Literaturgefluester

2016-11-20

Echos aus Japan

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:44
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Wieder einmal „Literatur im Herbst“, dem Nachfolger der „Literatur im März“, das Walter Famler von der „Alten Schmiede“ seit einigen Jahren im November, meistens mit Literatur aus einem bestimmten Gastland macht.

Weil es zeitlich öfter mit meinem Geburtstagsfest zusammengefallen ist, habe ich die Veranstaltung einige Jahre lang versäumt und bin, glaube ich, erst hingekommen, als Griechenland das Gastland war, dann kam die Ukraine, Ex-Jugoslawien, Angelika Reitzer kuratierte einmal für die Frauen, die Donau war einmal das Thema, voriges Jahr der Iran und heuer Japan ein interessantes Thema, nur  zeitgleich mit dem „Fried-Festival“, so daß man sich wieder teilen müßte und weil Japan so weit entfernt ist und wahrscheinlich auch zu teuer Huraki Murakami, dem ewigen Nobelpreiskanditaten einzufliegen, traten diesmal auch eine Reihe von österreichischen Autoren auf, die irgendwie einen japanischen Kontext haben und der ist sehr oft, daß sie dort als Gastlektoren, wie Leopold Federmair, an japanischen Universitäten unterrichten.

Begonnen hat es wieder am Freitag und da habe ich es wegen der „Literatur aus Niederösterreich“ versäumt und am Samstag gings los mit einem Film „Tony Takitani“ nach einer Erzählung von Haruki Murakami und der war sehr meditativ, sehr ruhig und, wie die japanische Literatur vielleicht meistens ist, sehr fremd.

Tony Takitani ist schon einmal wegen seines amerikanischen Vornamens ein Außenseiter, dann ist die Mutter bei der Geburt gestorben, der Vater ein Musiker, war meistens auf Konzertreisen, dann hat er eine Frau geheiratet, die obsessiv Designerkleider kaufte und, als er ihr das verbieten wollte, ist sie daran gestorben, das kommt in dem Film nicht sehr deutlich heraus, es tritt nur auf einmal eine andere Frau auf, die er als Sekretärin engagiert, sie soll aber die Kleider seiner toten Frau tragen, dann bläst er das ab, verkauft die Kleider seiner Frau und die Schallplatten, die er von seinem Vater erbte und bleibt allein.

Im Anschluß gab es eine Diskussion mit der Übersetzerin Ursula Gräfe, die den Skandal um die „Gefährliche Geliebte“ zwischen MRR und Sigrid Löffler im damaligen literarischen Quartett in Erinnerung rief.

Die „Gefährliche Geliebte“ habe ich gelesen, mein einziges Haruki Murakami Buch bisher, obwohl ich einige andere in meinen Regalen habe, dann schwenkte sie zum Namensvetter Ryo Murakami über. von dem ich  „Das Casting“ gelesen habe und es gab eine Lesung aus dem Nachfolgerroman „Coin Locker Babies“, wo es um in Schließfächer weggelegte Kinder geht, beziehungsweise, um eine junge Frau, die mit Siebzehn mit ihrem Krododil, das im elterlichen Haus zu groß geworden ist, auszieht.

Danach kam, eingeleitet von Leopold Federmair Hitonari Tsuji, der 1959 in Hino geboren wurde, jetzt in Paris lebt, Filme gemacht hat und überhaupt, wie Leopold Federmayr erwähnte, ein „Tausendsassa“ ist, er stellte ihm einige Fragen, die der Autor, glaube ich, anders als erwünscht, der von der guten österreichischen Küche, dem Schnitzel und dem Gulasch, schwärmte, beantwortete.

Dann aber etwas vom Buddhismus erzählte und es gab einen Auszug aus seinem Roman „Der weiße Buddah“, der wie der Autor dann doch erzählte, das Leben seines Großvaters schildert.

Danach kam die 1959 geborene Sabine Scholl, die jetzt in Berlin lebt, aber dreimal je ein Semester in Japan war und jetzt einen Roman herausgegeben hat, der die „Füchsin spricht“ heißt, daraus las sie drei Stellen, die von Japan handeln und zwar ist die Protagonistin mit ihrer Tochter Kiki aus Japan nach Berlin zurückgekommen, der Vater ist dort geblieben und hat sich auch mit einer Japanerin verheiratet.

Fukushima wird thematisiert und die japanischen Mythologien, so ist das Fuchsmotiv ja ein beliebtes Thema und da stand ja auf der vorigen deutschen LL ein solches Buch, das es auch am Büchertisch gab und noch einiges anderes aus der Sicht von Personen, die Japan schon verlassen haben und nur mehr ihre Fiktion davon wiedergeben.

Zuletzt kam wieder eine Japanerin, nämlich, die 1983  geborene Nanae  Aojama, die ihren Roman „Eigenwetter“ vorstellte, wo es um eine zwanzigjährige junge Frau geht, die, weil ihre Mutter nach China geht, in das Haus einer alten Verwandten zieht und dabei einige Erfahrungen macht, Beziehungen eingeht und schließlich einen Job findet. Der Fluß oder die Eisenbahnschienen werden dabei, als Metaphern des Lebens beschrieben und  Thomas Eggenberg, der zwar nicht sie, aber Banana  Yoshimoto übersetzte, fragte die junge Frau nach ihren Leseerfahrungen und, ob sie schon einmal in Österreich gewesen wäre?

Am Sonntag  gabs in der „Alten Schmiede“ ein Werkstattgespräch zwischen Lydia Mischkulnig, Sabine Scholl, Miri Yu und Fuminori  Nakamura, der am Freitag gelesen hat, zum Thema „Global und Lokal“, aber da wurde zeitgleich im Literaturhaus der „Erich Fried Preis“ an Leif Randt verliehen, so bin ich erst knapp nach zwei ins Odeon gekommen, wo der Film „Kirschblüten und rote Bohnen“ schon gelaufen ist, den ich schon mit dem Alfred im Februar gesehen habe.

Der Film ist nach einem Roman des 1962 in Tokio geborenen Durian Sukegava und handelt von der Diskriminierung an Lepra erkrankten, die in den Fünfziger Jahren in Japan weggesperrt wurden. Er handelt auch von drei einsamen Menschen, einem Mädchen, das mit ihrem Vogel bei ihrer Mutter lebt, die aber nicht viel Zeit für sie hat, einen vorbestraften Dorayaki-Bäcker und einer alten an Lepra erkrankten Frau, die in den Neunzigerjahren wieder in die Freiheit durfte und ihm das Rezept der besten Bohnenpaste lehrte.

Danach gab es eine Pause mit den japanischen Autoren, das heißt, es wurden Lydia Mischkulnig und Anne Cotten vorgestellt, die wie Sabine Scholl und Leopold Federmair einige Semester an einer japanischen Universität lehrten und nun von Martin Kubaczek, der das auch einmal tat, genau zu den japanischen Einflüßen in ihren Werken, die dadurch entstanden, befragt.

Die 1963 in Klagenfurt geborene Lydia Mischkulnig, die ich persönlich sehr abgehoben empfinde, hat dazu wieder aus ihrem neuen Erzählband die Geschichte „Ein Tier wie jedes andere“ gelesen, in dem es, um einen Heuschreck am Fenster einer Angestellten, in deren Firma abgebaut wird, geht, gelesen.

Anne Cotten hat sich in einigen ihrer Büchern mit dem Japanthema beschäftigt und als sie dort war, auch versucht die japanischen Schriftzeichen zu erlernen, außerdem hat sie ihren Figuren japanische Kunstnamen gegeben, so zum Beispielen einen Studenten, der an der Hochschule für Bodenkultur studiert, Boku genannt.

Die 1980 in St. Pölten geborene Milena Michiko Flasar, hat durch ihre japanische Mutter und auch durch das Thema, ihres preisgekrönten Romans „Ich nannte ihn Krawatte“, wahrscheinlich einen größeren Japapbezug und interessant ist auch, daß ich heute im „Wortschatz“ am Margaretenplatz, die Anthologie „schreibART AUSTRIA“- Das Literaturprogramm der Kultursektion  des Außenministeriums gefunden hat, wo unter anderen auch Milena Michiko Flasar mit einem Auszug aus ihrem „Krawatten-Buch“ aus dem ich ja schon einige Lesungen hörte, da aber leider noch nicht zu mir gekommen ist, enthalten ist.

Am Schluß kamwieder eine japanische Autorin, allerdings eine mit koreanischen Wurzeln, die schon erwähnte, Miri Yu, 1968 geboren, sie stellte ihren auf Deutsch erschienen Roman „Gold Rush“ vor, in dem es, um einen Vierzehnjährigen geht, der seinen Vater erschlagen hat und bevor er sich der Polizei stellt, noch einmal mit seinem behinderten Bruder in den Zoo geht.

Diese Stelle wurde von Robert Reinagl auf Deutsch gelesen. Im Gespräch erzählte die Autorin, daß sie jetzt an einer Fortsetzung schreibt, in der es darum geht, was mit dem Vierzehnjährigen zwanzig Jahre später, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wird, passiert.

Also interessant und spannend, vielleicht werden wir auch  etwas von dem Buch hören, inzwischen kann man sich auch so in die japanische Literatur einlesen, das „Kirschblütenbuch“ war allerdings am Büchertisch, den wieder die Buchhandlung der Brigitte Salanda machte, bald ausverkauft. Es lagen aber andere darauf und ich habe auch noch einige ungelesene Bücher von  japanischen Autoren in meinen Regalen und die japanische Literatur ist auch, wie ich bei den Blogs, die ich gerne lese, bemerken kann, derzeit sehr modern und sehr geliebt.

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2016-11-19

25 Jahre Literaturedition NÖ und 25 Jahre Hans Weigel Literaturstipendium

Heute also der große Festakt im Palais Niederösterreich, dem ehemaligen Landhaus der NÖ Regierung in der Herrengasse, auf das Gabriele Ecker schon bei ihrer September Veranstaltung in der „Gesellschaft für Literatur“ hingewiesen hat und da bin ich ich, glaube ich, schon einmal 2008 wahrscheinlich, als Cornelia Travnicek und Magda Woitzuk die Stipendiaten waren, später nicht mehr und da wurden, glaube ich, die NÖ Preise auch in St. Pölten vergeben und da komme ich ja unter der Woche nicht hin.

Heute also das große Fest mit einem großen Programm und auch vielen bekannten Gesichtern im Publikum, die ganze heimische, beziehungsweise niederösterreichische Autorenschaft war angetreten und Sandra Gugic und Margit Mössmer, die neuen Stipendiaten habe ich gleich beim Eingang gesehen, als da noch der Sekt verteilt wurde und man sich die Publikationen der Editon NÖ ansehen können.

Gabriele Ecker ist ja das Herzstück der Edition und Leiterin der NÖ-Literaturabteilung und sie habe ich in den neunziger oder späten achtziger Jahren, als noch Gerhard Winkler ihr Vorgänger im Amt  war und es noch keine Literaturedition gegeben hat, kennengelernt, denn da habe ich auch meine Frauenlesung in St. Pölten gemacht und das Selbstmordbuch vorgestellt, aber da war schon Barbara Neuwirth ihre Karenzvertreterin und ich habe ja, weil schlechte Kritiken mit meinen „Hierarchien“ auch nie ein Stipendkium des Landes NÖ bekommen.

Dann sind wir auch ganz nach Wien gezogen und ich habe mich bezüglich St. Pölten und NÖ nicht mehr beworben und bin erst wieder in das Landhaus gekommen, als Cornelia Travniceks „Asche meiner Schwester“ erschienen ist, das ich mir erschnorrte und von da ab besuchte ich Gabriele Ecker häufig auf ihrern Stand bei der Buch-Wien, um mir ein paar Bücher abzuholen und sie wundert sich, glaube ich nicht mehr, daß ich vier Tage lang von früh bis spät dort zu finden bin.

Jetzt feierte die Literaturabteilung also ihre fünfundzwanzigjährige Umstrukturierung mit einem großen Fest und einer Publikation „Auserlesen-25 Jahre Hans Weigel Literaturstipendium“, die Barbara Neuwirth herausgegeben hat und, um das Lesen ist es bei  der Veranstaltung auch gegangen.

„MOCATHECA“, vier junge Frauen haben musikalisch eingeleitet und auch immer zwischendurch gespielt. Reinhard Linke führte durch das Programm und ein Podiumsgespräch mit Gabriele Ecker, Isabella Feimer, die im Vorjahr Stipendiatin war, Gerhard Ruiss von den IG Autoren, der vor kurzem einen „Würdigungspreis des Landes NÖ“ bekommen hat und Barbara Neuwirth, wo es auch, um das Thema „Auserlesen“ und das, was das Land NÖ für seine Literaten tut und, wie sie sie fördert, ging.

Dann kam Peter Turrini, der Kärtner, der in Retz lebt, auf die Bühne und las sein Stück „Mein Freund Stefan“ aus der „Weinviertler-Atnhologie“ vor, die vor allem, die Landesrätin Barbara Schwarz, die den Landeshauptmann vertreten hat, stark beindruckte.

Jedenfalls hielt sie ein Plädoyer für das Lesen, schwärmte, daß man das schon den Kindern im Kindergarten beibringen sollte und erzählte, wie sehr sie durch Arno Geigers „Der Alte König in seinem Exil“ und eine Gedichtesammlung aus der ihr immer ihre Mutter vorgelesen hat, beeindruckt wurde.

Sie forderte dann zum Mut zum „Zweitbuch auch“ und behauptete der Trend geht in diese Richtung, ich erlebe zwar eher das Gegenteil, habe aber nachweislich mehr als zwei Bücher und schon wieder eine elendlange Leseliste, so daß ich höchstwahrscheinlich heuer nicht mehr zu meinem Viucki Baum-Schwerpunt kommen werde.

Dann kamen schon die Stipendiuaten an die Reihe, Urkunden wurden überreicht, Fotos geschoßen, dann sollten sie je zwei Minuten Proben aus ihrem Werk geben. Die bedankten sich vorerst dafür, daß sie jetzt ein Jahr lang Luft zum Leben und keinen Druck mehr haben würden und lasen dann ein bißchen Probeaus ihren Werken, an denen sie schreiben werden.

Margit Mössner, die ich schon im Sommer bei den O-Tönen hörte, schreibt an einem Roman, der in Südamerika spielt und Sandra Gugic, die vor kurzem erst den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat, also schon ein bißchen Luft haben müßte, einen der „Die Farbe und der Raum der Zeit heißt“ und eine Frau schildert, die von ihrem Zimmer aus zusieht, wie unten auf der Straße ihr Eigentum und Besitz weggetragen wird.

Dann gabs den sogenannten Empfang, das heißt ein Buffet mit warmen Essen, Rinderbraten, Hendelschnitzel, Salaten, Gemüsen und dann noch süßen Desserts, etwas was heute, wo man meistens mit ein paar Brötchen abgespeist wird, schon sehr sehr selten ist.

Ich habe mein Teller an einem Tisch mit zwei jüngern Leuten, leergegessen, mit denen es  eine eher unschöne Diskussion gab, daß sie keinen Präsidenten mit gelben Zähnen, der einmal die Kommunisten wählte, wollten.

Nun ich will dageben keinen Burschenschatler und glaube, daß man immer noch auf die Straße gehen kann, ohne gleich von ausländischen Flüchtlingen vergewaltigt und ausgeraubt zu werden und eine Dia-Prnjektion mit Bildern der NÖ Preisträgern und Literaten gab es auch.

2016-11-18

Ymir

Buch drei  der Shortlist des „Debut-Bloggerpreises“ und wieder ein sehr interessantes Buch, das schon große Diskussionen auslöste und es auch auf die „Liste für die schönsten Bücher“ schaffen könnte, nämlich Ymir“ des 1988 in Amberg geborenen Philip Krömers, der 2015 den „Open Mike“ gewonnen hat und Lektor sowie Verleger des mir bisher unbekannten „Homunkulus-Verlags“, in dem das Buch auch erschienen ist, was noch bevor ich es gelesen habe, bei den zwanzig beurteilenden Bloggern große Diskussionen auslöste, denn Eigenverlag, ist ja bei diesem Preis, wie auch bei vielen anderen von vornherein ausgeschlossen und ist es nun ein Eigenverlag, wenn ich in einem anerkeannten Verlag mitarbeite, den vielleicht auch selbstbegründet habe, um eine Chance für meine Bücher zu haben, weil „Fischer“ , „Hanser“, etcera mich noch nicht nehmen und ist es nur „böse“ und „pfui“, wenn ich meine ChickLits, Fantasy oder Krimis, bei „Amazon“ hochlade?

Die großen Verleger, die ebenfalls schreiben, wie Michael Krüger, Jochen Jung, erscheinen selbstverständlich in anderen größeren Verlagen und keiner regt sich auf und die unbekannteren Autoren, haben oft, wie beispielsweise Ruth Aspöck, einen Verlag gegründet, um erscheinen zu können, der Rudi schreibt inzwischen einen Verlagsnamen auf seine „Willi-Bücher“ oder ist inzwischen überhaupt wieder zu „Resistenz“ zurckgewandert, ich mache meine Bücher selbst, lasse sie fünfzig Mal ohne ISBN Nummer drucken und ärgere mich immer noch ein wenig, wenn ich bei einer Ausschreibung lese, aber bitte kein „Selbstverlag“ oder im Literaturhaus, beziehungsweise der „Gesellschaft für Literatur“ damit nicht lesen darf.

Ja, der Literaturbetrieb ist groß und die Selbstverleger, die ja inzwischen, wie die Schwammerln aus dem Boden sprießen, Marketinkurse besuchen, sich ein Cover kaufen und einen Lektor und dann in Leipzig und in Frankfurt ganze halle füllen, machen es noch ein bißchen schwierigier.

Aber darum geht es hier ja nicht, es geht um einen Klein oder Indieverlag „Schön gestaltete Bücher mit anspruchsvollen Ideen“, steht auf dem begelegten Lesezeichen und auf dem Cover  ist die Abbildung eines menschlichen Körpers mit offener Speiseröhre und einer Art Fell statt eines Kopfes und solche Abbiuldungen gibt es im ganzen Buch, die, wie ich den Anmerkungen entnehme, der „zweibändigen Jubiläumsausgabe von Friedrich Eduard Bilz „Das neue Naturheilverfahren Lehr- iund Nachschlagebuch der naturgemäßen Lebens- und Heilweise sowie neuzeilichen Gesundheitsführung (1938 bei F.E. Bilz Verlag Dresden)“, entstammen und das Buch führt auch in das Jahr 1938, kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges.

Beziehungsweise führt es zuerst in eine Dachstube, mit alten mottenzerfessenen Samtmöbeln, wo der Erzähler seinen Besucher oder Leser höflich auffordert, Platz zunehmen, es sich bequem zu machen, damit er seine Geschichte erzählen kann.

Und dann geht es los in die „Hirnschale“, denn so lautet ja der ganze Titel des Romans „Ymir oder aus der Hirnschale der Himmel“ und Ymir, das kann ich gleich anmerken ist, wenn ich es recht verstanden habe, ein Riese aus der isländischen Sagenwelt und dorthin, nach Island sollen auch drei Leute, ein Coleurstudent, der Erzähler und offenbar  noch nicht so erfolgreicher Autor, ein SS Mann „Von und Zu“, seiner Adeligen Herkunft wegen genannt und dann noch „Klein-Heinrich“ aufbrechen.

Ausgewählt für eine Expedition, um eine Höhle zu erforschen und ein Erzengel hat den unbekannten Autor sogar höchstselbst auf diese Expedition geschickt.

Man sieht schon, es geht hier sehr ungewöhnlich zu, was eigentlich auch nicht zu verwundern ist, daß ein junger  Autor, die Geschichte wieder aufmal neu und ungewöhnlich frech und rotzig, erzählen will.

Also brechen die drei auf, kommen nach Island, ein Fotoapparat, ein Grammophon und selbstverständlich die Tonaufnahme von „Tristan und Isolde“ sind auch dabei und Adolf Hitlers Rede, die er am 30. Jänner 1939 gehalten hat, werden wir uns mit den rollenden RRRs auch noch anhören müßen.

Die Höhle entpuppt sich, als der Körper des Riesens, die, als eine Art Bunker gefunden werden soll, damit fünfhundert aufrechte Volksgenossen, samt ihrer Dienerschaft und Bewachungspersonals, falls es mit dem tausendjährigen Reich doch nicht so, wie geplant, klappen sollte, Platz finden sollen.

Die drei wackeren Gesellen nehmen also ihre Seile und klettern hinein. Durch, die Speiseröhre, den Magen, vorher haben sie noch ein etwas unapetitliches Menu serviert bekommen, Dünndarm, Blinddarm, immer wieder begleitet mit Abbildungen aus dem Lexikon.

Im Dickdarm kommt es dann zu Komplikationen, KleinHeinrich geht  verloren, bevor die restlichen wackeren Helden wieder hinausgeschissen werden und der Erzähler über bleibt, um seinen Besuchern in den zerschlissenen Samtsesseln, das nächste Mal „die gleiche  oder aber eine ganz andere“ Geschichte zu erzählen.

Irgendwo habe ich gelesen, daß es sich bei „Ymir“, um das originellste Debut der Saison handeln würde, nun denn, auf der Longlist des dBp, was für alle nicht so Informierten, deutscher Buchpreis heißt, wäre es von einigen Bloggern, glaube ich, auch gern gesehen worden.

Dorthin ist es nicht gekommen, ein „Hot-List-Kanditat, 2016“ ist es aber gewesen und nun auf der „Blogger-Debut-Shortlist“.

Mir hat es ein spannendes Leseerlebnis bereitet und wieder mal die Frage aufgeworfen, was nun ein selbstgemachtes Buch ist?

Ob ich es, als für mein „bestes Buch“ vorschlagen werde, bin ich mir noch nicht sicher, dazu hat mich „Blauschmuck“ wahrscheinlich doch zu sehr beeindruckt und „Nachts ist es leise in Teheran“, das gerade zu mir gekommen ist, habe ich, neben dem Roman von Uli Wittstock, auch noch nicht gelesen und das wurde von den Bloggern ja auch sehr gelobt.

2016-11-17

Hilde Schmölzers böses Wien

Hilde Schmölzer, die Frauenbewegte, die viele Bücher zu diesem Thema geschrieben hat und die ich irgendwann, nach dem „Arbeitskreis schreibender Frauen“, wo wir ihr Buch „Frau sein und schreiben“ besprachen, kennenlernte, wird nächsten Jänner achtzig.

2008 hat sie ihren Vorlaß der Stadt Wien verkauft und die „Wien-Bibliothek“ machte zu  jetzt eine Austellung mit ihren Fotografien zu dem Buch, „Das Böse Wien“.

Die Ausstellungseröffnung ist schon vorbei undhabe ichversäumt, aber heute fand eine Lesetheateraufführung mit ihr, Heidi Hagl, Elisabeth Krön und Angelika Raubek statt.

Eine Lesungaus ihren publististischen Arbeiten, stand im Programm, es war aber eine Collage aus vier ihrer Bücher, das „BöseWien“ eine Neuauflage aus dem „Mandelbaumverlag“, Karl Kraus und die Frauen, „Frauenliebe“ und das Rosa Meyeder-Buch.

Aus der Neuauflage „die Pest in Wien“, ich habe noch die DDR-Ausgabe, wurde nicht gelesen, weil das zu traugig wäre wie Hilde Schmölzer in ihrer Einleitung erkärte, sie hat aber diesbezüglich in der „Wien-Bibliothek recherchiert und in Rosa Mayreders Tagebücher undBriefe eingesehen.

Ein interessanter Abend mit Textauszügen aus den vier Werken, die ich mir nicht zu kaufen bauchte, denn Hilde Schmölzer hat mir ihre Bücher nach und nach ja alle zu meinenGeburtstgsfesten geschenkt und am 25. 1. gibt es in der“Wien Bibilitphek“ ein großes Geburtstagsfest zu ihrem achtzigsten Geburtstag.

Der Siebzigste wurde im Literaturhaus mit einer Lesetheaterveranstaltung gefeiert, da habe ich noch nicht geblobggt, aber jetzt tue ich es und habe mir die Veranstaltung vorgemerkt.

Heute habe ich mir die Ausstellung angeschaut und ein oder auch mehr Gläser Wein getrunken, dann war es etwas schwierig den Ausgang zu finden, weil das Rathaus eine Bauselle und jetzt müßte oder sollte ich mich auch in meine Hilde Schmölzer Bibliothek, die ja einige Bestseller birgt, einlesen, aber leider habe ich nich sehr viel Zeit dazu, aber die Ausstellung und die Lesetheater Aufführeng waren sehr interessant und jezt kann ich jeden nur empfehlen am 25. 1. im nächsten Jahr in die „Wien-Bibliothek“ zu kommen, denn da liest Hilde Schmölzer aus ihren „Vaterhaus.“

Weißblende

Nach „Blauschmuck“ kommt „Weißblende“, die Namensähnlichkeit ist Zufall oder nicht, jedenfalls Buch zwei aus der „Shortlist“ des „Bloggerromandebutpreises“ und es geht wieder um Gewalt, an und um Frauen oder auch, um pubertäre Mädchenphantasien und wieder ist die Debutantin eine Frau, nämlich die 1983 in Graz geborene, in Wien lebende Sonja Harter, mir als Lyrikerin bestens bekannt, war ich ja schon bei einigen diesbezüglichen Veranstaltungen und als Friederike Mayröcker den „Bremer Literaturpreis“ bekommen hat, hat sie sie, glaube ich nach Bremen mitgenommen.

Ein sehr poetischer Roman also, poetisch und erotisch, der das Unbegreifliche erzählt, das sich vielleicht in vielen pubertären Mädchenseelen abspielt, der Wunsch zwischen dem Ausbrechen, Hierbleiben, Kindsein und Erwachsenenwerden in einer Welt voller Gewalt und Widersprüche, Lügen und Heimlichkeiten, wo es nicht so einfach ist, sich auszukennen und die Literatur, die großen Vorbilder Humbert Humbert und Lolita, Alice im Wonderland, etcetera gibt es  auch, denn auch am Land, im Dorf, in der Enge hinter den sieben Bergen, gibt es ja auch die Schulpflicht und den Deutschunterricht und da spielt sich heutzutage schon einiges ab.

So wirf Jonathan, der Sohn des Bürgermeisters und daher diesbezüglich besonders priveligiert, einen Papierflieger zu der Klassenvorständin hin, auf der ein Penis aufgemalt ist, sie macht das Papier auf, zerknüllt es und schießt es ihm zurück.

Macht man das heutzutage so in den Dorf oder auch Stadtgymnasien?

Da ist jedenfalls Matilda, das ist glaube ich eine berühmte Figur von Roald Dahl, aber auch eine Vierzehnjährige, die in der Enge des Tales aufwächst. Die Mutter sagt man ihr, ist bei ihrer Geburt gestorben, die Großmutter dement und daher in einem Altersheim.

Matilda ist Klassenbeste, ein wenig Außenseiterin und graut sich vor den Ferien, denn sie kann nicht, wie die anderen, sozial besser gestellten, auf Erlebnisurlaub nach Italien oder Griechenland fahren.

Muß da bleiben und will nicht ins Schwimmbad gehen, denn dort werfen, die Burschen ja nur die Mädchen ins Wasser und kreischen auf. So geht sie zum Deutschlehrer und fragt ihm nach einer Leseliste für den langen Sommer. Der ist erstaunt, denkt nach, empfiehlt dann den „Werther“ und noch einiges anderes.

Aber soweit kommt Matilda nicht, denn einiges hat sich bei ihr geändert. Der Vater, der bisher so abgeschlossen lebte und sich nur einmal, lang lang ists her, mit der Putzfrau am Boden liegend überraschen ließ, vermietet ein Zimmer an einen Franzosen, an Alain Bonmot und es kommt, wie es kommen muß oder Besser Sonja Harter es will:

Der Franzose stellt zuerst Fragen, bringt schließlich Matilda in den größeren Nachbarort, wo es sowohl eine Bücherei, als auch das Altersheim gibt, in dem die Großmutter, die, wie sich herausstellt, gar nicht dement ist, lebt und die offenbart der frühreifen Vierzehnjährigen ein Geheimnis, das den Lesern gar keines mehr ist, denn es gab in dem Buch, im ersten Teil „Nervensommer“ immer wieder kursiv gesetzte Abschnitte, die von einer Frau in der Psychiatrie handelten.

Also die Mutter ist nicht bei der Geburt, sondern in der Psychiatrie, wo sie vorher viele bunte Pillen schlucken und für die Ärzte alles aufschreiben mußte,ums Leben gekommen und diese Aufzeichnungen, gelangen in Matildas Hände und dann kommt auch noch Bonmot und entführt die Vierzehnjährige in die Stadt.

Dafür hat er dem Vater, die Miete bis Ende des Jahres vorausgezahlt. In der Stadt zuerst fragt der Hoteldirektor, „die junge Dame“ und den älteren Herrn verlegen nach den verwandtschaftlichen Verhältnissen, denn man will ja wahrscheinlich nicht die Polizei und das Jugendamt vor der Tür stehen haben.

Alain stellt Matilda aber auf die Probe, führt sie in ein Konzert, von dem es dann in das Hotelzimmer des Pianisten geht und Matilda ist widerspruchslos mitgegangen, alsoreif für den Deal und darf das vorausbezahlte Geld abarbeiten, bevor sie wieder in die ländliche Enge und in ihre Schule zurückkehrt.

Dort erwartet sie eine Frau beim Vater, der Dachboden wird für sie ausgebaut, dort kommt es auch zu Herrenbesuchen, einer davon ist der Deutschleherer, der Matilda mit guten Noten bezahlt und am Ende kommt doch wieder die Psychiatrie, die Ärzte mit den weißen Mäntel, die für das Protokoll, die Gerichtsverhalndlung, etcetera, alles wissen wollen, ständig „Alles ist gut!“, sagen und brav ihre blauen oder roten Pillen austeilen und Matilda wird wahrscheinlich am Ende der Geschichte erwachsen werden.

„Der Arzt streicht mir übers Haar. Das Band läßt er da.Ich sehe mir alles an. Das Bild ist unscharf, aber der Ton ist hervorragend.“

„Ich lege dir alles zu Füßen, Mädchen, bücken mußt du dich selbst“, ist noch ein Zitat, das Alain Bonmot zu Matilda sagte und das am Buchrücken zu finden ist.

Ein Buch der schönen Worte also, von höchster Poesie, das man trotzdem oder vielleicht deshalb nicht so gerne lesen will.

Aber vielleicht doch darüber diskutieren, was davon Gewalt, Phantasie, erlaubt, verboten, gut und böse ist?

Wenn man vierzehn ist und in das Auto eines älteren Herren steigt, der einen Zigaretten überreicht oder mit einem Küßchen begrüßt, holt schnell die Direktorin, die Mutter in die Sprechstunde und wenn man Alain Bonmot mit Matilda im Bett erwischt, kommt er ins Gefängnis, auch wenn Lolita, Humbert Humbert vielleicht dorthin lockte und erwachende erotische Phantasien vielleicht oder auch ganz sicher zur Pubertät gehören und wie soll man über all das schreiben?

Schockierend brutal mit Fotos, die es vielleicht im Internet oder in der Gerichtsmedizin zu sehen gibt oder so schön poetisch, wie es die österreichische Lyrikerin Sonja Harter tat, die mit ihrem Debut auf die „Bloggerdebutpreisshortlist“ gekommen ist und ich nun die Qual der Wahl habe, wieder einmal Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Was ist schöner und poetischer „Blauschmuck“ oder „Weißblende“?

Gewaltvoll ist beides höchstwahrscheinlich und es gibt ja noch drei andere Bücher, die zur Auswahl stehen, „Ymir“ ist das nächste, das ich lesen werde und bin natürlich  selber schuld an dem Dilemma, habe ich mich ja noch schnell kurz vor zwölf in die Jury hineingedrängt, weil ich das so gerne mache, Bücher zu vergleichen und dann dazuzuschreiben, daß man das gar nicht kann!

2016-11-16

Ein Abend zum Thema Flucht und Migration

Filed under: Lesung,Veranstaltungen — jancak @ 23:50
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Heute Abend wieder Entscheidungsschwierigkeiten. In der „Wien-Bibliothek“ gab es ein Fest beziehungsweise eine Buchpublikation zum zehnjährigen Bestehen und im Literaturhaus „Willkommen und Abschied – Ein Abend zum Thema  Flucht und Migration“ mit Maxi Obexer, Carlos Peter Reinelt und Eva Rossmann, also auch sehr spannend, denn ich interessiere mich ja sehr für die gesellschaftliche Situation und habe zum Thema „Flucht und Migration“ auch schon einiges geschrieben.

Dann habe ich mir noch eher zufällig, den Programmtext durchgesehen und  gelesen, daß da alle Besucher aufgerufen wurden, vorbereitete literarische, aber auch eigene Texte zu diesem Tehma vorzulesen, bevor darüber diskutiert werden würde.

Und das ist ja etwas Neues, eine offene vielleicht auch pädagogische Initiative, in dem Literaturhaus, in dem ich ja von 2003 bis 2009 den „Tag der Freiheit des Wortes“ organisierte und auch sonst öfter gelesen habe, bis mich Silvia Bartl wegen Programmumstrukturierung, vielleicht auch wegen meiner „selbstgemachten Bücher“, die ja leider immer noch nicht als literarisch gelten, nicht mehr lesen ließ.

Aber bei diesem Thema war es anders, da hat mich Barbara Zwiefelhofer sogar extra gefragt, ob ich lesen will und mich auf eine Liste eingetragen und es war auch sonst ein bißchen anders, denn die Stuhlreihen entfernt oder hinten angestellt, vorne standen Tische mit Sesseln.

So habe ich mich hinten hingesetzt und, ja ich wollte lesen und auch was Eigenes, denn ich hatte nach dem ich den Text eher zufällig gelesen habe, mir den zweiten Teil meiner Flüchtlingstrilogie mit der Fatma Challaki Szene, die ich schon öfter gelesen habe, eingesteckt, ansonsten hätte ich die „Nika, Weihnachtsfrau“ mitgehabt und da kommt die Fatma Challaki zwar auch vor, aber vielleicht nicht so gut zum Thema zu lesen, wie Szene vier aus den „Prekären Verhältnissen“.

Barbara Zwiegelhofer hat eingeleitet und erklärt, daß die Idee zu der Veranstaltung von einer Bulgarin gekommen wäre und die „Exil-Bibliothek“ Texte vorbereitet und zum Lesen zur Verfügung gestellt hat.

Ursula Seeber, die in Pension gegangene Leiterin der Exil-Bibliothek, war auch da und die Initiatorin, deren Name, glaube ich, im Programm fehlt, hat gleich einen Text von Hanna Arendt zum Thema „Flucht“ gelesen.

Da ging es um die jüdischen Migranten, die in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts Deutschland oder Österreich verlassen mußten. Solche Texte waren wahrscheinlich auch vorbereitet und Barbara Zwieelhofer hat ein Gedicht von Nelly Sachs gelesen.

Dann kam schon Hans Kanitschar, ein Psychologenkollege, der, glaube ich, in dem Haus, wo sich das Literaturhaus befindet wohnt, der auch schreibt und sich manchmal bei „Poetry-Slams“ beteiligt.

Der hatte einen Text, der sich auf die Situation im vorigen Jahr am Westbahnhof bezog, „Denn spätestens seit dem August 2015 bestimmen die Themen Flucht und Migration unser Leben in Europa“, steht ja auch im Literaturhausbeschreibungstext und ich bin ja auch im vorigen August zu der Demonstration für Menschlichkeit gegangen und war auch ein paar Wochen später am Heldenplatz auf einem Fest.

„Die ereignisreichen Sommererlebnisse vier prekärer Literaturstudentinnen“ habe ich schon ein paar Monate früher geschrieben und danach daraus die vierte Szene gelesen.

Dann kam Carlos Peter Reinelt, der einen Text über die Ereignisse in Parndorf geschrieben hat, wo ein LKW mit 71 erstickten Flüchlingen im vorgen Sommer gefunden wurde.

Der Text „Willkommen und Abschied“ ist bei „Wallstein“ erschienen und er hat den „Rauriser Förderungspreis“ damit gewonnen, ist es ja  ein starker Text, wie da ein fiktiver syrischer Flüchtling in dem Bus erstickt, der von dem Autor auch noch exzellent vorgetragen wurde.

Dann kam schon, weil offenbar niemand die vorbereiteten Texte der Exil-Bibliothek lesen wollte, die von Eva Rossmann, die inzwischen mit Susanne Scholl eine Anthologie zum Thema „Flucht“ herausgegeben hat, moderierte Diskussion zwischen Carlos Peter Reinelt und Maxi Obexer, die ein Theaterstück zu diesem Thema „Illegale Helfer“ im Schauspielhaus Salzburg urauführte.

Eine interessante Diskussion, die allerdings mit der Frage endete, ob man in die Köpfe rechter Populisten hineinschauen und sie verstehen soll, wie der junge sehr engagierte Mann meinte?

Theoretisch ja, würde ich meinen, nur sind, wie ich dem Buch der Caroline Emcke und der Diskussion mit meinem Kritiker Uli entnahm, die inzwischen so geschult, einen zu beschimpfen und aufs Eis zu führen, daß es schon enormer rhetorischer Kräfte bedarf, um dabei erfolgreich zu sein und wenn wir in Österreich demnächst einen freiheitlichen Bundespräsidenten oder vielleicht auch Bundeskanzler bekommen, nur weil die Leute unzufrieden sind und Angst vor den vielen Flüchtlingen haben, fände ich das nicht sehr gut und es hilft wahrscheinlich auch nicht sehr, über den  kommenden amerikanischen Präsidenten zu lachen, da der ja sehr sehr mächtig ist.

Die Disussion ging also hitzig hin und her und wurde dann von Eva Rossmann beendet, weil es da ja keine Läsung gibt und ich habe also wieder, im Rahmen eines möglicherweise pädagogischen Projektes, unbezahlt im Literaturhaus lesen dürfen, während, wie der engagierte junge Mann in der Dieskussion ja bedauerte, die Podiumsteilnehmer ein gutes Honorar für den politisch oder literarischen Diskurs bekommen hätten und er auch bedauerte, in Rauris viertausend Euro Preisgeld bekommen zu haben, während die Flüchtlinge leer ausgehen.

Wenn ihm das stört, kann er das Geld ja den Flüchtlingsorganisationen spenden und ich lese ja sehr gern und kann mir das wegen meines Brotberufes und der Pension, die ich beziehe, auch leisten.

In der „Gesellschaft für Literatur“, die mich wegen meiner selbstgemachten Bücher,  auch nicht lesen läßt, habe ich das im „Rahmen des Dichterfaschings“ zweimal ebenfalls getan und es gibt auch in Deutschland einige Initiativen, die sich literarisch mit der Flüchtlingsfrage auseinandersetzen, Bücher von jungen Migranten, die inzwischen in deutscher Sprache schreiben, Anthologien, wie die von Eva Rossmann und Susanne Scholl herausgegebene und es gibt natürlich auch meine selbstgemachte Flüchtlingstrilogie für die ich von einer Zuhörerin sogar gelobt wurde.

Aber natürlich ist es schade, daß ich nur im Rahmen einer „Publikumslesung“ im Literaturhaus lesen darf und sonst wahrscheinlich nicht, wie meine Bücher ja aus diesem Grund auf keinen Short-und Longlists stehen, weil das Selbstgemachte ja davon meistens noch immer ausgenommen ist, obwohl sich mein Text, glaube ich, gar nicht so sehr von dem jungen „Rausiser-Förderungspreisträger“ unterschied.

Das heißt doch natürlich, rhetorisch hat er ihn wahrscheinlich besser vorgetragen.

Jetzt habe ich noch vergessen, daß ich aus den „Prekären Sommerereignissen“ auch im Sommer bei Bernadette Zeilingers Konzert im Amerlinghaus gelesen habe und das auch im Jänner in Salzburg tun werde, wer also dort in der Nähe wohnt und ein Stückchen daraus hören will, empfehle ich sehr herzlich ins „Afro-Asiatische-Institut“ zu kommen, denn im Literaturhaus, nein, da kann man ja nicht mit „selbstgemachten Büchern“ lesen, wie wir schon wissen.

 

2016-11-15

Fünfzehn Jahre „Eine Stadt.Ein Buch.“

Die Aktion „Eine Stadt.EinBuch“, wo in Zusammenarbeit mit dem „Echomedia-Verlag“ hunderttausend Exemplare eines bekannten noch lebenden Autors von der Stadt Wien an die Leser und Leserinnen verteilt werden, gibt es seit 2002.

Damals wurde Frederic Morotons „Ewigkeitsgasse“ verschenkt und das war in Zeiten, wo es noch keine „Offenen Bücherschränke“ gegeben hatte und auch noch keinen Blog, mit dem man Zugang zu Rezensionsexemplare hat, für mich damals eine der wenigen Möglichkeiten an ein Gratisbuch heraunzukommen. Obwohl ich schon damals wahrscheinlich mehr Bücher hatte, als ich lesen konnte.

Das Buch, des am zwanzigsten April verstorbenen Autors, hat mir, glaube ich, auch gar nicht so gut gefallen, ebenso tat es das mit dem Nachfolgerbuch, nämlich des inzwischen ebenfalls verstorbenen Imre Kertesz, dessen „Schritt für Schritt“, glaube ich, in einer Art Bühnenfassung verteilt wurde.

Ich bin aber natürlich hingegangen, habe mich angestellt, mir das Buch geholt und es meistens auch an die Anna oder meine Schwiegermutter verteilt.

Einmal habe ich mich auf der „Buch-Woche“ im Rathaus auch sehr gestritten und einen Artikel darüber geschrieben, weil das Buch erst verteilt wurde, als der Bürgermeister eingetroffen war und ich es schon früher haben wollte.

Aber natürlich, wer zahlt, schafft an und die Stadt Wien verbindet diese Aktion der Leseförderung natürlich mit der entsprechenden Publicity, der Bürgermeister, ein großer Leser, wie ich immer höre, der die Bücher auch selbst aussuchen soll, tritt auf, hält eine Rede, wird fotografiert und die meistens schon älteren Bücher, die dann zu bekommen sind, werden erst, wenn das erfolgt ist, ausgeteilt, meistens gierig an sich gerafft, ebenfalls in zwei oder drei Exemplaren und werden dann gelesen oder auch nicht.

Ich wäre was das Leseverhalten betrifft, ja ohnehin ein bißchen skeptisch und finde die Bücher, seit es die Schränke, also seit 2010 gibt, auch regelmäßig mehr oder weniger angelesen dort und als ich beim vorletzten „Tag des Buches“ bei den „Wohnpartnern“ gelesen habe, wurden die Restexemplare der früheren Aktionen auch dort verteilt und auf der „Buch-Wien“, lagen vor ein paar Tage, neben dem Buchpreisprobenheftchen und dem „Literatier“ auch Exemplare von „Sofies Welt“, dem Aktionsbuch von 2015 auf, das ich mir, weil ich es schon vorher im Schrank gefunden habe, gar nicht erst geholt habe.

Ähnlich ging es mir mit Anna Gavaldas „Zusammen ist man weniger allein“ von 2014 und Rafik Schamis „Eine Hand voller Sterne“, von 2012, habe ich auch schon vorher gelesen, aber das Buch geholt und ausgetauscht. Es bei den beiden schon erwähnten aber gelassen, da der Platz in meinen Bücherregalen eigentlich keinen Raum für Sammlungen und Doppelausgaben läßt.

Toni Morrissons „Sehr blaue Augen“, das Buch von 2006, hatte ich auch schon gelesen, mir aber, glaube ich, ebenfalls geholt.

Die anderen Bücher waren neu für mich und als ich mich, 2004 wahrscheinlich, beim Stadtradt darüber beschwerte, daß man auf die Bücher warten mußte, habe ich ihm, glaube ich, für das nächste Jahr Elfriede Jelinek vorgeschlagen.

„Die Klavierspielerin“ würde ja, glaube ich, da passen, wenn man es schon nicht mit „Lust“ oder „Gier“ versuchen will.

Aber kein Chance, das war dem Bürgermeister wahrscheinlich zu unkonventionell, also war John Irving, noch dazu in einer sehr sehr schlechten Übersetzung, das Biuch von 2005, obwohl Österreich ja gar nicht soviele Nobelpreisträgerinnen hat, als daß es einfach auf diese verzichten könnte.

Egal, ich bin ohnehin, was diese Aktion betriff, ein wenig skeptisch, obwohl ich ja eine große Leserin bin und absolut nichts gegen Leseförderung habe, aber die Stadt Innsbruckt verteilt, da diesbezuüglich immer ein Buch eines zeitgenössischen Autors, Sepp Mall, Thomas Glavinic,Anna Kim, Sabine Gruber beispielsweise und das würde mich wahrscheinlich mehr interessieren, obwohl ich diese Bücher vielleicht auch schon gelesen hätte und die älteren Damen und Herren, die sich, um das Buch anstellen sind vielleicht eher konservativ denkt sich vielleicht der Bürgermeister, aber in Innsbruck klappt es ja auch.

Aber man soll ja nicht meckern und einem geschenkten Gaul nichts ins Maul schauen und lobenswert ist diese Aktion allemal.

Ich habe mir mit Ausnahme, der zwei schon erwähnten Bücher also alle geholt und auch brav gelesen, ein paar Mal wurde es ja direkt auf der „Buch-Wien“ verteilt und „America“, sowie den „Geschichtenerzähler“ habe ich mir vor drei Jahren von der Hauptbücherei abgeholt.

Heuer stand auch wieder ein Buch am Programm, das mich interessiert und das ich noch nicht gelesen habe, nämlich das, des 1943 in Colombo geborenen Michael Ondaatje, der heute in Canada lebt, „Katzentisch“ und darüber habe ich, glaube ich, einmal bei „Ex Libris“ eine Besprechung gehört, die mich interessierte.

Also habe ich mir den Erstausgabetermin, zwölf Uhr, Funkhaus in der Argentinierstraße, vorgemerkt, eine Freiberuflerin kann sich das ja leisten und bin nach elf Uhr hinmarschiert. Da habe ich dann von zwei netten älteren Damen,  gleich eine Werbung für van der Bellen erhalten, der die Wahl, die hoffentlich wirklich Anfang Dezember stattfinden wird, diesmal wieder gewinnen und die diesmal auch nicht mehr angezweifelt werden sollte.

Bei solchen Aktionen drängen sich ja meistens die Leute vor einer Absperrkordel, hinter der der Bürgermeister, der Autor, die Geldgeber und die Fotografen, umgeben von Sicherheutsleuten und jungen Mädchen in T-Shirts, die die Bücher dann verteilen, die die Bücher für die ganze Familie mitnehmen wollen, einige kenne ich davon, wie die Autogrammsammlerin schon und sie mich auch wahrscheinlich und diesmal war  anders, daß statt dem Bürgermeister der Gemeinderat Woller für die Stadt Wien gesprochen hat.

Helmut Schneider vom Verlag und „Wien live“ hat eröffnet und erzählt: Es ist diesmal etwas besonders, weil wegen dem fünfzehn Jahr Jubiläum gibt es auch eine Ausstellung in dem historischen Funkhaus, das es ja bald nicht mehr geben wird, hat doch Oskar Stocker, die Köpfe der fünfzehn Autoren gemalt, das wäre etwas für den nächsten „Buch-Wien Quiz“,Günter Kaindlsdorfer bitte herhören, Autoren, statt Philosophen,  Päpste oder Sportler herzuzeigen, obwohl ich gleich beknnen muß, daß ich dann wahrscheinlich wieder nicht gewinne, denn die fünfzehn Portraits, die auch in einer Broscüre enthalten sind, wären für mich ebenfalls nicht zu identifizieren. Die Kunst ist ja frei und der Künstler hat seinen besonderen Blick und interessant ist eine solche Ausstellung allemal!

Es gab dann noch Festreden von den Geldgebern, „Wien Energie“ ist ja der oder einer der Sponsoren, da trat eine junge Dame auf, machte Werbung für das Lesen und erzählte was sie selbst gerne lesen würde. Dann wurden die Bücher verteilt und die Leute ermahnt nur eines zu nehmen, damit alle was bekommen!

Aber hunderttausend sind ja, wie ich schon erläuterte, eine große Zahl und es bleiben wahrscheinlich welche übrig. Sie werden in den nächsten Tagen auch an den verschiedenesten Stellen, wie die Bank Austria Filialen, Kafeehäuser, Bezirksämter, Büchereien, im Literaturhaus, etcetera verteilt und am Abend gibt es eine Lesung bei der „Wien Energie“.

Eine Gala, wofür man eine Karte  gewinnen kann, wenn man sehr viel Glück hat, gibt es auch und ich war beim ersten Buc,h glaube ich, auch in der Volkshochschule Brigittenau, wo Frederic Morton gelesen hat.

Um die Teilnahme bei der Gala habe ich mich nicht bemüht, heute gebe ich zu einer Veranstaltung, wo der „Casino Austria Rising Star Award 2016“ vergeben wird und das Buch werde ich natürlich lesen, zwar nicht mehr heuer sondern im nächsten Jahr, denn für heuer habe ich ja noch eine wahrscheinlich ohnehin nicht mehr zu schaffende Leseliste und bin schon sehr gespannt.

Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst

„Ein Diskurs mit Poesie“, steht noch unter dem neuen, wieder im „Löcker-Verlag“ erschienenen Buch meiner Freundin und Autorenkollegin Ruth Aspöck und Roman, obwohl das Buch noch viel weniger, das das von Thomas Melle ein solcher ist, sondern wieder eine Mischung zwischen einem „Memoir“ und einem „Personal Essay“.

Das erste sehr verschlüsselt, denn die „alte Dichterin“ mit Ruth Aspöcks Biografie und ihren Werken, nennt sich ja Elisabeth Schwarz, das zweitere viel stärker, denn es werden immer wieder Zitate aus Büchern  abgedruckt, an denen die Dichterin  ihr Leben resumiert oder Fragen, die sie vielleicht gar nicht beantworten kann, stellt.

Es ist das fünfte bei „Löcker“ erschienene Buch, der 1947 geborenen Ruth Aspöck, die nächsten April ja siebzig wird, so daß wir schon eine Radumfahrt, um den Bodensee planen, denn als sie sechzig war, hat sieihren Verlag „Die Donau hinunter“ aufgegeben und ist, um das zu feiern von Wien nach Bamerg mit dem Rad gefahren.

In ihrem Verlag sind schon einige ihrer Bücher erschienen. Sie hat ihn ja auch, wie sie Elisabeth Schwarz in den Mund legt, gegründet, damit ihre Sachen erscheinen können, später hat sie bei „Löcker“ eine Heimat gefunden, ihre Tagebücher herausgebracht, Franz Grillparzer nachgefahren, ihre Kindheit nach Krieg resumiert und sich auch mit der Biografie einer bosnischen Flüchtlingsfrau auseinandergesetzt.

Man sieht, Ruth Aspöck war schon vorher autobiografisch und hat auch das verschleiert und dann wieder sehr aufgedeckt.

Die Frage, wie man mit der eigenen Biografie umgeht und, wie man sie beschreibt, ist ja eine, die auch mich sehr beschäftigt und mit Ruth Aspöcks Bücher kann man vortrefflich darüber nachdenken oder philosophieren.

Ausgangspunkt ist der Verkauf des Hauses im Mühlviertel, wo ja einmal der Verlagssitz war und sich noch die Bibliothek befand.

Die muß ausgeräumt werden. So sitzt die fast siebzigjährige Dichterin da, nimmt Buch um Buch zu Hand, überdenkt dabei ihr Leben, zitiert Okopenko, Sartre, Haslehner, sich selbst und noch einige andere und das nicht linear, sondern ziemlich durcheinander und auch sehr verschlüsselt.

So werden den Zitaten nicht direkt die Namen der Autoren zugeteilt, sondern da stehen schöne Worte, wie „Gedanken“, „Hoffnung“, „Literaturen“ und man muß erst im zehnten Kapitel nachschauen, aus welchem Buch da zitiert wurde und, um das noch schwieriger zu machen, wurden „Gedanken“, „Hoffnung“ Literaturen“ nicht alphabetisch angereiht, sondern die Namen der Autoren und man muß erst mühselig nachsuchen, wo jetzt „Hoffnung“ „Gedanken“ oder „Literaturen“ steht.

Ja, Ruth Aspöck macht es sich und ihren Lesern nicht leicht und sie ist sich glaube ich auch nicht ganz sicher, ob sie ein erfülltes Leben hatte, das da in zwanzig nicht linearen, sondern sehr sehr sprunghaften Kapitel, erzählt wird.

Wieder, wie schon bei ihren früheren Büchern, merke ich an, daß ich nicht sicher bin, wie ein Leser in Deutschland oder sonstwo, der Ruth Aspöck nicht kennt, das Buch interpretieren wird.

ich kenne ja einiges aus ihrem Leben, aber auch nicht alles, denn das Verschlüsseln, Verschweigen, Distanzieren, gehört wahrscheinlich zu ihrer Person und deshalb ist der poetische Diskurs in dem sehr viel Wehmut klingt, glaube ich, auch spannend zu lesen.

Die Worte „Demut“ und „Zurückstellen“ kommen öfter, wahrscheinlich auch in früheren Büchern vor und auch das Gefühl der Armut. Das des nicht Mithalten können mit den anderen, reicheren Kollegen aus den anscheinend besseren Familien, die die junge Elisabeth-Ruth auf der Universität trifft, als sie nach abgelegter Matura nach Wien kommt, um hier Theaterwissenschaft zu studieren oder noch besser Schauspielerin zu werden.

Das ist nicht geglückt, sie hat aber einige Leute kennengelernt, die Karriere machte und über, die nicht so erfolgreiche später dann die Nase rümpften, nicht gern in ihre Wohnung kamen, weil sie sie, wie Elisabeth-Ruth argwöhnt, als armselig empfinden würde.

Das kann ich beispielsweise nicht nachvollziehen, weil ich das Arbeiterkind aus dem Gemeindebau, erstens nie Freunde mit adeligen Namen und solcher Vergangenheit hatte, zweitens die Ruth, die ja in Wien, als Feministin und „Auf-Gründerin“ sehr bekannt ist, immer, als sehr elegant empfunden habe und mich manchmal auch ein wenig darüber wunderte, daß eine „Linke“ so elegante Kleider trägt.

Ein bißchen läßts sichs aber aus der Biografie der Dichterin erklären, die in dem Buch viele Fragen stellt, Anekdoten aus ihrem Leben erzählt und die eigene Biografie mitschwingen läßt.

Als Studentin ist sie nach Madrid Gegangen und hat darüber in ihrem Verlag, den „Ausnahmezustand für Anna“ veröffentlicht.

Sie wäre schreibt die alte Dichterin lieber nach England gegangen, aber dafür bekam sie kein Stipendium.

Später war sie einige Jahrein Kuba, hat darüber in „Tremendo Swing“ geschrieben. Hat, dazwischen, glaube ich, Ruth schreibt etwas davon, daß die schwarz blaue Regierung sie nach Kuba trieb, ihren Verlag gegründet. Wurde da von jungen Dichtern und Dichterinnen angeschrieben und hat sich auch öfter über sie geärgert, weil die es ihrer Meinung nach zu leicht nahmen, zu wenig genau und zu wenig ehrgeizig waren.

Denn das war die alte Dichterin, als sie noch eine junge Frau gewesen ist, aufrecht und offen und damit auch so undiplomatisch, daß sie es sich mit manchen Großen, die sie direkt auf Fehlstände angesprochen hat, verscherzte, so daß es nichts mit der großen Karriere wurde und sich die Dichterin immer ein wenig zurückgesetzt fühlt. Sich ihrer kleinen Wohnung, ihrer alten und abgenützten Möbel, etcetera, schämt, wie schon geschrieben, ich finde die Ruth und auch ihre Wohnung sehr elegant, wenngleich auch das Schlafizummer, das Wohnzimmer ist und das Bett jeden Tag ausgezogen werden muß.

Man erfährt also, wenn man genau zwischen den Zeilen liest, viel aus dem Leben, der jungen und älter gewordenen Feministin, die in Salzburg geboren wurde und von Linz nach Wien gekommen ist. Man erfährt aber auch viel aus dem literarischen Leben dieser Zeit und ihren Schriftstellerkollen. Kann Zitate aus Jean Paul Satres, 1948 erschienenen Essay „Was ist Literatur?“, lesen.  Erfährt viel über ihre Beziehung zu dem 2010 verstorbenen Andreas Okopenko, bei dessen letzten Geburtstagsfest und Begräbnis ich ja war.

Man erfährt sogar welche Theaterstücke, sich die „Theaternärrin“ in den Sechzigerjahren angesehen hat, denn die sich mühsam vom kleinen Stipendium geleisteten Programmhefte und Theaterkarten hat sie aufgehoben.

Jetzt blättert sie nochmal darin, bevor sie sie leichten oder schweren Herzens entsorgt. Weggibt, wie auch viele der Bücher. Die Romane nimmt die örtliche Sozialstelle, die wissenschaftlichen Werke und die fremdsprachigen Bücher, die sie sich während ihrer Auslandsaufenthalte kaufte, kommen gleich in den Müll. Ja so ists mit der Wissenschaft, die Sozialhilfeempfänger werden wohl lieber Simmel, als Satre im Originalton lesen.

Aber auch Shaekspearre wird oft zitiert und dann die Faksimile-Ausgaben weggegeben.

Die zwanzig Kapitel, durch die uns die Dichterin führt, tragen Namen, wie „Abschiedstournee, die Erste“, Anspruch und Ehrgeiz“, „Groß und Klein“, „Mißlungen/zarte Hoffnung,“Sprache, Spiel und Träume“, und so weiter und so fort.

Man sieht, glaube ich, daran schon sehr gut, worauf es hinaus geht und mit was man konfrontiert wird, wenn man sich auf den Diskurs, was ich sehr empfehlen würde, einläßt.

Interessant dabei ist vielleicht auch, um jetzt ganz autentisch zu werden, daß ich beim Zitieren der Kapitel durch einen Anruf unterbrochen wurde. Die Rutha war in der Leitung und wollte wassen, ob ich am Nachmittag mit ihr in den „Musikverein“ gehen will?

Leider habe ich da eine Stunde. Man sieht, die Dichterin ist  immer noch unermüdlich an Kunst und Kultur interessiert, obwohl sie sich schon die Frage stellt, ob und was sie als nächstes schreiben wird und anmerkte, daß sie im Alter gelassener wurde und nicht mehr so streitbar, wie früher ist.

Das Buch wurde auch schon im„Republikanischen Club“ vorgestellt und ich empfehle es zu lesen.

2016-11-14

Zwischen Schreiben und Lesen

Am neunundzwanzigsten und dreißigsten Oktober fand im „Odeon“ eine „Enquette zur Literaturvermittlung“ statt, wo die Literaturhäuser, die „Alte Schmiede“ und die „Gesellschaft für Literatur“ sich mit diesen Thema auseinandersetzten.

Dazu wurden auch eine Reihe, Margot Schreiner würde sie wahrscheinlich „Mittelschichtautoren“ nennen, eingeladen, für eine Anthologie, die von Robert Huez vom Literaturhaus Wien, Edith Bernhofer vom Klagenfurter Literaturinstitut und Thomas Friedmann vom Salzburger Literaturhaus herausgegeben wurde, Texte zu schreiben.

Bei „Klever“ erschien dann die diesbezügliche Anthologie „Zwischen Schreiben und Lesen – Über Situation, Herausforderungen und Möglichkeiten von Literatur und Literaturvermittlung in Österreich, die drei Bereich enthält.

Im ersten „Literaturbetrieb. Gesellschaft.Politik“, begann die 1953 in Linz geborene und heurige „Wildganspreisträgerin“ Margit Schreiner mit ihren Essay „Aspekte zeitgenössischer Literatur und ihre Gesellschaftlichen Bedingungen“ in dem sie sich mit dem Roman auseinandersetzt.

Das der in der Krise sei, war ihr Statement, was ich, die ich mich jetzt ja gerade mit den Debuts und dem Buchpreislesen auseinandersetzte und noch setze nicht so ganz verstanden habe, denn es gibt ja jede Menge solcher und Margit Schreiner merkt auch genau an, daß die immer dicker und dicker werden. Ja, natürlich, der von Clemens J. Setz umfaßte schon über tausend Seiten. Margit Schreiner unterscheidet auch noch zwischen Kleinverdiener, den sogenannten Mittelschachitautoren, zu denen sie sich wohl selber zählt und den Bestsellerautoren, da wird Charlotte Roches „Schoßgebete“ als Beispiel genannt.

Gerhard Ruiss folgt mit einem Einblick in die Österreichische Literatur-Verlags-und Flörderlandschaft“, die IG-Autoren haben sich 1971 gedründet, die GAV 1973, „Manuskripte“ und „Wespennest“ waren damals die führenden Literaturzeitschifrten, eine Reihe kleiner gab es auch noch, wie man vor kurzem im Literaturhaus sehen konnte, das Literaturhaus wurde 1991 eröffnet, die „Alte Schmiede 1975“.

Dann folgte der doppelte Longlist- und einfache Shortlist Kanditat Reinhard Kaiser Mühlecker und führt als Beispiel,  die städtische Bibliothek in Stockholm an, deren Speicher geschlossen war, als er sich dort ein Buch ausleihen wollte, während Marlene Streeruwitz die politische, Stockholm wieder als postitives Beispiel an Fortschrittlichkeit nennt, während in Österreich ja 2000 die blau schwarze Regierung Einzug hielt, die Autoren gespalten oder zu Unternehmern machte, Widerstandsleseungen hat es damals auch gegeben und die berühmten Donnerstagsdemonstrationen.

Theresa Präauer, die ich als Illustratorin von Wolf Haas Kinderbuch kennenlernte, die aber jetzt auch schon drei Romane geschrieben hat, beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und mit „Oh Schimmi“ derzeit an erster Stelle der ORF Bestenliste steht, hat als Thema für ihren Essay, die Lesungen gewählt und meint, sie hätte schon tausend beigewohnt, weil sie als Studentin eine Zeitlang hinter der Bar eines Literaturhauses gestanden hätte.

Das gilt auch für mich, da stehe ich zwar vor der Bar, beziehungsweise dem Tisch, an dem im Literaturhaus der Wein ausgeschenkt wird. Bei tausend Lesungen war ich aber höchstwahrscheinlich auch schon, gehe auch sehr gerne hin und habe eigentlich auch nichts gegen die vielgeschmähte Wasserglaslesung und Teresa Präauer, kann man noch anmerken ist auch eine Meisterin des Vortrags, bezeihungsweise der Performance, die man bei ihren „Oh Schimmi-Lesungen“ merken kann.

Der zweite Teil des Buch befaßt sich mit dem Bereich „Bildung.Schule.Literaturvermittlung“ und da setzte sich, der 1955 geborene Ludwig Laher mit der Zentralmatura auseinander und bedauert, daß man in Zukunft in der Schule keine Literatur mehr vermittelt bekommt und das Gymnasium verlassen kann, ohne einen Roman gelesen zu haben.

Seinen Aufsatz aus dem „Standard“, wo sich eine fiktive Schülerin dagegen wehrt, Altenhelferinnen Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ an Hand eines Textausschnittes empfehlen zu können, ist auch abgedruckt. Hier kann ich wieder nur einwenden, daß das Buch ein „Memoir“ und kein Roman ist und ich denke, daß wir alle ja von Lesetips zehren sollen, die uns den Kauf eines Buches schmackhaft machen wollen, zumindest werden sie im Netz sehr empfohlen und auch sonst sehrverbreitet.

Der 1972 in Brünn geborene Michael Stavaric beschreibt in „Identität, Initiation und (literarische Heimat) seine Erfahrungen bei Schullesungen und gibt dazu Beispiele aus seinen Kindergedichten.

Dann geht es zum „Autorenleben“ . Hier gibt die 1957 in Bozen geborene Erika Wimmer in „Maskenspiele. Die Dichterin, die Alte und ihr Biograph“, ein sehr beeindruckendes Beispiel einer literarischen Beziehung.

Der Biograph Jakob rast einer hundertjährigen Dichterin, der Text ist Rita Levi-Montalcini gewidmet, nach, um ihre Biografie zu schreiben und muß sich dabei allerlei Schrullen und Einschränkungen gefallen lassen, während, die Dichterin mit den Literaturvermittlern, den Lektoren, den Veranstaltern, den Redakteuren ringt, die ihren Gedichtband ebenfalls allerei Einschränkungen aussetzen und ihn  schlußendlich doch nicht besprechen, verlegen, vorstellen.

Dazu fällt mir die „Dora Faust“ ein, in die ich ja auch meine Absage und Bewerbungsschreiben hineinverarbeitet habe.

Der 1965 in Dornbirn geborene Wolfgang Bleier, ein mir bisher unbekannter Autor, beschreibt sein Autorenleben sehr poetisch und Martin Prinz, der mit der „Letzten Prinzessin“ von „Jung und Jung“ zu „Suhrkamp“ gewandert ist, ein „glücklicher“ Autor also, sitzt zu Zeiten der Präsidentschaftswahlen und deren Wiederholungen im Cafe Floriani und versucht seine Auftragsarbeit für die Literaturvermittlungsanthologie zu schreiben, dazwischen muß er in zwei Tagen seine Fahnen durchgehen, macht Beobachtungen, etcetera.

Dann gibts noch einen Text des 1982 geborenen Bernhard Strobels in dem Buch, der sich mit den drei „Lebenslügen der Dichter“:

  1. Literatur verändert die Welt
  2. Die Dichter schreiben für die Nachwelt
  3. Es gibt eine Weltliteratur

beschäftigt.

Ein sehr interessantes Buch, das einige sehr interessante Aspekte des Literaturbetriebs aufzeichnet, bedauert, daß es keine Leser mehr gibt, die Subventionen eingespart werden und das alles auf mehr oder weniger literarisch anspruchlsvolle Art und Weise beschreibt.

Die experimentelle Literatur kommt dabei vor, die Genres, wie Krimis, Si Fis, Romantiks, also das, was die Leser vielleicht auch und verstärkt lesen wollen, wird dabei ausgespart, aber für die hat sich in den letzten Jahren noch eine anderer Art von Literaturbetrieb eröffnet, der in diesem Essayband eher ausgespart ist.

Karla Paul bei ihrem „Pup `n` Pub“ aber sehr wohl erwähnte, als sie meinte, daß die wahren Bloger zwischen zwölf und sechzehn sind und genau darüber twittern, instagramen und vielleicht nicht mehr facebooken, weil sie dieses schon längst verlassen haben.

Und Anika Bühnemann, die ja recht erfolgreichen einen Blog namens „Vom Schreiben leben“ betreibt, hat mir einmal gemailt, daß sich die Autoren, die das wollen, nicht um den Literaturbetrieb scheren, sondern Marketingkurse besuchen, ihr Cover und ihr Lektorat selbst bezahlen, danach ihre Marke aufbauen un beim bösen „Amazon“ ihre Bücher dann mehr oder weniger gut verkaufen und bei allem bleibt für mich dann auch noch die Rolle des Lesers, übrig der vielleicht bei solchen Diskussionen, Veranstaltungen, Publikationen oft ein wenig übersehen wird und auch hier keinen Beitrag geschrieben hat, der angeblich nur acht oder neun Bücher im Jahr liest, aber einer jährlichen Überproduktion von siebzigtausend, wie man hört oder noch mehr Neuerscheinungen, ausgesetzt ist.

Ja, das Lesen ist schön, würde ich, die das ja sehr intensiv und auch gerne jenseits über jeden Genrerand betreibe, zum Schluß meinen, das Schreiben auch und es ist auch schön, daß es Institutionen, wie die „Alte Schmiede“, das Literaturhaus, „Die Gesellschaft für Literatur“, etcerera gibt und das man diese zumindestens in Wien immer noch ohne Eintritt zu bezahlen, besuchen kann.

2016-11-13

Die neunte Buch-Wien

Nach der gestrigen Buchpreisverleihung wurde am  Mittwoch Abend die „Buch-Wien“ eröffnet, um achtzehn Uhr mit einer Rede von Terezia Mora und anschließenden Umtrunk mit Brötchen oder Semmerln im morgigen Literaturcafe.

Dazu brauchte man eine Einladung, beziehungsweise, wie ich ich es hatte, eine Pressekarte, denn um halb acht wurden dann die Tore für die „Lange Nacht der Bücher“ geöffnet. Die gibt es jetzt zum dritten Mal, mit einem Programm für alle Besucher und die Studenten haben freien Eintritt.

Eine Lesefestwoche gibt es auch, die hat bisher immer am Montag irgendwo stattgefunden und dann gibt es Veranstaltungen an verschiedenen Orten, wie Literaturhaus, Alte Schmiede, Hauptbücherei etcetera.

Die offizielle Eröffnung fiel heuer aus, beziehungsweise wurde sie wahrscheinlich durch die den „Buch-Preis“ ersetzt, Veranstaltungen gibt es, aber ich werde nicht zu sovielen gehen, das heißt zu einer schon natürlich, nämlich dem „Ohrenschmaus“ im Museumsquartier, denn der findet ja heuer auch im Rahmen der „Buch-Wien“ statt, ist aber glaube ich, gar nicht im Programm angekündigt, nur die Diskussion am Freitag, aber erst ist es ja mit der „Langen Nacht“ losgegangen.

Da hat der „Nino aus Wien“ auf der Hauptbühne gespielt und man könnte sich natürlich fragen, was hat der mit Literatur zu tun? Aber doch wahrscheinlich scheint es nämlich ein Buch zu geben, was man kaufen konnte und das  präsentiert wurden.

Anschließend kam der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer auf die Bühne und las wahrscheinlich aus seinen Memoiren, da bin ich dann schon ein bißchen herum gegangen, habe mir von  Christa Stippinger einige Bücher abgeholt und die Anthologie der Stipendiaten von der Edition Nö und um neun gab es ja das Bücherquiz, bei dem ich so gerne mitspielen und einen Büchergutschein gewinnen wollte.

Das gibt es heuer zum dritten Mal, beim ersten Mal vor zwei Jahren wurde man ausgewählt. Da war ich leider nicht dabei, habe nur zwei Bücher gewonnen, von denen ich eines noch lesen müßte und voriges Jahr war ich in der „Alten Schmiede“ bei den „Textvorstellung mit Chris Bader-Zintzen, dann ist es sich nicht mehr ausgegangen zu den Messehallen zu fahren, beziehungsweise wollte ich das nicht und heuer durfte ich teilnehmen, stand aber irgendwie, wie auch vorigen Jahr beim „Ö1- Quiz“ auf der Leitung, habe den Günther Eich mit dem Clemens verwechselt und dann mußte man irgendwelche Gesichter erkennen, die zwar nichts mit Literatur zu tun haben, aber gefragt wurden und Musikstücke gab es auch zu erraten.

Also wurde es nichts mit dem Büchergutschein, ich habe nur drei Flaschen Wein gewonnen, was aber vielleicht, da es ja bald das Geburtstagsfest gibt, auch nicht zu verachten ist und ein Buch von der Susanne Ayoub habe ich auch gewonnen.

Dann bin ich noch über ein Buffet, ich glaube, beim Stand des Hauptverbandes gab es ein ständiges, gestolpert und habe noch ein bißchen der Stefanie Sargnagel zugehört, die eine wirklich sehr deftige Sprache hat und dann ging es los mit den vier Messetagen, die für  mich ja so etwas, wie ein literarischer Kurzurlaub sind.

Am Donnerstagmorgen bin ich durch die Messehalle marschiert und habe mir die Veränderungen angeschaut. So gibt es keine „Fm 4-Bühne“ mehr, sondern eine „WASNERIN-Bühne“, benannt nach einem Literaturhotel, glaube ich. Es gibt einen „News-Stand“, wo man Kaffee bekam, einen Stand mit Gemeinschaftsbüchern und wenn ich mich nicht irre, ist es wieder ein bißchen kleiner geworden.

Auf jeden Fall hat sich der Stand der Saudi-Araber verkleinert und liegt nicht mehr so im Zentrum, dafür gibt es, glaube ich, einen, der sich mit skandinavischer Literatur beschäftigt und man auch Lachsbrötchen eßen konnte.

Schulkinder liefen mit ihren Aufgabenzetteln  herum und ich habe mich zuerst zu einem Kaffee hingesetzt, mir das Programm durchgesehen und dann mit der „ORF-Bühne“ mit dem Buch von Ingrid Brodnig „Haß im Netz“ begonnen, was für mich sehr iteressant war, weil ich ja auch gelegentlich auf meinen Blog von „Trollen“ oder „Glaubenskriegern“ besucht werde und ich mich im Anschluß, bei der jungen Frau gleich erkundigen konnte, wie man am besten darauf reagiert, wenn man von jemanden beschimpft oder in eine Ecke gedrängt wird?

Im Literaturcafe wurde dann die Debutpreisträgerin, des ersten öst. Buchpreises Friederike Gösweiner vom selben Moderator, den sie auch auf ihrer ersten Lesung in Leipzig hatte, vorgestellt. Ich bin aber bald wieder zur Hauptbühne zurückgegangen, denn da kam der schwedische Krimiautor Arne Dahl und den habe ich, obwohl ich inzwischen ein paar seiner Bücher im Schrank gefunden habe, noch nie live gesehen und es war auch sehr interessant zu hören, wie gut er Deutsch konnte, weil er sehr oft bei Lesungen in Deutschland unterwegs ist, wie er der Frau, die neben mir gesessen ist und die sich seinen neuen Krimi signieren ließ, erzählte.

Bekannte, wie den Lehrer Christian oder die Autogrammsammlerin habe ich getroffen, später auch Franz Sch., den ich noch vom Klub logischer Denker kenne und den ich meistens auf der „Buch-Wien“ treffe.

Armin Thurnher stellte sein neues Buch „Ach Österreich“ vor und wunderte sich gemeinsam mit Katja Gasser darüber, daß Donald Trump den amerikanischen Wahlkampf gewonnen hat.

Dann habe ich die „Buch Wien“ kurz verlassen und bin mit dem Alfred in das gegenüberliegende Hotel zu einem sehr tollen und verbilligten Business-Lunch gegangen und kam dann auf der ORF-Bühne zurecht, als von dort die von „Tag zu Tag-Sendung“ mit Terezia Mora ausgestrahlt wurde, die ihren neuen Erzählband „Die Liebe unter Aliens“, von dem ich schon auf meinen „Frankfurt-Surfing“ hörte, vorstellte.

Dann kam Marlene Streeruwitz mit ihrem „Yseut“, wurde wieder sehr politisch und rief zum „Widerstand der Anständigen“ auf.

Eva Rossmann stellte dagegen ihren neuen Krimi  „Gut aber tot“, in dem es um das richtige oder falsche Essen, also vegan oder nicht vegan geht und, um eine Gruppe die sich V.A nennt und junge Bauern im Waldviertel bedroht.

Danach switschte ich wieder in das „Literaturcafe“, wo Petra Hartlieb ihr neues Buch „Ein Winter in Wien“, eine Auftragsarbeit, wo sie einen leichten Winterroman mit einem historischen Thema, wahrscheinlich für den Weihnachtseinkauf, schreiben sollte und dazu ein Kindermädchen das beim Herrn Dr. Arthur Schnitzer angestellt wurde und sich in den Buchhändler verliebte, der Petra Hartliebs Vorvorgänger war, erfand.

Ein Buch, das ich mir wahrscheinlich gekauft hätte, wenn ich beim Quiz einen Buch-Gutschein gewonnen hätte, so habe ich nur die Gewinnerin getroffen, die sich für ihre Einkäufe noch nicht festgelegt hat und bin, bevor ich ins Museumsquartier zum „Ohrenschmaus“ gefahren bin, noch rasch zum Messeforum gegangen, wo der PEN-Club, der die Gedichte von Mahvash Sabet, die im Iran wegen ihres Glaubens, zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt wurde, herausgegeben hat, eine Veranstaltung zum Thema „Ohne Grenzen-Gedichte aus dem Gefängnis“ machte.

Am Freitag gings dann mangels anderer Alternativen mit einem Buch über Klemens Wenzel Lothar Metternich, von Wolfram Siemann, der ein neues Bild über den „Kutscher Europas“ zeichnen wollte, auf der „ORF-Bühne“ weiter. Klaus Nüchtern folgte mit seinem „Kontinent Doderer“, das ich inzwischen von der Trude zum Geburtstag bekommen habe und den ich dann auch fragte, ob Doderer mit Stefan Zweig befreundet war, weil das in meinen „Berührungen“ ja eine Rolle spielt.

Danach gings zum ersten Mal für heuer auf die „Koch-Bühne“, wo der Unterschied zwischen vegan und vegetarisch erklärt wurde und eine Mayonnaise aus Kichererbsenwasser hergestellt wurde.

Martin Prinz hat seine „Letzte Prinzessin“, gefolgt von Susanne Ayoub, deren neues Buch „Der Edelsteingarten“ ich ja beim Quiz, obwohl mir der Hrdliczka, über den sie gearbeitet hat, erst im zweiten Versuch einfiel, gewonnen hat, auf der „ORF-Bühne“ vorgestellt und dann war es schon Zeit für den „Ohrenschmaus“ der ja am Nachmittag prominent vorgestellt wurde.

Hakan Alkis, Melanie Corn, Monika Fischer, Sybille Grafl ©Teresa Novotny

Hakan Alkis, Melanie Corn, Monika Fischer, Sybille Grafl ©Teresa Novotny

Felix Mitterer, Richard Pils ©Teresa Novotny

Felix Mitterer, Richard Pils ©Teresa Novotny

So hat ihn die „Springlädlegruppe“ mit ihrem neuen Buch „Durch Erfahrung wird man klug“, das dem verstorbenen Preisträger Herbert Offenhuber gewidmet ist, vorgestellt.

Melanie Corn,  Sybille Grafl  und Hakan Alkis, die heurigen Sieger haben ihre Texte gelesen und dazu auch noch Musik gemacht.

Im Anschluß kam Franz Joseph Huainigg auf die Bühne, der auch ein neues Buch hat „Mit Mut zum Glück“ heißt es, wo er das Leben mit Behinderung, er sitzt ja im Rollstuhl und wird beatmet und ist trotzdem Parlamentarier, beschreibt, dann kamen Richard Pils und Felix Mitterer, die das neue „Ohrenschmaus-Buch“ präsentierten, Schokolade wurde verteilt und ich hatte eine kleine Pause, die ich der Frage, was österreichische Literatur ist, widmen konnte, denn „News“ hat ja  heuer auch eine Bühne und da diskutierten das Heinz Sichrovsky mit Ela Angerer, Peter Henisch und Heinz Zeman, der einen zehn Bücher Kanon aufstellen sollte, welche Österreicher man gelesen haben soll.

Simon Hadler, Ruth Oberhuber, Ludwig Laher ©Teresa Novotny

Simon Hadler, Ruth Oberhuber, Ludwig Laher ©Teresa Novotny

Simon Hadler, Eva Jancak, Ruth Oberhuber, Germain Weber, Ludwig Laher ©Teresa Novotny

Simon Hadler, Eva Jancak, Ruth Oberhuber, Germain Weber, Ludwig Laher ©Teresa Novotny

Nun da gibts wahrscheinlich mehr als Kafka, Bernhard und Hoffmannsthal und ich mußte ohnehin weg, denn zehn vor fünf habe ich mich mit den anderen, die an der „Diskussion“ teilnahmen, beim Hauptverbandstan, auf dem schon eifrig für einen Empfang hergerichtet wurde, getroffen.

Während ich auf die anderen warteten, konnte ich noch rasch ein Fleischbällchen kosten, das auf der Kochbühne von Günter Kaindlsdorfer mit einer  Schürze, moderiert wurde und habe dabei erfahren, daß Ilse Aichinger gestorben ist, was mich, da sie ja gerade ihren fünfundneunzigsten Geburtstag hatte, besonders berührte.

Dann gings schon au die „ORF- Bühne“ Ludwig Laher hat statt Barbara Rett moderiert und der Preisträgerin Ruth Oberhuber von 2012, Germain Weber, dem Präsidenten der Lebenshilfe und mir Fragen zum „Ohrenschmaus“, den dort präsentierten Texten und den Veränderungen, die sie in den letzten Jahren erfahren haben, gestellt.

Die junge  Preisträgerin hat einige ihrer Texte vorgelesen, das neue und das alte Buch wurde präsentiert und dann ist es schon zu meinem literarischen Geburtstagsfest gegangen, das wieder sehr schön wurde, obwohl ich nach der Diskussion und dem anstrengenden Tag schon sehr müde war.

Am Samstag ging es, um eine Stunde später weiter, so daß ich Aris Fioretos auf der „ORF-Bühne“ versäumt habe und erst zu Cynthia  D`Aprix Sweeney zurecht gekommen bin, eine Amerikanerin, deren spätes Debut „Das Nest“ jetzt in aller Munde ist, wo  es um eine Familie geht, die einen Geldbetrag erwartet,  den sie dann nicht bekommt.

Auf der Kochbühne wurde unter dem Titel „Sehnsuchtsküche“ ein Linsencurry zubereitet, ein paar Stück Schweinslungenbraten vom gestrigen Fest hatte ich auch mit, so daß ich das Schaukochen für den Rest des Tages ausgelassen und mich ins Literaturcafe begeben habe, wo ich noch ein bißchen den Josef Formanek hören konnte. Da habe ich ja im Frühling von „Literaturtest“ ein Rezensionsexemplar bekommen, die haben mich dann angeschrieben und gefragt, ob sie mir einen Platz reservieren sollen und ich den Autor interviewen will, aber ich mache ja keine Autoreninterviews, sondern gebe meine persönlichen Eindrücke wieder und der von Manfred Rebhandl, den ich ja einmal in Leipzig kennenlernte und mit dem ich, glaube ich, auch beim „offenen Bücherschrank“ in Ottakring gelesen habe, ist, das er eine sehr deftige Sprache hat und sehr von sich überzeugt ist, daß er den spannensten Krimi geschrieben hat, wo es um unbegleitete Flüchtlinge und zwei Polizisten geht.

Jani Oswald habe ich im „Literaturcafe“ auch noch gehört, dann bin ich schon zur „Donau-Lounge“ hinübergeweselt, wo Josef Formanek nochmals auftrat und gemeinsam mit Angelika Klammer und dem ungarischen Autor Laszlo Darvasi Peter Esterhazy gedachte, der ja vor kurzen an Speicheldrüsenkrebs gestorben ist, vorher aber ein Tagebuch darüber geschrieben hat, das im Frühjahr bei „Hanser“ erscheinen wird.

Richtig, auf Paul Lendvais „Orbans Ungarn“ hätte ich jetzt fast vergessen und auch auf den iranischstämmigen Autor Sama Maani, der seinen Erzählband „Der Heiligenscheinorgasmus“  in der „3 Sat Louge“ präsentierte.

Edith Kneifl und Erwin Riess haben den „Tatort Gemeindebau“ präsentiert, während es nach der Gedenkstunde für Peter Esterhazy mit Laszlo Darvasis Novellenband „Wintermorgen“ weiterging.

Da wurden zwei Geschichten gelesen, der „Baum“, wo eine Frau von ihrem Mann immer fordert, einen Baum zu fällen, sich schließlich mit ihm darauf einigt, daß sie es selber tun wird und weil sie das nicht zusammenbringt, erhängt sich sich schließlich auf diesen.

„Und dann ging er in das Haus um nachzusehen, wie die Uhr ging“, lautete glaube ich der letzte Satz.

„Die zweite Geschichte heißt „Shoppingcenter“, da erzählte Laszlo Darvasi, daß er einmal gesehen hat, wie eine Frau in einem solchen ihr Handy auflud, daraus ergab sich dann die Geschichte einer Jugendbande, wo es um sehr viel Gewalt ging. eine Geschichte, die nur in Ungarn spielen könnte, meinte der Autor, etwas was ich eigentlich nicht so glaube.

Da war es dann schon kurz vor fünf und ich bin wieder zur „ORF-Bühne“ gegangen, weil um fünf  dort der „Exil-Preis“ verliehen wurde.

Es war  sehr voll, weil noch Günter Kaindlsdorfer,  Bundeskanzler Kern und Robert Misik präsentierte, die ein Buch über „Victor Adler“ geschrieben haben.

Seltsamerweise habe ich einen freien Platz in der ersten Reihe gefunden, den ich aber gleich räumte, weil die dann ja für die „Exil-Preisträger“ reserviert war, die während sich die Leute, um ein Autobramm beim Bundeskanzler anstellten,  eintrafen.
Jessica Beer moderierte, wie auch in den letzten Jahren und gratulierte Christa Stippinger dazu, daß es den „Exil Preis“ jetzt schon zwanzig Jahre gibt.

Es gab Musik und eine Schauspielerin las kurz aus drei Siegertexten, die dann in den verschiedenen Katgorien von den verschiedenen Subventionsgebern vergeben wurden. Ich habe mir die neue Anthologie ja schon am Mittwoch geholt und kann die Texte also nachlesen.

Verena Mermer, die schon einen Roman bei „Residenz“ hat, hat in der Kategorie „Deutsch als Muttersprache“ mit einem Auszug aus ihrem neuen Roman gewonnen.

Es gab heuer auch einen Lyrikpreis, der ja nicht sehr oft vergeben wird, einen Dramatikerpreis und auch Preis für Schulprojekte.

Im Amerlinghaus und im Literaturhaus wird es dann noch längere Lesungen geben, denn die Zeit ist sehr knapp in einer Stunde all die Urkunden zu vergeben und die Sieger zu fotografieren und ich habe dann doch noch eine Lesefestwochenveranstaltung gefunden, die ich besuchen konnte, wurde doch im Alten Rathaus Veit Heinichens neuer Krimi die „Zeitungsfrau“ vorgestellt, ich habe von dem deutschen Autor, der seit über zwanzig Jahren in Triest lebt, auch schon einiges gelesen und in den Schränken gefunden, glaube, daß ich damit aber eher Schwierigkeiten hatte und so ist es mir auch jetzt gegangen.

Die „Zeitungsfrau“ ist eine Trafikantin, die ihren Mann verloren hat, ihre Kinder alleine erzieht, einen Finanzbeamten niedergefahren hat, der jetzt im Rollstuhl sitzt und um Korruption, Mafia und Kunstgeldwäsche ging es auch. Veit Heinichen hat drei Stellen gelesen, vor allem aber sehr viel über die Mafia und Korruption, auch über die in Österreich und über die „Hypo Alpe Adria“ zum Beispiel erzählt und die letzte Frage lautete auch, ob er sich nicht einen Krimi über Wien vorstellen könnte?

„Ja!“, hat er geantwortet.

„Über das Alte Rathaus, wo ja mal die Zentralsparkasse gegründet wurde oder sich befunden hat, über die Bundespräsidentenwahlen und über die Zustände in Klebstofffirmen.

Das wäre sicher spannend und man kann ja über vieles schreiben, wenn man mit sehenden Augen durch die Welt geht und am Sonntagt ging es noch einmal durch den Prater, da hat ja, glaube ich, auch Roland Girtler ein Buch  darüber geschrieben zum vierten und letzten Tag der „Buch-Wien“, wo es gleich wieder mit Krimis weiterging.

Die „Krimiautoren“, die ja einen eigenen Stand hatten, stellten fünf mal fünf Minuten Krimis vor, zwei davon habe ich versäumt unter anderem den von Eva Holzmayr, die mich am Freitag kurz bevor ich meinen Auftritt hatte, angesprochen hatte und von der ich noch ein Buch zu lesen habe.

Zu dem von Teresa Prammer, der vorjährigen „Perutz-Preisträgerin“, wo es um ein Stalkingopfer auf der Coach, das dann seinen Stalker, die Psychoanalytikerin erschießt, bin ich noch zu recht gekommen und auch auf den anderen Bühnen wurden die neuen Krimis von Herbert Dutzler, Bernhard Aichner und Thomas Raab vorgestellt.

Dann kam Peter Henisch, der immer gerne eine Katze gewesen wäre und wie er sagte, vielleicht bald wieder eine sein wird, auf die „ORf-Bühne“ und um zwei, den „Ö1-Quiz“ habe ich diesmal ausgelassen, wollte ich eigentlich zur „News-Lounge“ und zur Diskussion zwischen Konrad Paul Liessmann und Michael Köhlmeier zum Thema „Wer hat gesagt, daß du nackt bist, Adam?“, aber da waren so viele Leute, daß ich zur Kochbühne gegangen bin, wo gerade der „Zuckerorgasmus“ vorgestellt, beziehungweise Schokoladetörtchen zubereitet wurden.

Danach habe ich den Rest des Nachmittags im Literaturcafe verbracht, habe Hilde Schmölzer dort getroffen, die zu dem neuen Buch ihrer Cousine Britta Steinwendter „Die Welt entlang“, wo sie achtzehn Autorenportraits und deren Schreiborte, darunter Friederike Mayröcker vorstellte, gekommen ist und über Georg Bydlinsky, den Kinder- aber auch Erwachsenenautor, „Mitten im Karottenfeld, kam ein Hasenkind zur Welt, als es die Karotten sah, dache es, ich bleibe da“, der sich auch sehr stark in der IG engagiert, der heuer sechzig wird, hat die „Édition NÖ“ auch ein Buch herausgebracht.

Dann war es schon fünf, die Bücher wurden eingeräumt und die Teppiche aufgerollt, die neunte „Buch-Wien“ ist Geschichte und ich kann mich jetzt wieder an das Lesen machen, zu dem ich in den letzten Tagen ja so gar nicht gekommen bin, da ja noch zwölf Rezensionsexemplare, darunter die, der Shortlist des „Blogger-Debutpreises“, den ich ja mitbestimmen soll, auf mich warten, obwohl ich mich mit dem Bücherschnorren sehr sehr zurückgehalten habe.

 

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