Literaturgefluester

2016-09-08

Buchpreisbloggeflüster

Nun also sind die beiden Listen bekanntgegeben und ich lese, lese, beziehungsweise mache ich dem Postboten auf, um ein Buchpaket in Empfang zu nehmen, schreibe Mails an nette Verlagsdamen und gerate mal mehr und mal weniger in Stress und Panik, das alles vielleicht nicht zu schaffe.

Habe ich mir da nicht vielleicht zu viel aufgeladen? Beziehungsweise ist das die Schuld, des österreichischen Hauptverbandes, der den öst Bp einen Monat nach dem deutschen ansetzte und den Preisträger einen Monat nach der Frankfurter-Messe, die auch ein Monat vor der „Buch-Wien“ stattfindet, präsentieren will.

Um nicht mißverstanden zu werden, im Vorjahr habe ich auch alle Bücher gelesen und zwischendurch, während ich auf den Witzel wartete, den mir Trude K. zum Geburtstag brachte, noch einiges anderes und als die Frankfurter-Messe begann, hat mir „Buzaldrin“ ein Buchpaket mit neun Bücher geschickt, die ich bei einem ihrer Gewinnspiele gewonnen habe und bis Weihnachten habe ich sechs  davon gelesen.

Jetzt bin ich schon beim siebenten dBp-Buch, Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“, acht liegen noch im Badezimmer, beziehungsweise, die Lewitscharoff-Fahnen im Schlafzimmer auf dem Tischchen, mindestens eines soll noch kommen, dann folgen zwei  „Kremeier&Scheriau Debuts“, die heute auch in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt werden und Han Kangs „Vegetariereŕin“ und dann geht es schon, ganz langsam, an den östBP, da habe ich vier Zusagen und gestern den Reinhard Kaiser Mühlecker, das doppelte Buchpreisbuch bekommen und die Friederike Gösweiner, die ich als letztes lesen will, in Harland über den Bett liegen und wenn Katharina Winkler, was ich fast annehme, den „Alpha-Literaturpreis“ gewinnt, bekomme ich das Buch, ganz egal, ob „Suhrkamp“ es schickt oder nicht.

Ob ich bis zu den beiden Messen  fertig werde oder nicht, weiß ich noch nicht so genau, bis Ende  November werde ich es aber schaffen und ich kann nur sagen, trotz selbsterlegten Lesestreß, ein wunderbares Erlebnis, das ich sehr empfehlen kann, denn man lernt sehr viel dabei.

Und was waren nun meine bisherigen Erkenntisse über die ausgewählten Bücher, die angeblich die Besten sein und zu Weihnachten unter möglichst vielen Christbäumen liegen sollen?

Da habe ich ja schon öfter geschrieben, daß ich nicht daran glaube, daß das so sein kann und, daß es natürlich viel viel mehr interessante, spannende, gute oder auch was immer Bücher, als die ausgewählten dreiunddreißig gibt und die deutsche Liste war ja, das habe ich, gleich nach der Vergabe geschrieben, sehr sehr überraschend.

Ich war zuerst erstaunt und habe gedacht, ich bin im falschen Boot, dann habe ich mich aber sehr schnell angefreundet, lese mich durch die Bücher und durch die Besprechungen der offiziellen und auch inoffizellen Buchpreisblogger und kann bei der deutschen eigentlich noch nicht wirklich sagen, wer da am zwanzigsten September auf der Shortlist stehen wird?

Denn ich glaube fast, die sechs bisher gelesenen sind es eher nicht, kommen die ja eher von engagierten Kleinverlagen und stammen zum Teil von sehr exeperimentellen Sprachkunstautoren.

Der Platzgumer erschien mir persönlich ja zu konstruiert und über die Metapher, wie man von seinen schlechten Büchern in die Schlinge springt, bin ich noch immer nicht hinweggekommen und Bodo Kirchhoff, der den Bloggern sehr gefällt, hat, soweit ich es bis jetzt beurteilen kann, auch einen eher kitschig wirkenden konstruierten Stil, der ist aber sehr Publikum wirksam, glaube ich  und gefällt wahrscheinlich auch den hier oft zitierten Schwiegermüttern.

Das macht Joachim Meyerhof, der auf meiner Liste steht, wahrscheinlich auch, Peter Stamm wäre ein Kanditat, den habe ich aber noch nicht, Katja Lange-Müllers „Drehtür“, das noch kommen soll, vielleicht auch, aber das gefällt den Bloggern eher nicht, Thomas Melles Memoir über seine manisch depressive Krankheit, mein nächsten LL hat wahrscheinlich auch Chancen und dann das dicke „Apollokallypse“ des mir noch immer unbekannten Gerarld Falkner, das möglicherweise schwer zu lesen ist und  Phillipp Winklers „Hool“, das mir „Aufbau“ hoffentlich noch schickt, vielleicht ebenfalls.

Eine ausgewogene Bandbreite zwischen bekannten und unbekannten, experimentellen und Mainstreamgeschmack denke ich und ich habe viel gelernt, während ich, vielleicht durch meine „Alte Schmiede-Besuche“ und das O-Tönfestival, das ich diesen Sommer ja sehr eifrig besuchte, bezüglich der öst-LL ziemlich sicher war und da auch nur relativ weniges Unbekanntes gefunden habe.

Gstrein und Glavinic haben zwar darauf gefehlt und sonst wäre ich sehr überrascht, wenn Friederike Mayröcker, den Preis nicht gewinnen würde, ich denke das gehört sich so, ein paar experimentelle, wie Kathrin Röggla und Peter Waterhouse, auf die ich vergessen habe, sind darauf,  und an Daniela Emminger, ein Buch, das ich bekommen soll, wie das von Peter Waterhouse, habe ich auch nicht gedacht, obwohl ich einmal eines ihrer früheren Bücher gefunden und in meinen Regalen stehen habe.

Für die Shortlist könnte ich mir also, obwohl ich da noch nichts gelesen habe, außer  der FM, Peter Henisch, Anna Mitgutsch, Rainer Kaiser Mühlecker,  Sabine Gruber und Michael Köhlmeier vorstellen, aber vielleicht hat die Jury einen experimentellen Geschmack und traut sich was, so daß vielleicht Ann Cottens Versepos, das, glaube ich, sehr witzig sein soll, darauf kommt, oder Kathrin Röggler, Peter Waterhouse und und.

Mal sehen, ich bin gespannt und lese fleißig weiter, dazwischen mache ich meine Praxis, Diagnostik, Therapien und ein bißchen Supervision, fange an zu Veranstaltungen zu gehen, heute abend, wie schon erwähnt von den „Kremeier&Scheriau-Debuts“, am Samstag habe ich mich für den Bus nach Niederhollabrunn zur „Theodor Kramer Preisverleihung“ angemeldet, der Alfred reist ja, glaube ich, gerade in Japan ein und am Sonntag werde ich, wenn ich hinfinde, mit der „Gesellschaft für Literatur“ auf den Spuren Kafkas in Klosterneuburg herumwandern, der dort ja in einem Sanatorium seine Schwindsucht behandeln ließ.

In den letzten Tagen habe ich selber Jury „gespielt“, wie meine Kritiker, die mich ja für eine literarische Diletantin halten, es nennen werden und drei Vorschläge für den „Ohrenschmaus“ herausgesucht, der heuer schon im November im Rahmen der „Buch-Wien“ vergeben wird.

Alles bestens also und noch etwas habe ich am Samstag in einer schlaflosen Nacht gemacht, ich habe nämlich, da auf der 2016 Leseliste, die wahrscheinlich ungelesen bleibenden Bücher immer länger wurden, herausgesucht, zuerst versucht, sie auf meiner langen Liste hinten dranzuhängen, dann habe ich gedacht, daß ich sie erstens vielleicht dann nicht mehr finde, zweitens gar nicht weiß, ob ich dann noch lebe und sie drittens gegebenfalls vielleicht wieder zurücktrage und sie dann für 2050 eintragen werde, wo ich höchstwahrscheinlich schon gestorben bin und, die Vorauseintragungen dann gelöscht.

So brauchen sich die Presedamen nicht mehr über sie zu wundern und ich bin auch freier, bisher Aufgeschobenes, wie das Buch der neuen Priessnitz-Preisträgerin Sanda Gugic, das der Hilde Schmölzer und die anderen Geburtstagsbücher und die Schmankerl von den Bücherschränken und das, was ich mir aus den Abverkaufslisten ziehe, zeitgerechter zu lesen, da wird dann vielleicht manchea Alte, was ich eigentlich auch noch lesen wollte, wie Vicki Baum, Pearl S. Buck, Francoise Sagan, etcetea überbleiben, aber wenn ich, was ich mir jetzt wieder vorgenommen habe, mir wirklich nur mehr das, was ich irgendwann lesen kann, aus den Schränken nehme und mit den Frühjahrsbestellungen vorsichtiger bin, kann ich vielleicht meine neue 2017 Liste bis zum doppelten 2017 Buchpreisbloggen, das ich  wieder machen will, mehr oder weniger durchgelesen haben und ich kenne mich ein bißchen aus im österreichischen oder deutschen Literaturbetrieb, ganz egal, ob meine Kritiker mir das jetzt glauben oder nicht.

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