Literaturgefluester

2016-09-28

Schlagabtausch zwischen Deuticke und Jung und Jung

Die „Gesellschaft für Literatur“ hat eine neue Veranstaltungsreihe, zwei Verleger kommen und stellen jeweils ein Buch aus der Produktion des anderen vor, sprechen darüber und beantworten Fragen zur Verlagslandschaft.

Eine sehr Interessante, wenn  Verlagsmenschen über die Bücher der anderen sprechen, auf Buchmessen kommt wohl sowas vor und Henrike Blum vom „Presse und Literaturbüro“, das, glaube ich zu „Droschl“ gehört oder für „Droschl“ arbeitete, machte der „Gesellschaft“ dieses Vorschlag, die gleich mit Martina Schmidt und Jochen Jung begann und das ist ganz besonders interessant.

Denn Österreich ist ja sehr klein und hat daher nur sehr kleine Verlage und diese spießen, reiben sich und geraten aneinander oder werden das, wenn die Eigentümer wechseln und die Verlage verkauft werden, oft gegen ihren Willen.

Und das ist  zur Jahrtausendwende mit dem „Residenz-Verlag“ passiert, wo Jochen Jung der Leiter war. Der Verlag hat dann zum „Bundesverlag“ gehört, wo Martina Schmidt, „Deuticke“ leiteteund die hat dann einige Zeit auch „Residenz“ leiten müßen und Jochen Jung wurde hinausgeschmissen.

Sehr kompliziert und für Außenstehenden sind diese Verlagsverhältnisse wohl auch nicht zu verstehen.

Jochen Jung hat dann „Jung und Jung“ gegründet, neben „Droschl“, „Picus“ und „Czernin“ ein kleiner feiner Verlag, denn „Deuticke“ gehört ja inzwischen zu „Zsolnay“ und das ganze zu „Hanser“, wo  ich die Geschäftsverhältnisse dann auch nicht mehr so genau unterscheiden und zuordnen kann.

„Jung und Jung“ steht mit seinen Büchern auf jeden Fall ziemlich regelmäßig auf der Long– und auch der Shortlist des dBp und hat den zweimal auch schon gewonnen.

Auf der österreichischen steht er diesmal nicht, dafür „Deuticke“ mit Peter Henisch „Suchbild mit Katze“ und auf die deutsche ist ja Hans Platzgumer mit „Am Rand“ gekommen.

So weit so gut und das, was mich momentan interessiert, weil ich ja derzeit am doppelten LL-Lesen bin und sowohl den Köhlmeier, als auch den neuen Henisch nicht zu bekommen scheine, dafür habe ich aber „Am Rand“, „Die Witwen“ und „Ein langes Jahr“ gelesen und den Originalschreibtisch aus Salzburg habe ich ja vor ein paar Jahren in St. Pölten gesehen, inzwischen ist der „neue“ „Residenz-Verlag“ aber, glaube ich, wieder nach Salzburg abgewandert und Peter Henisch der ja dort einige Bücher verlegte, verlegt inzwischen bei „Deuticke“ und Jochen Jung hat sich auch das neue Henisch Buch zur Präsentation ausgesucht,

Martina Schmidt ein mir bisher unbekanntes Verlagsdebut und da bin ich auch schon bei einer Frage, die Manfred Müller an die beiden stellten, ob die, die Verlagsproduktionen der anderen kennen und die sagten, glaube ich, daß sie eher keine Vorschauen lesen.

Da tue ich eigentlich auch nicht wirklich.

Der neue „Residenz“ hat mir die eine Zeitlang geschickt und da habe ich dann auch ziemlich viel gelesen, was „Jung und Jung“ produziert, weiß ich eigentlich nicht wirklich. Manchmal bestelle ich mir zwar ein Buch, aber das meiste geht eher, wenn es nicht auf den LL steht an mir vorbei, während „Deuticke“ und „Zolnay“ kommt mir vor, da irgendwie präsenter ist und vielleicht auch öfter in der „Alten Schmiede“ oder im Literaturhaus präsentiert als „Jung und Jung“.

Die erste Frage, die Manfred Müller stellte, war aber die über den Schlagabtausch und über den Verlagswechsel und, ob die beiden Verleger einander böse wären. Offenbar nicht, denn sonst würden sie ja nicht miteinander auftreten und sich gegenseitig vorstellen.

Jochen Jung ließ einiges von seinen Autoren verlauten, die ihm erst versprochen haben, ihm zu unterstützen und zu folgen, dann aber zu anderen Verlagen wechselten, aber das ist ja irgendwie bekannt, daß die Autoren, wenn sie können, die Österreicher verlassen und zu „Suhrkamp“ oder „Fischer“ wechseln.

Daniel Kehlmann hat das, glaube ich, bei „Deuticke“ getan und dort, was ich so hörte, tiefe Wunden aufgerissen und Jochen Jung meinte, daß die Autoren von den großen Verlagen, dann oft auch nicht den Erfolg bekämen, den sie sich erwartet haben.

Das kann ich auch nicht beurteilen, denn ich gehöre ja nicht zu den großen Autoren, habe aber früher, lang lang ists her, sehr viele meiner Manuskripte zu „Residenz“ nach Salzburg geschickt und den berühmten Vordruck zurückbekommen.

Jetzt bekommt man bei „Deuticke“ keine Antwort mehr, wenn man unverlangt einsendet, was Martina Schmidt sehr bedauerte, aber offenbar nicht ändern kann oder ändern will.

Nun ja, inzwischen gibt es ja die Möglichkeit des Selbermachens und die Autoren, die von „Jung und Jung“, „Deuticke“ oder „Hanser“ nicht genommen werden, können ja auf „Amazon“ ausweichen oder selber drucken lassen.

Ich weiß, daß ist vielleicht keine besonders ruhmreiche Alternative, aber etwas, was ich auch seit dem berühmten Wendejahr 2000 mache und damit natürlich nie auf eine Buchpreisliste komme.

Aber jetzt steht Peter Henisch auf der österreichischen Longlist und wird, würde ich mal schätzen auch auf die Shortlist kommen, zumindestens würde ich mir da Mayröcker, Cotten, Henisch, Köhlmeier, Gruber wünschen, uje da bin ich schon bei fünf und, wo kommt da die Anna Mitgutsch hin und Kathrin Röggla hat ja auch einen großen Namen, hat aber „Jung und Jung“ auch verlassen und ist  zu „S.Fischer“ gegangen.

Nun ja in zwei Wochen werden wir es wissen, Jochen Jung, der ja einiges von Peter Henisch machte, Bücher, die ich höchstwahrscheinlich auch in Harland stehen habe, hat „Suchbild mit Katze“ schon gelesen, ein Stückchen vorgelesen und einiges erzählt.

Es geht um die Kindheit und dürfte eine Autobiografie sein, es handeln zwar schon andere Bücher, wie die „Kleine Figur“ und das mit der Großmutter davon, aber hier dürfte er deutlicher von sich selber und seiner Kindheit erzählen und hat auch noch zwei weitere Bände geplant, wo er dann von seiner Pubertät und vielleicht dem Erwachsenenwerden erzählt.

Ein interessantes Buch und schön wenn ich es  einmal finde, vielleicht erwähne ich es  auch, wenn mich jemand nach meinen Geburtstagswünschen fragt und nächste Woche wird es, glaube ich, auch in der „Alten Schmiede“ präsentiert. Da hatte ich eigentlich vor hinzugehen, aber jetzt habe ich ja schon ein bißchen was davon gehört und in der „Gesellschaft“ wird gleichzeigtig das neue Buch von Evelyn Grill präsentiert.

Das Buch aus dem „Jung und Jung-Verlag, das Martina Schmid vorstellte, heißt „Wir ohne Wal“ und ist von Birgit Birnbacher, die glaube ich, auch die Frau von Jochen Jungs Lektor ist, von Jugendlichen mit Drogenproblemen handelt und laut Martina Schmidt eine schöne Sprache und eine große literarische Zukunft hat.

Ich habe von dem Buch noch nie etwas gehört und dann gab es noch den Tip von Martina Schmid, den neuen Rene Freund „Niemand weiß wie spät es ist“, ein Buch, das am Vorigen Freitag bei den „Beispielen“ in Ö1 war, wo eine Tochter nur etwas erbt, wenn sie eine Urne unter bestimmten Auflagen von Paris zurück oder dorthin trägt, etwas, wie ich erst vor kurzem von einem Notar hörte, verboten ist, was mich also an dem Buch etwas störte.

Rene Freund hat damit aber den Verlust seiner Frau verarbeitet und das ist dann wieder etwas, das ich verstehen kann und Jochen Jungs Lesetip galt der Neuübersetzung der Madame Bovary, weil er, je älter er wird, um so lieber Klassiker liest, ob das Buch aus seinem Verlag oder aus einem anderen ist, habe ich nicht so ganz verstanden.

Eine sehr interessante Vernanstaltung und ein Plaudern aus dem Nähkästchen, was Leser und Autoren ja sehr interessieren könnte, mich hat das jedenfalls früher sehr interessiert, jetzt denke ich, ich weiß ohnehin schon genug darüber, war aber über Jochen Jungs Einschätzung, daß die Österreicher am deutschen Buchpreis nicht sehr interessiert sind, sehr überrascht, denn mich interessiert er ja und sehr viele Leute dürften sich für diese Verlagsabtausche auch nicht interessieren, denn es gab nur wenig Publikum.

Aber vielleicht viele Konkurrenzveranstaltungen, wie Manfred Müller erklärte. Im Literaturhaus hat glaube ich Anna Weidenholzer ihr Longlistbuch vorgestellt.

 JuSophie war jedenfalls da und hat sehr viele Fragen gestellt und die Frau Schmidt-Dengler und im Frühjahr geht es mit dem Schlagabtausch weiter, ich bin schon sehr gespannt.

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6 Kommentare »

  1. Einen Firmennamen schreibt man doch nicht in Anführungszeichen! Man schreibt Deuticke, nicht „Deuticke“, so wie man ja auch nicht „Apple“ oder „IBM“ schreibt. Buchtitel kommen in Anführungszeichen, aber nicht Verlagsnamen. Das wird ja ganz unlesbar durch all diese unnötigen Anführungszeichen, bitte.

    Kommentar von Heinrich Urmelien — 2016-09-29 @ 06:29 | Antwort

  2. Tut mir leid, wenn Sie damit Schwierigkeiten haben, kennen wir uns auch nicht, obwohl ich über die angegebene Adresse nur auf eine Firmenseite komme?
    Darüber kann man wahrscheinlich genauso diskutieren und verschiedener Ansicht sein, wie, ob man in einem Roman, der zwischen E und U angesiedelt ist, schreiben kann, daß ein Erblasser bestimmen darf, daß ein Erbe dieses nur bekommt, wenn er eine Urne unter ganz bestimmten, schon ein bißchen an die Sitten stoßenden Umständen von Paris nach Wien oder zurück oder sonstwohin trägt?
    In der Gesetzeslage ist solches ausgeschlossen und ich weiß jetzt auch nicht so genau, wo steht, daß ich keine Anführungszeichen bei einem Firmennamen setzen darf?
    Mir persönlich erscheint das übersichtlicher und deshalb habe ich es mir so angewöhnt.
    Interessant zu hören, daß Sie das eher schwierig zu lesen finden.
    Bei der Veranstaltung gestern hat mich übrigens ganz besonders Jochen Jungs Feststellung beeindruckt, daß der Leser heute nicht mehr sehr geduldig ist und sehr schnell etwas abbricht und wegwirft, was er nicht versteht, zu schwierig, zu unvollständig, etcetera findet!
    Das sind wohl die Zeichen der Zeit, gegen die wir wohl nicht wirklich viel ausrichten können!
    Ich bin aber jetzt schon über sechzig, schreibe lang und viel und für den Literaturbetrieb offenbar nicht erfolgreich und angepasst genug.
    Auf meinem Blog kann ich es aber wahrscheinlich so machen, wie es mir und meiner Person entspricht, also, wie es sogar im Internet-Neudeutsch heißt, meine „Marke“ ausdrücken und dabei authentisch sein, auch wenn ich damit riskiere, so wie jetzt bei Ihnen, immer wieder abgemahnt zu werden, doch nicht so unverständlich zu schreiben!
    Ich hoffe aber trotzdem sehr, daß der obige Artikel im Großen und Ganzen zu verstehen ist, denn es war ja eine sehr sehr interessante Veranstaltung, in der sehr viel über den österreichischen Literaturbetrieb oder überhaupt demsolchen zu erfahren war!
    Ich schicke also viele Grüße, ersuche um etwas Geduld und vielleicht können wir uns bei der nächsten „Büchertausch-Veranstaltung“ darüber persönlich austauschen!

    Kommentar von jancak — 2016-09-29 @ 09:21 | Antwort

  3. Ich weiß nicht, was eine „Büchertausch-Veranstaltung“ (in diesem Fall Anführungszeichen korrekt, wegen Hervorhebung der Rätselhaftigkeit des Begriffs) sein soll, bin daher wahrscheinlich auch dort nicht zu finden.
    Ein Hinweis noch, Sie schreiben ja auch über Martina Schmidt und Jochen Jung, nicht „Martina Schmidt“ und „Jochen Jung“. Namen haben keine Anführungszeichen. Da hilft nichts. Das hat nichts mit Unangepaßtheit zu tun. „Deuticke“ und „Residenz“, das ist einfach falsch, es sei denn, sie wollen die Korrektheit der Bezeichnungen in Zweifel ziehen und meinen, diese Verlage hießen eigentlich anders.

    Kommentar von Heinrich Urmelien — 2016-09-29 @ 20:18 | Antwort

  4. Dann haben Sie, wenn Sie bei der gestrigen Veranstaltung gewesen sein sollten, nicht aufgepasst, denn „Büchertausch“ heißt die neue Veranstaltung in der „Gesellschaft für Literatur“ und da soll es im Frühling eine Fortsetzung geben!
    Vielen Dank für Ihre Hinweise auf die korrekte Rechtschreibung!
    Ich möchte es aber, weil es mir übersichtlicher erscheint, so lassen und denke, daß man schreiben sollen dürfte, wie man es will und werde darin auch bei den Generalversammlungen der IG-Autoren, die ich regelmäßig besuche, darin verstärkt!
    Wenn Sie bei der Veranstaltung waren, können Sie sich vielleicht auch noch an Peter Henischs „falsche“ Beistrichsetzung erinnern, die er so setzt, weil sie in seinen Rhythmus passen!
    Martina Schmidt korrigierte sie getreulich und Henisch hat sich darüber beklagt. Jochen Jung schien da toleranter gewesen zu sein und hat sie ihm gelassen!
    Es ist also vielleicht nicht ganz so einfach mit dem Richtig und dem Falsch und es ändert sich auch sehr viel, so haben wir älteren wahrscheinlich in der Schule gelernt, das man, daß mit scharfen „ß“ schreibt und jetzt darf man es angeblich nicht mehr tun!
    Ich denke dann immer, daß sind Kinkerlitzen und es kommt auf den Inhalt an und das, was ich mit dem Artikel ausdrücken wollte, war, daß es eine sehr interesante Veranstaltung war und da sind die Anführungszeichen eigentlich egal!

    Kommentar von jancak — 2016-09-29 @ 22:43 | Antwort

  5. War eh nicht in der gestrigen Veranstaltung. Ich lebe in Chicago.

    Kommentar von Heinrich Urmelien — 2016-10-02 @ 03:47 | Antwort

  6. Dafür haben Sie aber einen interessanten Wiener Dialekt! Ich hätte gedacht, wir kennen uns und sind uns auch schon auf meinem Blog begegnet!

    Kommentar von jancak — 2016-10-02 @ 12:10 | Antwort


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