Literaturgefluester

2016-09-20

Zwei Erzählbände

In der „Alten Schmiede“ geht es weiter mit den Präsentationen der Herbstneuerscheinungen.

„Lesart“ nennt sich die Reihe, die Angelika Reitzer inzwischen präsentiert und Lydia Mischkulnig und Leopold Federmayr haben zwei solcher Bände.

Die „Alte Schmiede“ hat ja auch zwei Räume, den „Schmiedenraum“, ein Museum ist das ja glaube ich nicht und das „Literatrische „Quartier“ im Keller und da wechseln sich die Veranstaltungen ab, nicht nur bei den Symposien, wo die Diskutanten oben und die Zuhörer unten sitzen.

Buch eins, Lydia Mischkulnigs „Paradiesmaschine“ wurde im Kellner vorgestellt, wo mich zuerst einmal Lidio Mosca Bustamante freundlich grüßte, ja es gibt sogar Leute, die auf mich  zukommen, statt mich zu ignorieren und zu meinen Geburtstagslesungen eingeladen werden wollen und die 1963 in Klagenfurt geborene Lydia Mischkulnig ist eine literarisch alte Bekannte „Halbes Leben“ hat ihr Debutband geheißen, bei „Droschl“ erschienen und noch sehr experimentell, ich habe ihn einmal bei „Rund um die Burg“ gewonnen, dann kam das Lesen beim „Bachmannpreis“ 1996, das Jahr, wo ich dort war und zuhörte.

Da las sie schon sehr schnell und hektisch, hat, glaube ich, was gewonnen und die Jury disktuierte, ob das jetzt Literatur oder Brigitte-Niveau sei?

Darauf erschien „Hollywood im Winter“ das habe ich gelesen und es hat mir nicht gefallen,  „Schwestern der Angst“ erschien mir sehr übertrieben, gehetzt und abgehoben, so habe ich sie, glaube ich, auch einmal im MUSA und auch bei Lesungen gehört.

Jetzt ein Erzählband und Lydia Mischkulnig begann mit der ersten Geschichte, die „Kloster neu Burg“, vielleicht so oder auch anders geschrieben, heißt. Lydia Mischkulnig las sehr deutlich und sehr akzentuiert. Es ging um einen Erzähler, ich glaube, ein Mann, der mit dem Fahrrad Benzin für den Rasenmäher holen fährt, da trifft er ein Paar mit Rucksäcken, das nach einem Wanderweg fährt, die Frau trägt zuerst Kopftuch, dann Schleier, Vergleiche mit den Nonnen tauchen auf, sehr schöne beinharte Beschreibungen, die ich mir leider nicht so lang gemerkt habe, daß ich sie mir aufschreiben konnte. Es geht dann auch, um Kinder und um eine Schatztruhe und Angelika Reitzer hat Lydia Mischkulnig sehr viel dazu gefragt.

Sehr abgehoben würde ich wieder denken, denn eine Frau mit Kopftuch oder Schleier geht wahrscheinlich nicht mit Rucksack in Klosterneuburg wandern, die zweite Geschichte kann man dagegen nacherzählen, da trifft sich ein Paar in einem Hotel, wo auch ein berühmter Fotograf logiert, der fotografiert die beiden und als die sich trennen, zerreißen sie das Foto, weil sie sich nicht einigen können, wer es bekommt, so bekommt jeder die Hälfte und erst nach dem Tod des Fotgrafen bekommen sie heraus, daß es als Ganzes einen riesigen Wert hat, so sind sie gezungen sich wieder zu vereinen. Das fand ich originell, während ich bei der dritten Geschiche, die von einem Heuschreck handelt, aussetzte.

Angelika Reitzer diskutierte zwar vorher das Prekatiat, da habe ja jetzt einige junge Autoren, wie beispielsweise Friederike Gösweiner, merke ich an, davon geschrieben, wie schwer es ist, in diesem Leben Fuß zu fassen, Angelika Reitzer hat es mit „Unter uns“, glaube ich, auch ein bißchen getan. Aber, wie ist das bei den Älteren?, fragte Angelika Reitzer und meinte wohl, daß es das nicht gäbe.

Aber ich habe mich ja jetzt durch einige „Altherrenprosa“ gelesen, da geht es zwar nicht um Armut und um Mindespensionen, aber um das Sterben und die letzten Lieben, mit denen sie nach Sizilien aufbrechen oder die bei Kongreßen wieder treffen und berührende Bücher über Demenz gibt es auch.

Aber Angelika Reizter ist ja ein Siebzigerjahrgang, Lydia Mischkulnig ein bißchen älter und das Prekariat ist in der Geschichte „Tiere wie wir“ spürbar, da gibt es Stellenabbau,  Einsparungen und einen Heuschreck zwischen den Fensterscheiben, der nicht hinauskann, die Ich-Erzählerin läßt ihn sterben und verbindet das mit ihrer persönlichen Geschichte.

Nein, das gefällt mir nicht.

„In der Literatur ist das erlaubt!“, sagte mir in der Pause Erika Parovsky, ja ich weiß, da muß ja alles fürchterlich und übertrieben sein, um interessant zu wirken, aber wenn ich zwar schreiben kann, daß Retortenkinder Halbwesen sind, aber bei einem Vortrag gepunsht werde, dann stimmt etwas nicht und wenn ich, die unverständlich Schreibende, die das angeblich nicht kann, die Geschichte geschrieben hätte, wäre eine Putzfrau aufgetreten und hätte den Heuschreck ins Freie gelassen, aber ich weiß, die Putzfrau wurde vielleicht auch schon eingespart und wir sind wieder bei den prekären Arbeitsverhältnissen.

Dann gings in die „Schmiede“ und zu Leopold Federmayr, den 1957 in Wels geboren, der schon länger in Japan lebt und dort, glaube ich, unterrichtet, in Mexiko war er, glaube ich, auch, dort erscheinen auch seine Bücher und bei „Otto Müller“ ist „rosen brechen“ erschienen, österreichische Erzählungen oder Erzählungen vom Land beziehungsweise aus der Kindheit und Leopold Federmayr meinte, daß er oder auch andere Autoren, daraus die Stoffe beziehen würden und Urfassungen zu den Texten wären schon in Achtziger oder Neunzigerjahren erschienen, die er  umgearbeitet hat.

Er las einen Teil einer längeren Erzählung „Das Feld“, darum geht er spazieren, es war einmal ein Fußballplatz, dann wurde wieder Kukurruz angeplantz, zum Friedhof geht er auch und als Kind ist er an der Hand der Großmutter gegangen, der Vater spielte Fußball und konnte es nicht gut und er hat im elterlichen Gasthaus Toast serbviert und dafür zehn Schilling Trinkgeld erhalten.

Es gibt noch eine andere Erzählung, mit Kurztexten, deren Titel er von Erwin Einzinger „gestohlen“ hat, der das gar nicht bemerkte, als er ihn einmal einleitete und Leopold Federmayr, den ich schon ein paar Mal lesen hörte, beim „Bachmannpreis“ hat er auch einmal gelesen, erzählte ein bißchen was aus seinem Nähkästchen des Schreibens und seinem japanischen Leben.

Zwei interessante Bücher, die nicht auf den LL stehen, auf die deutsche können sie ja nicht, weil keine Romane, die österreichische ist auch schon besetzt, aber das Lesen ist sicher zu empfehlen.

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