Literaturgefluester

2016-10-17

Verpasste Buchpreisverleihung

Am Abend wurde in Frankfurt zum Auftakt der Buchmessse der neue deutsche Buchpreisträger bekanntgegeben und da ich ja nicht nach Frankfurt fahre, war für mich der Livestream interessant, der schon ein paar Tage vorher auf der Buchpreisseite bekanntgegeben wurde.

Ich interessiere mich ja erst seit dem ich blogge genauer für den Buchpreis, habe die Bücher  früher eher nicht gelesen, nur das Probeheftchen durchgeblättert und den Livestream habe ich meistens auch nur halb oder kurz angeschaut, denn die Buchpreisverleihung beginnt ja um sechs und da war ich meistens auf den Weg in die „Alte Schmiede“, einmal war ich bei einer Lesung von Judith Gruber Rizy im Republikanischen Club, einmal habe ich in der Bezirksvorstehung Mariahilf selbst gelesen.

Seit vorigen Jahr, seit ich selber Buchpreis blogge, das heißt mich durch die Bücher lese, ist das anders, da habe ich glaube ich, die erste Veranstaltung in der „Alten Schmiede“ versäumt und bin erst zur zweiten gegangen damit ich mir vorher anschauen konnte, wer den Preis gewonnen hat, es war der Frank Witzel, das einzige Buch das ich damals noch nicht gehabt habe, das hat mir erst die Trude K. zum Geburtstag gebracht und im Vorjahr habe ich zum ersten Mal die Verlage angeschrieben, zehn oder elf Bücher bekommen, zwei in Buchhandlungen gelesen, mir vier vom Alfred kaufen lassen und mir zwei vom Otto ausgeborgt.

Heuer habe ich erstaunlicherweise fast alle Bücher, wofür ich den Verlagen sehr herzlich danke, außer „Hool“ und „München“ bekommen und auch gelesen und so hatte ich auch wieder einen guten Einblick in die Büchervielfalt und das ist ja das interessante, wenn man sich selber durch die Bücher liest.

Zwanzig für mich sehr überraschende Bücher wurden da am 23. August aus glaube ich hundertvierundsechzig ausgwählt und die sind ja auch nur eine kleine Auswahl aus den drei oder dreißigtausend Romane, die dieses Jahr im deutschen Sprachraum erschienen, also habe ich nur einen kleinenen Einblick, aber den habe ich bekommen, als ich mich in den letzten zwei Monate durch die Liste las.

Sehr viele Bücher von älteren Männern, die sich mit der Midlifekrise oder der letzten Liebe beschäftigen, zwei experimentelle Texte von jüngeren Frauen, ein bißchen was zur schönen Sprache von Dagmar Leupold, Eva Schmidts Episodenroman, sehr viel Konstruiertes, ein Abenteuerrroman und und und, als die Shortlist bekanntgegeben wurde, war ich gerade beim elften Buch, Sybille Lewitscharoffs „Pfingstwunder,“, für mich eine Überraschung und lange Zeit meine Favoritin, gefolgt von Thomas Melles Bericht über seine bipolare Krankheit.

Der ist dann tatsächlich mit Bodo Kirchshoffs „Widerfahrnis“ auf die Shortlist gekommen. Gefolgt von Eva Schmidt und Reinhard Kaiser Mühlecker, den ich dann halb auf meine Liste setuzte, sehr spät gefolgt von Katja Lange Müllers „Drehtür“, meine zweite oder erste Favoritin, Andrej Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ und wiederum nur halb von Peter Stamms „Weit über das Land“.

Daß Bodo Kirchhoff und Thomas Mellen die offiziellen Favoriten wären, habe ich durch die Blogs mitbekommen, eigentlich mehr der Melle, der ja auch mein Favoriti gewesen wären, wenn die Frauen, weil nicht auf der Shortlist das nicht konnten.

Eigentlich habe ich nicht wirklich daran gezweifelt, daß Thomas Melle der neue Buchpreisträger wird, stand er ja schon mit seinen zwei anderen Romanen auf der langen und der kurzen Liste, obwohl sein Buch eigentlich kein Roman ist, Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“ aber schon, obwohl er das Buch selber „Novelle“ nennt.

Einigen Bloggern wars auch zu nahe oder zu langweilig und dann wurde das Buch auch noch gemeinsam mit Andrejs Kubiczeks „Skizze eines Sommers“, auch ein Shortlistfavorit im „Literarischen Quartett“ besprochen und vor allem von Maxis Biller auf eine meiner Meinung nach sehr unqualifizierte Art verrissen.

„Quatsch oder Katastrophe!“, hat er es glaube ich genannt, den Kubiczek von dem ich aber eigentlich nicht glaubte, daß er gewinnen wird, obwohl mir das Buch gut gefallen hat, hat er auch verissen und wieder diabolisch lächelnd „Quatsch!“ gesagt. Ich habe mich geärgert, einen Blogartikel geschrieben und  mir dann gedacht, hoffentlich hat das Thomas Melle nicht geschadet und hoffentlich gewinnt er deshalb nicht nicht.

Nun, wir wissen es inzwischen, er hat nicht gewonnen und ich habe die Preisverleihung auch nicht gesehen, obwohl ich mich schon zehn Minuten vor sechs mit einem Glas Wein ins Schlafzimmer zurückgezogen  und den Laptop eingeschaltet habe, auf den Besuch der „Alten Schmiede“, der auch angestanden wäre, habe ich verzichtet, sondern stattdessen mit dem Alfred ausgemacht, um acht ins Kino zu gehen.

Dann habe ich den Livestream einschalten wollen und es ist nicht und nicht gegangen und im Hintergrund hatte ich die 2015 Bücher und via Twitter sah ich die Preisträger, bekam auch ein bißchen, was mit von der Preisverleihung und um sieben, daß der Preisträger Bodo Kirchhoff ist.

Nun sein Buch hat mir nicht so besonders gefallen, bis auf die Stelle mit dem Flüchtlingsmädchen und dem Wirt der die Polizei holt, als die beiden Protagonisten, das ältere Paar, sie zum Essen einladen, habe ich es sehr konstruiert gefunden.

Das Melle Buch ist aber sehr speziell und eigentlich kein Roman, sondern eine Krankengeschichte, aber ich wiederhole es, sehr sehr gut, auch wenn das der Herr Biller vielleicht nicht verstanden hat oder ihm zu nahe kam.

Nun ich habe achtzehn der zwanzig Buchpreisbücher gelesen und viel über die deutsche Gegenwartsliteratur erfahren, ich habe auch wieder eifrig bei den offiziellen und inoffiziellen Bloggern kommentiert, die diesesmal gar nicht so viel gelesen haben, aber jetzt zum Teil in Frankfurt sind, während ich ja in Wien verbleibe und gerade genauso eifrig den österreichischen Buchpreis lese, der ja in einem Monat vergeben wird.

Da bin ich gerade beim dritten Buch, dem der Anna Mitgutsch, zwei warten noch und zwei der Buchdebuts und heute habe ich auch noch zwei Bücher von meinem Kritiker Uli geschickt bekommen, so daß mir der Lesestoff nicht ausgeht und ich auch wieder von meinem Zimmer aus ein wenig Frankfurtsurfen werde, nicht so viel wie sonst wahrscheinlich, weil ja am am Samstag GAV-GV ist und am Freitag Nachmittag kulturpolitischer Arbeitskreis und nun haben wir wieder einen neuen Buchpreisträger und das Schöne ist ja daran, daß hat, glaube ich, auch ein Juror so gesagt, dessen Video ich mir angesehen habe, während ich auf den Livestream wartete, daß man  lesen kann, was man will und ich habe mich schon ziemlich durch die deutsche Buchpreisliste gelesen und das war für mich, ich wiederhole es, sehr interessant,  die österreichische Liste ist auch sehr spannend und die Buchmesse, die Holland und Flandern zum Gastland hat, wird das sicher ebenfalls werden.

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2 Kommentare »

  1. An dieser Stelle einmal meinen Dank für Deine so ausführliche wie schöne und informative Buchpreis-Reise: Merci!

    Kommentar von simonsegur — 2016-10-18 @ 10:10 | Antwort

  2. Freut mich, daß das bemerkt wird und danke auch für die „Gefällt mir“-Angaben ich finde das Buchpreislesen sehr interessant und spannend, lerne auch viel dabei!

    Kommentar von jancak — 2016-10-18 @ 10:51 | Antwort


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