Literaturgefluester

2016-07-24

Habseligkeiten

Filed under: Bücher — jancak @ 01:29
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Jetzt kommt wieder ein Buch, das vor zwei oder drei Jahren nach dem klinischen Mittag in der kleinen schäbigen Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße aus einer der Abverkaufskisten zog.

Richard Wagners „Habseligkeiten“2004 bei „Aufbau“ erschienen und von dem 1952 im Banat geborenen, der dort als Deutschlehrer und Journalist tätig war und 1987 nach Berlin übersiedelte, habe ich, glaube ich, schon „Ausreiseantrag“ gelesen.

Er hätte auch 2009 bei der „Literatur im Herbst“ lesen sollen, ist aber nicht gekommen und das Buch schildert etwas höchstwahrscheinlich Autobiografisches, obwohl der Ich-erzähler laut Klappentext Werner Zillich heißt.

Der ist nach dem Tod seines Vaters auf Besuch bei der Mutter im Dorf. Die trägt ihm die guten heimischen Tomaten auf, Kaffee und Tee und fragt ihn alle paar Minuten, ob er nicht noch bleiben will?

Denn lebend wird sie den inzwischen in Deutschland lebenden Sohn wohl nicht mehr sehen. Der muß aber zurück, mit dem Auto über Ungarn und Budapest und überdenkt auf der langen Fahrt, die Geschichte seiner Familie.

Die Großeltern Johann und Katharina sind zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert. Die Tochter Theresia haben sie dabei bei den Großeltern zurückgelassen. Weil John, wie er inzwischen heißt, angeblich einen Mann aus dem Fenster schmiß, kommen sie neun Jahre später wieder zurück und der erste Weltkrieg kommt auch.

Theresia redet nichts mehr mit der Mutter, verheiratet sich mit einem Bastian, bekommt drei Kinder, Lizzy, die Mutter des Erzählers, Paul und Franz, die im nächsten Krieg nach Deutschland gehen und mit Totenköpfen an der Uniform auf Heimaturaub kommen, beziehungsweise ihr weiteres Leben nach dem Krieg in Brasilien verbringen.

Im zweiten Kapitel macht der Erzähler dann in Budapest in einem Hotel Station, nimmt sich zwei Mädchen mit aufs Zimmer, betrinkt sich mit ihren und soll dann eine mit dem Auto nach Wien fahren, wo die Mutter während der Kriegszeit lebte, während er in Budapest einen Onkel hatte, einen Großvater in Wien und  die Mutter ist nach dem Krieg wieder zurück in den Banat gekommen.

Mit  Clara, fährt er nach Wien und steigt dort in einem Hotel in der Nähe des Westbahnhofs an, während sie sich  in einem „Table-Dance-Loka“ verdingt, liegt er im Bett und denkt über seinen Vater Karl nach. Der war Müller, wurde von den Kommunisten enteignet,  vorher war er im Krieg bei der rumänischen Volksarmee und wurde dann fünf Jahre von den Russen zur Zwangsarbeit deponiert, was sehr lang und genau beschrieben wird.

Dann kehrte er zurück und Werner wurde in den Fünfzigerjahren, als schon die Kommunisten herrschten geboren, die Mutter gab, weil ja alles verstaatlicht wurde, ihre Schneiderei auf und arbeitete fortan schwarz, hinter versclossenen Türen für die Frauen im Dorf gegen Liebesromane, die sie gerne las.

Werner Zillich ging als einziger aufs Gymnasium, wurde Bauingenieur in Temeswar und heiratete wegen der „Zuteilung“, das heißt verheiratete Studenten bekamen eine Stelle in der Nähe, während die anderen übers Land verschickt wurden, Monika, eine Germnistikstudentin, die er schon von der Schule kannte.

Ihre Eltern hatten schon einen Ausreiseantrag erstellt, so hat er diesen gleich „miterheiratete“ und wanderte dann mit ihr und der Tochter Melanie in den Achtzigerjahren nach Deutschland aus. Die Ehe scheiterte, wegen eines Seitensprungs, es kam zu einem Rosenkrieg und vielen Psychologen, die die Tochter untersuchten und dem Vater ein Besuchsverbot erteilten. Die Tochter verweigerte lang den Kontakt, jetzt ist sie aber schon erwachsen und studiert in Ulm, wofür der Vater bezahlen mu0ß.

So traut er sich einen Anruf und fährt von Wien über Ulm zurück, wo er die Tochter in einem Lokal trifft und es zu einer Aussprache zwischen den beiden kommt.

Im vierten Teil geht es dann nach Sandhofen anf die Baustelle, wo er Bauleiter ist und es Probleme gibt. Es ist nicht alles so in Ordnung und läuft ein bißchen korrupt. Dennoch muß er unterschreiben und den Architekten, seinen rivalen, den jetzigen Mann seiner Geliebten, mit der er Monika betrogen hat und die in der Firma Sekretärin ist, schmeißt er fast aus dem Fenster. Die Ungarn, die er in Budapest kennenlerne und die Clara zu ihm bringen, retten ihn, sie steigen auch in die Firma ein, machen ihm zum Aufseher. Er heiratet Clara, besucht mit ihr und Melanie die Mutter und am Schluß machen sie Urlaub auf den Seychellen und er liest ihnen einen Brief von seinem Vater, den in der Süterlinhandschrift vor.

Ein märchenhafter Schluß, habe ich irgendwo gelesen. Am Buchrücken steht „Dieser Roman steht in der Erzähltradition, die Christa Wolf, Johannes Bobrowski und Uwe Johnsen begründet haben.“

Richard Wagner, der inzwischen an Parkinson erkrankt ist, hat 20115 das Buch „Herr Parkinson“ herausgegeben, das wahrscheinlich von einer anderen Realität und Wirklichkeit des Autors handeln wird.

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1 Kommentar »

  1. Hat dies auf Textflash Autorenberatung rebloggt.

    Kommentar von Textflash — 2016-07-25 @ 12:32 | Antwort


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