Literaturgefluester

2016-10-29

Sprache der Krähen

„Eine packende Kombination aus Thriller, Liebesgeschichte und Familiendrama“, steht im Klappentext des zweiten Romanes, des 1961 in Wien geborenen Georg Elterlein, den mir einmal, glaube ich, Anni Bürkl auf der „Buch-Wien“ vorstellte, ich seinen Debutroman „Der Hungerkünstler“ im Schrank gefunden, aber noch nicht gelesen, habe und von dem mir  auch Irene Wondratsch erzählte, als sie letzte Woche im „Rebulikanischen Club“ traf.

Und das stimmt und hat mich Anfangs auch ein wenig verunsichert, weil ich nicht recht wußte, ob das jetzt ein Jugend- oder All Age-Buch ist, was ich da lese und mir die Handlung zuerst auch ein wenig zu eindimensional positiv erschien, später habe ich erkannt, sie ist genauest konstruiert und diese Mischung wahrscheinlich gekommt eingeplant und insgesamt ist es ein sehr spannendes Buch, das auch sehr viel Stoff zum Nachdenken gab.

Da ist also Leonhard aus der „Abschaumsiedlung“, die Mutter hat die Familie verlassen, als er und sein Bruder Kinder waren und, als der Vater dann erschossen wurde, hat das Jugendamt, das inzwischen, glaube ich „Amt für Familie und Jugend“ heißt, den kleinen Bruder Max, bei dem noch Hoffnung herrschte, zu Pflegeeltern gegeben, den größeren ins Heim gesteckt.

Das ist inzwischen lange her, denn Leonhard ist schon Mitte Vierzig, als die Handlung beginnt. Er hat eine getarnte Schlosserei, lebt aber eigentlich von Raubüberfällen, war früher bei der Fremdenlegion und ein Trauma mit einer früheren Freundin, die auch bei einem Raubüberfall erschossen wurde, gibt es ebenfalls.

Da kommt die Nachricht, der Bruder Max, den er als Kind immer beschützte, zu dem er aber den Kontakt verloren hat, hatte mit seiner Frau einen Autounfall, beide tot, nur der zehnjährige Neffe, den er nie gesehen hat, überlebte, liegt aber im Spital und spricht nicht mehr und hat außer Leonhard auch keine Verwandten.

Das, stellt sich heraus, stimmt nicht ganz, es gibt norwegische Großeltern, denn die Mutter kam aus Norwegen, Leonhard ruft sie auch herbei, aber die wollen mit dem Enkel nichts zu tun haben, denn Tove hat ihnen diesen stets vorenthalten, sie kommen also nur, um die Leiche der Tochter überführen zu lassen.

So bleibt Leonhard, der eigentlich den nächsten Raubüberfall plant und auch von zwei Männer verfolgt wird, nichts anderes übrig, als sich um seinen Neffen zu kümmern.

Das gelingt ihm auch gut, konstatiert der Sozialarbeiter, der ihm einen Pflegeantrag nahelegen will, doch „soziale Kompetenz“.

Erik ist indessen in einer wahrscheinlich psychiatrischen Klinik und kommuniziert mit dem Onkel schriftlich, versucht auch öfter zu flüchten und nur Leonhard kann ihm aus dem Klo oder vom Dach herunterholen, so daß die Ärzte mit ihm kooperieren und er den Neffen probeweise nach Hause holen kann.

Der Türke Murat, der im selben Hof, wie Leonhard eine Autowerkstatt betreibt, organisiert die Möbel für das Kindeszimmer und Leonhard kommt so zu einem Kind, obwohl er gar nicht weiß, ob er das will und er dazu bereit ist.

Es gibt auch eine eher ungute Sozialarbeiterin, die ihm mit einem Fragebogen und einem Pflegeelternkurs schikaniert und die Krähen, als Symbol und Metaphern gibt es auch, denn die haben laut Max oder einen von Leonhards Kunden, zwei Sprachen, eine für die Familie und eine allgemeine und in dem Hof wo Leonhard wohnt und arbeitet gibt es auch eine „Morgenkrähe“.

Erik interessiert sich für sie und an dem Nachmittag, wo er probeweise zu Leonhard darf, wird, die von einer Katze überfallen und verletzt, die beiden retten sie und pflegen sie gesund.

Leonhard trifft auch eine Jugenfreunin wieder, muß aber auch seinen Raubüberfall planen und zu dem Zeitpunkt, wo er eigentlich ein Schiff überfallen soll, ruft die Klinik an, Erik ist verschwunden.

Es kommt zu einem Happyend und Leonhard zieht mit Erik und wahrscheinlich auch mit Tina, nach Frankreich, wo er  seit seinen früheren Raubüberfällen ein Haus hat.

Er hat vorher auch seine Hehlerin und die beiden Auftraggeber erschossen. Das war sein letzter Coup, bevor er sich ins Privatleben mit den Neffen, der wahrscheinlich wieder spricht, zurückzieht und das ist natürlich auch die Stelle, mit der ich Schwierigkeiten habe.

Denn Gewalt und Raubüberfäle mag ich eigentlich nicht und, ob die Mischung zwischen Sozialkompetenz und Fremdenlegion und Raubüberfälle wirklich so realistisch ist, wage ich auch zu bezweifeln.

Es ist aber spannend zu lesen und mal etwas anderes und die Sozialkritik, zum Beispiel, die an den Jugendheimen, wo die Kinder vergewaltigt wurden, wie Leonhard es erlebte, kommt auch vor.

Ob das Jugendamt oder dieses für Familie wirklich einem ehemaligen Heimkind und Fremdenlegionär, die Obsorge für einen traumatisierten Zehnjährigen gibt, glaube ich auch nicht wirklich.

Trotzdem erscheint mir das Buch gut recherchiert und es sind auch einige durchaus geglückte Spannungsmomente eingebaut.

Allerdings hoffe ich doch, daß im Alltagsleben nicht so viel geraubt und gemordet wird und, daß die Geschichte gut ausgeht, finde ich auch sehr schön.

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