Literaturgefluester

2016-10-23

Frankfurter Messesplitter

Am Mittwoch um zehn begann die Frankfurter Buchmesse, die größte Buchmesse Europas oder der Welt, glaube ich, wahrscheinlich die berühmteste und zu der alle „Möchtegern“- und richtige Autoren, Leser, Verleger, Buchhändler, etcetera ehrfürchtig aufschauen und Selfpublisher, wie beispielsweise Annika Bühnemann schon Videos drehen, in dem sie erklären was man dafür mitnehmen soll, gutes Schuhwerk und eine Wasserflasche, einen Müsliriegel, etcetera.

Ich war zweimal dort 2000 und 2012 und das ist gar nicht so einfach, weil ja beispielsweise, der gewöhnliche Leser erst am Wochenende hineindarf, Mittwoch bis Freitag sind dem Fachpublikum vorbehalten.

So sind wir 2000 mit einer Ausstellerkarte, die mir Gerhard Ruiss gegeben hat, hingereist und haben in Mainz gewohnt, weil in Frankfurt kein Hotel zu bekommen, 2002 hatte ich dann eine Einladung von einem dieser Selbstzahlverlage, womit ich mir für den doppelten eintritt eine Fachbesucherkarte kaufen konnte und in Wiesbaden wohnte.

Dann habe ich mir geschworen, nie wieder Frankfurt, außer sie laden mich zu einer Lesung ein und zahlen mir die Fahrt und das Hotel und das habe ich  auch 2008, als ich schon bloggte so geschrieben und ein paar Tage später bin ich durch einen anderen Blog daraufgekommen, man kann sich sehr viel davon im Netzt anschauen, die „3 Sat“, die „ARD“ und die „blauen Sofaveranstaltungen“ beispielsweise und die IG Autoren haben auch ein Literatur-Radio und 2008 hat es, was es jetzt, glaube ich, nicht mehr gibt, auch Blogger gegeben, die dort herumgelaufen sind und lauter sehr interessante kleine Filmchen einstellten.

„Wow!“, habe ich gedacht und war im Himmel und habe seither immer Frunkfurt gesurft, bis mir 2011, glaube ich meine Kritikerin JuSophie, die, wenn ich mich nicht irre, jetzt in anderer Gestalt wieder aufgetaucht ist, geschrieben hat, „Machen Sie was praktischeres, als da bloß herumzuschauen!“ und das stimmt ja auch, Annika Bühnemann hat,  glaube ich, auch ein anderes Video gedreht, in dem sie den Autoren, wahrscheinlich den Selfpublishern, verdeutlicht, warum Buchmessen für sie wichtig sind!

Ja, natürlich, 2000 habe ich mir auch die „Wiener Verhältnisse“ mitgenommen. Aber wem sollte ich sie zeigen, von Stand zu Stand marschieren und „Hallo, ich bins, eure neue Autorin!“, sagen?

Das tun wahrscheinlich hundert andere und Bücher zu verkaufen und dort für sie zu werben ist auch, wenn man keinen Stand gemietet hat, glaube ich verboten und ich bin ja auch eine Leserin, so bin ich dort herumgerannt, habe eingesammelt und eingesammelt und schon zu Mittag meine volle Tüten, am Stand der IG Autoren deponiert und am nächsten Tag wahrscheinlich mein Buch, weil ich nicht so viel schleppen wollte, nicht mehr mitgenommen, das tue ich jetzt jedenfalls wenn ich in Leipzig oder auf der „Buch-Wien“ bin.

Ich interessiere mich  für Bücher und Literatur, wenn ich entsetzlich spoilere, Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler mache, so daß auf meine Kommentare kaum geantwortet wird und so betrachte ich die Messe wahrscheinlich wirklich hauptsächlich als Möglichkeit mich dort umzuschauen und umzuhören und vielleicht nicht so sehr, um Kontakte als Autorin zu knüpfen, obwohl ich die natürlich schon sehr gerne hätte.

Also die Tage der „Frankfurter Buchmesse“ reserviert und zwischen meinen Stunden und eventuellen Klinikbesuchen mich schnell aufs „blaue Sofa“ setzen oder bei Dennis Scheck nachhören, was ich lesen soll?

Seit 2005 gibt es ja auch den „deutschen Buchpreis“, der am Montag davor vergeben wird, am Dienstag wird dann offiziell eröffnet und für den Buchpreis interessiere ich mich ja auch, seit dem ich blogge und lese seit dem vorigen Jahr ja auch sehr eifrig mit und die Buchpreisübertragung habe ich mir wenigsten halb in den letzten Jahren auch meistens angeschaut.

Am Montag hat das, wie beschrieben nicht ganz geklappt, daß Bodo Kirchhoff, nicht Thomas Melle, der Preisträger wurde, ich hoffe, Maxim Biller und das „Literarische Quartett“, sind nicht schuld daran, trotzdem mitbekommen und gestern wurde dann offiziell eröffnet.

Die Könige von Flandern und Holland waren da, denn diese beiden Länder sind ja heuer Gastland, 2000 war es Polen und 2002 Litauen, ich habe mir ein paar Videos angeschaut und einige der offiziellen und auch inoffiziellen Bücherblogger sind schon in Frankfurt und zeigen erste Eindrücke von dort her, sie vergeben inzwischen auch einen Debutpreis, das heißt sechzehn ausgewählte Superblogger wählen Manuskripte aus, die man bei ihnen einreichen darf und spielen sie dann einer offiziellen Jury zu, der unter anderen auch Dennis Scheck angehört.

Nun ja, nun ja, die Blogger freuen sich über ihre Wichtigkeit, ich werde da aber wohl auch nichts gewinnen und nicht ausgewählt werden, so reiche ich gar nicht ein, sondern habe mir inzwischen nur die „blauen Sofa“ und „3 Sat Programme“ ausgedruckt, denn um elf geht es am „blauen Sofa“ mit der Vorstellung des neuen Buchpreisträgers los und werde heuer vielleicht auch gar nicht so viel Zeit zum Surfen haben, denn Donnerstag möchte ich ins Literaturhaus, um mir einen Teil eines Jelinek-Symposium zu deren siebzigsten Geburtstag anzuhören und am Freitag ist um zwei, der „Kulturpolitische Arbeitskreis“ in der „Alten Schmiede“ und am Samstag dann GAV-GV, so daß eigentlich nur der Sonntag überbleibt, wo der Friedenspreisträger in der Paulskirche seinen Preis bekommt und wenn ich den entsprechenden Livestream finde, kann ich dort auch hineinsehen.

Das mit dem „blauen Sofa“ war dann nicht so einfach, denn da kam ich nur zur „Leipzig-Schiene“, bei „3-Sat“ nahm aber der Programmdirektor des Holland-Flanders-Schwerpunkt Bart Moeeyaert, einem Kinderbuchautor, Platz und erzählte etwas von seinen und den niederländischen Büchern. Dann kam Torben Kuhlmann, der ein ein Buch über eine Maus im Weltall gezeichnet hat.

Dann wurde es bekannter, denn auf „3-Sat“ traten dann meine LL-Lieblinge, Katja Lange-Müller und Sybille Lewitscharoff auf und erzählten etwas über ihre neuen Bücher.

Auf der „ARD-Bühne“, wo ich ebenfalls die Videos empfangen konnte, demonstrierte Dennis Scheck den Bücherherbst und dann gab es ein Gespräch mit dem türkischen Journalisten Can Dünder über die politische Situation in der Türkei und Jörg Armbruster hat ein Buch geschrieben über Deutsche die  in israelischen Altersheimen leben.

Danach erzählte der neue Buchpreisträger über seine Gefühle während der Preisverleihung und bei „3 Sat“ kam Dagmar Leutpold auf die Bühne.

Es gibt eine Biografie über eine englische Freundin Hitlers, Michaela Karl hat über Unity Mitford geschrieben, Aron Grünberg, ein Holländer, Sohn deutscher Emigranten, der jetzt in NewYork lebt hat zum Niederlandschwerpunkt seinen neuen Roman „Muttermal“  vorgestellt und der ARD-Journalist Tilman Bünz berichtete in seinem Buch „Fünf Meter unter Meer. Niederlande für Anfänger“, von den Eigenarten und Schönheiten, die  man in Holland erleben kann.

So habe ich mich neben meiner Praxis, zwischen der „ARD-Bühne“ und dem „3 Sat Stand“, nachdem ich kapiert habe, daß es heuer wohl nichts mit dem „Blauen Sofa“ werden wird, hin- und hergezapt, habe auf www. buecher.at nachgelesen, daß  der österreichischen Gemeinschaftsstand  sowohl von Benedikt Föger als auch von Minister Drozda feierlich eröffnet wurde.

Die fünf Shortlistbücher und die drei Debuts liegen dort wohl auch auf und die gestrige Eröffnungsrede vor den beiden Majestäten von EU-Parlamentspräsident Schulz, der früher einmal Buchhändler war und die Besucher zum „Aufstand der Anständigen“ aufrief, habe ich mir auch angehört, so daß ich nun, während in Frankfurt die Eingeladenen zu den Empfägen und Festen wandern, mich ins Literaturmuseum begeben werde, wo es ein Archiv-Gespräch über Franz Grillparzer gibt.

Am Abend bin ich dann zu den blauen Sofas Videos gekommen und habe mir einige Interviews mit den Buchpreisbuch-Autoren angehört, die mich in den letzten zwei Monaten sehr beschäftigt haben, so zum Beispiel das von Philipp Winkler, der auch den „Aspekte-Literaturpreis“ gewonnen hat und dessen Shortlist-Buch „Hool“ ich leider nicht gelesen habe.

Gerhard Falkner, schon ein älterer Herr habe ich dann kennengelernt, der eine sehr genaue Analyse seiner „Apollokallypse“ gab, kurz habe ich in das Stadler-Video, dessen Buch mir ja nicht so gefallen hat, hineingehört und dann besonders interessant, das Interview mit Wolf Biermann, der ja 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde, jetzt achtzig ist, ein Buch über sein Leben geschrieben hat und der ein besonderes Darstellungstalent ist.

Am Donnerstag hatte ich dann nicht sehr viel Zeit für Frankfurt, sondern drei Stunden, so daß ich nur zu Mittag kurz auf das Sofa und zu den anderen Kanälen konnte und so das Interview mit Carolin Emcke, der heurigen Friedenspreisträgerin hörte, die ein Buch „Gegen den Hass“ geschrieben hat, das sich mit der „Begida-Bewegung“ beschäftigt, die ja in Deutschland ganz besonders stark vertreten ist.

Danach bin ich ins Literaturhaus zum „Jelinek-Symposium“ gegangen, wo zu erfahren war, wär aller wegen Frankfurt nicht zu der Veranstaltung kommen konnte und ich habe mich am Abend wieder eingesurft, war aber zu müde, um mir wirklich alle versäumten Vidos anzusehen.

So surfte ich erst am Freitag zwischen einigen Telefonaten und einem Blogbeitragsentwurf kurz weiter, hörte Katha Lange-Müller, ich glaube noch einmal über „Drehtür“ sprechen und auf „3Sat“ Marcel Beyer, der ja der heurige „Büchner-Preisträger“ ist  und werde dann wahrscheinlich mit dem Alfred in den „Waldviertlerhof“ essen gehen und danach in die „Alte Schmiede“ zum „Kulturpolitischen Arbeitskreis“, wo es, glaube ich, um Kleinverlage geht.

Damit war war ich dann auch noch am Samstag, wo es ja die Generalversammlung gab noch sehr beschäftigt, so daß ich mir am Abend gerade jeweils noch die Videos Annika Bühnemann und das von der Blogbuster-Konferenz anschauen konnte, wo Tobias Nazemi mit Dennis Scheck und einigen anderen, den neuen „Blogger-Literaturpreis“ vorstellte.

Ich habe mich dann auch noch ein bißchen auf dem „Blauen Sofa“ umgesehen, mir einen Teil der Zusammenfassungen angesehen, bin dabei auf Donna Leon und immer wieder auf die niederlängischen und flamischen Autoren, wie Arnold Grünberg, Connie Palmen, etcetera, denen ich auch noch einen extra Artikel widmen möchte.

Anna Weidenholzer ist auf dem blauen Sofa gesessen und viele andere.

Am Sonntag wurde dann der „Friedenspreis“ an die 1967 geborene Carolin Emke verliehen, die ich mit Verzögerung im Live Stream gefunden habe, eine türkische Philosphin hielt, die Laudatio und die Journalistin, die bei Habermas studierte, eine große energisch aussehende Frau, schüttelte dem Börsevereinvorsteher oder wer der Herr ist, der die Urkunde überreichte, sehr kräftige die Hand und hielt dann eine Dankesrede, in der sie erwähnte, daß sie bisher diese Preisverleihung immer von „unten“ vorm Fernsehapparat oder im Publikum gesehen hat.

Sonst wird der Frankfurter Sonntag höchstwahrscheinlich wieder ein Resterlessen werden, eine Mischung von alten Sendungen und neuen.

Es gibt  Videos übers die Öffnung der Messe für das sogenannte allgemeine Publikum, dem Leser, der zwischen ein und neun Bücher pro Jahr liest.

Angeblich lesen die Niederländer wenig, obwohl es vierhunderfünfzig deutsche Neuübersetzungen gibt, die auf der Messe aufliegen und ein holländerischer Gast tritt täglich auf, der durch die Messe marschiert und die sogenannten Goodies, die man dort bekommen kann, einsammelt oder im Zug, der die holländischen Autoren nach Frankfurt führte, interviewte.

Olga Martynova kam um zwölf mit ihrem Roman „Der Engelherd“ auf das blaue Sofa und hielt ein Playoyer gegen den einfach linear erzählten Roman, der ich mich nicht anschließen würde.

Der achtundachtzigjährige Hardy Krüger hat ein Buch geschreiben, das, wie er betonte, keine Autobiografie, sondern ein Playoder gegen den Rechtsruck ist und der Rest des „Blauen Sofas“ war, sowohl Arnold Grünbergs neues Buch „Muttermal“, sowie in der blauen Stunde dem „Schweizer Buchpreis“ gewidmet, wo Sacha Battyany, Christoph Höhtker, Christian Kracht, Charles Lewinsky und Michelle Steinbeck, nominiert waren, gewidmet und das war es dann mit der heurigen „Frankfurter Buchmesse“, auf die ich nur sehr sporadisch gesurft bin, so daß ich wahrscheinlich keine Meinung darüber abgeben kann, sondern nur ein paar Blitzlichter auf die siebzig- oder achtzigtausend Bücher, die dort ausgestellt waren, werfen konnte, dafür aber auch ein bißchen mitbekommen habe, was in dieser Zeit in Wien literarisch so passierte.

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1 Kommentar »

  1. Wieder diese Anführungszeichen. Ich schlage vor, entweder Büchner-Preisträger oder Büchnerpreis-Träger oder, wenn es sein muß, „Büchner“-Preisträger zu schreiben, aber bitte NICHT „Büchner-Preisträger“.

    Kommentar von Heinrich Urmelien — 2016-10-21 @ 18:18 | Antwort


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