Literaturgefluester

2016-10-22

Vorschau auf „Nicht berühren oder Notizen zur Romanentstehung“

Filed under: Buchpromotion — nagl @ 00:32
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20160726-083835

Wie bin ich nur auf dieses blöde Wort gekommen und was
hat es mit Zoran Simcic zu tun, der sie in diesem Augenblick
aus seinem roten Rucksack nimmt und auf den Cafehaustisch
stellt, den er vorher auf die Bühne des Turnsaals trug, in dem
sie Zarah Bashramis Stück zum zwölften Februar 1934 pro-
ben? Sehr verwirrend, die Idee über eine Schreibblockierte,
die einen Roman verfassen will und keine Ahnung hat, worü-
ber er handeln soll? Denn sie hat ja alles schon geschrieben
und die Dose mit der Aufschrift „Gösser“ auf dem Marmor-
tisch passt auch nicht dorthin. Hat man doch wahrscheinlich,
als am 12. 2. 1934, die Sozialdemokraten aus den Gemeinde-
bauten schossen , eine solche nicht gekannt und in dem be-
rühmten Cafe Central, hat der Dichter Doderer, eine solche
auch nicht bestellt, sondern sicher eine Schale Gold. Das Wort
„Bierdose“ ist auch eine Verwechslung. Denn eigentlich woll-
te die Schreibblockierte eine „Wurfgeschichte“ über das Wort
„Dosenbier“ verfassen. Weil sie keine Romanidee hatte, wollte
sie sich an Kurzgeschichten ausprobieren und da ist ihr ein
Schreibratgeber in die Hände gefallen. In eine Bibliothek ge-
hen, sich mit dem Rücken vor das Regal stellen und nach ei-
nem Buch fassen. Ein Wort heraussuchen und notieren. Das
Ganze wiederholen. Dann man fünf bis sechs Wörter, über die
man eine Geschichte schreiben kann. Das erste Buch, das mir
in die Hände fiel, ist Cornelia Travniceks „Chucks“ gewesen
und da stand „Dosenbier“ im Klappentext.

 

Wieder  gibt es einen Vorgeschmack auf mein nächstes Buch mit Cover, Textbeschreibung und einem Gewinnspiel, das diesmal aus drei ersten Romananfängen, nach dem Vorbild  eines „Mimikry-Spiel des Lesens“ besteht.

Ich danke Gloria G. und Anke Dorsam für die zur Verfügungstellen von zwei Textbeispielen, die sie jeweils zu meinen ersten Satz geschreiben haben:

1.

Es war ein trüber  Märzmorgen, an dem Anna Augusta  Augenstern in ihren orangeroten Filzpantoffeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Es regnete nicht, aber die Feuchtigkeit, die in den Sträuchern hing, schlug sich im Kies der Einfahrt nieder. Seit gestern Abend hatte niemand die Einfahrt genommen. Anna Augusta hatte gehofft, die Postbotin oder besser, Besuch würde kommen, bevor sie das Haus verlassen musste, und würde ihr die Entscheidung abnehmen. Am Tag zuvor hatte sie einen Kasten Briefe gefunden, der daraufhin deutete, dass das Haus tief verschuldet war, als sie es gekauft hatte. Sie wußte wenig über den Voreigentümer, vielleicht, daß er gerne Hüte trug, sie erinnerte sich nicht genau. Aber sie hatte eine Absende-Adresse der Briefe. Kein angenehmer Vormittag, um aus dem Haus zu gehen. Lieber würde sie den frischen Tee, der in der Küche auf einem Stövchen stand, mit jemanden teilen, um über etwas anderes zu reden. Was im Dorf vor sich ging. Ob die Bushaltestelle verlegt  würde. Wie der Fischfang war?

 

2.

Es war ein trüber Märzmorgen, an dem Anna Augusta Augenstern in ihren orangeroten Filzpantollfeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Viel Erfreuliches gab es nicht zu sehen. Der Himmel war grau, der Wetterbericht hatte Regen und drei Grad über Null vorhergesagt. Kein Grund zur Freude, aber auch keiner zum Trübsalblasen. Eher Anlaß zum Weiterarbeiten und das hatte sie auch vor. Hatte sie doch wieder einen Roman geplant und würde sich nach dem Frühstück vor den Laptop setzen und an der Geschichte, der gerade sechzig Jahre alt gewordenen Hildegar Hadringer oder H. H., weil man das so schön verkürzen kann, die nach ihrer Pensionierung beschlossen hat, ihre Ersparnisse zu beheben, um sich damit ein schönes Leben zu machen, zu schreiben. So weit, so what und noch nicht wirklich ausgereift, war sie doch erst vor kurzem, mit dem letzten Band ihrer „Flüchtlingstrilogie“ fertiggeworden. Vielleicht also nur ein Wunschtraum Anna Augustas, die sich ebenfalls in A. A. verkürzen ließ.

 

3.

Es war ein trüber Märzmorgen, an dem Anna Augusta Augenstern in ihren orangeroten Filzpantoffeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Was sie dort sah, war wie immer, und doch etwas war anders. Oder war vielleicht  Anna Augusta Augenstern nicht mehr diesselbe? Woher dieses Gefühl, daß nichts mehr so war, wie es einmal war. Woher diese Fremdheit, die alles Vertraute wie eine Imitation des Originals erscheinen ließ, hundertprozentig gleich und doch nicht mehr identisch. Sogar die orangeroten Filzpantoffeln, in den Siebzigerjahren an einem Marktstand am Brenner erworben und mittlerweile, was man ihnen ansah, um die halbe Welt gegangen – die Welt der Anna Augusta Augenstern war nicht sehr groß, aber die Wege addierten sich-, diese Filzpantoffeln, die es in besseren Zustand in jeder Nostalgieboutique zu hohem Ansehen gebracht hätten, jemand mußte sie in ihre feinsten Bestandteile auseinandergenommen und dann wieder zusammengefügt haben, bis sie aussahen wie vorher, oder jedenfallls beinahe, denn irgendwo steckte jetzt ein Fehler drin.

 

Meine Leser können nun erraten, was das Original und was die „Fälschung“ ist?

Für den, der  errät, welcher Text von mir ist, gibt es nach Erscheinen  das Buch.

Wenn ich es mir so ansehe, dürfte die Beantwortung eigentlich ganz leicht sein, als  Hilfestellung verlinke ich aber trotzdem zu den Schreibberichten und wünsche viel Spaß beim Raten!

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2016-10-21

Die Auswandernden

Im Literaturbetrieb und beim Longlistenlesen erlebt man manchmal Überraschungen, obwohl ich ja eigentlich glaube mich dort ganz gut auszukennen, nachdem ich mich da  schon seit über vierzig Jahren daneben stehe.

So habe ich, als ich in der vorigen Woche überlegte, was das wohl auf die österreichische Shortlist kommen würde, ganz ehrlich nicht im Entfernstesten an Peter Waterhouse gedacht.

Ihn und Daniela Emminger habe ich weggelassen, sonst hätte ich eigentlich alle acht als  wahrscheinlich gesehen und was das Experimentelle betrifft, hätte ich mir eher Anne Cottens Verseops gewünscht, denn, als der 1956 in Berlin geborene und in Wien lebende, 2007 den „Erich Fried Preis“ bekam, habe ich, glaube ich nicht sehr viel mit ihm und seinen Büchern anfangen können, denn das Experimentelle liegt mir nun einmal nicht.

2009 hat Michael Hammerschmid den „Prießnitz-Preis“ bekommen und da hat Peter Waterhouse, die Laudatio gehalten, eine sehr sprachgenau, wie ich mich erinnern kann, die Wort für Wort, die Texte des Gewinners auseinandernahm und das ist jetzt mit den „Auswandernden“, das zweite öst Shortlistbuch das ich gelesen habe und wahrscheinlich auch lesen werde, passiert.

Eine punktgenaue Auseinandersetzung und Auseinandernehmen der Sprache und das in Bezug zu einem gerade sehr aktuellen Thema und da  habe ich gedacht, die experimentellen Sprachanalylytiker würden sich dafür interessieren.

Über die österreichischen Shortlist habe ich in den Medien und in den Blogs noch nicht sehr viel gelesen, bei der deutschen wurde allgemein bedauert, daß sie sich nicht mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzte und die Bücher der jungen Deutschen, die aus dem Iran, Saudiarabien, etcetea kommen und darüber schrieben links oder rechts liegen ließ.

Von Peter Waterhouse hätte ich mir eine Auseinandersetzung mit diesem Thema nicht erwartet und es ist auch ein sehr  ungewöhnliches Buch, das da in dem kleinen „Starfruit-Verlag“ erschienen ist und das ich für einen Kanditaten für die „schönsten Bücher Österreichs, Deutschlands“ oder wo auch immer halten würde.

Denn Peter Waterhouse ist nicht der alleinige Autor, Nanne Meyer steht auch noch darauf und die 1953 in Hamburg geborene, die Professorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ist, hat die Illustrationen dazu geliefert oder besser ein zweites Buch dazu gezeichnet, so daß man durch die „Auswandernden“, wie durch ein Museum gehen kann.

Es beginnt auch ganz banal, nämlich mit einer Tafel, die angeblich oder tatsächlich im Einsiedlerpark hängt, ich müßte da mal nachschauen, er ist ja gleich in meiner Nähe, auf der „Am frühen Morgen des 15. Oktober 1936 holte Johann Urban, Schuldiener in der Lehranstalt für Textilindustrie in der Spengergasse, im Postamt am Hundsturm das für die Gehälter des Schulpersonals bestimmte Geld ab und durchquerte gerade den Einsiedlerpark, als ihm ein junger Mann weißen Pfeffer ins Gesicht schleuderte.“, steht.

Mit der Flüchtlingsfrau Media, die mit einigen Wörterbüchern gerade Deutsch zu lernen beginnt und der der Autor oder Ich-Erzähler dabei hilft, durchquert er den Park, bleibt vor der Tafel lange stehen,  liest und liest, kommt dabei zu Adalbert Stifter und zu Hebbel und beginnt die Sprache auseinanderzunehmen.

Denn, was weißt Flucht, ergreifen, begreifen, aufgreifen, wenn man genau hinaschaut, kommt man damit wahrscheinlich so durcheinander, wie es Katja Lange Müllers Asta tat, als sie nach zweiundzwanzig Helferjahren im Ausland wieder zurück nach Deutschland geschoben wurde.

Man sieht auch die deutsche Liste ist aktuell und der Preisträger hat ja auch, wenn auch vielleicht sehr konstruiert und abgehoben sich mit dem Flüchtlingsthema auseinandergesetzt.

Media muß sich auch mit der Sprache auseinanderetzen, sagt „Pippi Langstrupfhose und schreibt in ihre Bewerbungsschreiben „Timm“, denn so hat sie das Wort „Team“ verstanden.

Von Stifter und  Hebbel kommt Peter Waterhouse zu Charles Dickens und zur englischen Sprache, dem Namen nach hat er wohl auch englische Wurzeln und er kommt auch nach Bozen, weil er dort eine Lesung aus einem von ihm übersetzen Gedichtbandes hat.

Aber das passiert erst später in dem Buch, das immer wieder durch sehr schöne Illustrationsblöcke unterbrochen wird, wo der Inhalt des Vorher beschriebenen visuell wiedergegeben wird.

„Keine, kein, keine, ohne“, steht da mit den dazugehörigen Zeichnungen, das Messer oder Stock, das Blatt, eine Zwiebel ohne Zitrone, so genau ist das nicht zu erkennen und mit der Sprache hat man es auch nicht leicht.

Peter Waterhouse geht inzwischen aber zum Asylgerichtshof nach Wiener Neustadt, hält dort, wenn ich mich nicht irre, im Rahmen des „Mit Sprache unterwegs Projekt“ eine Rede und wundert sich, daß keine Richterinnen im Saal saßen.

Vorher hat er Medias Bescheide auseinandergenommen, die bevor sie mit ihrer Tochter das Land verließ, einen deutschen Satz auswendig lernte, um ihn den Grenzbeamten aufzusagen, die ihre Fluchtroute natürlich nicht nachvollziehen konnten.

Vom Auswandern kommt man leicht zum Überqueren und Überfahren, zum Fuhrmann aus einem Märchen oder einer Hebbel-Geschichte aus dem achtzehnten Jahrhundert, zu Zeiten der französischen Revolution, leider fehlen in dem ansonst so schönen Buch, die Quellenangaben, was da jetzt wo zitiert wurde.

Es wird aber auch von einer Freundin, einer Rechenkünstlerin erzählt, die sich ihr Todesdatum genau ausrechnete und dann wirklich punktgenau ein paar Tage vor oder nach dem 4. 4. 2002 gestorben ist und der Erzählter wachte eine Zeit danach jeweils um vier uhr früh auf und konnte nicht  mehr schlafen.

Vom Greifen zum Ergreifen, Begreifen, Auswandern und Zurückdringen, man sieht, man kann sich mit der aktuellen Situation auf verschiedene Art und Weise auseinandersetzen, man kann, wie ich es mit meiner Flüchtlingstrilogie getan habe, realistisch davon erzählen, man kann aber auch mit einer Zeichnerin eine Sprachanalyse daraus machen, kann vom Schuldiener Johann Urban, von Adalbert Stifter, Charles Dickens und anderen erzählen und dann immer wieder die absurde Sprache der Asylbescheide aufzugreifen und zu untersuchen.

Ein interessantes Buch, das ich durch die Shortlist-Juroren kennenlernen durfte, wofür ich herzlich danke, weil es sonst höchstwahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre.

Als Buchpreisbuch wünsche ich es mir nicht, denn dafür habe ich ja schon eine Kanditain, die heute auch beim „Grillparzer Symposium“ liest, wo bei der gestrigen Auftaktveranstaltung für mich überraschend der sehr kritische Literaturprofessor Arno Dusini auf das Buch hingewiesen hat, obwohl er sich vorher über den „Bachmannpreis“ ärgerte, aber dort haben ja heuer Tomer Gardi mit seinem Broken German und die vielleicht auch sehr experimentelle Stefanie Sargnagel gelesen und den Preis hat eine Autorin gewonnen, die auch nicht Deutsch zur Muttersprache hat.

Ob es ein Buch für die berühmte Schwiegermutter ist, glaube ich nicht, der ist es wohl zu experimentell und vielleicht auch zu schwierig zu lesen und das befürchte ich ganz ehrlich auch bei den Bücherbloggern und bin nicht ganz sicher, ob die, die Geduld aufbringen werden, sich durch die zweihundertfünfzig Seiten zu lesen, wo nicht viel passiert, es keinen Plot gibt, aber die Sprache auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt wird.

Man kann aber, wenn einem das zu anstrengend ist, sich immer wieder durch die wirklich schönen Zeichnung lesen. In jedem Sinn also die große Überraschung auf der öst List ich kann das Buch wirklich jeden nur empfehlen und werde jetzt mit dem letzten Buch auf der österreichischen Liste, dem Longlist Buch von Kathrin Röggla weitermachen, die auch eine sehr experimentelle Sprachkünstlerin mit gesellschaftlichen Ansatz ist.

2016-10-20

Elfriede Jelineks siebzigster Geburtstag

Heute vor siebzig Jahren wurde in Mürzzuschlag Elfriede Jelinek, die Nobelpreisträgerin von 2004, geboren.

Zu diesem Anlaß gab es diese Woche im Radio vor dem Mittagsjournal  ein paar ihrer Texte, zum Beispiel am Dienstag eine Lesung aus den „Liebhaberinnen“, wo sie noch selber gelesen hat und die „Elfriede Jelinek Forschungsplattform bzw. das Forschungszentrum“, die mir regelmäßig die Einladung zu ihren Veranstaltungen schickt, veranstaltet schon seit dem elfen Oktober unter dem Titel „Nestbeschmutzerin & Nobelpreisträgerin“ ein Symposium, das an den verschiedensten Orten stattfindet und so bin ich heute statt zum „Grillparzer-Symposium“ und statt „Frankfurtsurfen“ ins Literaturhaus gegangen.

Da gab es ja schon 2004, eine große Veranstaltungsreihe, wo ich auch Pia Janke, die diese Plattformen und Zentren, glaube ich, gegründet hat, kennenlernte, ich habe ihr damals auch meine „Fluchtbewegung“ gegeben, wo es auch um eine Nobelpreisträgerin geht, die sich vor dem sie erwarteten Rummel versteckt.

Seither gehe ich gelegentlich zu den Veranstaltungen, nicht besonders oft, da ich mich ja für die Dramatik nicht so besonders interessiere, aber im Vorjahr, wo es um den Vergleich zwischen Elfriede Jelinek und Herta Müller ging, bin ich dort gewesen und, als Elfriede Gerstl den „Fried-Preis“ bekommen hat und ihre Freundin Elfriede Jelinek, die alleine Juororin war, habe ich sie, glaube ich das letzte Mal im Literaturhaus gesehen, denn seither hat sie sich ja aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen, veröffentlicht aber sehr viel im Netz auf ihrer berühmt gewordenen Website und die „Jelinek-Plattform“ und das „Zentrum“ forscht über sie und gibt jedes Jahr ein Jahrbuch heruas.

Ich weiß nicht genau, was ich alles  versäumt habe, es gab Veranstaltungen im Film-Archiv und im Film Casino, heute ging es aber um die Übersetzungen und da habe ich vor Jahren auch schon einmal ein Symposium in der „Alten Schmiede“ gehört, wo die Jelinek-Übersetzer auftraten.

Amrit Mehta der meine „Zeitungsmeldung“ ins Hindi übersetzt hat, war auch dabei und hat, glaube ich, die „Klavierspielerin“ übersetzt.

Heute begann es mit einem Vortag der Belgierin Inge Artell „Die Welt mit der Sprache neu bauen“, dann rezitierte Norbert  Bachleitner an Hand von der englischen und der französischen Übersetzung des Romaes „Lust“, die „Quadratur des Kreises“, denn Jelinek übersetzen ist wahrscheinlich nicht sehr einfach oder doch, denn sie läßt ihren Übersetzern freie Hand, so daß diese sich austoben können.

Es waren auch einige Übersetzter zum Beispiele, die italiensich und die tschechische im Publikum und Inge Arteel, die Jelinek ins niederländische übersetzt hat, Yasmin Hofmann, die das ins Franhösische, sowie Aleksandr V. Belobratov, der es ins Russische tat, gaben Beispiele, wo Übersetzungen gelingen oder nicht gelingen können.

Dann gab es eine Pause mit einem kleinen Buffet, Brot, Obst, Schokolade und was zum Trinken und noch einen Vortrag zum „Translationalen Schreiben“, da habe ich nicht ganz begriffen, was das ist, es gab aber noch eine Diskussion über Elfriede Jelinek im nationalen, beziehungsweise internationalen Feld, da trat eine Polin auf und erzählte, daß in Polen die „Liebhaberinnen“ als sie dreißig Jahre nach ihren Erscheinen übersetzt wurden, als sehr aktuell aufgenommen wurden und der Wiener Germanist Stean Krammer erzählte, daß die Schüler durchaus Interesse an Jelineks Texte hätten, wenn man sie entsprechend neugierig macht.

In den Schulbüchern tauchen ihre Texte auch auf, sie wird da aber als Feministin oder politische Autorin gesehen und Margarete Lamp-Faffelberger, die an einer amerikanischen Uni lehrt, erklärte, daß Jelinek im universitären Umfeld sehr bekannt sei, sonst aber eher nicht übersetzt und nicht gespielt wird.

Am Schluß gabs  unter dem Titel „Generation Post Jelinek“ eine Diskussion mit Clemens J. Setz und Olga Flor  und dem Jung Dramatiker Ferdinand Schmalz zu ihren Jelinek Bezug, Kathrin Röggla, die auch mitmachen sollte, ist aber, wie Robert Huez derzeit in Frankfurt und schickte nur eine Grußbotschaft, in der sie erzählte, daß Elfriede Jelinek, ich glaube auch mit den „Liebhaberinnen“ oder war es die „Klavierspielerin“ oder „Die Kinder der Toten“, das schreiben lehrte.

Nun ist Kathrin Röggla, mit deren „Nachtsendung“ ich gerade begonnen habe, sicher eine sehr politische Autorin, Ferdinand Schmalz, den ich im „Musa“ hörte und der mit seinen Stücken auf großen Bühnen, beziehungsweise mit seinen „Herzerlfresser“ gerade im Akademietheater aufgeführt wird, ist das auch und Olga Flor wird, meinte Teresa Kovacs, die die Diskussion moderierte, oft mit Jelinek verglichen, während Clemens HJ. Setz sich in seinem „Indigo“ auf die Kinder der Toten bezog.

Wieder kam die Frage zum Jelinek Bezug und was von der Autorin gelesen wurde, das scheint jetzt sehr zu modern zu sein, die drei schon erähnten Romane waren das, glaube ich und am Schluß las jeder noch eine Textpassage, bevor es an das Anstoßen und  das Gratulieren in Abwesenheit der Autorin ging.

Ich habe die meisten Romane  gelesen, hier, glaube ich, aber nichts besprochen, da war ich nur bei einigen Veranstaltungen und würde mich nicht unbedingt als Fan bezeichnen, halte sie aber für eine sehr interessante Autorin und den Roman „Lust“ habe ich einmal im Schrank gefunden, aber noch nicht gelesen.

2016-10-19

Grillparzer in die Moderne

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:00
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Nach dem etwas beschränkten Frankfurtsurfing, bin ich ins Literaturmuseum gegangen. Zu einem Archivgespräch „Franz Grillparzer – ein Klassiker für die Gegenwart“.

Dem Hausherr, wie Bernhard Fetz immer sagt, wurde der neuerschienene Archivband gewidmet und ich habe, als ich mir die Veranstaltung eingetragen habe, glaube ich, etwas gezögert, ob ich hingehen soll, denn ich bin ja eigentlich kein Grillparzer Fan.

Erstens weil mich die Dramatiker nicht so interessieren und zweitens weil ich eigentlich auch der Meinung bin, daß er verstaubt  ist und uns heute vielleicht nicht mehr so viel sagt.

Das Beispiel das ich da immer anführe, ist die wahrscheinlich ebenfalls etwas verstaubte Bibliothekarin in den sechziger Jahren aus der städtischen Büchereifiliale Kalvarienberggasse, die der Hauptschülerin die Krimis verwehrte verweigerte und sie mit einer Grillparzer-Gesamtausgabe nach Hause schickte.

Dann habe ich in der Straßergasse, die „Medea“ oder die „Sappho“ im Burgtheater gesehen und habe den starken feministischen Inhalt, der heute diskutiert wurde, wahrscheinlich nicht so mitbekopmmen.

Aber von „Weh dem lügt!“ war ich mitgerissen und wahrscheinlich hat mir auch „Der arme Spielmann“, den wir in der Straßergasse gelesen haben, gefallen.

Dann kam lange nichts, denn ich gehe ja kaum ins Theater oder die Ruth Aspöck mit ihrem Grillparzerbuch und heuer habe ich ja auch den Schreyvogl gelesen, weil ich ihm einmal im Schrank gefunden habe und als das Literaturmuseum eröffnet weurde, habe ich mir ja auch das Grillparzerzimmer angesehen.

Gestern bin ich dann daraufgekommen, daß das Archivgesrpäch nur die Vorarbend Veranstaltung  eines internationalen „Grillparzer-Symposiums“ ist, daß Donnerstag und Freitag im „Grillparzer-Haus“ stattfindet und da die Ruth ja der „Grillparzer Gesellschaft“ beigetreten ist, hält sie dort auch einen Vortrag, über „Grillparzer als Fußgänger“ und einen Beitrag in der Anthologie wo Grillparzert-Texte von Autoren ausgesucht oder neugeschrieben wurden, hat sie auch.

Die Veranstaltung, die von sehr viel älteren Herren, wahrscheinlich die Mitglieder der „Grillparzer Gesellschaft“ besucht war, wurde mit der Lesung von Anna Kim und Robert Schindel begonnen, die Beispiele aus Grillparzers Autobiografie beziehungsweise seinen Tagebücher brachten.

Die Zensur unter der er sehr gelitten hat, spielte dabei eine Rolle und dann fuhr er meiner Meinung nach auch ziemlich unsanft über seine Zeitgenossen, wie Lenau, oder  Carl Maria von Webern her.

Dann kam die Diskussion unter der Leitung der „Standard-Redakteurin“ Andrea Schurian die mit den beiden Autoren, sowie Daniela Strigl und  Arno Dusini Grillparzer entstauben sollte.

So war auch die erste Frage der Moderatorin, da ja alle der Diskutanten mit dem Bachmannpreis etwas zu tun hatten, ob Grillparzer, den gewonnen hätte?

Nein, würde ich sagen, denn er war ja ein Dramatiker und habe da auf seine Autobiografie und Prosatexte vergessen, beziehungsweise ḱenne ich die wahrscheinlich gar nicht so genau.

Nein, meinten eher die anderen. Daniela Strigl meinte, er wäre zu dicht dafür und die Juroren hätten ihn wohl nicht verstanden und der Germanistik Professor Arno Dusini, der auch einmal Juror war, war mit dem Preis überhaupt unhzufrieden und meinte, er würde jetzt in eine eher ungute Richtung gehen.

Das hat mich verwirrt, denn gerade der letzte Wettbewerb war ja sehr ungewöhnlich, auch wenn den Juroren dann der Mut fehlte und sie weder Stefanie Sargnagel noch Tomer Gardi in die Shortlist aufnahmen.

Es ging dann aber zu Grillparzer zurück beziehungsweise zu der Bildungsfrage, denn in den Lehrplänen kommt er nicht mehr vor, auch bei der Zentralmatura nicht und auf der Universiät scheint man ebenfalls nicht mehr viel von ihm zu hören, dann kommen die Lehrer von dort heraus und werden ihn den Schülern auch nicht näher bringen.

Die nächste Frage war nach den eigenen Grillparzer Erlebnissen?

Da wurde die Schule genannt, die ihn den Schülern ausgetrieben hat und die Burgtherateraufführungen waren auch nicht gerade umwerfend. Also ähnlich wie bei mir, aber Anna Kim hat „Weh dem der lügt“ nicht gefallen, was bei mir ja gerade umgekehrt war.

Robert Schindel entpuppte sich als Grillparzer Leser und dann wurde diskutiert wie reaktionär oder konservativ er wäre?

Als Nationaldichter in den Fünfzigerjahren mit seinem Ottokar mißbraucht, aber starke Freuenfiguren, die Libussa, die Medea und diese behandelt ja die Flüchtlingsfrage auf höchst aktuelle Weise, merkte Arno Dusini an und erwähnte dann, was sehr interessant ist, Peter Waterhouse „Die Auswandernden“, das öst Shortlistenbuch, das ich gerade lese und von dem ich sehr begeistert bin, obwohl ich mich auch für keinen Waterhouse Fan gehalten hätte, als lobendes Beispiel.

Die Diskussion, die ich bis dahin teilweise nicht nachvollziehen konnte, wurde dann wieder verständlicher. Daniela Strigl brachte immer wieder kurze Gedichte oder Aphorsmen zur Aufheiterung und mündete in die Auffassung daß man Grillparzer wieder neu und anders lesen sollte und, daß ihm nach 1945 eher mißbraucht hätte.

Dann wurden Fragen zugelassen und auch gestellt und ich hatte mich  schon die ganze Zeit gewundert, daß die Grillparzer-Experten so lange still zugehört hatte und morgen geht es  weiter mit Franz Grillparzer – „Tradition und der Innovation“.

Eine türkische Expertin habe ich gehört, wird nicht kommen, weil sie keine Ausreiseerlaubnis bekommen hat, ansonsten werden auch Friederike Mayröcker und Antonio Fian lesen, Erwin Riess ebenfalls, der ja auch ein Grillparzer-Stück geschrieben hat.

Da werde ich zwar nicht mehr kommen, weil Praxis, Frankfurt surfen und es derzeit  auch ein Jelinek Symposium, zum siebzigsten Geburtstag der Dichterin gibt.

Ja derzeit ist sehr viel los in Sachen Literatur und das finde ich  spannend und ein bißchen hat sich bei mir das Grillparzer-Bild glaube ich auch verändert,, beziehungsweise habe ich vielleicht einen Blick hinter das Staubtuch getan und die Kombination Grillparzer und Waterhouse finde ich sehr interessant, obwohl sie gar nicht so abwegig ist, weil es in dem Buch auch um Hebbel und Stifter geht, aber dazu mehr morgen oder übermorgen, wenn ich es ausgelesen habe.

2016-10-18

Ruth Aspöcks poetischer Diskurs

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:00
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Die 1947 geborene Ruth Aspöck, Feministin und Kleinverlegerin, die ich irgendwann nach meiner Arbeitskreiszeit kennengelernt habe, hat ein neues Buch geschrieben.

Sie ist ja, seit sie 2007 mit der Dichterradkarawane von Wien nach Bamberg ihren Verlag „Die Donau hinunter“ aufgegeben hat und in Pension gegangen ist, sehr aktiv, so daß schon vier Bücher bei „Löcker“ inzwischen erschienen sind.

Die Tagebücher oder die „Langweilige Blindschleiche“, die „Reisen mit Grillparzer“, „Der Krieg nach dem Frieden“, das „Adria Buch“ über eine bosnische Flüchtlingsfrau, die sie in der Kantine, wo sie essen geht, kennenlernte und jetzt „Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst“, woraus sie, glaube ich, schon bei den „Volksstimmefesten“ gelesen hat und jetzt im „Rebubulikanischen Club“ vorstellte.

Viele Bekannte im Publikum, Elfriede Haslehner, Erika Brunngraber, Irene Wondratsch, Karin Ivancsisc und und und…

Ruth sagte in der Einleitung, daß sich dieses Buch im Gegensatz zu ihren anderen Büchern an das literiasch interessierte Fachpublikum wendet und eine Frau, eine Schriftstellerin namens Elisabeth Schwarz, rechnet mit ihrem Leben und dem Literaturbetrieb sozusagen ab.

Da stellt sich natürlich wieder die Frage der Autobiografie, denn diese Frau hatte einmal einen Kleinverlag an dem viele junge Dichter hoffnungsvoll ihre Mansukripte schickte, sie hat auch  ein Semester in Madrid studiert und eine Zeitlang in Kuba gelebt und ein Haus am Land hat sie auch, aus dem sie ihre Bibliothek hinausräumen muß und da fallen ihr zwei Bücher in die Hände, eines von Jean Paul Satre, das, glaube ich „Was ist Literatur“ heißt, ein Essay und dann den „Lexikonroman“ von Andreas Okupenko.

Daran knüpfen sich viele philosophische Überlegungen an und Elfriede Haslehners Dissertation spielt daran auch eine Rolle beziehungsweise wurde sie zitiert.

Der Verlag wünschte, daß „Roman“ auf dem Buch, das übrigens eine sehr ästhetische Umschlaggestaltung hat, oben steht und die Ruth las sich eine Stunde durch das Buch, dann gab es noch eine Diskussion, die Andreas Okupenko, auf dessen Begräbnis ich ja 2010 war, erinnerte.

Ottwald John der auch im Publikum war, gab davon einige Inspirationen, ich kann mich erinnern, daß es an diesem Sommertag so heiß war, daß ich die Aufbahrungshalle verlassen mußte, weil ich das Gefühl hatte, sonst umzufallen und daß ich auf dem Grinzinger Friedhof auch lange das Bernhard Grab suchte und nicht gefunden habe.

Im Anschluß gab es wieder Wein, beziehungsweise konnte man sich diesen auch schon vorher holen, sowie Gespräche und die Ruth ist ja sehr aktiv, denn sie hat schon nächste Woche im Republikanischen Club wieder eine Veranstaltung zum Thema „Politik & Poesie“, die Ditha Brinckwell veranstaltet, die mich einmal auch zu einer solchen einladen wollte und es dann doch nicht tat.

Da lag jetzt schon ein Lesehaft auf und beim Grillparzer-Symposium, das am Donnerstag und Freitag im Literaturmuseum stattfinden wird, wird die Ruth auch einen Vortrag halten.

Dann veranstaltet sie noch den kulturpolitischen Arbeitskreis im Rahmen der GAV-GV am Freitag Nachmittag und das Buch hat sie mir zum Rezensieren auch zur Verfügung gestellt.

Das wird zwar noch eine Weile dauern, bis ich dazu komme, bin ich ja derzeit noch sehr eifrig beim östereichischen Buch und Debutpreis lesen, aber irgendwann komme ich sicher dazu und nächstes Jahr zum siebzigsten Geburtstag wollen wir mit ihr auch eine Runde um den Bodensee fahren.

Die Annäherung

Nach der Vergabe des deutschen Buchpreises an Bodo Kirchhoff geht es mit der österreichischen Liste und dem dritten Longlistbuch, sowie dem ersten, das auf der Shortlist steht, weiter.

Aus Anna Mitgutschs „Annäherung“ habe ich schon in der „Alten Schmiede“ ein Stückchen gehört und die 1948 geborene war mir schon in den Neunzehnhundertsiebziger Jahren, als ich zu schreiben begonnen habe und mich auch im Arbeitskreis schreibender Frauen literarisch sozialisierte, ein Begriff. Sie war oder ist auch Vizepräsidentin der IG Autoren und ich habe einige ihrer Bücher, auch die literaurwisschenschaftlichen gelesen.

„Die Annäherung“ ist ein interessantes Buch, über vierhunderseiten dick, könnte man so sagen, auch wenn auf dem ersten Blick vielleicht nicht so viel passiert und es auch keine sprachlichen Experimente gibt.

Es gibt auch nicht so viel Neues, was hier beschrieben wird, sondern eine Familiengeschichte, die wahrscheinlich jeder in irgendeiner Form erlebt und die über Sechzigjährigen werden auch, wie ich, Väter haben, die ihnen ihre Kriegstagebücher, sowie ihre Fotoalben mit lachenden jungen Wehrmachtssoldaten hinterlassen haben.

Das Buch wird in zwei Perspektiven aus der, des siebenundneunzigjährigen Theos, in „Er- Form“ und dann aus der in „Ich Form“ seiner Tochter Frieda erzählt.

Die beiden hatten es nicht leicht miteinander und sie nähern sich auch nicht wirklich an, da gibt es zuviel was sie hindert, hemmt, sprachlos macht, etcetera.

Es wird in einem Jahr erzählt, beginnt mit dem Winter, wo der Sechundneunzigjährige einen Schlagerfall erleidet und endet dann im nächsten Winter mit seinem Tod.

Inzwischen wird viel, ein ganzes Leben einer ganzen Famalie, Kinder, Enkelkinder, Cousinen, geschiedene Ehemänner, gestorbene Frauen, erzählt.

Theo ist und das unterscheidet ihn von anderen Protagonisten anderer Romane, kein intellektueller, sondern ein Gärtner, ein sprachloser Bauernsohn, der in den Krieg geschickt wurde.

Die erste Frau Wilma ist gestorben, ein Jahr später freundet er sich sehr zum Mißfallen seiner pubertierenden Tochter mit Berta an, heiratet sie und schickt Frieda, um seine Ehe zu retten noch vor ihrem achtzehnten Geburtstag aus dem Haus.

Denn Theo ist ein passiver Typ, ordnet sich Berta unter. Frieda studiert Geschichte und fragt den Vater, wenn sie ihn heimlich trifft, öfter, die berühmte Frage, die ich meinem, glaube ich gar nicht so sehr stellte, „Was hast du im Krieg getan?“ und es kommt nicht sehr viel heraus, als Scham, Schweigen, Reue.

Friedas Sohn Fabian ist Theo näher gestanden, der hatte aber mit dreißig seinen Unfall, der Enkel bzw. Urenkel verschwindet mit seiner Mutter, so ist Frieda, die noch eine Tochter hat, allein und im ersten Winter, als Theo gehbehindert aus dem Spital zurückkommt, hat auch Berta, die zwar siebzehn Jahre jünger ist, einen Schwächeanfall, muß ins Spital und es bleibt ihr nichts anderes über, als die Tochter anhzurufen, damit sie sich, um den Vater kümmert.

Später kommt Ludmila aus der Ukraine, als illegale vierundzwanzig Stunden Betreuerin, in die sich der alte Theo verliebt, das erscheint mir ein wenig kitschig, kann aber vielleicht so sein. Beim siebenundneunzigjährigen Geburtstagsfest wird Berta jedenfallls auf sie eifersüchtig und schmeißt sie hinaus, so daß Theo, die Stunde abwarten muß, bis Berta mit der neuen Pflegerin in der Stadt ist, um die Tochter zu sich zu rufen, ihr ein Sparbuch, ein Päckchen und sein Kriegstagebuch mit der Bitte zu übergeben, zu Ludmila zu fahren und ihr das zu bringen.

Das Tagebuch ist für Frieda, als Belohnung sozusagen und sie fährt damit mit einem jüdischen Freund zu dem sie eine Fernbeziehung hat, auch los, nach Krakau, Lemberg Czernowitz, an den erstern zwei Orten war ich auch schon mal, sucht nach jüdischen Spuren, die sie nicht findet, liest das Tagebuch, stößt dort auch auf Lücken und die letzten Fragen werden nicht, können das vielleicht gar nicht mehr, beantwortet.

Ludmila ist ebenfalls schweigsam und abweisend, als sie sie endlich erreichen. Sie heiratet gerade, kommt also nicht zurück und Frieda kann ohnehin nur mehr einem schwerhörigen alten Mann, der sie kaum erkennt, diese Nachricht überbringen.

Ein interessantes Buch über die Geschichte der letzten hundert Jahre, nicht das erste zu diesem Thema, ich erinnere an den Film „Sibirien“ von Felix Mitterer mit Fritz Muliar.

Beeindruckender, als das mit den Kriegstagebüchern war deshalb für mich auch das Seniler- und Schwächerwerden des alten Mannes, etwas was mich naturgemäß sehr interessiert und ich es sehr interessant und vielleicht auch neu fand, wie sich Anna Mitgutsch diesem Thema was ja auch sehr schmerzliches ist, was gerne verdrängt wird, annähert.

Ein interessantes Buch also und sehr zum Lesen zu empfehlen und daran schließt sich  wahrscheinlich fast nahtlos ein weiteres öst. Shortlist-Buch, nämlich Peter Henischs „Suchbild mit Katze“, das glaube ich. in das zerbomte Nachkriegswien führt. Aber das müßte ich erst bekommen, so daß ich mit Peter Waterhouse „Auswandernden“ weitermachen werde.

2016-10-17

Verpasste Buchpreisverleihung

Am Abend wurde in Frankfurt zum Auftakt der Buchmessse der neue deutsche Buchpreisträger bekanntgegeben und da ich ja nicht nach Frankfurt fahre, war für mich der Livestream interessant, der schon ein paar Tage vorher auf der Buchpreisseite bekanntgegeben wurde.

Ich interessiere mich ja erst seit dem ich blogge genauer für den Buchpreis, habe die Bücher  früher eher nicht gelesen, nur das Probeheftchen durchgeblättert und den Livestream habe ich meistens auch nur halb oder kurz angeschaut, denn die Buchpreisverleihung beginnt ja um sechs und da war ich meistens auf den Weg in die „Alte Schmiede“, einmal war ich bei einer Lesung von Judith Gruber Rizy im Republikanischen Club, einmal habe ich in der Bezirksvorstehung Mariahilf selbst gelesen.

Seit vorigen Jahr, seit ich selber Buchpreis blogge, das heißt mich durch die Bücher lese, ist das anders, da habe ich glaube ich, die erste Veranstaltung in der „Alten Schmiede“ versäumt und bin erst zur zweiten gegangen damit ich mir vorher anschauen konnte, wer den Preis gewonnen hat, es war der Frank Witzel, das einzige Buch das ich damals noch nicht gehabt habe, das hat mir erst die Trude K. zum Geburtstag gebracht und im Vorjahr habe ich zum ersten Mal die Verlage angeschrieben, zehn oder elf Bücher bekommen, zwei in Buchhandlungen gelesen, mir vier vom Alfred kaufen lassen und mir zwei vom Otto ausgeborgt.

Heuer habe ich erstaunlicherweise fast alle Bücher, wofür ich den Verlagen sehr herzlich danke, außer „Hool“ und „München“ bekommen und auch gelesen und so hatte ich auch wieder einen guten Einblick in die Büchervielfalt und das ist ja das interessante, wenn man sich selber durch die Bücher liest.

Zwanzig für mich sehr überraschende Bücher wurden da am 23. August aus glaube ich hundertvierundsechzig ausgwählt und die sind ja auch nur eine kleine Auswahl aus den drei oder dreißigtausend Romane, die dieses Jahr im deutschen Sprachraum erschienen, also habe ich nur einen kleinenen Einblick, aber den habe ich bekommen, als ich mich in den letzten zwei Monate durch die Liste las.

Sehr viele Bücher von älteren Männern, die sich mit der Midlifekrise oder der letzten Liebe beschäftigen, zwei experimentelle Texte von jüngeren Frauen, ein bißchen was zur schönen Sprache von Dagmar Leupold, Eva Schmidts Episodenroman, sehr viel Konstruiertes, ein Abenteuerrroman und und und, als die Shortlist bekanntgegeben wurde, war ich gerade beim elften Buch, Sybille Lewitscharoffs „Pfingstwunder,“, für mich eine Überraschung und lange Zeit meine Favoritin, gefolgt von Thomas Melles Bericht über seine bipolare Krankheit.

Der ist dann tatsächlich mit Bodo Kirchshoffs „Widerfahrnis“ auf die Shortlist gekommen. Gefolgt von Eva Schmidt und Reinhard Kaiser Mühlecker, den ich dann halb auf meine Liste setuzte, sehr spät gefolgt von Katja Lange Müllers „Drehtür“, meine zweite oder erste Favoritin, Andrej Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ und wiederum nur halb von Peter Stamms „Weit über das Land“.

Daß Bodo Kirchhoff und Thomas Mellen die offiziellen Favoriten wären, habe ich durch die Blogs mitbekommen, eigentlich mehr der Melle, der ja auch mein Favoriti gewesen wären, wenn die Frauen, weil nicht auf der Shortlist das nicht konnten.

Eigentlich habe ich nicht wirklich daran gezweifelt, daß Thomas Melle der neue Buchpreisträger wird, stand er ja schon mit seinen zwei anderen Romanen auf der langen und der kurzen Liste, obwohl sein Buch eigentlich kein Roman ist, Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“ aber schon, obwohl er das Buch selber „Novelle“ nennt.

Einigen Bloggern wars auch zu nahe oder zu langweilig und dann wurde das Buch auch noch gemeinsam mit Andrejs Kubiczeks „Skizze eines Sommers“, auch ein Shortlistfavorit im „Literarischen Quartett“ besprochen und vor allem von Maxis Biller auf eine meiner Meinung nach sehr unqualifizierte Art verrissen.

„Quatsch oder Katastrophe!“, hat er es glaube ich genannt, den Kubiczek von dem ich aber eigentlich nicht glaubte, daß er gewinnen wird, obwohl mir das Buch gut gefallen hat, hat er auch verissen und wieder diabolisch lächelnd „Quatsch!“ gesagt. Ich habe mich geärgert, einen Blogartikel geschrieben und  mir dann gedacht, hoffentlich hat das Thomas Melle nicht geschadet und hoffentlich gewinnt er deshalb nicht nicht.

Nun, wir wissen es inzwischen, er hat nicht gewonnen und ich habe die Preisverleihung auch nicht gesehen, obwohl ich mich schon zehn Minuten vor sechs mit einem Glas Wein ins Schlafzimmer zurückgezogen  und den Laptop eingeschaltet habe, auf den Besuch der „Alten Schmiede“, der auch angestanden wäre, habe ich verzichtet, sondern stattdessen mit dem Alfred ausgemacht, um acht ins Kino zu gehen.

Dann habe ich den Livestream einschalten wollen und es ist nicht und nicht gegangen und im Hintergrund hatte ich die 2015 Bücher und via Twitter sah ich die Preisträger, bekam auch ein bißchen, was mit von der Preisverleihung und um sieben, daß der Preisträger Bodo Kirchhoff ist.

Nun sein Buch hat mir nicht so besonders gefallen, bis auf die Stelle mit dem Flüchtlingsmädchen und dem Wirt der die Polizei holt, als die beiden Protagonisten, das ältere Paar, sie zum Essen einladen, habe ich es sehr konstruiert gefunden.

Das Melle Buch ist aber sehr speziell und eigentlich kein Roman, sondern eine Krankengeschichte, aber ich wiederhole es, sehr sehr gut, auch wenn das der Herr Biller vielleicht nicht verstanden hat oder ihm zu nahe kam.

Nun ich habe achtzehn der zwanzig Buchpreisbücher gelesen und viel über die deutsche Gegenwartsliteratur erfahren, ich habe auch wieder eifrig bei den offiziellen und inoffiziellen Bloggern kommentiert, die diesesmal gar nicht so viel gelesen haben, aber jetzt zum Teil in Frankfurt sind, während ich ja in Wien verbleibe und gerade genauso eifrig den österreichischen Buchpreis lese, der ja in einem Monat vergeben wird.

Da bin ich gerade beim dritten Buch, dem der Anna Mitgutsch, zwei warten noch und zwei der Buchdebuts und heute habe ich auch noch zwei Bücher von meinem Kritiker Uli geschickt bekommen, so daß mir der Lesestoff nicht ausgeht und ich auch wieder von meinem Zimmer aus ein wenig Frankfurtsurfen werde, nicht so viel wie sonst wahrscheinlich, weil ja am am Samstag GAV-GV ist und am Freitag Nachmittag kulturpolitischer Arbeitskreis und nun haben wir wieder einen neuen Buchpreisträger und das Schöne ist ja daran, daß hat, glaube ich, auch ein Juror so gesagt, dessen Video ich mir angesehen habe, während ich auf den Livestream wartete, daß man  lesen kann, was man will und ich habe mich schon ziemlich durch die deutsche Buchpreisliste gelesen und das war für mich, ich wiederhole es, sehr interessant,  die österreichische Liste ist auch sehr spannend und die Buchmesse, die Holland und Flandern zum Gastland hat, wird das sicher ebenfalls werden.

2016-10-16

Literarische Fernsehformate

Literatur und Fernsehen, wie geht das zusammen? Gar nicht wahrscheinscheinlich oder so wie Literatur und Internet, aber ich verbringe wahrscheinlich mehr Zeit mit dem Bloggen, als mit dem Lesen und Büchersendungen, die den Leuten das Lesen näherbringen sollen, gibt es natürlich auch.

Die kenne ich als Nichtfernseherin vom Hörensagen oder wieder durch das Netz, weil man sie sich dort ja anschauen kann und die legendärste und berühmteste, war, als es noch kein Netz gab, wohl das „Literarische Quartett“ mit dem legendären Marcel Reich-Ranicki, dem streitbaren alten Herrn mit dem dramatischen Lebenslauf. Als er gestorben ist, habe ich mir ein paar Tage lang, glaube ich, alle Videos, die es über ihm gegeben hat, samt dem berühmten Film, im Netz angesehen, der die Faust hochgehoben hat und laut „Das ist keine Literatur!“, geschrieen hat.

Er hat, glaube ich, auch, als die „Gefährliche Geliebte“ von Haruki Murakami besprochen wurde, seine Mitstreiterin  Sigrid Löffler bedleidigt und, als einmal einer der Zuhörer mitdiskutieren wollte, wurde er autoritär des Platzes verwiesen.

Er hat aber auch, als er 2008 oder 2009 einen Fernsehpreis bekommen sollte, diesen abgelehnt, weil die Büchersendungen im Fernsehen so spät stattfinden, daß die meisten Bücherleser schon schlafen, worauf ihn Elke Heidenreich, auch eine legendäre Bücherstreiterin unterstützte und ihre Fernsehleiste „Lesen“, die es dann eine Weile im Internet gab, verlor.

Das „Literarische Quartett“ gibt es inzwischen mit Maxim Biller, Christine Westermann, moderiert von Volker Weidermann mit jeweils einem Gast, wieder, wo offenbar nach dem berühmten Vorbild jeweils vier Bücher besprochen werden und dem 1960 in Prag geborenen Schriftsteller Maxim Biller, von dem ich einmal den Erzählband „Wenn ich einmal reich und tot bin“ gefunden habe, kommt offenbar die Rolle des Krokodils im Kasperltheater zu, der auftritt und zu dem jeweils zu besprechenden Buch „Das ist der größte Quatsch auf Erden!“, sagen soll und dabei lausbubenhaft grinst. Da wird er dann meistens von der mütterlich wirkenden Journalistin Christine Westermann unterbrochen, die soweit sie neben dem energischen Streibaren zu Wort kommt, das Buch verteidigt.

Ein paar dieser Sendungen habe ich mir schon angesehen, im Literaturcafe werden sie auch moderiert und den Leuten scheint der streitbare Herr Biller, der offenbar Peep in die Sendungen bringen soll, damit die Leute nicht einschlafen, auch zu gefallen.

Ich war bis jetzt indifferent, habe mir die Sendungen angesehen und die Achseln gezuckt, denn es ja irgendwie auch bei  mir so, daß ich für meine Bücherempfehlungen das Fernsehen nicht brauche.

Ich weiß nicht woher ich sie beziehe, aber ich habe keinen Büchermangel und bin derzeit sowieso wild beim Buchpreisbloggen, das heißt mit dem deutschen, wo der Preis ja Morgen abend vergeben wird, bin ich schon fast fertig und habe außer „Hool“ und „München“ schon alle Bücher gelesen und habe auch schon meine höchstpersönlichen Preisfavoriten, das heißt eigentlich zwei Katja Lange Müller, dicht gefolgt von Sybille Lewitscharoff und dann ist ja noch Thomas Melles „Die Welt im Rücken“  im Gespräch, das im Gegensatz zu den beiden anderen Büchern tatsächlich auf der Liste steht und obwohl das Buch ja kein Roman ist und den Preis wahrscheinlich bekommen wird.

So könnte ich es mir jedenfalls vorstellen und das meinen auch die meisten anderen Bücherblogger, dann steht noch Andrej Kubiczek mit seinem DDR-Roman auf der Shortlist, der mir  auch sehr gut gefallen hat.

Mir haben dann noch die Bücher von Reinhard Kaiser Mühlecker und Peter Stamm wenigstens tur Hälfte so gut gefallen, daß sie auf meiner persönlichen Shortlist wären und einige andere, wie beispielsweise Arnold Stadlers „Rauschzeit“ und Joachim Meyerhoffs „Ach diese Lücke, diese entsetztlich Lücke“, eher nicht.

Aber da merke ich mein Mißfallen an, beispielsweise diese eher schiefe Metapher in „Am Rand“ und schreie nicht „So ein Quatsch!“, denn ich habe es, da ich ja auch nicht so gerne verissen werden, nicht so mit dem Verreißen und denke, das muß man auch nicht tuin.

Im Fernsehen aber offenbar schon, obwohl es da auch Gegenbeispiele gibt, auf die ich noch zurückkommen werde, aber am Freitag wurde im „Literarischen Quartett“ mit den drei erwähnte n Stammmoderatoren und Thomas Glavinic, als Gast unter anderen die Buchpreisbücher von Thomas Melle und Andrej Kubiczek vorgestellt und Maxim Biller ist bei dem Memoir von Thomas Melle, wie schon beschrieben hergegangen und hat „Ich finde es eineKatastrophe, daß dieses Buch erschienen ist!“, gesagt und bei dem von Andrej Kubiczek hat er es ein paar Minuten später auch getan und hinzugefügt, daß man da sieht, daß die Buchpreise ein Quatsch oder Mist wären, wenn solche Bücher darauf kämen.

Da kam es dann zu einem Streitgespräch und einem mehr oder weniger kurzen Schlagabtausch zwischen Christine Westermann, die sich verteidigend einschaltete und dem Moderatur Weidermann, der glaube ich, den Melle vorgeschlagen hat und ich bin ein paar Minuten lang dagesessen und habe mir „Ho?“ gedacht.

Denn jenseits aller Kritik, die glaube ich, speziell das „Literaturcafe“ bezüglich dieser Sendeleistung hat, habe ich mir schon gedacht, daß das eine qualitätsvolle Sendung ist und es interessant ist, der Dikskussion zuzuhören, aber hier kann ich eigentlich auch nur „So ein Quatsch!“ sagen, denn ein bißchen Einwand habe ich ja auch, wenn Thomas Melle, morgen vielleicht den „Deutschen Buchpreis“ für den besten Roman des Jahres bekommt, denn „Die Welt im Rücken“ ist kein solcher, sondern ein Bericht über seine bipolare Depression und wenn ich dann einen anerkannten Fernsehmoderator sagen höre, daß das Buch nicht auf diese Liste soll, weil es etwas für Voyeure ist, dann setze ich aus.

Die berühmte Schwiegermutter, die sich für Joachim Meyerhoff interessiert und den toll findet und keinen Sohn und keine Tochter mit Psychoseerfahrung hat, wird zugegebenerweise mit dem Buch vielleicht nichts anfangen können, aber sonst finde ich, sehr wohl, daß man über diese Krankheitsbilder sprechen soll und wenn das dann noch am letzten wissenschaftlichen Stand und in einer literarischen Sprache passiert, ist es vielleicht nicht nur ein Buch für angehende Psychiater sondern eigentlich eines für alle, die sich für das Leben und seine Tücke interessieren und Thomas Melle ist mit seinen zwei früheren Büchern „3000 Euro“ und „Sickster“ schon auf der Long- oder sogar Shortlist gestanden und da ist er um den Brei herumgeschlichen und hat die manisch depressive Krankheit in Romanform beschrieben, also literarisiert und jetzt damit ein „Memoir“ oder einen „Personal Essay“ geschrieben.

Wie das geht, kann man im „Writerstudio“ lernen, in die Moderatorenwelt scheinen sich diese Begriffe noch nicht herumgesprochen zu haben, so fragte der streitbare Herr Biller, ob er nur den Inhalt oder die literarische form besprechen soll,  grinste diabolisch  und meinte dann, literarisch ists ein Schmarrn, da haben ihn dann die anderen widersprochen, die fanden, daß die Sprache literarischer, als der leichte lockere Plauderton, des Andrej Kubiczek ist  und ich habe von einigen Bloggern gehört, daß das Buch sie langweilen würde, weil da ja immer das gleiche passiert.

Natürlich, die Manie folgt der Depression und umgekehrt und einen Roman kann ich weglegen und sagen, das will ich nicht lesen!

Wenn ich selbst betroffen bin und die Phasen durchmache, werde ich wahrscheinlich daran scheitern und das ist es wahrscheinlich auch, was das Buch tatsächlich von einem Roman unterscheidet, weil ich das manisch depressive Krankheitsbild von dem sich die nicht Betroffenen auch gern herumdrücken, ja nicht wirklich kritisieren kann.

Die vier Kritiker haben es versucht, daß heißt Weidermann war begeistert, Westermann hat verteidigt und Thomas Glavinic mit dem ich als Schriftsteller  manchmal meine Schwierigkeiten habe, weil zu aggressiv, hat ja, glaube ich, auch einmal gesagt, er würde keine Bücher lesen, weil er sonst nicht zu schreiben kommt.

Das hört man manchmal von Schriftstellern und ist wahrscheinlich legitim, aber dann kamm man wahrscheinlich auch keine kritisieren. Thomas Glavinic hat sich aber trotzdem redlich bemüht und hat es, glaube ich, gar nicht so schlecht gemacht, obwohl die Kritiker im Netz von einem „stotternden Glavinic“ sprachen.

Ich meine eher, er hat sich nicht wirklich ausgekannt und nur ein paar Klischees widergegeben, wie das, das ich, glaube ich, einmal von Daniel Kehlmann hörte, daß alle Schriftsteller lügen würden und daß das Melle Buch daher natürlich ein Roman wäre.

„Ist es nicht!“, würde ich hier wieder antworten, obwohl es natürlich stimmt, daß es wahrscheinlich trotzdem literarisch aufbereitet wurde und, daß das gar nicht anders geht.

Aber ich würde mich nicht dem Satz anschließen, daß die Schriftsteller lügen, wenn sie fabulieren und hier geht es, um eine Autobiografie und spannend für mich war, die großen Namen des literarischen Quartett haben das Buch nicht verstanden.

Kann ja sein, aber dann sollen sie nicht darüber in diesen Ton reden, auch wenn das Fernsehen vielleicht einen Kasperl oder ein Krokodil haben will, um die Leute an der Stange zu halten, das brav „So ein Mist!“ schreit“

Zwei Bücher, die auf der Shortlist des dBp stehen werden das wahrscheinlich nicht sein, denn die Juroren dieses Preises werden sich ja etwas gedacht haben, als sie sie daraufsetzten und weil ich jetzt ja Buchpreis blogge habe ich die beiden Bücher gelesen und bin zu einem anderen Urteil gekommen.

Bei Beiden. Beim Melle habe ich gedacht, das ist kein Roman und dürfte den Ausschreibungskriterien nach also nicht gewinnen und bei Andrej Kubiczeks DDR-Roman in dem er das Leben mit Sechzehn in einem leichten lockeren Erzählton beschreibt, hat mir auch gefallen.

Auch, daß die Quintessenz ist, daß das Leben, wenn man sechzehn ist, tausend Mark inder Tasche und eine sturmfreie Bude hat, rauchen und trinken und den Mädchen nachschielen kann, auch in einer Diktarur sehr schön sein kann und ich war im Sommer 1985 mit dem Alfred und der kleinen Anna in der DDR, dort haben wir Alfreds Verwandten besucht, die uns bekochten und die Sehenswürdigkeiten zeigten und dabei habe ich sehr wohl die bösen Blicke der DDR-Bürger gesehen, die sie uns zuwarfen, weil wir schöner und bunter angezogen war.

Daß das Buch also ein wenig verklärt ist und  Renes Vaters ein Parteifunktionär ist, weil er sechs Wochen in die Schweiz reisen darf, habe ich mir  auch gedacht, sonst aber sehr wohl Kritik in dem Buch gesehen, Maxims Biller, der wieder losschimpfte, aber nicht und hier wurde er auch von Volker Weidermann, der auch Schriftsteller ist und das  Buch „Ostende“, wo sich Stefan Zweig und  einige andere Emigranten  im Sommer 1936 trafen, geschrieben hat, unterstützt, der ebenfalls meinte, daß man die DDR nicht verklären darf.

Warum eigentlich nicht, wenn man es so erlebte? Die realen Fakten kann man ja in anderen Büchern nachlesen und, daß die Sprache so niedlich und einfach ist, habe ich auch nicht empfunden, wenn es vielleicht auch ein Buch ist, daß sich an Jugendliche richtet und die beiden streitbaren Herren haben und deshalb schreibe ich diesen Artikel, meiner Meinung nach den beiden Büchern sehr geschadet, denn ich gehe ja davon aus, daß die meisten Zuhörer dieser Sendung, die Bücher nicht gelesen haben. Wenn die jetzt das Fernsehen abdrehten und mit der Erkenntnis schlafengingen, daß die beiden Shortlistbücher Quatsch sind und Buchpreise überhaupt das letzte, dann ist,  glaube ich, erstens etwas schiefgelaufen und zweitens stimmt es nicht und ich erwarte mir von Büchersendungen eigentlich qualifizierte Moderatoren, die ihr Geschäft verstehen und mich qualifiziert beraten  und nicht von vornherein „Quatsch und Mist!“, schreien, damit eine mütterlich wirkende Frau, die sich meistens nicht durchsetzen kann, die Bücher erfolglos lächelnd verteidigen kann.

So nicht, denke ich, die ich ja froh darüber ist, daß es keine Literaturkritik a la Reich Ranicki mehr gibt und, daß der auch sehr viel Schaden angerichtet hat, hat ja Michael Köhlmeier in seiner Rede zum „Bachmannpreis“ vor ein paar Jahren bewiesen.

Eine solche Literaturleiste brauche ich also nicht, es gibt aber noch andere.

In Österreich gibt es, glaube ich, die Sendung „Lesart“ die ich kaum kenne, weil ich kein Fernsehen habe und im Netz auch nicht darauf stoße, ich war aber zweimal live dabei, einmal im Literaturhaus als Katja Lange Müllers „Böse Schafe“ vorgestellt wurden und einmal zur Eröffnung der Buch-Wien in der „Grünangergasse“, da wird mit dem Publikum vorher der Applaus eingeübt und man muß sonst den Mundhalten und dann gibt es noch den Dennis Scheck mit seinem „Druckfrisch“.

Da gibt es eine Leiste, wo er sich an eine Rutsche stellt und die Spiegel-Bestsellerliste entweder hinunterschmeißt oder einbehält, auch etwas was mir mißfällt und man nicht machen sollte.

Wolfgang Herles hatte eine solche Sendung, wo er, glaube ich, Ferdinand von Schirach einmal sehr kritisierte, daß ich den Kopf schüttelte und es gab noch eine andere mit Amelie Fried, glaube ich, die inzwischen ebenfalls eingestellt wurde.

In der Schweiz gibt es den „Literaurclub“ und der gilt, glaube ich, als positives Gegenbeispiel zum „Literairschen Quartett“, da wird auch meist sachlicher dikutiert, als aber Elke Heidenreich vor ein paar Jahren, ein falsches Zitat brachte, hat man  nicht sie, sondern den Moderator abgesetzt und durch eine hübsche blonde Moderatorin ersetzt, was ich seltsam fand, während Elke Heidenreich noch immer mitstreitet und das vor letzte Mal, glaube ich, Michelles  Steinbeck mit  ihrem sehr experimentellen Debutroman, mit dem sie inzwischen auch auf der Scheizer Shortlist steht, eine Krankheit diagnostizierte.

So nicht, liebe Kritiker, würde ich da sagen, es geht auch anders, man kann würde ich zumindestens hoffen, auch im Fernsehen Bücher besprechen ohne sie zu verreißen und wenn man das schon unbedingt tun will, dann sollte man das differenzierter tun und nicht einen Moderator dafür einsetzen, der nur „Das ist schlecht!“ sagt und die qualfizierte Begründung dafür schuldig bleibt!

Es gibt aber wie ich bei den Bloggern lesen kann, auch eine deutsche Alternative, die deutlich besser ist und die ich mir vielleicht einmal ansehen sollte.

Gemischter Satz

Jetzt gehts ans österreichische Buchpreis-Lesen, nach dem ich mit dem deutschen fast fertig bin und achtzehn Longlistbücher und fünf der Shortlist gelesen habe, damit lasse ich es vorläufig stehen, wer den dBp bekommt, werden wir Montagabend wissen und mache mit Buch zwei der österreichischen Liste weiter, ein Longlistbuch, entgegen meiner Vorsätze mache ich in der Reihenfolge des Eingetroffensseins weiter, lese Shortlist auf Longist, dann nochmal Shortlist und höre vorläufig bei Buch fünf wieder bei der Longlist auf.

Dreimal Longlist, zweimal Shortlist also und der Rest bleibt vielleicht ein Geheimnis, vielleicht auch nicht. Wir werden es sehen.

Jetzt geht es aber sehr poetisch weiter, mit einem kleinen dünnen Büchlein „Novelle“ steht am Cover“ und „Gemischter Satz“ von Daniela Emmiger, die 1975 in Oberösterreich  geboren wurde und von der schon seit einigen Jahren ein „Ritterbuch“ in meinen Regalen steht.

Sonst weiß ich nicht sehr viel über die Autorin und habe sie, soviel ich weiß auch noch auf keiner Lesung gehört.

Ein zweigeteiltes leichtverschobenes Hirn ist noch am Cover des Buches aus dem „Czernin-Verlag“, gepaart mit ein paar fünfblättrigen Kleestückchen zu sehen und wir wissen schon alles oder auch nichts.

So viel sei verraten, es geht um die Liebe, um, die von Agatha zu ihrer Nummer sieben, acht oder neun und die ist, verrät der Klappentext, ein Betriebs- oder „Liebesunfall bei dem alle Bteiligten mehr oder weniger heil davon kommen“, um es poetischer auszudrücken und dann steht noch darunter,  daß „Gemischter Satz ein literarisches Kunststück ist, in der die Autorin, die Erzähltradition mit unerhörer Feinheit verbindet und ganz nebenbei die großen Fragen nach der Wahrheit, der Liebe und der Vergänglichkeit streut.“

Und das ist wahr, man könnte aber auch sagen, da spricht oder erzählt eine Quasseltante uns von einer Agathe, die mit allen Wassern, Poetiken und Erzähltraditionen gewaschen ist, schwankt zwischen Publikumsbeschimpfung und Feuchtgebieten hin und her und beginnt ganz lapidar mit der Definition des „Gemischen Satzes: bezeichnet einen Wein, der sich aus unterschiedlichen Rebsorten aus einem Weingarten zusammensetzt“, kommt dann bald auch zu Elfriede Jelinek: „Wer sich traut vor einem Misthaufen laut die Wahrheit zu sagen, der heißt entweder Jelinek oder aber der ist verrückt oder lebensmüde oder beides.“

Stendhal wird zitiert: „Marie-Henry Beyle (23. Januar 1783 – 23. März 1843) besser bekannt unter seinem Pseudonym Stendhal war ein französischer Schiftsteller, Militär und Politiker. Sein 1822 erschienenes essayistisch philosophisches Werk  De L` amour, eine Physiologie der Liebe, hat sich in den ersten zehn Jahren nur siebzehnmal verkauft.“

Es gibt einen Prolog und die Geschichte von Agatha und ihrem Liebesunfall mit der Nummer sieben, die sich daraufhin „metaphorisch die Brüste abschneidet“ und sich in das Gästezimmer ihrer Eltern flüchtet, dort Prosecco trinkt, schließlich eine Ausbildung zur Köchin macht, das Gulasch mit ein kleinStückchen Bitterschokolade würzt und erkennt, daß  nur ein solches besser wird, in dem man es aufwärmt.

So kommt es zu einer Nummer acht und einer schnellen Hochzeit in Las Vegas, der Nummer sieben ist sie auch nach Berlin nachgereist. Briefe werden geschrieben und beantwortet, die Eltern und die Schwester machen sich Sorgen, um sie, und wollen sie bei „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ anmelden oder „mit Richard Lugner nach Sri Lanka“ schicken, bis sie schließlich den Jahreswechsel allein verbringt, ihren „gemischten Satz“ alleine trinkt,  sich auch die Brüste wieder wachsen läßt, weil sie sich nicht mehr verändern und verbiegen lassen wird.

Denn „Vielleicht bestand die Herausforderung des Lebens genau darin, sich mit dem abzufinden, wer und wie man war, sich in seiner speziellen Art und Weise zu begreifen, zu akzeptieren und schließlich auch zu akzeptieren, dass ein anderer war, wie er war und weder eine Agatha noch eine Nummer acht, das Recht hatten, sich gegenseitig zu ändern. Sie blätterte zur letzen Seite des Scheidungsvertrags und setzte zur Unterschrift an.  das Scheiden tat nicht mehr weh. Es war ganz einfach: Das Leben war gut“.

So endet Daniela Emmingers Novelle von der Liebe und den gemischten Sätzen auf Seite 112.

Eine sehr poetische Geschichte, nicht immer leicht zu verstehe, auch  gänhzlich ohne Plot und wenn man so will, vielleicht auch ohne den Sinn, der der Realistin an der Literatur so wichtig ist.

Ein l`art pour l`art und ein Spiel mit den verschiedensten literarischen Stilen, das ohne den österreichischen Buchpreis und der österreichischen langen Liste höchstwahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre.

So habe ich eine interessante Autorin kennengelernt, die die österreichische Gegenwartsliteratur auf eine sehr interessante Art, manchmal sanft und leise, manchmal aus sehr aggressiv und herausfordernd durcheinandermischt, wofür ich dem „Czernin Verlag“ sehr dankbar bin und jetzt nur noch „Leben für Anfänger“ lesen sollte.

2016-10-15

Der öst. Buchpreis und Tendenzen der österreichischen Gegenwartsliteratur

So lautet glaube ich der Titel eines Gesprächs, daß die österreichiche Literaturkritikerin Daniela Strigl  mit dem „Deutschlandradio Kultur“ führte und dort die österreichische Shortlist vorstellte, was mich dazu veranlaßt, auch meine Gedanken zum neuen Buchpreis und der österreichischen Gegenwartsliteratur zu äußern, denn auf dem Buchpreisprobehefterl, das man zumindestens in Wien sehr leicht bekommt, steht am Buchrücken,  glaube ich, was davon, daß man mit den zehn Longlistbüchern und den drei Buchpreisdebutanten einen guten Eindruck der österreichischen Gegenwartsliteratur bekommt.

Das kann ich, da ich von der öst. List nur den Reinhard Kaiser Mühlecker, der es nicht auf die öst Shortlist „schaffte“, aber auf der deutschen steht, gelesen habe und derzeit gerade Daniela Emmingers „Gemischter Satz“ lese, zwar nicht behaupten und werde es am Ende meiner österreichischen Longlistleseerlebnisse wahrscheinlich auch nicht können, da ich im Gegensatz zu der deutschen Liste, wo ich achtzehn Bücher bekommen und auch schon gelesen habe, hier nur fünf der Longlist und zwei der Debuts habe.

Kann es aber vielleicht doch ein bißchen, da ich schon seit Jahren sehr viel und regelmäßig zu Veranstaltungen ins Literaturhaus, „Alte Schmiede“,  „Gesellschaft für Literatur“, etcetera gehe und diesen Sommer auch sehr viel bei den Ö-Tönen war, wo ich die meisten anderen Kanditaten lesen hörte und mit Peter Henisch dessen Buch im Sommer noch nicht erschienen war, habe ich mich auch am Montag unterhalten.

Fünfundneunzig Ttel aus zweiundsechzig Verlagen, da waren, wie man sehen kann, auch einige deutsche dabei und die österreichischen Autoren gehen ja auch alle, sobald sie können, wahrscheinlich zu diesen hin, was Jochen Jung wie ich vor einigen Wochen hörte, sehr beklagte und auch für ungerechtfertig hält, „Jung und Jung“ ist aber diesmal nur auf der deutschen Long und Shortlist, dafür „Deuticke“, dann „Czernin“, wo ja Benedict Föger, der Geschäftsführer und auch Präsident des Hauptverbvandes ist, dann „Kiepenheuer und Witsch“, „Suhrkamp“, „Hanser“ und ein vermutlich eher kleiner Verlag, der das Waterhouse Buch herausbrachte, wurden eingereicht, zehn Bücher wurden  ausgewählt und alle mußten, glaube ich, im letzten Jahr erschienen sein.

Und ich habe es ja, wie ich mich erinnern kann, auch recht gut vorausgesagt, als ich mir da Anfang September überlegte, wer da auf die Liste kommen könnte?

Gut, ich habe noch an den Thomas Glavinic und den den Norbert Gstrein gedacht, die, wenn man so will, auch schon auf der deutschen Liste fehlen, aber früher vertreten waren.

Juliya Rabinowich habe ich mir gewünscht, da ich ihr Buch ja gern gelesen hätte, aber mit den „Deuticke- Rezensionsexemplaren“ ist es  ein wenig schwierig, denn Blogger sind ja vielleicht doch keine richtigen Rezensenten und ich habe auch schon eine so lange Leseliste, obwohl ich die jetzt ein wenig entrümpelt habe.

Es ist also, was die großen Namen und die Neuerscheinungen betrifft, auf dieser Liste, der langen, wie der kurzen, wirklich sehr viel vertreten, so daß ich schon glaube, daß man einen guten Eindruck der österreichischen Gegenwartsliteratur bekommt, wenn man sich durch sie liest.

Zehn Bücher sind auch schneller als zwanzig zu lesen, obwohl ich die deutschen, wenn auch „München“ und Hool“ zu mir gekommen wären, bis Montag zu der Preisvergae geschaftt hätte und die zehn, beziehungsweise dreizehn österreichischen Listenbücher würde ich bis Anfang November auch gelesen haben und dann kennt man sich ein bißchen aus in der österreichischen Gegenwartsliteratur, die ja ganz interessant ist.

Ich bin nicht nur keine richtige Rezensentin, ich bin auch keine Literaturwissenschafterin, sondern „nur“ eine seit über vierzig Jahren schreibende Frau die von ihrem Brotberuf als Psychologin und Psychotherapeutin lebt, seit diesen vierzig Jahren aber sehr viel liest und  viel zu Veranstaltungen geht, so würde ich mich schon trauen, wie es, glaube ich, auch Daniela Strigl tat, die österreichische Literatur in zwei Strömungen, nämlich die erzählende und die experimentelle zu unterteilen.

Und die letztere ist hierm glaube ichm auch, stärker als die Erzähler vertreten, obwohl die kommen und im Aufschwung sind und dann gibt es auch die großen historischen Namen und Vorbilder, wie die Wiener Gruppe,  Peter Handke, Thomas Bernhard und seinen Gegenspieler Heimito von Doderer und da sind wir aber schon in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und haben mit der Gegenwartsliteratur nicht sehr viel im Hut.

Es gibt also die Elfriede Jelinek, die österreichische Nobelpreisträgerin von 2004, die glaube ich nicht mehr publiziert, sondern bloggt und fürs Theater schreibt, es gibt aber noch eine große Frau, abgesehen von der Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger, die diese Tage ihren runden Geburtstag hatte, und das ist Marlene Streeruwitz, die hat auch einen neuen Roman, der nicht auf der Liste steht, den ich mir schon zum Geburtstag wünschte, es gibt Peter Henisch, der auf der Shortlist steht und Gustav Ernst und Robert Schindel, die haben, glaube ich, keine entsprechendenen Bücher, es gibt Marie Therese Kerschbaumer und und und….

Es gibt also viel viel mehr österreichische Gegenwartsautoren, als auf der Liste Platz hätten, es gibt Lyriker, Romanautoren, experimentelle, Klein- und Kleinstverleger und sicher auch ein paar Selfpublisher, ich zum Beispiel die bis jetzt ja keine Chance auf die Liste haben und sich auch noch anhören müßen, daß sie unverständlich schreiben.

Aber gut, das kriegen auch andere zu hören und der österreichische Durchschnittsleser, der ja angeblich seine acht oder neun Bücher im Jahr liest, ist wahrscheinlich schon mit der deutschen und der österreichischen Liste überfordert und von der deutschen gilt es auch noch zu erwähnen, daß da auch, weil sie eine deutschsprachige ist, einige österreichische Namen wie Eva Schmdt, Hans Platzgummer und Anna Weidenholzer stehen und die sollte man vielleicht dazulesen, wenn man sich durch die österreichische Gegenwartsliteratur liest.

Es gibt das „Fröhliche Wohnzimmer“ und da hat Ilse Kilic ja erst vor kurzem den „Veza Canetti Preis“ gewonnen, die auch ihre Kleinverlagsschauen und Messen haben und dort ihre Bücher verkaufen, und es gibt auch das was der Durschnschnittsleser wahrscheinlich auf seiner Leseliste hat, nämlich die österreichischen und auch anderen Krimis und da gibt es jauch einen österreichischen Krimipreis und da gibt es auch so klingende namen wie Andreas Pittler, Eva Rossmann, Edith Kneifl und wieder und und und….

Es gibt einige Hände voll kleinerer oder mittlerer österreichischer Verlage wie „Residenz“, „Deuticke“ „Zsolnay“, „Droschl“, „Czernin“, „Otto Müller“, „Jung und Jung“, „Picus“, „Braumüller“, „Haymon“ und wieder und und, denn da habe ich jetzt sicher einige vergessen, die mir zum Teil auch ihre Bücher schicken, wenn ich danach frage, so daß ich, verbunden mit meinen regelmäßigen Veranstaltungsbesuchen, eigentlich ganz gut unterwegs in Sachen österreichischer Literatur bin.

Dann gibt es was die Buchdeuts betrifft, die ja jetzt in Mode sind, seit vorigen Jahr auch „Kremayr& Scheriau“, der diesbezüglich ja sehr gut unterwegs ist, so daß ich mich auch durch die Debuts gelesen habe und wenn man das alles mehr oder weniger liest oder sich durch die österreichische Lange oder kurze Liste liest, ist man wahrschein gut informiert in Sachen österreichischer Gegenwartsliteratur, hat da aber die deutsche, die Schweizer und überhaupt die ganz andere, noch nicht gelesen.

Das trifft dann auf mich ziemlich zu, da ich ja außer dem Buchpreisbloggen, gar nicht so viele Neuerscheinungen lese, aber im Frühlich meistens nach Leipzig fahre, dann dem „Bachmannpreislesen“ zuhöre und seit ich Buchpreisblogge, kenne ich mich glaube ich, auch bezüglich des deutschen Lesens etwas aus.

Mit der deutschen Liste bin ich, wie schon erwähnt, vorläufig fertig, jetzt lese ich Emminger, Mitgutsch, Waterhouse und Kathrin Röggla hinunter und dann eine österreichische Neuerscheinung, die ich zu erwähnen vergessen habe, nämlich Georg Elterleins „Sprache der Krähen“.

„Picus“ hat sie mir geschickt, dann lese ich die Debuts, den Sascha Batthyany, der seltsamerweise ein Schweizer und kein Österreicher ist, Friederike Gösweiner und dann, wenn das so klappt, wie ich glaube und Katharina Hacker, den „Alpha“ gewinnt, wahrscheinlich auch „Blauschmuck“, denn diesen österreichischen Nachwuchspreis gibt es seit einigen Jahren auch.

Dann ist wahrscheinlich schon November und die neunte „Buch-Wien“ beginnt und da werden ja am Vorabend die beiden Gewinner, wo ich ja sehr gerne die Frau Mayröcker“ als erste österreichische Buchpreisträgerin hätte, vorgestellt.

Bis dahin bin ich mit dem Lesern der vorhandenen Bücher sicher fertig, wenn mir noch jemand, das mir fehlende, nämlich Mayröcker, Cotten, Sabine Gruber, Peter Henisch und Michael Köhlmeier schicken will, wäre ich sehr dankbar und revanchiere mich gerne mit einem selbstgemachten Buch und ich bin auch sehr gespannt, ob ich, weil ich ja keine richtige Rezensentin und Literaturwissenschaftlerin bin, auch eine Einladung zur Preisverleihung bekomme?

Ansonsten werde ich moch höchstwahrscheinlich wieder viel und neugierig auf der „Buch-Wien“ herumtreiben, dann wahrscheinlich schon meinen so lang aufgeschobenen Vicki-Baum Schwerpunkt lesen und die Bücher von Arno Geiger, Sabine Gruber, Franzobl, Richard Schuberth und Eli Angerer, die älteren, die noch auf meiner Leseliste stehen und, das habe ich jetzt fast vergessen, da gibt es ja noch einen Teil, der österreichischen Gegenwartsliteratur, nämlich den zehnten „Ohrenschmaus“, wo es am zehnten November, die Preisverleihung gibt, am elften wird er dann mit seinem neuen Buch auf der „Buch-Wien“ vorgestellt und eine Diskussion dazu gibt es auch, dann fahre ich nach Hause zu meinem literarischen Geburtstagsfest, wo es eine Lesung gibt, wo auch einige, der, gaube ich, paar tausend Autoren, die im Handbuch der IG Autoren eingetragen sind, lesen werden.

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