Literaturgefluester

2016-09-21

Plotting-Day

Aufmerksame Leser, falls ich solche habe, werden vielleicht fragen, was ist jetzt mit dem großen Roman, den du jetzt  schreiben willst und wie bringst du angesichts deines doppelten Buchpreisbloggens und deiner psychologischen Praxis, die nötige Konzentration dazu zusammen?

Die Antwort heißt, schwer, obwohl ich schon fleißig geschrieben habe, sechsundvierzig ein halb Seiten, sechzehn Szenen und derzeit 24.678 Worte, aber der Biß ist, das habe ich schon geschrieben derzeit vielleicht ein wenig draußen und das was ich mir in Kroatien in mein schwarzes Reisenotzbüchlein skizziert habe, ist bis auf die Hochzeit schon geschrieben.

Ich habe es jetzt auch zeitlich umstruktueirt, die Handlung wird wahrscheinlich nicht die ganzen sechs Wochen bis zur Jurysitzung dauern, sonder vielleicht schon bei Zusannas Hochzeit enden, wo Edy Klara gefunden hat und ihr ihr Fotoalbum mitbringt, die wird am nächsten Donnerstag sein, Szene sechzehn spielt am Dienstag oder Mittwoch, da ist Klara gerade mit Clarisse im Campingrestaurant gewesen und die hat dort Claires Hochzeitsfoto liegengelassen.

So weit, so what, und für alle, die sich jetzt nicht auskennen und „Nicht so unverständlich, Frau Jancak, holen sie doch mal Atem!“, schreien, gehe ich vielleicht an den Start und an einen kroatischen Campingplatz zurück, wo ich in der Nacht von einem Zauberer mit einem Luftballon träumte, die Namen „Claire-Klara-Clarisse“ waren da schon in mein Büchlein geschrieben.

Am nächsten Tag sind wir auf diese Insel gefahren und ich habe geschrieben und geschrieben, in mein Notizbuch die Handlung von dem Jurymitglied Klara, die damals noch den deutschen Buchpreis bewerten sollte, die nach dem ihr Freund sie betrogen hat, überstürzt nach Trogir fährt, dort auf dem Campingplatz logiert, um sich bis zur Jurysitzung die Bücher durchzusehen, in der Nacht von dem Zauberer träumt, der ein kleines Mädchen von einer braunhaarigen Blumenkleidfrau und einem anderen Mädchen weg, zu ihrer verhärmten blonden Mutter führt, ihre Geschichte reflektiert, der Bruder hatte, als sie drei war einen Radunfall, die Mutter seither Schuldgefühle und keine Liebe für die kleine Tochter, die Eltern sterben vor sechs Jahren, dann zieht sie zu Edy, dem Juryvositzenden, in Trogir lernt sie den Kaffeehausbesitzer Sergej kennen, trifft in Split seine Cousine Clarisse, es gibt die Großmutter Claire, bei der sowohl Sergej, als auch Clarisse aufgewachsen sind, die kam mit ihren Eltern 1917 als Säugling aus St. Petersburg, verbrachte ihre Sommer in Nizza, wohnte sonst in Ragusa. Sergej kocht für Klara, erzählt ihr von der Großmutter und dann gibt es noch die große Hochzeit von Zusanna, so weit so what.

Das habe ich in etwa, leider zum Teil ziemlich unleserlich, nach Wien zurückgebracht, beziehungsweise habe ich in Harland, meine Reiseeindrücke und „Ein Souvenier“ geschrieben.

Dann ist das Ganze liegengeblieben, denn die „Berührungen“ waren noch zu korrigieren. Etwas früher wie erwartet, bin ich trotz der Kritik des Unverständlich schreibens damit fertig geworden und habe dann mit dem neuen großen Roman begonnen.

Mir „Bora“ herausgesucht, um es noch einmal zu lesen, bin aber noch nicht dazu gekommen, warten, ja jetzt noch sechzehn Rezensionsexemplare, die nicht nur den d und den öst Bp betreffen, meine Souveniers, das Lavendelssträßchen und den Rosmarin dazu gestellt, habe geschrieben und war mehr oder weniger zufrieden damit, denn die Kritik von dem „Kann es nicht daran liegen, daß Sie einfach nicht schreiben können?“, ist ja nicht so einfach wisch und wegzuwischen, denn daran stimmt sicher einiges, obwohl ich natürlich schreiben kann, aber offenbar nicht so, daß ich damit auffalle und es interessiert.

Nun gut, es war sowieso nicht mehr soviel Zeit, denn der dreiundzwanzigste August war ja bald da und da kamen auch die ersten Bücher und weil ich ja schon versuche genau zu lesen und sie genau zu besprechen, hinterlassen sie auch einen ziemlichen Eindruck und drängen so das Eigene zwar vielleicht nicht weg, aber doch in den Hintergrund und die Praxis lief auch wieder an, die Veranstaltungen begannen und wenn ich nur eine oder zwei Stunden Zeit habe, dann trödle ich vielleicht mit Recht herum und lese Blogs, statt mich in ein Kapitel einzulassen, daß dann vielleicht nicht so gelingt und mich blockiert.

Langer Rede kurzer Sinn, irgendwie habe ich jetzt das vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte, wie das jetzt  mit dieser Zwillingsschwester und der Großmutter ist?

Denn es hat sich bald herauskristallisiert, der Edy spielt eine viel wichtigere Rolle, in Kroatien war er kaum vorhanden, jetzt schickt er aber Klara Mails, sie antwortet zuerst nicht, dann schon, ihren Aufentahaltsort verrät sie zwar nicht, so wird er danach suchen, wenn er Freitag oder Donnerstag aus, jetzt Wien, statt Frankfurt, das habe ich geändert, wegkommt.

Das könnte ein weiterer Handlungsstrang werdenund die Beziehung zwischen Klara und Sergej läuft auch nicht so richtig an. Da scheine ich eine Beißhemmung zu haben. Sie war zwar in seiner Wohnung, die über dem Cafehaus liegt und hat mit ihm Branzino mit Rosmarinkartoffel gegessen und Großmutter Claire hat vom Portrait an der Wand auf sie herabgelächelt.

Die dunkelhaarige, elegante Frau, die wir damals in dem Restaurant in Split getroffen haben, die mich mit ihrem Eßverhalten sehr beeindruck hat und die ich zur Kuratorin des Filmfestivals machte, hat auch ihre Szenen bekommen,  ist sogar am Campingplatz aufgetaucht, ist Sergejs Lieblingscousine, die Möwe ist beschrieben und ein holländisches Ehepaar, das den Bus am Campinglpatz neben Klaras VW aufgestellt hat, sich die Butter vom Baguette kritzt und immer „Ist das ihr Freund Mevrouw Klara?“, fragt, gibt es auch.

Jezt werden sie Klara, die vom Restaurant gerade zurück ist und mit dem Buchpreislesen weiter machen will, zum Kaffee einladen und immer einen Keks aus einer Dose anbieten,  die dann zumachen und weglegen, Edy wird schreiben, daß er vielleicht schon früher von der Redaktion wegkann, um Klara zu suchen und auf den Segelturn wird Clarisse Klara und Sergej begleiten, daß nichts passieren kann.

So weit, so what und  Plan für drei weitere Szenen, die heute schreiben kann, wir sind am Dienstag oder Mittwoch, noch eine Woche Zeit bis zur Hochzeit und was passiert bis dahin?

Wie bringe ich Spannung hinein und löse die Rästsel auf, ob Clara jetzt Clarisses Zwillingsschwester ist und was der Traum von dem Luftballon bedeutet?

Da ist mir irgenwie die Luft ausgegangen, beziehungsweise habe ich die wohl auf der Rückreise von Kroatien und in der Zeit danach, das Gerangel um die Bundespräsidentenwahl, die jetzt wieder nicht stattfindet, ist ja auch sehr nervend, verloren.

Also zurück an den Start, obwohl mir das ja, wie meine Leser wissen, schwer fällt, beziehungsweise nie richtig gelingt und weil ich heute keine Stunden haben, nochmals das schwarze Büchlein durchlesen und dann zu plotten versuchen, die Handlung festlegen, was jetzt bis zur Hochzeit passiert und, wie das Ganze enden wird.

Das ist der Plan für heute, den ich gestern hegte, dazwischen sind mir dann  die drei Szenen eingefallen, die ich vorher schreiben könnten, obwohl die auch nicht wirklich sehr viel weiterführen werden und die Idee von einem Schreibberichtartikel, wo ich das Ganze nochmals präzisieren und vielleicht meine Leser, um Feedback und Ideen bitten könnte, kam auch.

Voila, da ist er, ich weiß zwar, daß die Leser da vielleicht nicht Schlange stehen werden, um mir weiterzuhelfen, weil sie mein „wirrens Geschreibsel“ vielleicht nicht verstehen oder auch nicht interessiert, aber wir leben ja in der Zeit der Blogromane, Tillmann Ramstedt, hat einen solchen mit Leserhilfe geschrieben, Thomas Lang tut es, Jaqueline Vellguth schreibt jedes Monat einen Roman und kommuniziert darüber, Annika Bühnemann plant einen solchen und fährt jetzt auch nach Mallorca zum „Nanorimo“, während ich den höchstwahrscheinlich heuer auslassen werde, obwohl ich schon daran dachte, ob ich nicht am ersten November meine vierzig, fünfzig oder was auch immer an Seiten, die ich dann haben werde, nehme, mein Notizbuch mit dem Konzept und so tue, als würde ich das Ganze neu, beziehungsweise umschreiben, denn vielleicht muß ich auch an der Handlung etwas ändern, um wieder in Schwung und zu den großen Roman zu kommen, den ich doch jetzt endlich schreiben will?

Mal sehen wie es wird, ich werde, jetzt also nach dem Essen, schreiben sowie plotten und dann auch weiterberichten wie es geht, über Feedback wäre ich sehr dankbar, ich mache aber auch alleine weiter, da ich ja sehr beharrlich bin.

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