Literaturgefluester

2016-10-26

Von Friedrich Polakovics zu Philipp Blom

Statt noch einmal zu Ruth Aspöck in den Repbulikanischen Club, die dort ein literarisches Werkstattgespräch mit Lesung und Musik hielt, bin ich am Dienstag zu einer Doppelveranstaltung in die „Alte Schmiede“, nämlich wieder zu einer „Stunde der literarischen Erleuchtung“, wo Daniel Wisser Friedrich Polakovics „Versuch über den Krieg“ vorstellte, gegangen.

Der Name Polakovics erschien mir bekannt, obwohl ich ihn nicht recht einordnen konnte, aber dann kam mir die Erleuchtung, das ist doch der, der die „Neuen Wege“ herausgegeben oder mitgestaltet hat, wie ein Herr im Publikum, der sich als Hermann Hakels Sekretär entpuppte, zurechtrückte und der Literaturbetrieb der fünfziger und der sechziger Jahre ist auch einer, der mich sehr interessiert und wo ich schon einiges gelesen habe oder bei einigen Veranstaltungen war.

Friedrich Polakovics 1922 geboren 2011 gestorben, der von seiner Ausbildung bildender Künstler war, wie Daniel Wisser, offensichtlich ein Polakovic Kenner erzählte, wurde 1944 zur Wehrmacht eingezogen und hat 1966 im Alter von 44 Jahren darüber geschrieben. Man sieht die Zahlenspiele.

Der „Versuch über den Krieg“ trägt auch noch den Titel „Das Buch von den zweimal elf Jahren“, ist 2003 bei „Wieser“ herausgekommen,  inzwischen offenbar vergriffen und in zwei Teilen gegliedert, beziehungsweise montiert, denn es erzählt von den Kriegserlebnissen des Obergefreiten und Funkers, in Frankreich, in der Gefangenenschaft bis zu Heimkehr und dann bezieht es sich im zweiten Teil auf die Zeitungsberichte, die in den Sechzigerjahren erschienen sind, die von Kriegsverbrechern, die freigesprochen wurden, beziehungsweise, der politischen Situation dieser Zeit erzählen.

Polakovics hat nach der Heimkehr in den „Neuen Wegen“ mitgearbeitet, diese dann wegen eines Gedichtes, das er nicht abdrucken durfte, verlassen, hat dann H. C. Artmanns „Med ana schwoazzzn Dintn“ mit dem er befreundet war, herausggeben, hat viel übersetzt und bis zu seiner Pensionierung, als Zeichenlehrer gearbeitet, dort aber offenbar seinen Schülern viel vorgelesen und er hat, wie der Herr im Publikum erzählte, auch sehr schöne Balladen geschrieben.

Daniel Wisser zitierte zwischen den Textstellen, die er las auch Andreas Okopenko oder zeigte die „Neuen Wege“ her.

Dann ging es in den Keller zu einem anderen mir eher unbekannten Namen, nämlich zu Philipp Blom und seinem Romandebut „Bei Sturm am Meer“ und erfuhr erst aus Gesprächen, das der 1970 in Hamburg geborene nicht nur ein Historiker, sondern auch ein Moderator von „Von Tag zu Tag“ ist und schaute mir am Büchertisch seine historischen und philosphischen Werke an, „Böse Philosophen“, die „Zerissenen Jahre – 1018-1938“ und eines über 1900-1908 und jetzt der erste Roman, der vergleichsweise ein eher triviales Thema, nämlich eine Familiengeschichte oder eine Midlifekrise zum Inhalt, aber einen sehr umfangreichen Plot hat und aus verschiedenen Perspektiven in verschiedenen Erzählsträngen erzählt wird.

Da fährt einer namens Ben, nach Amsterdam zum Begräbnis seiner Mutter, muß dort fünf Tage ausharren, weil die Urne verloren gegangen ist, in dieser Zeit schreibt er einen Brief an seinen in Wien verbliebenen vierjährigen Sohn, er ist vierzig und bestimmt, daß der Sohn, den Brief erst in vierzig Jahren bekommen soll.

Man sieht, die Zahlen, Zufall oder nicht, spielen auch hier eine Rolle.

Er schreibt in dem Brief über seine Familie, seine aus Holland nach Deutschland zurückgekehrte Mutter und seinen verschwundenen Vater, den er in diesen Tag offenbar wiederfindet und erfährt, daß er gar nicht gestorben ist und zu seinem Sohn und seiner Freundin wird er vielleicht auch nicht mehr zurückkehren, sondern ihn genaus verlassen, wie ihn sein Vater einmal verlassen hat.

„Ein ideales Weihnachtsgeschenk!“, scherzte  der Autor und eine ältere Stammbesucherin schien für ihn auch sehr  zu schwärmen.

Mich würde da wahrscheinlich Friedrich Polakovics Kriegerzählung, ein sehr sperriges Buch, das mich ein wenig an Theodor Sappers „Kettenreaktion Kontra“ erinnert hat, mehr interessieren.

Das Buch ist aber verriffen und das einzige antiquarische Exemplar wurde auch sofort aufgekauft, wie Daniel Wisser, beziehungsweise Kurt Neumann erwähnten, aber ich lese gerade ohnehin ein anderes interessantes Buch, das vom Krieg und seinen Folgen, nämlich Verna B Carletons „Zurück in Berlin“ erzählt und zu Philipp Bloms Amsterdam Schilderungen  fällt mir der Buchmessenschwerpunkt Niederlande und Flandern ein und so habe ich wieder zwei  literarische Entdeckungen gemacht.

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