Literaturgefluester

2016-09-11

Kafka.Wege um das Sanatorium Hoffmann

Bei der „Gesellschaft für Literatur“ finden immer wieder Kafka-Veranstaltungen statt und Manfred Müller ist, glaube ich auch, in der „Österreichischen Kafka Gesellschaft“ aktiv, die ihren Sitz in Klosterneuburg hat, so gibt es auch dort regelmäßige Veranstaltungen, bei denen ich noch nicht war und vor einigen Monaten hat es auch eine „Kafka-Wanderung“ von Neuwaldegg übers Hameau bis zum Dreimarkstein gegeben.

Das war an einem Sonntag und an einem Sonntag verlasse ich ja nicht so gern meine Familie und außerdem waren wir da, glaube ich, auch in Harland.

Bin also nicht mitgegangen, obwohl ich mich zu erinnern glaube, daß, als das Buch „Kafka in Wien“ in der Gesellschaft vorgestellt wurde, erwähnt wurde, daß Franz Kafka diesen Spaziergan einmal, ich glaube, mit Dora Diamant, unternommen hat. Eine Gegend, die mir sehr vertraut ist, weil auf der Höhnenstraüe ja das Gartenhäuschen meiner Eltern stand und ich solche Spaziergänge früher öfter machte.

Und jetzt ist der Alfred in Harland und es war ein zweiter Spaziergang „Rund um das Sanatorium hoffmann“, Sonntag ab elf, angekündigt, zu dem ich mich angemeldet habe und dann auch mit der U4 nach Heiligenstadt und  mit dem Bus nach Kierling gefahren bin, denn Franz Kafka hat sich 1924 zuerst wegen seiner Lungenkrankheit in ein Sanatorium im Wienerwald, dann ins Allgemeine Krankenhaus und schließlich in das Sanatorium Hoffmann nach Klosterneuburg begeben, weil ihn da Dora Diamant begleiten und für ihn kochen konnte und ist dort auch im Juni 1924 gestorben.

Dreißig Leute haben sich, glaube ich, für die Wanderung angemeldet, die von Manfred Müller, Veronika  Seyr, von der ich vor zwei Jahren ein Buch gelesen habe und Charlotte Spitzer begleitet wurde und der Treffpunkt war beim Kafka-Denkmal in Klosterneuburg Kierling.

Ja, das gibt es, 1963, glaube ich, aufgestellt, eine kleine Büste und neben den Mistkübeln und den Halteverbotsschild fast gar nicht zusehen, daneben stand auch ein Ringelspiel, denn in Klosterneuburg Kierling fand am heutigen Sonntag auch ein Straßenfest statt.

Manfred Müller begrüßte und zeigte auf die Stelle, wo früher ein Gasthaus gegstanden ist, in dem die Kafka Besucher logierten und eine Post hat es auf dem Platz auch gegeben, wo Dora Diamant mehrmals täglich Kafkas Briefe aufgab oder abholte.

Auf einem Spazierweg sind wir dann zu dem Sanatorium gegangen, ein kleines Haus, ich glaube für acht Patienten, das von einem Dr. Hoffmann geleitet wurde und von dem Spazierweg konnte man den Balkon sehen, wo Kafka sein  Zimmer hatte.

Der damals nicht mehr soviel spazierengegangen ist, sondern am Balkon lag und seine Briefe schrieb, beziehungsweise seine Gesprächszettel schrieb, denn sein Kehlkopf war so angegriffen, daß ihm die Ärzte eine „Schweigekur“ verordneten.

Heute ist das Sanatorium, ein eher kleines Haus, wieder ein Wohnhaus, zwei Räume sind aber Kafka Gedenkräume und gehören, glaube ich, der „Kafka-Gesellschaft“ und dort sind wir hingegangen und dort fand auch eine sehr intensive Performance statt. Texte wurden aber auch schon vorher gelesen.

Kafka hatte vorher, glaube ich, eine Geschichte „Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse“ geschrieben, die er in dem Sanatorium korrigierte.

Charlotte Spitzer las daraus einen Stück vor und in den Schauräumen gab eine Performance, wo sie zu zwei Texten tanzte und dann wurden auch die Gesprächszettel verlesen, die auch auf dem Luster angebracht sind.

In den Schauräumen gibt es ein Krankenbett, das offenbar aus dem Sanatorium oder auch aus der Larynologischen Abteilung im allgmeinen Krankenhaus stammte und dann gibt es auch sehr viele Bücher, um und über Kafka, darunter auch eine Anthologie von vierzehn Gegenwartsautoren, herausgegeben von Manfred Müller und Nadine Kegele, die sich mit einem Zitat aus einem der Werke von Kafka, mit der Flüchtlingssituation auseinandersetzen und das bei „Luftschacht“ erschienen ist.

Auf den Balkon konnte man auch hinausgehen und sich in das Gästebuch eintragen und dann wurde spazierengegangen, nämlich über das Gugginger „Haus der Künstler“ zur „Redlinger-Hütte“, wo Kafka warhscheinlich nicht war, zum Mittagessen, wo es auch eine Linzer Torte gab, die Kafka angeblich gern gegessen hatte oder noch essen konnte und eine weitere Performance und Lesung gab es auf einer Wiese dann auch.

Die Nachrufe wurden verlesen, die in verschiedenen Zeitungen erschienen sind und die schon auf die große literarische Stimme Kafkas, der „Hungerkünstler“ war, glaube ich schon geschrieben und vielleicht auch erschienen, hinwiesen, die großen Romane noch nicht, die hätte Max Brod auf Wunsch Kafkas ja verbrennen sollen, was er aber nicht tat.

Charlotte Spitzer las  noch zwei Texte, eine davon im Liegen und dann ging es übers Grüntal zurück zum Bus und wieder nach Wien.

Die Kafka-Wege soll es, wie Manfred Müller erwähnte, weitergeben und Veronika Seyr verriet mir, daß der nächste nach Prag gegen soll, also eine Kafka Fahrt oder Reise auf seinen Spuren, das ist mir wohl zu weit und ich bin ja auch keine unbedingte Kafka-Kennerin.

„Amerika“ habe ich mir kurz nach meiner Matura gekauft, die „Tagebücher“ vor einigen Jahren gelesen und seine großen Romane, sowie, die „Verwandlung“ hatte ich zwar auf meiner Leseliste, aber jetzt habe ich die ja wieder gelöscht, mal sehen also, wie meine Kafka Lektüre weitergeht. Zur „Gesellschaft für Literatur“ werde ich aber sicher wieder kommen und vielleicht komme ich auch wiedermal nach  Klosterneuburg hinaus.

Es war jedenfalls bei wunderschönen Spätsommerwetter ein interessantes Wochenende mit zwei literarischen Ausflügen ins schöne Niederösterreich und jetzt werde ich wahrscheinlich weiterlesen, um mein selbsterlegtes LL-Pensum zu erfüllen.

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