es gibt zu wenig Essen und als Lukasch Schwejk befiehlt für ihn Kognac zu fassen, was streng verboten ist, schleicht Dub Schwejk nach und befiehlt ihm den Kongnac auszutrinken, weil Schwejk treuherzig behauptet, das das nur eisenhältiges Wasser ist.

Einen Einjährigenfreiwilligien, der schon die Bataillonsgeschichte im Vorraus schreibt und allen einen mehr oder weniger ruhmreichen Tod zukommen läßt, gibt es auch und noch verschiedene andere Verwirrungen und Verrenkungen, beispielsweise die, daß der hungrige Baloun in den leeren Gulschkessen fällt und ihn so schön, wie nie zuvor ausleckt.

Es gibt  ein Zwischenspiel in einem Bordell, in dem sich Leutnant Dub betrinkt, Schwejk muß die Kompanie im Dorf Liskowiec einquartieren, findet eine russische Uniform, zieht sie an und gerät in Kriegsgefangenschaft. Er soll gehängt werden, kommt dann aber doch wieder in seine Kompanie zurück.

Dann endet das Buch, mitten im Satz, steht bei „Wikipedia“, weil sein Verfasser, der offenbar ebenfalls sehr trinkfreudig war und seinen Schwej im Wirtshaus schrieb und dort auch den Gästen vorlas, „am 3. Jänner 1923 im Alter von vierzig Jahren gestorben ist.“

Es gibt Nachrufe von Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky und F. C. Weisskopf.

In der Tschechai kennt jeder den braven Soldaten Schwejk, hat ihn in der Schule gelesen, kann ihn als Souvenier von seinen Reisen mitbringen und in sein Auto oder sonstwohin aufhängen und Denkmäler gibt es natürlich auch.

Es ist nicht so sehr ein Buch über den ersten Weltkrieg, sondern eines über die Dummheit der Menschen, habe ich einem der You-Tube Filme gesehen. Etwas, was ich eigentlich nicht so glaube, sondern das Buch eher für einedamalige Gegenwartsbewältigung eines vielleicht auch hoffnungslos Verzweifelten halte.

Für den zweiten Weltkrieg kann man den Bockerer von Ulrich Becher als Gegenbeispiel halten, wo einer auch durch seine vermeintliche oder wirkliche Dummheit, das Naziregime überlebt und Dummstellen ist wahrscheinlich genauso ein Abwehrmechanismus, wie der Humor einer ist und wenn Jarosav Hasek am dritten Jänner 1923 nicht gestorben wäre, hätte es vielleicht noch weitere Abenteuer des braven Hundefängers gegeben, der aber auch so, wie beispielsweise von Karel Vanek, weitergeschrieben worden ist.

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