Literaturgefluester

2016-11-21

Internationale Erich-Fried-Tage

Im November finden ja meistens die „Erich Fried-Tage“ statt, beziehungweise wird da dann der „Erich Fried-Preis“ vergeben, manchmal gab es da Paralellen mit meinem Geburtstagsfest, auch mit der „Buch-Wien“ mit der „Literatur im Herbst“ hat es sich aber noch nie überschnitten.

Heuer hat es, was sich dann  nicht ganz so schlimm, herausstellen sollte, denn heuer ist ja alles anders und so wurden die „Fried-Tage“, die es seit einigen Jahren mit einem jährlichen Symposium gibt, am Samstag mit einer Ausstellung eröffnet, da war ich im „Odeon“  und am Sonntag gabs die Preisverleihung zeitgleich mit dem „Werkstattgespräch in der „Alten Schmiede“ zu „Echos aus Japan“, das ich versäumte, denn die Preisverleihung wollte ich mir gerne anhören, da ich ja, wie meine Leser wissen, solche sehr mag und auch regelmäßig besuche, vielleicht weil ich selber keine Preise bekomme und dann ist der Preisträger, der 1983 in Frankfurt am Main geborene, Leif Randt, von dem ich zum ersten Mal etwas hörte, als er beim „Bachmannpreis“ gewonnen hat, auch sehr interessant.

Ist er doch ein sehr schlagfertiger junger Mann, der seine Preisverleihung „einen interessanten Vormittag“ nannte, während er sonst am Sonntag eher schlafen würde und seinen Erstlingsroman „Leuchtspielhaus“, habe ich mir vor einem Jahr, in einer Trafik, um zwei Euro als „unverkäufliches Leseexemplar“ auch gekauft, in meinen Bücherbergen versenkt und noch nocht gelesen, vielleicht komme ich einmal dazu.

Beim Bachmannpreis hat er aus seinem zweiten Roman „Schimmender Dunst über Coby County“ gelesen, inzwischen ist noch der dritte Roman „Planet Magnum“ erschienen und die einzige Jurorin, die, wie das bei diesem Preis so üblich ist, ihn vorschlug, war Eva Menasse, von der ich „Vienna“ und „Quasikristalle“ gelesen hat, weil sie damit ja vor zwei Jahren beim „Alpha“ gewonnen hat, deshalb war auch Robert Menasse bei der Preisverleihung.

das heißt wahrscheinlich nicht nur deshalb, trat er doch am Abend bei der Tagung „Jüdische Kultur der Gegenwart“ auf, da war ich  im Odeon,  aber als ich in der Früh ins Literaturhaus gegangen bin, lagen schöne Bücher im „Wortschatz“ darunter Robert Mensasses „Schubumkehr“, jetzt bin ich zwar gar nicht sicher, ob ich das Buch nicht schon habe, habe es aber signieren lassen, finde ich es in meiner Leseliste, lege ich es am Montag  mit der taufrischen Unterschrift zurück, wenn ich zum „Round Table Gespräch 1“ ins Literaturhaus gehe.

Es ist mir auch vorgekommen, als wären weniger Leute im Publikum, wahrscheinlich die, die in der „Alten Schmiede“ beim „Werkstattgespräch“ waren, Gustav Ernst war aber da, Herbert J. Wimmer, Karin Invacsics und und…

Christel Fallenstein und Friederike Mayröcker, die früher gern zur Preisverleihung gekommen sind, nicht mehr, aber Julia Franck saß in der ersten Reihe und tritt ja am Montag bei den „Round Table Gesprächen, gemeinsam mit Robert Schindel auf, der auch im Publikum war.

Es kamen dann auch die Grußworte von Robert Stocker vom Bundeskanzleramt und vom deutschen Botschafter, Heinz Lunzer, der derzeitge Präsident der „Fried Gesellschaft“ stellte  Eva Menasse vor und fand für sie sehr launige Lobesworte.

dann kam die 1970 in Wien geborene, die derzeit in Berlin lebt und hielt ihre Laudatio, erklärte, daß es sich bei „Planet Magnum“ nicht oder nicht nur um einen „Science Fiction Roman“ handelt, wie der deutsche Botschafter meinte, da ist auch schon sehr viel Gesellschaftskritik dabei und Leif Randt hielt dann, wie er anmerkte, seine erste Dankesrede, für die er sich sehr bemüht hatte.

Erich Fried kam dabei nicht sehr vor, wohl aber die Texte des Autors, nämlich die, die er gerne schreiben würde und auch die Reisen um die Welt, die er im Rahmen des „Goethe Instituts“ macht und zu denen er, seit er einmal in Sibirien war, oft eingeladen wird.

Dann wollte er ein Video zeigen, das klappte aber nicht mit der Technik, so daß er die Frage stellte, ob die Leute nicht fernsehen würdenund was sie sonst am Abend machen?

„Bücher lesen!“, schrie einer aus dem Publikum und da sowohl Eva Menasse, als auch der Botschafter, den Fernseher in Betrieb setzen konnten, ging es mit der Rede weiter.

Danach gabs Sekt zum Anstoßen, ein bißchen Smalltalk und ich bin  ins „Odeon“ zum zweiten oder dritten Teil des „Japanischen Echos“ gegangen und da die „Fried Tage“ diesmal erst begonnen haben, ist es am Montag mit den Round Table Gesprächen zum „Jüdischen Leben“ weitergegangen und da hat es um fünf mit Edek Bartz, ein im Kasachtan geborener Musiker und Lektor an der angewandten Kunst, de rin Ostberlin geborenen Barbara Hongmann und Robert Schindel, moderiert von Doron Rabinovici zu der Frage „Erinnerung im globalen Zeitalter“ weitergegangen und die Erinnerungen sind der Holocaust, genauso, wie der Auszug aus Ägypten  und der Begriff Holocaust wurde auch erst in den Neunzehnsiebzigerjahren durch den gleichnamigen Film geprägt, an dem ich mich sehr gut erinnern kann, denn da bin ich ja einmal im Wienerwald spazierengegangen, habe am Cobenzel an einem Wirtshaustisch eine Reihe junger Männer in brauen Hemden sitzen geeshen, habe böse geschaut und gedacht, das wären Nenazis, später habe ich dann im Fernsehen gesehen, das waren Filmaufnahmen für die berühmte Serie.

Robert Schindel wurde in Wien. als Kind von jüdischen Kommunisten geboren, Barbara Honigmann, von der ich, glaube ich schon einige Bücher gelesen habe, von jüdischen Eltern, die nach dem Krieg nach Ostberlin zurückgegangen sind und die Diskussion schwankte zwischen Erinnerungen, dann gab es eine lange Pause, wo man sowohl ein Glas Wein trinken, als auch den Büchertisch betrachten konnte, ich bin aber wieder schon vorher beim Bücherschrank fündig geworden und habe dort zwei zum Thema passenden Bücher gefunden, nämlich Margot Kleinbergers „Als Kind in Theresienstadt“ und Eva Mozes Kor und Lisa Rojany Buccien „Ich habe den Todenengel überlebt-Ein Mengele-Opfer erzählt“ und habe mich darüber mit meiner Sitznachbarin und Volker Kaukoreit unterhalten.

Dann ging es von Ursula Seeber, der vorigen Leiterin der EXil-Bibliothek eingeleitet, weiter mit dem  zeitgenössischen jüdischen Literatur, die von zwei Lesungen, nämlich von Arnon Grünbergs „Mutermale“ und Deborah Feldmans „Unorthodox“ begonnen wurden.

Dann wurde darüber unter der Leitung von Bettina Banasch, die einen Essay von Mirna Funk, deren Debutroman „Winterende“ sich auch mit diesem Thema befasst, diskutiert und das war sehr interessant, denn die 1986 geborene Deorrah Feldman, die jetzt in Berlin lebt, ist in dem jüdischen Stettl Williamsburg in New York in einer orthodoxen Familie und mit Jiddisch aufgewachsen, hat sich dann davon distanziert und einen Roman darüber geschrieben und das Stück, das sie vorlas, beschreibt, wie sie sich den Talmud kauft und beim Lesen die erstaunlichsten Entdeckungen macht.

Arnolds Grünberg „Muttermale“, der in Amsterdam, als Kind aus Berlin stammender Eltern, 1971 geboren wurde, habe ich schon während meines „Frankfurtsurfens“ kennengelernt, da ja dort Holland das Gastland war.

Er lebt aber jetzt in New York und sagte in der Diskussion, daß er nicht in der Reihe zeitgenössischer jüdischer Literatur eingereiht werden wolle und, daß sich auch natürlich auch Nichtjuden mit diesem Thema beschäftigen können, wie auch er über mexikanische Lesberinnen schreiben würde dürfen und nicht gesagt bekommen wolle, daß er das nicht könne, weil er ein Jude ist.

Das ist ein Vorwurf mit dem ich ja auch öfter konfrontiert wurde, Chris Bader Zintzen hat mir mal gesagt, ich solle mich mit den Depressionen älterer Frauen und nicht mit Transgender beschäftigen und die Ruth, daß es sie stört, daß meine Protagonisten oft ausländische Namen haben, das war in der Schreibgruppe, als ich die „Bierdosengeschichte“ vorgetragen habe.

In der Diskussion im Literaturhaus war noch Julia Frank, die in Ostberlin geborene deutsche Buchpreisträgerin von 2007, deren „Mittagsfrau“ ich gelesen habe und die teilweise auch in Tel Aviv lebt und deren Sohn Hebräisch lernt, beteiligt und sie war sehr interessant, weil Arnon Grünberg und Deborah Feldman sehr unterschiedliche Ansichten hatten und am Dienstag geht es mit noch einer Round Table Runde und dann mit dem „Reden über Liebe oder dem literarischen Werk von Jeffrey Eugeniden“ im Akademietheater weiter, aber da werde ich nicht kommen können, da ich Christel Fallenstein in ihrer Seniorenresidenz besuche, um ihr aus „Paul und Paula“ oder auch aus etwas anderem vorzulesen und dann am Nachmittag zwei Stunden habe, so daß sich das nicht ausgehen wird.

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