Literaturgefluester

2016-12-31

Zurückgeschaut

Jetzt kommt der Jahresrückblick und die Frage, wie 2016 so für mich war? Ein gutes Jahr, ein schlechtes oder wieder  unverändert?

Ein bißchen schon wahrscheinlich, obwohl ich, was das Schreiben betrifft, so produktiv, wie nie zu vor gewesen bin. Sind doch fünf Büber in diesem Jahr erschienen.

Davon die ganze Flüchtlingstrilogie, also „Die Pensionschockdepression oder Selmas Kopftuch“, „Die ereignisreichen Sommererlebnisse vier präkärer Literaturstudentinnen“ und „Nika, Weihnachtsfrau“, die ich zwar alle nicht 2016, sondern schon ein Jahr früher geschrieben habe.

Dann sind noch „Paul undPaula“ und „Nicht berühren oder Notizen zur Romanentstehung“ erschienen und diese beiden Bücher sind in diesem Jahr entstanden.

Dann gibts noch noch „Claire-Klara-Clarisse“, die Kroatiengeschichte, die noch beim Alfred liegt und etwas Neues habe ich in den Weihnachtsfeiertagen auch angefangen.

Arbeitstitel „Vor dem Frühstück kennt dich keiner“.

Vorläufig gibt es sechs Szenen, achtzehn Seiten und 7764 Worte und ich bin auch noch nicht so recht zufrieden, beziehungsweise weiß ich noch nicht so recht, wie das werden wird?

Habe aber drei Handlungsstränge, beziehungsweise vier oder fünf Personen, da gibt es einmal die schöne Obdachlose Dorothea Wewerka, die das vielleicht gar nicht ist und dann die depressive Therese Schwarzenberg, sowie den jungen Identitären Fabian Hirschmann,,die Bibliothekarin Karoline Prohaska und ihre Schwester Sophie, eine engagierte Medizinstudentin, in die sich Fabian vielleicht verliebt.

Also nicht sehr Neues, aber das was mich interessiert und worüber ich eigentlich schreiben möchte, weiß ich vielleicht noch nicht wirklich und ein bißchen ausgeschrieben, beziehungsweise demotiviert wegen des mangelnden Feedbacks bin ich auch.

Aber jetzt konzipieren, mit meinen Bücher in die Badewanne steigen, planen, etcetera, damit es irgendwann, im nächsten Jahr mein dreiundvierzigstes Selbstgemachtes werden kann.

Wui, das ist sehr viel, eine ganze Bücherreihe an Ideen,  über vierzig Jahre schreiben und die Frage, warum es ausgerechnet mir nicht gelingt, literarisch aufzufallen, ist  auch  noch immer nicht beantwortet.

Hatte ich ja auch heuer meinen „Troll“, der mein schlechtes Schreiben beschimpfte und sich dann auch noch als Pegida-Fan entpuppte.

Etwas was man ja fast lustig finden könnte, denn ich mag ja ein bißerl schlampert sein und mich nicht so gut präsentieren können. Meine eigene Rechtschreibung habe ich auch, aber ich habe viel geschrieben und kann es also eigentlich, auch wenn man es mit dem Maßband vielleicht nicht so vermessen kann.

Das Feedback ist aber nicht sehr da, das stimmt, auf meine Gewinnspiele bekomme ich kaum Reaktionen, obwohl ich ein paar neue Kommentierer hatten und das „Mimikry-Gewinnspiel“ mit zwei sehr schönen Texten hat es in Bezug der „Berührungen“ auch gegeben.

Gelesen habe ich ein bißchen weniger als sonst und das bezieht sich sowohl auf meine Bücherliste, da waren es gerade hundertachtundverzig Bücher, als auch auf meine Lesungen.

Da gibt es die Fixpunkte, wie das „Linke Wort beim Volksstimmefest“ mit der Anthologie „Lebenszeichen, die auch erschienen ist,  die „Poet Night“, mein literarisches Geburtstagsfest, dann den Osterspaziergang der LitGes, wo ich gerne mitgehe, aber sonst nicht viel.

Bei der „Anderen Buchmesse“ habe ich mich ja schon im Vorjahr überworfen, so daß es den Slam nicht mehr gibt, weil es ja ein bißchen nervig war, immer zu lesen und den anderen beim Gewinnen zuzuschauen und, als es das „Fest für Kunst und Kultur“ in Margareten gegeben hat, waren wir Kroatien.

Dafür hat mich im Sommer Bernadette Zeilinger ins Amerlinghaus zu einer muskalischen Lesung eingeladen und ich habe, höre und staune, auch im Literaturhaus gelesen, allerdings nur auf der Publikumsschiene und aus den „Sommerereignissen“, eine Fatma Challaki Szene, die habe ich, glaube ich, auch in St. Pölten gelesen und im Amerlinghaus und werde sie auch im Jänner in Salzburg lesen, aber da sind wir schon im nöchsten Jahr.

Jetzt geht es erst ans Zurückschauen und da habe ich ja noch einen kleinen Text geschrieben.

 „Die Präsidentin auf dem Opernball“, den ich auch bei „Poet Night“ gelesen habe, angeregt durch das Opernballthema in der Schreibegruppe im Februar, denn El Awadalla hat ja für die Bundespüräsidentenwahl kanditieren wollen, dann nicht genügend Unterschriften gehabt und dann hatten wir im ersten Durchgang einen grünen und einen blauen Kanditaten und bei der Stichwahl einen grünen, der sehr sehr knapp vorn gelegen ist, so daß die Wahl wegen Formfehlern wiederholt werden mußte und dann doch gut ausgegangen ist, weil es mich sehr geärgert hätte, wenn wegen Formfehler, die es immer schon gegeben hat, ein anderer gewonnen hätte.

Wir werden also im Jänner einen neuen Bundespräsidenten bekommen und mit der Schreibgruppe wird es höchstwahrscheinlich auch nicht weitergehen oder vielleicht doch, habe ich jetzt die ersten Termine fixiert und an die noch vorhandenen Teilnehmer ausgeschickt.

Bis Dezember haben wir uns jedenfalls getroffen und jetzt hat sich auch Peter Czak wieder gemeldet, beziehungsweise ist er bei meinem Geburtstagsfest gewesen und will vielleicht weitermachen.

Und was das Lesen betrifft, habe ich, wie schon erwähnt, weniger als je gelesen, aber sehr interessante Bücher, ich habe wieder Buchpreisgebloggt, diesesmal gleich doppelt, so wohl, die deutsche Liste fast vollkommen gelesen, dann die halbe österreichischen und die österreichischen Buchdebuts und dann bin ich  noch völlig überraschend in die „Debutpreis-Bloggerjury“ gekommen, da kann im Gegensatz zu den „offiziellen Bücherbloggern“ offenbar jeder mitmachen der literarisch bloggt und das Lesen war sehr interessant, noch dazu, daß ja auch meine Kanditatin gewonnen hat.

Außer der Debutpreisjury gibt es ja noch den „Ohrenschmaus“, der 2016 das zehnte Mal vergeben wurde, da gab es eine neues Buch und eine Diskussion auf der „Buch-Wien“, die es heuer zum neunten Mal gab und zum dritten Mal den Bücherquizz, da habe ich heuer mitgemacht, aber Pech gehabt, das heißt ich war sehr aufgeregt und dann haben sich die Fragen auch, um sehr viel anderes, als um Bücher gedreht, also kein Buchgutschein, aber macht a nichts.

Todesfälle gibt es zu beklagen, so habe ich auf der „Buch-Wien“ erfahren, daß Ilse Aichinger gestorben ist und bezüglich meiner „Berührungen“, habe ich heuer  sehr viel Stefan Zweig und auch  meinen Doderer nochmals gelesen.

In „Leipzig“ sind wir gewesen, wieder offiziell als Bloggerin und bei „Buch und Wein“ und auch anstonsten habe ich sehr viele Veranstaltungen besucht und bin auch auf sehr vielen Preisverleihungen gewesen.

Mit dem „Alpha“ klappt es auch und ansonsten sehr viel unverändert, weiter neben dem Literaturbetrieb, keine Einladung zu den „Textvorstellungen“, keine Entdeckung und und und….

Und trotzdem werde ich weiterschreiben so gut ich es kann und weiterlesen, da habe ich ja meine Leseliste umstrukutriert  und bin im Dezember wieder auf vielen Flohmärkten gewesen, habe vor heuer meine Leseliste zu schaffen und fürchte, daß ich es nicht kann, weil ja schon einige Frühjahrsbücher auf mich warten und Buchpreisbloggen, sowohl was die österreichische als auch die deutsche Liste betrifft, werde ich wahrscheinlich auch.

Also vielleicht ein nicht so besonders ereignisreiches Jahr, aber doch ein interessantes, das wir heuer wieder bei Hilde Schmölzer, die ja im Jännner ihren achtzigsten Geburtstag mit einem Fest in der „Wien-Bibliothek“ feiern wird, beenden werden und für das nächste Jahr wieder Pläne bezüglich des Schreibens und das Lesens. In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern wieder ein schönes neues Jahr!

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2016-12-30

Weiter mit dem Blogroman

Da ich  mit der „Liebe vun Tod auf Bali“ nicht so schnell weiterkomme, gibt es hier noch ein Stück aus der „Nika, Weihnachtsfrau“

Mehr darüber und die bisherigen Kapitel ist hier nachzulesen 1 5 19 25 29

„Mittwoch, 30.Dezember

Nika hatte es, nachdem ihre Einkäufe erledigt waren, wirklich auf die Mariahilferstraße getrieben und nun lagen eine rote Strickmütze und ein Paar dazu passende Handschue auf ihrem Gabentisch. Sie konnte zufrieden sein und sich freuen, denn die würde sie gleich morgen ausprobieren, wenn sie mit Harland ins „Jazzland“ gehen und mit ihm Joe Prohaskas und Doro Zelinkis Verlobung feiern würde. Was zwar keine wirkliche Überraschung war, aber doch ein bißchen aufregend, wie es auch die Nacht gewesen war, die sie in Harals Junggesellenwohnung verbracht hatte. Die groß war und geräumig und mit ihrer Studentenbude nicht im geringsten zu vergleichen, von der sie eben erst nach Hause gekommen war. Harald war in die Redaktion gefahren und hatte von dem Jahresrückblick gesprochen, an dem er arbeiten würde. Darin würde auch der Tote au Veras Klo und Joe Prohaskas Verlobung Erwähnung finden.

„Denn das interessiert die Welt, liebe Nika! Alles ist gut ausgegangen! Deine Schwester kann aufatmen und erleichtert sein!“, hatte er gesagt. So war es und die Geschenke, die dieses Weihnachtsfest mit sich gebracht hatten, waren auch nicht zu verachten! So konnte sie nicht klagen und sich nicht beschweren und würde morgen in der schwarzweiß gestreiften Hose und dem dazupassenden Pullover, das rote Mützchen auf dem Kopf, an Haralds Seite im „Jazzland“ auftauchen, das Jessica ausgesucht hatte, die Widerlich Seidlers Worte, daß das Kaufhaus keine Kinderaufbewahrungsstelle sei, überhört hatte. Beziehungsweise auf ihrer Mutter ängstlichen Blick „Keine Sorge, Mama, ich bin in wichtiger Mission unterwegs! Da kann dein Chef nicht schimpfen“ Muß ich doch für die Weihnachtsfrau ein Geschenk aussuchen!“, sagte und treffsicher auf die rote Strickmütze zeigte, die es in Roberta Meisels Abteilung zu finden gab.

„Probieren Sie die doch an, sie passt, wie angegossen!“, behauptete sie, als würe sie die beste Verkäuferin.

„Dann brauchen wir noch Handschuhe und die finden wir bei der Mama! Da kann dein Chef doch nichts dagegen haben, wenn die Weihnachtsfrau ihren Geschenkgutschein einlöst!“, hatte sie mit einem Blick auf Frau Meisel gesagt und der Mutter ängstliche Worte, daß die ihre Vorgesetzte sei, fröhlich überhört.

„Ich habe auch eine wichtige Aufgabe, denn ich muß für Onkel Max einkaufen, der Brot, Milch und Joghurt braucht, bin daher gleich verschwunden und störe nicht mehr länger!“, hatte sie noch ausgerufen und Frau Meisel war nichts übergeblieben, als süßlich zu bestätigen, daß Nika die Mütze gut stehen würde und zu Dragana Nikolic sagte sie, daß ihre Tochter ein liebes Mädchen sei.

„Siehst du, Mama!, hatte Jessi triumphierend ausgerufen und war mit einem wichtigen Gesicht weggerannt. Nika hatte sich bei Dragana Nikolic die passenden Handschuhe ausgesucht, die zwanzig Cent, die sie von ihrem Gutschein zurückbekommen hatte, eingesteckt und der Verkäuferin noch einmal „Alles Gute!“, gewünscht.

„Ihnen auch ein gutes neues Jahr!“, hatte die geantwortet und versichert, daß sie sich freue, wenn Nika wieder zu Ostern oder zu Weihnachten hier arbeiten würde“

„Aber ich weiß schon, es ist viel besser, bis dahin einen Job als Lehrerin oder Lektorin zu haben, aber das ist wahrscheinlich nicht so leicht!“, hatte sie noch zweifelnd hinzugefügt. Nika hatte „So ist es!“, geantwortet. Die Mütze und die Handschuhe gleich angezogen und war damit in Haralds Redaktion gefahren, um ih n abzuholen. Dann hatte sie die Nacht in seinem Junggesellenparadies verbracht und nun war sie nach Hause gekommen, um noch ein bißchen aufzuräumen, beziehungsweise sich auf Silvester einzustellen und überlegte, ob sie Ruth und Vera anrufen und ihnen von Joe Prohaskas Verlobung erzählen sollte? Das dann aber unterlassen, weil Laura Augustin bei ihr geläutet hatte und sich schüchtern erkiundigte, ob sie Lust habe, bei ihr eine Tasse Kaffee zu trinken?

„Habe ich, Frau Augustin, habe ich!“, hatte Nika fröhlich geantwortet, nach dem noch vorhandenen Weihnachtsstollen von Dragana Nikolic gegriffen und „Den Kuchen spendiere ich dazu!“, hinzugefügt.“

Die restlichen Mosaikstückchen wird man nach und nach hier  finden können und sind auch im Buch nachzulesen.

2016-12-29

Doch noch ein Adventkalenderfenster

Da es mit dem Lesen meines Vicki Baum-Schwerpunkts doch nicht so schnell geht, kommt jetzt noch ein Kapitel, meiner „Nika, Weihnachtsfrau“ oder, wie ich das ja immer nenne, dem dritten Teil meiner „Flüchtlingstrilogie“, im vorigen November während des „Nanowrimos“ geschrieben.

Ein Adventkalender, von der Nika, Weihnachtsfrau, der Germanistikstudentin, die sich was dazu verdient, in dem sie im Dezember im roten Samtanzug und Mütze auf der Mariahilferstraße steht und aus einem Sack Zuckerln an Kinder und Flyer an Erwachsene verteilt und weil ich ja sehr schnell und sehr kurz im Schreiben bin, mußte ich es über den ganzen Dezember hinziehen, damit sich die fünfzigtausend Worte, die man ja beim „Nano“ haben muß, zusammen kamen.

Ich wiederhole es vielleicht für meine neuen Leser. Die Idee über eine Weihnachtsfrau zu schreiben ist mir ja schon 2013 bei den „Dreizehn Kapitel“ gekommen. Da gibt es schon eine „Weihnachtsfrau “ und ich habe im darauffolgenden Dezember, auch ein paar diesbezügliche Artikel geschrieben.

Zu der Nika ist es aber erst 2015 gekommen, obwohl ich in der Schreibgruppe 2014 auch schon einen solchen Text schrieb und weil man ja aus der Nika, die als mein, ich glaube, vierzigstes Selbstgemachtes erschienen ist, ja, wie man sieht auch sehr gut einen Blogroman machen kann, kam dann auch die Idee, immer wieder Kapitel aus dem Buch hineinzustellen.

So gibt es mit dem Probekapitel, wo man den 1. Dezember lesen kann, schon den 5., den 19. und den 25.

Eine Vorstudie mit einer anderen Perspektive gibt es zum 5. Dezember auch und am 17. Dezember habe ich das Buch im Vorjahr im „Read!!ingroom“ vorgestellt und dazu passend, den ersten und den siebzehnten Kapteil gelesen.

Jetzt gibt es also auch noch den 29. Dezember und von Jahr zu Jahr kann und soll es mehr werden, bis man dann eines Tages vielleicht das ganze Buch hier finden kann, wenn ich nicht, so wie heuer, zuviel mit dem Auflesen meiner Bücherliste beschäftigt sein werde.

Hier noch die Links zur „Vorschau“ und zur „Buchpromotion“, wo es ja immer die Schreibberichte und das Gewinnspiel, sowie die diesbezügliche Auflösung gibt und noch ein kleiner Hinweis, da das Buch im Jahr 2015 spielt, wo es auch geschrieben wurde, ist der 29. Dezember ein Dienstag.

„Dienstag, 29. Dezember

Es hatte nicht nur wahlweise Gulasch oder Gemüsestrudel und als Nachtisch wieder Weihnachtskekse gegeben, jeder Mitarbeiter hatte auch noch ein kleines Päckchen von der Assistentin des Direktors und von diesen  einen warmen Händedruck bekommen, in dem sich, wie erwartet, ein halbes Kilogramm Kaffee, ein Lebkuchenherz, sowie ein fünfzig Euro Gutschein befunden hatte. Widerlich Seidler war plötzlich wieder neben ihr gestanden und hatte genauso widerlich, wie immer „Na, da freuen Sie sich aber Frau Magister, zu ihr gesagt. Sie hatte sich nicht geirrt, aus dem Saulus war kein Paulus geworden, auch wenn er eine blonde Gattin hatte, die nett und freundlich schien, war er das so schnell nicht geworden. Denn er verkündete grinsend, daß sie überlegt hatten, ob sie nicht ihr als Weihnachtsfrau diese ehrenvolle Geschenkübergabe übergeben hätten sollen? Sie dann aber doch nicht damit belasten  hatten wollen, so daß Frau Nagy diese Aufgabe übernommen hatte und Nika dachte sich, daß das Kaufhaus da wohl sparsam sein und die zwei oder dreihundert Euro Gage, die sie dafür fordern hätte können, nicht zahlen wollte, deutete aber freundlich auf Jessica und sagte lächelnd, daß das nichts mache, weil sie schon Konkurrenz bekommen hätte.

„Das kleine Fräulein Nikolic, das, wie man hört, sehr häufig seine Mutter besuchen soll, obwohl wir keine Kinderaufbewahrungsstelle sind!“,  säuselte Widerlich Seidler, dann blickte er auf seine blonde Inge, die ihn wohl ein wenig strafend angesehen hatte, denn er räusperte sich und sagte schnell „Damit Sie mich nicht mißverstehen! Wir waren mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden, Frau Magister und das habe ich in der Direktion auch gesagt, so daß ich Sie, wenn Sie das möchten,  für das nächste Jahr wieder vorschlagen werde und für Ostern suchen wir ein Osterhäschen!“, meinte er kichernd und machte den Eindruck, als ob er ihr auf den Po grapschen wollte, sich das aber, weil seine Inge zu ihnen hinübersah, nicht zu trauen schien und so lächelte sie wieder und sagte freundlich, daß sie es sich überlegen würde, aber bis dahin wahrscheinlich mit ihrem Studium fertig und vielleicht fix angestellt sei.

„Sonst natürlich gern!“

Er hatte sie angesehen, als würde er ganz sicher sein, zu Ostern und im nächsten Dezember eine arbeitslose Nika vorzufinden, die froh über den Häschen- oder Weihnachtsfrauenjob sein würde.

„Ich werde mich bei Ihnen melden und jetzt unterhalten Sie sich gut!“, sagte er süffisant und war zu seiner Inge zurückgegangen. Nika hatte das dann zwei Stunden mit Dragana Nikolic, Jessi Weihnachtsfrau und Rade Jovanovic getan, dann hatte sie ihr Geschenküäckchen genommen und war nach Hause gegangen. Das stand auf ihren Küchentisch, als der Wecker läutete und Nika sich ärgerte, daß sie ihn nicht abgeschalten hatte. War sie doch jetzt arbeitslos, beziehungsweise hatte sie noch immer Weihnachtsferien, brauchte nicht um sieben aufstehen und auf die Mariahilferstraße hetzen. Brauchte das vorläufig nie mehr tun. Sie hatte ihn aber selbst gestellt, weil sie einkaufen wollte, denn die Geschäfte hatten an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester wieder geöffnet.  Sie konnte sich Reis, Milch, Kartoffeln und was sie sonst zum Leben brauchte, im Diskontmarkt an der Ecke besorgen und brauchte keinen überteuerten Bahnhofsupermarkt mehr aufsuchen. Und das hatte sie sich vorgenommen und so wollte sie aufstehen, den Kaffeeautomaten einschalten, den restlichen Schinken und die restlichen Kekse verzehren und dabei eine Liste erstellen, was sie besorgen mußte, um ihren Haushalt wieder in Schwung zu bringen. Das würde einige Zeit beanspruchen und wenn es sich dann noch ausging, konnte sie in ihr Kaufhaus schauen, Dragana Nikolic einen Kurzbesuch abstatten und dabei ihren fünfzig Euro Gutschein in ein Paar Handschuhe oder eine Mütze umwandeln, weil man die Feste, wie sie fielen, feiern sollte und zum offenen Bücherschrank hatte sie auch gehen wollen, fiel ihr ein, als sich ihr Handy meldete und sie Haralds fröhliche Stimme hörte, der ihr einen wunderschönen guten Morgen wünschte und sich erkundigte, ob sie schon wach und munter sei?

„Selbstverständlich, ich bin noch im Arbeitstrott und von diesem nicht so leicht wegzubekommen!“, antwortete sie fröhlich und wollte von ihm wissen, ob er gute Nachrichten hätte?“

„Habe ich, Nikalein, ganz besonder gute Neuigkeiten und zwei Fragen! Frage ein, was machst du heute Abend? Was bedeutet, daß ich wissen möchte, ob ich dich in mein Junggesellenparadies einladen darf, um dir das solche vorzustellen und Frage zwei, was machst du zu Silvester? Beziehungsweise will ich wissen, ob du Lust hast, diesen wieder  im „Jazzland“ mit mir zu verbringen oder eigentlich nicht mit mir allein, denn du wirst es nicht glauben, Doro Zelinski hat uns eingeladen, weil sie dort Verlobung feiern will!“

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und wem jetzt das Ganze interessiert, der kann das Buch auch bei mir bestellen.

2016-12-28

Die Karriere der Doris Hart

Filed under: Bücher — jancak @ 19:17
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Jetzt komme ich doch, drei Tage vor Jahresende, dazu, meinen Vicki Baum-Schwerpunkt aufzulesen oder zumindest anzufangen und über die Jahre mitzunehmen, denn da haben sich ja bei meinen Bücherkastentouren nach und nach sehr viel Schmankerln, der 1888 in Wien geborenen und 1960 in Hollywood verstorbenen Autorin angesammelt, deren Namen ich aus dem Bücherkasten meiner Eltern kannte.

„Marion“, „Rendezvous in Paris“, „Hotel Shanghai“ lag darin, was ich nach und nach gelesen habe und auf die Autorin aufmerksam wurde.

Und da ich kein Literaturlexikon zu Hause hatte, war es in „Vor-Wikipedia-Zeiten“ gar nicht so einfach, an die entsprechenden Informationen heranzukommen, da in den alten Büchern meistens keine Bibografien und Inhaltsangabenstehen und ich so, was man heute gar nicht mehr glauben kann, mir einmal sogar von Konstanze Fliedl einen Lebenslauf schicken ließ.

Jetzt hat man sich an die Autorin aber, glaube ich, wieder erinnert, es gibt Bücher über sie, die ich aber nicht gelesen habe. Ich habe aber eine Sammlung ihrer Romane und so sind sechs davon auf meine 2016-Leseliste gekommen und ich schreibe, glaube ich, ja schon das ganze Jahr davon, daß es heuer einen Vicki Baum Schwerpunkt geben wird.

„Menschen im Hotel“ und „Stud Chem Helene Willfüer“ habe ich schon gelesen und bei einer diesbezüglichen Veranstaltung im Literaturhaus war ich auch einmal. Aber ab August war ich ja mit meinen dopptelten oder sogar dreifachen Buchpreisbloglisten beschäftigt, so daß ich am Ende schon alle Bücher, außer „Die Karriere  der Doris Hart“ von meiner Liste herausstrich.

Ein paar andere der sechs geplanten Bücher werden sich aber wahrscheinlich doch noch ausgehen, obwohl die „Doris Hart“, 1936 geschrieben, ich habe ein altes „Ullstein-Taschenbuch“ gefunden, nicht so leicht zu lesen war, da es aus zweihundert Seiten im Kleindruck bestand.

Die Handlung spielt zum größten Teil in Amerika, in New York, dort dorthin ist Vicki Baum, die sich in Wien, als Harfinistin ausbilden ließ und dann lange im „Ullsteinverlagshaus“ arbeitete, in den Dreißigerahren emigriert.

Bei „Amazon“ gibt es eine Rezension, ich weiß auch nicht, wieviele der vielen Kolportagen- oder „Asphaltromane“, wie es die Nazis nannten, noch aufgelegt sind, in den Bücherschränken findet man aber immer wieder, meist ältere Ausgaben, ihre Bücher und der Rezensent lobt, die „Menschen im Hotel“ und „Liebe und Tod auf Bali“, steht auch auf meiner Liste und meint, hier hätte wohl das Honorar die Autorin dazu verführt einen Groschenroman zu schreiben, weil die Frauen ja so was lesen wollen und das Spiel, um Liebe und Moral, Anständigkeit und Unanständigkeit, das hier beschrieben, wird, ist auch sehr interessant und Vicki Baum ist, glaube ich, eine Meisterin viel zu sagen und gleichzeitig auch nichts.

Es beginnt jedenfalls in einer Galerie, da geht ein reiches amerikanisches Ehepaar hin,  sieht eine Skulptur und erkundigt sich nach dem Bildhauer, denn Juddy Bryant von ihrem Mann „Snob“ genannt, will eine solche lebensgroß in ihrem Garten haben.

So fährt F.O Bryant in das Atelier des russischen Bildhauers, dem steht gerade Doris Hart nackt Modell, obwohl seine Skulpturen gar nicht gegenständlich sind, ein bißchen satriisch ist Vicki Baum offenbar auch.

F O Bryant, genannt, der Junior, denn einen Alten gibt es auch, verschaut sich natürlich in die nackte Frau und fährt sie dann in das deutsche Restaurant, wo sie mit kurzen Röckchen, die Schweinehaxenserviert, denn sie, die Tochter eines deutschen Arztes, ist unsterblich in Basil Nemiroff verliebt, der aber mit seinen Modellen nicht ins Bett geht, sie hat auch noch andere Pläne, sie will Sängerin werden und nimmt Unterrricht bei der alten Signora Salvatori, die ihr aber ihre Stimme verdirbt.

Der junge Bryant macht ihr den Hof und verschleppt sie in seine Villa zu einer wüsten Sexparty. Basil nun doch irgendwie eifersüchtig, geht zu seinem jüdischen Pfandleiher, der zwar gerade seinen Sabbat macht, löst aber doch seinen guten Anzug, seinen Samovar und seine Pistolen aus, fährt auch in das Haus und schießt Doris, die sie mit Bryant im Bett findet, in die Lunge.

Dort scheint zwar natürlich nichts Böses geschehen zu sein, er wird aber trotzdem zu zwischen zehn und fünfzehn Jahren verurteilt und Doris liegt monatelang im Spital. Zuerst zahlt der junge Bryant die Rechnung, als sie ihn abweist, kommt sie in den Massensaal und der alte Bryant zu ihr, um sie von seinem Sohn abzulösen.

Sie will zwar nichts von dem, nur Basil retten, den sie ins Gefängnis rührende Briefe schreibt, denn ein Mann, der so was macht, muß sie doch leben, denkt aber doch an ihre Karriere und da bezahlt ihr nun der alte Milliardär das Studium bei einem alten Sänger.

Köstlich werden da sie Szenen beschrieben, wie sie mit ihm und seinen anderen Schülern in einem Haushalt lebt und, um von ihm überhaupt aufgenommen werden, muß sie sich auch mit seinem Sekretär hochschlafen und sie tut das auch alles willfährig und voller Unschuld, freundet sich mit den anderen Schülern an, eine ist aus Wien, begleitet den alten Maestro abends in die Oper und als es, das Ganze beginnt 1927, ein Jahr später zum Börsenkrach kommt, stellt der Milliardär die Zahlungen ein.

Sie nimmt dann, als sie endlich singen darf, die erste Zeit darf sie ja nur schweigen  die Tonleitern trällern, eine Anstellung an. Singt Händel-Opern, hat auch Operretten im Repertoir, eine wüste Kreuzfahrt gibt es auch und besucht auch immer zwischendurch Basil im Gefängnis, versucht ihn von dort herauszubringen, denn lange hat man, als Sängerin mit einer halben Lunge ja nicht mehr Zeit.

Trotzdem bleibt ihr noch soviel, um die Karriere zu machen und selbst einen ganzen Hofstaat mit Sekretärin etcetera um sich zu haben, dann kommt der Krankheitsschub und mit ihrem Geld, sie hat den alten Bryant zwischendurch auch noch geheiratet, gelingt es ihr dann doch, ihn herauszuringen und mit ihm ein paar Tage auf einer tropischen Insel zu verbringen, bevor sie ihr Leben an seiner Seite aushaucht.

Kitschig würde man heute sagen und die heutigen ChickLits sind auch anders gestrickt.

Natürlich, selbstverständlich, trotzdem gelingt es Vicki Baum aber köstlich ein Zeitpanaorama zu zeichnen und auch das Schicksal oder die Not der kleinen Mädels eigentlich sehr liebevoll zu beschreiben, denen vielleicht gar nichts anderes überbleibt, als sich ihre Karriere oder auch nur ihren Lebensunterhalt zu erschlafen.

2016-12-27

Bis ich 21 war

Filed under: Bücher — jancak @ 00:40
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Jetzt noch das Weihnachtsbuch von vor zwei Jahren. Ela Angerers „Bis ich einundzwanzig war“, das die 1964 in geborene, die laut Klappentext, als Schriftstellerin, freie Autorin (was ist der Unterschied) und Fotografin, damals auch auf der „Buch-Wien“ vorstellte, wo es dem Alfred wahrscheinlich aufgefallen ist.

Damals hatte ich von Ela Angerer keine Ahnung, inzwischen habe ich ihren fiktiven Roman gelesen und sie auch  in einer Diskussion mit unter anderen Peter Henisch in der „News-Lounge“ über die österreichische Literatutur auf der heurigen „Buch-Wien“ gehört, weil sie inzwischen auch eine Kolumne in der Zeitschrift „News“ hat.

Das Debut ist laut Klappentext ein autobiografischer Roman und das Ela Angerer aus einer bürgerlichen Familie stammen könnte, ist mir schon bei den „Kometen“aufgefallen.

Um was geht es also in der Autobiografie, der um zehn Jahre jüngeren Autorin und Journalistin?

Um das grausliche Leben in der österreichischen Oberschicht, die Mutter, die eigentlich Künstlerin werden wollte, ließ sich vom Vater offenbar sehr jung, drei Kinder andrehen, betrügt ihn dann mit einem reichen „Cadillacfahrer“ und zieht nach einigen Komplikationen mit den zwei Töchtern, der Sohn ist dem Franhzosen nicht zuzumuten, zuerst in ein Reihenhaus, es sind ja noch Alimente für dessen Familie zu zahlen, dann in ein Schloß, wo es ähnlich zugeht, wie es vorher war.

Nämlich Kindermädchen, Bügel- und Putzfrauen, die auf die Kinder aufpassen und den Haushalt schupfen, die Mutter steht zwar gegentlich in der Küche, um den Franzosen sechsgängige Menus zu bereiten, die vom Großvater dann mit „Votre Couisine est tres simple, mais bonne!“, gelangweilt kommentiert werden.

Ansonsten überläßt sie die Kinder den Kindermädchen und geht mit dem Göttergatten auf Reisen oder Bridgespielen, so daß, die dann, wenn kein Essen im Kühlschrank ist, in den Keller gehen und sich die französische Gänseleperpastete und den „Beluga-Kaviar“, der monatlich angeliefert werden, aufs harte Brot schmieren.

Wie schrecklich, könnte man in der Zeit der Achtundsechzigerjahre, wo die Portraits der RAF-Terroristen an der Schweizer Grenze ingen, wenn die Mutter mit der namenlosen Tochter dorthin einkaufen fuhr.

Reicht aber natürlich nicht für einen Roman, die übliche Vergewaltigung  durch den Großvater ist natürlich auch dabei und die Ich-Erzählerin fängt auch früh mit Drogen und  erotischen Spielechen, sowohl bei Männchen oder Weibchen an, schlecht nachts auf dem Haus, um sich in der Disko Heroin oder ist es noch LSD zu spitzen und die Mutter hat natürlich den Tablettencocktail, „Mothers little Helpers“ im Badezimmer stehen, um immer frisch und fröhlich zu sein und kleine Nasen und Ohren braucht man auch, um an den Mann zu kommen, so werden diese plattgedrückt.

Einmal ist eine ältereKinderfrau dabei, als die Erzählerin einer Freunin Captagon mit Martini serviert, so daß, die dann flach am Boden liegt und die Betreuerin die Rettung holt.

Die Erzählerin täuscht eine Zehenverletzung vor, kommt dann aber mit Dreizehn oder Vierzehn doch in ein Internat. Zwei Schweizer, ein sehr katholisches und eines, wo arabische Prinzessinnen von ihren Tennislehrer begleitet werden, werden angeschaut. Sie kommt dann in eine billigere Erziehungsanstalt, macht auch dort ihre erotischen Erfahrungen mit manchen Lehrerinnen, die ihr Nachhilfeunterricht geben, fährt am Wochenende angeblich zur Großmutter nach Wien, in Wahrheit in in WG ihrer Jugendfreunde und das Alpha Tierchen Stella wird beim Klauen erwischt. Fünfhunderttausend Euro Schaden in den örtlichen Juweliergeschäften und die goldene Uhr der Erzählerin, die diese vom Stiefvater bekam, ist auch dabei. Sie zeigt, um sich zu retten, die Erzählerin wegen Drogendeals an, die wieder alle Spielchen braucht, um sich reinzuwaschen und zu siegen, was auch gelingt.

Sie will trotzdem heim ins stiefväterliche Schloß, beginnt ein Liebesspiel mit einem Cousin in einem Nobelhotel in Vendig, wohin sie mit ihren Eltern darf, bevor sie sich mit der Mutter verzankt und nach Paris ausbüchst.

Der Sinn des Lebens scheint ihr noch immer zu fehlen oder vielleicht hat sie ihn auch dort gefunden, denn wenn das Buch wirklich autobiografisch ist, hat ihn Ela Angerer ja bekommen.

Aber ich weiß schon, in Romanen ist alles übertrieben und nicht ganz wörtlich zu nehmen, Drogenkonsum ist ja auch verboten und Sex mit Minderjährigen auch. Aber natürlich kann man nur schreiben, was man erlebt hat, so wird das Leiden der wohlstandsverwahrlosten Oberschichtnugend nicht ganz erfunden sein und ich glaube auch, daß so ein Leben zwischen wechseldnen Kindermädchen und Putzfrauen und einer medikamentensüchtigen Mutter, die mit Omar Sharif Bridge spielen geht, sicher nicht ganz einfach ist.

Das von den Unterschichtjugendlichen, die kiffen, dealen oder klauen und dazwischen arbeitslos sind, ist es wahrscheinlich auch nicht, aber die bringen höchstwahrscheinlich keinen so fehlerfreie und grammatikalisch richtige Autogbiografie, ob erfunden oder echt zusammen, daß sie bei „Deuticke“ verlegt wird, trotzdem frage ich mich , warum ein solcher Roman erscheint und warum ich ihn lese?

Nun ich habe ihn vor zwei Jahren zu Weihnachten bekommen und bin ja sehr interssiert an der österreichischen Gegenwartsliteratur, möchte am liebsten alles lesen und auch selber schreiben, was ich auch tue, aber leider offensichtlich nicht so gut und so interessant, daß es einem Verlag gefällt und mit dem Selbstgemachten ist es ja auch nicht so leicht, obwohl ja schon viele solche Bücher von mir erschienen sind.

Interessanterweise sind die „Amazon-Rezensionen“, die ich mir durchgeschaut habe, eher begeistert und sprechen davon, daß das Buch an die Erlebnisse der eigenen Jugend erinnert. Das habe ich bei den „Kometen“ mehr  empfunden, obwohl ich ja zehn Jahre älter bin.

Hier würde ich schon ganz vorsichtig sagen, daß ich hoffe, daß nicht jede Jugend, so ausschaut und, daß ich eine solche auch nicht als sehr empfehlenswert und für vorbildhaft halten würde.

Elke Heidenreich hat sich ja in einer Fernsehdiskussion sehr über Michelle Steinbecks Debut empört und von „krankhaft“ gesprochen, was ich eher für erfunden gehalten hätte. Hier wäre ich, wenn das wirklich alles autobiografisch ist, wahrscheinlich mehr besorgt und kann vielleicht froh sein, daß mir das erspart geblieben ist, auch wenn ich auf meine Bücher solche Reaktionen bekomme.

2016-12-26

Chronik einer fröhlichen Verschwörung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:10
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Nun kommt ein Geburtstagsbuch vom vergangenen Jahr, Richard Schuberths Debutrom, den ich mir wünschte, weil ich ja wenigstens teilweise bei der Präsentation im Ost-Club war, der natürlich auch in dem Buch vorkommt, Robert Schindel war mit Sabine Gruber ebenfalls anwesend und der, habe ich mir zumindest am Anfang des Buches gedacht, könnnte das Urbild für den Ernö Katz sein, aber dann macht das fünfhundert Seiten Buch ja sehr rasante Sprünge, aber schön langsam, hübsch der Reihe nach, denn ich soll ja nicht so unverständlich schreiben.

Den 1968 Geborenen kenne ich, glaube ich, vom „Volksstimmefest“, ich bin auch irgendwie in seine Kartei gekommen, denn er schickt mir regelmäßig die Einladungen zu seinen Veranstaltungen. Er hat Essays und Theaterstücke geschrieben, „Wie Branca sich nach oben putzte“ bespielsweise, aber auch das „Neue Wörterbuch des Teufels“, mit seinem 1915 erschienenen Debutroman, stand er im Vorjahr auf der Longlist des „Alphas“, heuer hat er auf den Ö- Tönen daraus gelesen und das Stück, was ich im Ost-Club daraus hörte, hat mir sehr gefallen, wohl wissend, daß Richard Schuberth mir wahrscheinlich  zu männlich aggressiv sein wird und er sehr viel über Sex schreibt und manches in dem Roman war schlichtweg so kitschig, daß man sich wundert, daß er bei „Zsolnay“ erscheinen konnte.

Bei „Amazon“ gibt es ein paar fünf Stern und eine ein Stern Rezension. Ich vergebe ja keine Sterne, Hauben oder Bücher, weil ich Bücher ja nicht verreißen möchte, hier könnte ich aber sowohl das eine, als auch das andere geben und das ist wahrscheinlich auch der Vorzug des Buchs.

Wieder schön der Reihe nach und die Handlung des Buches ist eigentlich sehr schnell erzählt und steht auch so am Klappentext.

Der siebzigjährige Jude und ehemalige Universitätsprofessor Ernö oder Ernst Katz fährt auf der Westbahnstrecke mit dem Zug nach Wien und ist stinkwütend, maßt sich da doch ein junger Autor namens Rene Mackensen, wie er in der Zeitung gelesen hat, einen Roman über das Leben Klara Sonnenscheins zu schreiben. Eine Wiener jüdin, die ein paar Jahre in einer Wohnung versteckt wurde, dann ein paar Monate in Mauthausen war und sich in den Sechzigerjahren in Belgien erhängte. Sie war Philosophin, hat Aphorismen und Haikus geschrieben, sowie Briefe an Ernst Katz zu dem sie irgendeine Beziehung hatte, Teile aus ihrem Werken sind den jeweiligen Kapiteln vorangestellt und die Aphorismen „Arschloch: Tunnel, in den die Karriereleiter führt und an desen Ende es kein Licht gibt“, beispielsweise, stammen wohl auch aus dem „Wörterbuch des Teufels.“

Im Zug lernt der Fluchende die siebzehnjährige Birgit oder Biggy Haunschmid aus St. Pölten kennen, die aus einer HTL geflogen ist und die nun bei ihm einzieht.

Er zahlt ihr alles, sie gibt das Geld auf seiner Kreditkarte mit vollen Händen aus und das ungleiche Paar zieht im ersten Drittel des Buches durch Wien herum, säuft und kifft und treibt allerhand seltsame Sachen, in dem sie beispielsweise verkleidet in den Ost-Club ziehen und dort Tischfußball spielen.

Dann schmieden sie ein Komplott, denn das Schreiben des Romans muß verhindert werden. So hetzen sie den armen Rene, der den Roman am Anfang gar nicht schreiben will, aber von seinem Agenten und Verleger Carsten Kempowski  und seiner älteren Geliebten Almuth, einer Literaturritikerin dazu gezwungen wird, mit gefälschten Wikipediaeinträgen und gefläschten Briefen zuerst nach Belgrad, dann sogar nach Tel Avic und als Mackensen Dr. Katz besuchen will, weil der ja eine Vorlesung über Klara Sonnenschein gehalten hat, spielt er ihm einen senilen inkontinenten alten Trottel vor, der ihm Unterricht in Hegels Werke geben will.

Man sieht ein sehr ungewöhnliches Buch, es wird geschnackselt und gevögelt und Birgit, die zu dem alten Philosophen natürlich nur eine unerotische Beziehung hat, betrügt ihn mit allen möglichen Sorten von Arabern. Sie zeigt ihm auch gruppendynamische Kniffe. Beispielsweise, daß sich alle Leute in der U-Bahn entschuldigen, wenn man ihnen auf die Zehen tritt. Dann kommt es zu einer Wende. Katz beginnt ein Verhältnis zu Mackensens Geliebter, Birigit eines mit Rene. Der alte Katz erleidet einen Schlaganfall, als er, das ist eine der kitschigen Szenen, im Cafe Landtmann eine rassige Frau küssen soll, um Almuth von ihm abzubringen.

Dann begeht er noch einen Selbstmordversuch. Biggy rast zu ihm ins Spital und dort, aber auch in einer Bar, wo inzwischen der betrunkene Mackensens herumhängt, erscheint Klara Sonnenschein allen drein und bringt Biggy platonisch oder nicht, mit dem alten Katz zusammen, bevor sie wieder ins Paradies entschwebt und der Epilog ist ein Kronenzeitung-Artikel, in dem über dem Live Ball berichtet wird, wo sich Abdulramahn Mackensen, der junge Dichter, hat während des Romans, nicht nur seine jüdischen Wurzeln entdeckt, sondern ist auch zum Islam konvertiert mit seinem schönen Freund befindet und einen tollen Roman, der aber ein ganz anderer, als der über Klara Sonnenschein ist, denn den, hat ihr Geist dem alten Katz verraten, wird natürlich Biggy verfassen, hat er auch geschrieben.

Wird man mir jetzt glauben, daß es ein sehr intellktuelles, höchst anspruchsvolles Buch ist, das sich mit Gott und der Welt und noch vielen anderen beschäftigt und das gar nicht so leicht zu lesen ist?

Es ist so manchmal und manchmal ist es, wie schon erwähnt wieder unerträglich kitschig. Mir zuviel harten Männersex und auch zu aggresssiv und die Stelle, wo Biggy in die Wohnung, wo Klara Sonnenschein, die von ihrem Verstecker natürlich auch mißbraucht wurde,  gelebt hat, einbricht und dann von den jetztigen Bewohnern, einem Juppiepärchen nicht nur fünfzehnausend Euro als auch noch ein Bild von Maria Lassing geschenkt bekommt, die „Identitären“ würden das wohl „Ethno-Masochismus“ nennen, habe ich vollends nicht verstanden.

Aber ich weiß schon, Richard Schuberth hat sich in seinem Debut ordentlich ausgetobt, alle Saiten gezogen und über alle Stränge gesprungen, irgendwie phaszinierend und sehr interessant.

Ein ungewöhnliches Buch, über eine „ungewöhnliche Freundschaft“, wie am Buchrücken steht, auf jeden Fall.

Eine Mischung zwischen E und U oder besser eine zwischen einem Porno und einem philosophischen Essay und das so etwas möglich ist und noch dazu bei „Zsolnay“ erscheint und auch auf die „Longlist des Alphas“ für das beste Debut kommt, ist auch sehr ungewöhnlich.

Wie schon geschrieben, ich habe das Buch sehr ambivalent gelesen und bin jetzt schon auf seinen nächsten Roman, von dem ich schon ein Stück lesen durfte, weil er damit einmal ein „Hans Weigel- Stipendium“ bekam, sehr gespannt und ehe ich es vergesse, eine Satire auf den Literaturbetrieb ist das Ganze auch noch.

2016-12-25

Weihnachten mit oder auch ohne Vicki Baum

Die letzte Woche hatte ich ja zwischen meinen Stunden schon so ein „neues Buchprogramm“. So bin ich am Dienstag nach meiner zehn Uhr Stunde zum Friseur gegangen und dann ins Literaturhaus, weil ich in letzter Minute doch noch daraufgekommen bin, daß es dort einen Flohmarkt gibt und habe zehn Bücher um fünf Euro nach Hause geschleppt, die zum größten Teil nicht, wie erwartet aus den österreichischen Klein-oder Mittelverlagen, wie „Haynon“ oder „Residenz“, stammten, sondern eher etwas ältere Bücher aus deutschen Verlagen, wie etwa das von Nina Bussmann „Große Ferien“, Larissa Boehnmann „Das Glück der Zikaden“, Mathias Nawrat „Unternehmer “ oder  Pia Ziefles „Länger als sonst ist nicht für immer“, Bücher von Leuten, die beim  „Bachmannpreis“ oder  gelesen haben oder die ich von den Blogs kenne, waren.

Am Mittwoch habe ich dann nach meiner dreizehn Uhr Kinderstunde, die Fenster geputzt und die Böden gesaugt und ein Weihnachtsgeschenk oder ein gewonnenes Buch ist auch gekommen, habe ich doch bei Marc Richters Gewinnspiel, den ich durch das „Debutpreisbloggen“ kennenlernte, Markus Mitmannsgruber „Gegen die Zellen“ gewonnen, ein Buch aus dem „Luftschacht-Verlag“, das er auf seine persönliche Shortlist setzte und das er mir sehr empfohlen hat.

Am Donnerstag hat es noch einen klinischen Mittag gegeben, ich habe überlegt, ob ich eine Schachtel Lebkuchen kaufen soll, dazu bin ich heuer irgendwie nicht gekommen, habe es dann aber gelassen, denn wenn ich noch einmal beim Literaturhaus zuschlage, bin ich mit meiner eher kleinen Weihnachtstasche, die ich einmal von einer Klientin bekommen habe und von der dauernd der Henkel abreißt, so bepackt, daß ich es nur schwer in meine Praxis schaffe, wo ich noch eine sechs Uhr Stunde hatte.

Am offenen Bücherschrank bin ich aber vorbeigekommen und dort lag gleich oben auf und gut sichtbar Stefan Thomes „Gegenspiel“ von dem ich nicht wußte, ob ich es nichtschon hatte, es war aber der „Grenzgang“ und Hans Platzgummer „Am Rand“ ist auch dort gelegen. Das habe ich, da auf der LL des dBp schon gelesen, aber nur als PDF, also doch danach gegriffen und danach, ich glaube, so eine halbe Stunde vor Schluß noch einmal ins Literaturhaus und die mitgenommene Tragetasche vollgefüllt. Wann werde ich das alles lesen?

Bin ich jetzt ja endlich mit den Rezensionsexemplaren fertig, die ich seit Ende August ununderbrochen lese, habe Franzobels „Wiener Wunder“, das ich vor zwei Jahren bei der „Buch Wien“ beim Bücherquiz bekommen habe, weil ich herausschrie, daß der eigentlich Stefan Griebl heißt und dadurch Günter Kaindelsdorfer, glaube ich, sehr nervte, denn Nadine Kegels „Eidechsenbuch“ hatte ich schon in der Tasche und im Vorjahr glesen.

Als Nächstes stand das Debut von Richard Schuberth „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“, das ich ich mir im Vorjahr zum Geburtstag wünschte am Programm und dann kommt schon Ela Angerers „Bis ich einundzwanzig war“ am Programm, bevor ich zu Ende des Jahres vielleicht doch noch zu meinem Vicki Baum Schwerpunkt komme, von dem ich ja immer schreibe, ich aber die Bücher bis auf die „Karriere der Doris Hart“ schon von meiner Leseliste geräumt habe.

Ich habe mir „Verpfändetes Leben“ und „Zwischenfall in Lohwinckel“ trotzdem nach Harland mitgenommen, wohin wir  am Abend gefahren sind.

Am Dienstag kommen wir nach Wien zurück und bleiben dort bis Donnerstagabend, obwohl ich nur jeweils am Vormittag ein paar Stunden habe, da warten dann noch drei Baum Bücher, die ich lesen kann und für meinen Roman recherchieren, kann ich  an den Nachmittagen auch.

Da bin ich ja immer noch ein wenig ratlos, weil das, was da in meinem Notizbuch steht, eigentlich schon eine Wiederholung ist und so ähnlich schon in meinen bisherigen selbstgemachten Büchern vorkommt, für die sich ja ohnehin keiner interessiert und womit ich nie auf eine Shortlist komme, denn Selfpupshing ist da ja immer streng ausgeschlossen.

Trotzdem habe ich am Freitag in Harland, nachdem ich von meiner Radfahrt nach Wilhelmsburg zurückgekommen bin, ein bißchen am Konzept gearbeitet, die wohnungslose Dorothea Wewerka ist ja der Felizitas Fee, der schönen Obdachlosen, ab der ich ja vor zehn oder schon fünfzehn Jahren gearbeitet habe, irgendwie sehr ähnlich, also die entsprechenden Bücher herausgesucht. In der „Viertagebuchfrau“ steht ja was darin, also damit und mit dem „Stadtroman“ und der „Reise nach Odessa“ irgendwann in der Badewanne und ein bißchen weiß ich auch, wie es weitergehen könnte, allerdings wahrscheinlich nicht für einen ganzen Roman.

Aber ich habe vier Personen, für die ich den, einmal von Jacqeline Vellguth übernommenen Charatkerbogen ausgefüllt habe. Einen für dorothea Wewerka, dann gibt es ja die Therese Schwarzenberg, die Suizidätgefährdete, ihre Freundin, die Bibliothekarin Karoline Prohaska und den zweiundzwanzigjährigen Jusstudenten Fabian Hirschmann, Mitglied der Identitären, die auf das Burgtheater kletterten und aus Protest gegen Elfriede Jelinek von dort Flugblätter hinunterrassel ließen.

Die habe ich gefüllt und dann wieder ein paar Weihnachtsfilme angeschaut, irgendwie bin ich ja doch ein bißchen sentimental, beziehungsweise meine Leseliste, die ich im September entrümpelt habe, doch wieder mit den Harland- Büchern bis 2027 ergänzt. In Wien werde ich das dann auch machen, jeweils bins fünfzig Stück mit den Schmankerl, wie beispielsweise den zwanzig Stück vom Literaturhaus-Flohmarkt vollfüllen und als ich am vierundzwanzigsten durch das bißchen Schneee, das an der Traisen gelegen ist, zum Markt nach St. Pölten gefahren bin, bin ich auch in das irgendwie schon sehr tolle Ein Euro Geschäft am Rathausplatz gegangen und habe mir ein paar warme Patschen, um vier Euro rot mit weißen Herzerln für Harland und drei Notizbücker in die ich das Romankonzept notieren kann, mir sozusagen als Weihnachtsgeschenk gekauft.

Auf die Lebkuchen habe ich dann wieder vergessen, beziehungsweise darauf verzeichtet, weil die automatische Tür bei der „Schokothek“ nicht gleich aufgegangen ist, obwohl draußen noch Waren standen, also hatten wir um fünf bei der Bescherung, bei der Oma vor dem Weihnachtsbaum nichts Süßes und keine Kekse.

Früher hat die ja der Opa in großen Mengen wochenlang gebacken. Diesmal gab es nur Aufschnitt und Geschenke und da habe ich vom Alfred wieder einmal einen Eva Rossmann Krimi bekommen.

Früher hat er mir die ja meistens zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt, dann hatte ich zwei Rezensionsexemplare und die darauffolgenden nicht mehr.

Jetzt aber wieder, also kann ich gleich 2017 damit anfangen, wenn ich mit der Vicki Baum fertig bin. Auf jeden Fall kommt das Buch auf diese Liste und jetzt gibt es noch zwei Weihnachtsfeiertage, dann drei halbe Praxistage, wo ich auch meine Abrechnung mache und zu Sylvester werden wir wieder einmal bei Hilde Schmölzer verbringen. Früher waren wir ja sehr oft bei ihr.

2012 ist dann der Opa gestorben und da wollte der Alfred die Oma nicht alllein lassen, vor drei Jahren waren wir dann in St., Pölten beim Robert und voriges Jahr bei der Ruth in Wien aber da sind wir schon vor Mitternacht wieder zurückgefahren.

Jetzt also wieder Sylvester mit Hilde Schmölzer, die ja im Jänner ihren achtzigsten Geburtstag mit einem Fest in der „Wien-Bibliothek“ feiert und vor der Bescherung, habe ich noch eine zweite Szene bezüglich des neuen Werkes geschrieben.

Da werde ich weiterschreiben so gut ich kann, sehr motiviert bin ich ja nicht, weil ich auf meine Gewinnspiele oder auch so kaum Feedback bekomme also weit vom Fenster bin und auch angeblich oder auch tatsächlich nicht schreiben kann, ich werde aber weitermachen und die „Nika“ habe ich am Dienstag, bevor ich zum Friseur gegangen bin, auch in den Wortschatz gestellt, jetzt gibt es den Christtageintrag vom vorigen Jahr und weil ja außer dem Richard Schuberth und der Ela Angerer noch sechs Vicki Baum Bücher in diesem Jahr zu lesen wären, werde ich wohl kaum zu einem neuen Eintrag kommen, weil es zu Sylvester ja auch den Jahresrückblick gibt.

Ich verlinke aber auf das Vorhandene und wem das Weiterlesen interessiert, der kann das Buch bei mir bestellen oder mir eine Rezension schreiben, obwohl es dafür ja fast schon wieder ein bißchen zu spät ist.

„Nika Weihnachtsfrau oder ein Dezember“ 1 5 19 25

2016-12-24

Wiener Wunder

Zu Weihnachten ein Krimi statt einem Weihnachtsbuch, die „Buch-Wien 2014“ und Franzobel machten es möglich und das Wort Weihnachten oder, die schon aufgestellten Dekorationen, kommen in dem Buch auch vor, spielt er ja in Wien, Ende Oktober und jetzt weiß ichs endlich, der 1967 in Völklabruck geborene Stefan Griebl, „Bachmannpreisträger von 1995 und seit einigen Jahren auch „Ohrenschmaus-Juror“ ist wie ist ein großartiger Schriftsteller, bisher war ich da eher skeptisch. Aber er kann schreiben, versucht sich in allen Genres und traut sich auch an einen oder sogar schon zwei Krimis, obwohl die, ja nicht als große Literatur gelten und ihm, wie ich hörte, der Verlag abgeraten haben soll.

Aber „Das Krimischreiben ist wie für einen Antialkoholiker die Entdeckung des Weins. Ein berauschender Genuss. Man kann sich nicht vorstellen, wie man es solange ohne ausgehalten hat!“, schreibt er am Buchrücken.

Eine Satire ist es natürlich auch, sprachlich exzellent und dennoch nicht hochgestochen und ein Genuß beim Lesen, vor allem für eine, die, wie ich, ja Schwierigkeiten beim Schreiben eines Krimis hat.

Ein Mord soll es nicht sein, also fallen bei meinen Krimiversuchen immer Äste von den Bäumen und erschlagen die Leichen und bis zum zweiten Drittel des Buches könnte man glauben, Franzobel hat mir  nach- beziehungsweise vorgemacht, wie das richtig gehen könnte, aber dann wird es, wie schon im Klappentext steht, alles anders und die Geschichte wendet sich und am Schluß wird es vollends parodistisch und man kann das Vergnügen merken, daß der Autor wohl beim Schreiben hatte.

Aber warum geht es eigentlich?

Um einen Kommisar Falt Groschen, Franzobel ist auch ein Meister der sprechenden Namen, so heißt der Journalist Walter Maria Schmierer und einen Dr. Döblinger gibt es auch, das ist der etwas doofe Untersuchungsrichter, mit Vornamen Answer, obwohl er niemals solche gibt und der Kommissar bekommt ein Mail, daß sich demnächst ein Sportler tot aufgefunden werden wird, ein als Selbstmord getaqrneter Mord und der Sportler ist ein Leichtatleht des Dopings überführt und nun aus dem Fenster gefallen und fünf Tatverdächtige ergeben sich auch gleich.

Der erste ist der Manager Stanek aus dessen Wohnung Edgar Wenninger fiel, dann seine Ehefrau Marion, die Groschen fast im Bett mit ihrem Trainer Oktavian Tulpian erwischt und dann noch den Sportreporter Walter Maria Schmierer und den Doppingfahnder Hanns  Hallux mit zwei „n“ geschrieben.

Falt Groschen führt sie alle an der Nase herum, während er das Gefühl hat ständig beobachtet zu werden. Dann bestellt er die Fünf, die er, während er mit seiner Frau gemütlich am Donaukanal essen geht, überwachen läßt, er tut das nur, um seine Frau als Köder zu benützen, am nächsten Tag in die Tatortwohnung, dort erklärt er ihnen, daß sie alle ein Motiv hätten, es aber leider doch ein Selbstmord war, weil der Gedopte sich an ihnen rächen wollte.

„Wui!“, habe ich gedacht, so muß man es machen. Es geht aber weiter. Erstens gibt es da noch einen seltsamen Nachbarn, der Falt Groschen ständig über dem Weg läuft und dann wird Karl Stanek, genannt Spritzen-Chary auch noch mit einem Gewehr im Mund tot in der Wohnung aufgefunden.

Ein Wortspiel oder eine Behauptung, daß niemand freiwillig mit Schuhen und Wertsachen aus dem Fenster springt und es deshalb ein Mord war, während Spritzen-Charly sich ohne Schuhe in den Mund geschoßen hat, gibt es auch, Franzobel scheint wirklich über eine große Phantasie zu verfügen.

Aber dann entarnt Groschen noch seinen Beobachter, trifft einen alten Schnorrer und ehemaligen Bekannten wieder und der Mörder war ein genialer Einzelgänger. Ehemaliger Wenniger-Verehrer, weil er selbst wegen eines verkrüppelten Fußes nicht so schnell laufen konnte und den hat er nur, weil seine Mutter, in der ehemaligen DDR in der sie aufgewachsen ist, einem Zwangsdoping, während man das in Wien ständig verharmlost, „ohne Doping kein Sieg!“, unterzogen wurde und der nun von seinem Liebling enttäuscht ist.

Ein vertauschtes Biertr und einen nochmaligen Fenstersturz gibt es auch , bevor sich alles aufklärt und man einen rasanten Sprint durch die Krimiphantasien eines „Bachmannpreisträgers“ gemacht hat.

Für die deutschen Leser seis verraten. Man erfährt sehr viel von Wien dabei, aber ich habe  auch nicht gewußt, daß es in der Taborstraße einen kupfernen Hirschen auf einem Dachvorsprung zu sehen gibt und eine kleine Satire würde ich annehmen, ist für die Deutschen auch noch eingebaut, obwohl „Zsolnay“ ja ein österreichischer Verlag ist oder auch nicht wirklich, sondern nur die kleine Schwester oder  der kleine Bruder des großen „Hansers“, aber weil die deutschen Großverlage ja den österreichischen Autoren, wenn sie nicht so berühmt, wie Friederike Mayröcker oder Marlene Streeruwitz sind, alle österreichischen Ausdrucke umschreiben und aus einem Karifol einen Blumenkohl etcetera machen:

„Zum Kotzen finde ich das!“, sagt Falt Groschen seinen Verdächtigen „Zum Speiben verbessert er sich selbst. Seine Frau wies ihm immer wieder darauf hin, gefälligst österreichische Ausdrücke zu verwenden – und keine deutschen. Paradeiser statt Tomaten, Erdäpfel statt Kartoffeln, Spritzer statt Schorle, Krapfen statt Berliner…“

Köstlich, köstlich und wo hat der Oberösterreicher nur so gut Wienerisch gelernt?

Eine Buchempfehlung, die man vielleicht noch schnell der Mami oder der Schwiegermutter auf den Weihnachtstisch legen sollte. Eine, die für alle passt, für die, die sich nur für die hehre Literatur interessieren und keine Genres mögen, denn Franhzobel ist ja „Bachmannpreisträger“, hat auch den Bernhardschen-Jargon bestens drauf und ist, wie weiter auf dem Klappentext steht „Einer der populärsten österreichischen Schriftsteller“ und für die, die sich unterhalten wollen und gerne Krimis lesen, ist es auch geeignet, denn es ist ja einer.

Einer in dem man viel von Wien erfährt, sprechende Namen findet, Spannung, aber auch Wissen über das Wien und seine Klischees. Es scheint aber auch, was das Dopingwesen betrifft, gut recherchiert zu sein, spannend, lustig, satirsch und wieder ein Beweis, daß man vielleicht auch Krimis lesen kann und solche schreiben, auch wenn man gegen Morde ist, aber nein-.

Denn es war ja ein Doppel- oder sogar ein Dreifachmord, aber der nicht wirklich und eine unterschobene Bierflasche des Komissars  hat es auch gegeben, also doch ein dritter Mord, aber den hat dann ein anderer fast ausgeübt.

Vom Vielschreiber gibt es inzwischen noch einen zweiten „Groschen-Krimi“, das Cover ist auch einem Groschenroman nachgebildet, den ich leider noch nicht gewonnen und auch nicht gefunden habe und bei der Vorstellung eines „Works in Progress“ bin ich vor einem halben Jahr auch in der  „Alten Schmiede“ gewesen und habe ihn auch bei anderen Lesungen schon gehört.

„Wiener Wunder“ ist aber, glaube ich, das erste Buch das ich von ihm, der ja einmal auch, ganz klein, im „Fröhlichen Wohnzimmer“ angefangen hat, gelesen habe.

2016-12-23

Weihnachten im Weltall

Nun gehts ins Weltall oder eigentlich, passend zum Tag, am 23. Dezember 2010 am Nachmittag in eine Wald bei Mainz, denn da wurde im Rhein-Main-Gebiet, es liegt tiefer Schnee in der Gegend, ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet, das dann wieder vom Radar verschwindet, beziehungsweise auf ausgerechnet dem Waldstück landet, wo sich gerade der vierzehnjährige Felix, Sohn des Sicherheitschef des Frankfurter Flughafen befindet.

Außer ihm Soldaten, die aber, wie angewurztelt an einer Stelle stehenbleiben und in die Luft starren.

„Warum gehen die Idioten nicht weiter!“, denkt der Knabe, gerät dann selbst an das Schutzschild, das „Identifikation sonst Termination!“, knurrt und als Felix die Hand auf einen Bildschirm legen will, hört er die Stimme eines Soldatens.

Er rennt nach Hause, der Vater befiehlt ihm dort zu bleiben, die Mutter nimmt ein Schlafmittel und in der Nacht pirscht sich Fexil wieder an, gelangt, nachdem er seinen Waffen, eine Taschelampe und ein Nachtsichtgerät, abgelegt hat, in das Ufo und befindet sich einem gleichaltrigen Jungen gegenüber, der auch noch seine Sprache spricht.

Der hat einen unerlaubten Erkundungsflug unternehmen wollen und ist gestrandet, jetzt braucht er Batterien, um wieder abzuheben und Felix soll ihm helfen, das will er auch, aber das Militär und da vor allem, der Oberst Hamann, der mit keinen Zivilisten spricht, hat ihn entdeckt und holt den Vater in den Wald.

Bei der Truppen befindet sich auch Felix Cousin Jochen, der ihn identifizierte und der Oberst will den Schutzschiuld sprengen. Die beiden Jungen haben sich indessen unsichtbar gemacht, um die Batterien zu holen.

Das Militär ist ihnen trotzdem auf der Spur und der unbekannte Junge aus dem All hat allen Grund sich über die Dummheit der Menschen zu wundern, die Angst vor dem Fremden haben, sich vor allem Unbekannten fürchten, ja ja wir haben eine Flüchtlingskrise, aber 2010 war die vielleicht  noch nicht so akut und so finden die beiden Jungen auf der Suche nach den Batterien in Mainz auch Helfer, wo die meisten ja am Heiligenabend noch schnell Geschenke kaufen wollen, statt sich um unbekannte Flugobjekte zu scheren.

Die Hubschrauber und die Panzer kreisen dennoch um die beiden.  Cousin Jochen wird aber zum Helfer, entwaffnet den Oberst, das Flugobjekt kann wieder starten und weil ja Weihnachten ist und es da unter den Menschen üblich ist, sich zu beschenken, lädt der fremde Junge Felix, zu einen Rundflug um die die Erde ein, so kann der Weihnachten im Weltfall feiern, bevor ihn der andere, weil er auch nach Hause muß, absetzt und zu seinem Stern davon fliegt und Felix kann, in der Kirche rüstet schon der Pfarrer zur Messe, nach Hause gehen, um mit seinen Lieben Weihnachten zu feiern.

Ein schönes Jugendbuch und eine schöne Weihnachtsgeschichte, wo Uli Lucas mit dem ich ja schon über die Pegida diskutieren sollte, ein bißchen über das blöde Militär schimpft, das nichts verstanden hat, aber sich sonst alles friedlich auflöst, wie es zu Weihnachten ja auch sein soll.

Spannend ist die Geschichte geschrieben und daher leicht zu lesen und sicher, wenn nicht nur die verdächtige Jahreszahl wäre, die dem Buch, den „abgelaufen“ Stempel aufdrückt, aber das ist ja bei meiner „Nika“ auch nicht anders, wäre, als Weihnachtsgeschenk für die Abenteuergeschichten lesende Jugend zu empfehlen.

Erich von Däniken kommt vor, beziehungsweise dankt der Autor, von dem ich ja schon seine „Horrorgeschichten“ gelesen habe, ihm „seinen Namen nennen zu dürfen und für die Inspiration zu dieser Geschichte.“

Und nun bleibt mir nichts anderes über, als meinen Lesenr eine schöne und friedliche Weihnacht zu wünschen, die ich wieder in Harland verbringen werde, wünsche schöne Geschenke und ein gutes Weihnachtsessen, verweise noch  einmal auf meine „Nika“ von der hier ja noch zu lesen sein wird.

2016-12-22

Kryptozän

„Liebe Blogger und Bloggerinnen!“, hat mir vorige Woche der „Wagenbach-Verlag“ geschrieben.

„Die Zukunft läßt sich nicht aufhalten. Zeitenwenden kommen ungeplant und unverhofft. Lange schon wurde spekuliert und gerätselt. Monatelang hatte sich der Anbruch eines neuen Zeitalters angekündigt und nun ist es geschehen. Das Kryptzän hat begonnen!“

Dazu gibt es eine Website und das Angebot sich Pola Oloixaracs ersten auf Deutsch erschienen Roman zu bestellen, in dem es in drei Handlungssträngen um die Verknüpfung von Überwachungs- und Genmanupulationsstrategien geht.

Die Grundlage dazu, habe ich in einer Rezension gelesen, ist „daß Argentinien die biometrischen  und genetischen Daten seiner Bürger in einem Ausmaß erfaßt, wie kein anderes Land.“

Und die 1977 geborene Autorin ist eine argentinische Schriftstellerin und hat, wie es scheint, nicht nur mit ihrem ersten, sondern auch ihrem zweiten, bei „Wagenbach“ erschienenen Roman großes Aufsehen erregt.

Denn das Thema Überwachung und, wie weit das Internet manipulieren kann, wenn man vielleicht zu bereitwillig oder auch unfreiwillig seine Daten hergibt, ist ja in aller Munde und da habe ich auch zufällig vor kurzem zwei Romane gelesen, die das Thema auf jeweils sehr unterschiedliche Weise erfassen.

Vereinfacht ausgedrückt, kann man Pola Oloixaracs Roman wahrscheinlich genauso ungewöhnlich, wie den von Jarett Kobek beschreiben. Er ist auch genauso schwer zu lesen, denn höre und staune, der Zukunftsroman, der uns wieder eine Dystopie vor Augen führt und ich weiß, was das ist, auch wenn mir das mein Kritiker Uli nicht zu glauben scheint, beginnt im Jahr 1892, denn da geht der Pflanzenforscher Niklas Bruun auf eine Expedition nach Patagonien, um die „Crissida pallida“ zu erforschen, macht von den beobachteten Pflanzen schöne Zeichnungen, die auch im Buch abgebildet sind, gerät wahrscheinlich in einen Drogenrausch, kommuniziert mit Ratten, die in dem Buch überhaupt eine große Rolle spielen und so weiter und so fort.

Und hundert Jahre später macht sich eine argentinische Studentin auf eine Forschungsreise nach Brasilien auf, wird dort geschwängert, unterbricht ihr Projekt, heiratet kurz den den Kindesvaters, kehrt aber bald schon mit dem Söhnchen zu ihren Eltern zurück und der, ein dickliches, ein wenig asoziales Kind, wie die Wunderkinder halt sind, entwickelt sich zu einem begnadeten Hacker, wo schon, als er zwölf ist, die Herren von der Bank bei der Mutter anklopfen, den das Söhnchen hat die Daten stillgelegt.

Der geht nun, weil das Hacken ja langweilig ist, auch nach Patagonien in  ein ehemaliges Atomforschungsinstitut, wo er nun die Vermischung digitaler und genitaler Daten erforschen soll.

Da sind wir jetzt schon im Jahr 2024, also ein bißchen in der Zukunft, Cassio, wie der begnadete Hacker heißt, ist schon über vierzig und eine schöne junge Biologin namens Piera, die den Sonderling an Monica Lewinsky erinnert, gibt es auch.

Das Wunderkind erkennt die Gefahren, die in einer solchen Firma liegen, nicht umsonst hat der Gründer beziehungsweise, der Freund, der Cassio dorthin brachte, die Firma still und heimlich verkauft und so macht er sich auf, die Computer dieser Welt mit Viren zu verseuchen und sich auf den Weg nach Chile, um dort in die Einsamkeit zu entkommen.

Ein interessantes und schon wegen seiner Zeichnungen, so ungewöhnliches Buch, wie Philiph Krömers „Ymir“, das beim „Bloggerdebutpreis“ an zweiter Stelle, hinter Shida Bazyar gekommen ist.

Die Nazis und die bösen Deutschen, die ja in Patagonien dieses Atomzentrum einmal errichtet haben, kommen vor und noch vieles anderes.

Sex und erotische Phantasien, die mich ja nicht so interessieren, etcetera, ein sehr ungewöhnliches Buch, für das der Verlag, wie  oben beschrieben, auch einen sehr ungewöhnlichen Aufwand machte, eine eigene Website anlegte, wo man einen Trailer und auch Interviews mit der schönen Autorin und anderen lesen kann.

Spannend zu lesen und darüber nachzudenken, wie wir den Gefahren unserer Datenverschmelzung entgehen können, nicht umsonst habe ich mich in letzter Zeit ja auch mit den „Wissenschatlichen Cartoons“ aus dem „Holzbaum-Verlag“ beschäftigt, wo das Ganze viel harmloser gezeichnet wird.

Spannend sich durch die drei Handlungsstränge zu lesen und, um auf die Frage, des „Amazons-Rezensenten“ zurückzukommen oder sein Erstaunen zu beantworten, wieso ein Hackerroman im Jahr 1882, beginnt?

Der Anfang ist das Ende und alles führt in die Vergangenheit zurück, denn „ohne es zu wissen, wandelt er so auf den Spuren anderer Forscher, die schon am Ende des 19. Jahrhunderts einen radikalen Transhumanismus predigten. Als er erkennt welch finsteres Kalkül hinter dem Projekt steckt, steht Cassio vor der Frage, die jahrelang  auf seinem T-Shirt prangte: Hacker oder Beherrschte? Mit atemberaubenden Tempo und abgründigen Humor erzählt Pola Oloixarac von den alten und neuen Kontrollphantasien desMenschen – und schreibt ganz nebenbei noch eine Biografie des Internets. Kryptozän beweist, was wir spätestens seit Edward Snowdon ahnten. Der politische Held unerer Zeit ist der Hacker – ob wir wollen oder nicht!“, steht noch am Klappentext.

Interessant in letzter Zeit soviel über das Internet, aber auch über die Gentechnik gehört zu haben, denn Elisabeth Reichart hat ja auch einen diesbezüglichen Roman geschrieben, aber der ist noch nicht zu mir gekommen.

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