Literaturgefluester

2017-01-08

Junge Hunde

„Junge Hunde“ ist der zweite oder dritte Roman, je nach dem, ob man jetzt „Die Asche meiner Schwester“ das 2008 in der NÖ Edition erschienene Buch, der damaligen Stipendiatin,  als Roman oder Erzählung rechnet, der 1987 geborenenen Cornelia Travnicek, die ja bald nicht mehr unter Dreißig ist und deren literarische Karriere ich auch schon lang verfolge.

Zufall oder nicht, es ist das zweite Weihnachtsbuch das ich voriges Jahr bekommen habe, ich glaube, ich habe es zusammen mit Sandra Gugics „Astronauten“ auf die Bücherliste gesetzt, die der Karl für mein Geburtstagsfest haben wollte, der Alfred hat mir dann die restlichen Bücher zu Weihnachten geschenkt. Jonathan Franzens „Unschuld“ war, glaube ich, dabei und muß noch gelesen werden und Richard Schuberths „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ ist schon gelesen und die Geburtstags- und Weihnachtsbücher habe ich mir 2015 vom Alfred anläßlich meines erstens deutschen Buchpreisbloggens ja schon im Sommer gewünscht, heuer hatte ich das nicht nötig, beziehungsweise hätte ich es auch nicht getan und Cornelia Travnicek habe ich, glaube ich, wie Sandra Gugic zuerst durch die „Exilpreise“ kennengelernt, wo beide gewonnen haben.

Cornelia Travnicek hat sehr jung, nämlich 2005 dort den Jugendpreis für deutsche Muttersprache wahrscheinlich, gewonnen, da hat sie aber, glaube ich, schon in Zeitungen veröffentlicht und auchschon ein paar Stipendien bekommen und 2008 oder so habe ichbegonnen ihren Blog „Frau Travnicek in Wien“ oder „am Land“, wie er jetzt heißt zu verfolgen und eine Serie, wie man den „Bachmannpreis gewinnt“ oder „Bis Klagenfurt anruft“, hat sie für das „Litereraturcafe“ auch geschrieben.

2012 hat Klagenfurt angerufen, aber, ich glaube, das passiert wahrscheinlich auf anderen Weg und sie hat mit einem Kapitel aus den „Jungen Hunden“, die dann 2015 bei DVA erschienen sind, den „Publikumspreis“ gewonnen und den Blog, den ich den ich einmal als sehr informativ empfunden und daher sehr begeistert gelesen habe, gibt es nicht mehr in dieser Form.

Das heißt, es gibt ihn schon, aber der letzte Beitrag stammt von November 2015 und besteht aus Rezensionen bezüglich der „Jungen Hunde“,  aktuellere Beiträge gibt es nur mehr auf Twitter und auf Facebook, aber 2009 habe ich auf ihren Blog mitverfolgen können, wie sie über eine literarische Agentur zu DVA gekommen ist.

„Die Asche meiner Schwester“ und „Fütter mich“ habe ich gelesen,“Spannung Spiel und Schokolade“, die Fließtexte, die sie mir einmal zu meinem literarischen Geburtstagsfest brachte, habe ich inzwischen von meiner Leseliste heruntergestrichen, mir dafür vorgenommen, sowohl „Chucks“, den ersten DVA Roman, der inzwischen verfilmt wurde, sowie auch die „Jungen Hunde“ zu lesen, was jetzt passiert ist.

Als „Coming of age-Geschichte“ wird der Roman angepriesen, der ein Eis am Stil am Cover hat und im Trailer sieht man Cornelia Travinec mit aufgesteckten Haaren und einem chinesischen Schirmchen Zetteln durch die Luft werfen und geheimnisvoll lächeln, ja sie hat Sinologie studiert und das Buch ist durch das „Kranichsteriner Jugendstipendium“, das sie, glaube ich, für „Cucks“ bekommen hat, gefördert worden und wurde, glaube ich, in Frankfurt sehr vorgestellt.

Eine „Coming of age-Geschichte“, ich weiß zwar gar nicht genau, was das ist, es geht aber um das Erwachsenen werden, habe ich, glaube ich bei „Amazon“ oder am Klappentext gelesen und da sind Johanna und Ernst, beide Mitte zwanzig und befreundet oder Nachbarskinder. Das Buch hat neun Kapitel und jedes ist sehr kunstvoll unterteilt, zuerst gibt es immer einen Satz oder eine Seite über Bienen, dsnn erzählt Johannaa, dazwischen hat mit einem chinesischen Zitat Ernst einen Teil in Ich Form erzählt und dann kommt wieder Johanna.

Denn Ernst wurde von Sybille und Johannes, dem Imker adoptiert, stammt eigentlich aus China und jetzt fährt er nachdem er seine Bachelorarbeit geschrieben hat, dorthin, um seine Mutter zu suchen.

Johanna bleibt zurück und hat ebebenfalls viel vor, ihr Vater kommt, weil dement in eine betreute Wohngemeinschaft, denn so nennt man jetzt die Altersheime, schreibt Cornelia Travnicek launig. Johannas Bruder soll ihn dorthin bringen. Das Haus soll, weil verschuldet, verkauft werden und Johanna, die eigentlich eine Diplomarbeit oder Bachelorarbeit über Adoptivkinder schreibt, soll es ausräumen. Das Haus ist am Land, vielleicht sogar in Traismauer, wo Cornela Travnicek ja herkommt oder wieder lebt. Das AKH Zwentendorf wird jedenfalls erwähnt, sie hat auch eine Wohnung in Wien und eine Nachbarin namens Julia, deren Kind sie betreut und dann gibt es noch einen alten Mann, den Herrn Glantz mit seinem Hund Gloria und richtig zwei Hunde Balu und Baghira, wo der erste Ernst und der zweite Johanna gehört gibt es auch.

An dem Tag, wo der Vater in das Altersheim soll, liegt Bahira tot am Boden, Johanna muß ihn vergraben, bevor die Maklerin kommt, diese Stelle hat Cornelia Travnicek, glaube ich, in Klagenfurt gelesen und Herr Glatz gibt Johanna noch seinen Wohnungsschlüßel und bittet sie, nachzusehen, wenn sie ihn einmal länger nicht sieht.

Das ist die Handlung und sie ist eigentlich sehr überfrachtet und vielleicht auch ein wenig kitschig zu nennen, aber jedenfalls sehr realistisch, obwohl Cornelia Travnicek auch eine sehr blumige und kunstvolle Sprache hat, auch manchmal ein wenig überladen, wie die „Amazon-Rezenzenten“, die zum Teil auch nur einen Sternen vergeben, bemängeln.

Ich finde sie manchmal sehr lakonisch und manchmal sind sehr kluge Bemerkungen darin, wie beispielsweise, die Betrachtungen über das Altersheim oder, daß man jetzt betreute Wohngemeinschaft sagen muß und Ernst macht in China während er seine Mutter sucht, sehr schöne Beobachtungen an Kindern, wie die beispielsweise Eis essen oder von Touristen Fotografiert werden sollen, obwohl sie das nicht wollen und weinen.

Ja, richtig, Julia, die Nachbarin, eine Sängerin, auf deren Kind Johanna aufpasst, wenn sie abends singen geht, das ist etwas, das in meiner „Wiedergeborenen“ auch vorkommt, hat kein Geld mehr die Wohnung zu bezahlen und muß nach Tirol oder Vorarlberg, wo sie herkommt zurückkehren.

Da kommt Johanna auf die Idee, sie könnte ja in das Haus einziehen, für das sich ohnehin kein Käufer findet. Ja und das habe ich jetzt ganz vergessen, Johanna Mutter, die ebenso eine Gutmenschin, wie die von Nele Pollatschek ist, ist schon lange nach Peru ausgewandertt, um dort die armen Kinder zu betreuen, der Bruder Stefan will jetzt auch  nach Kanada gehen und Johanna findet noch eine Karte, die vermuten läßt, das ihr Vater nicht ihr Vater ist und das alles mit Mitte zwanzig, wo man eigentlich erst langsam mit dem Studium fertig wird und ins Leben eintritt.

Wie geschrieben, etwas überfrachtet und vielleicht ähnlich unfertig auskomponiert, wie das mir ja auch oft passiert.

Am Ende stirbt Herr Glatz, hinterläßt Johanna sein Vermögen, so daß sie das Haus nicht verkaufen muß, den Vater wieder aus seiner Residenz holen, Julia als seine Pflegerin beschäftigen und mit ihr in eine WG ziehen kann.

Ja und Ernst, richtig, der ist  irgendwie in China verschwunden, Johanna, die Übermutter will ihn nun auch zurückholen.

Wie sie das machen will, habe ich nicht ganz verstanden, wie auch nicht wirklich, wer nun ihr richtige Vater ist, war es vielleicht der Bienenzüchter Johannes, Herr Glatz oder doch der, der wie die Mutter aus Peru mailt, der es immer bleiben wird und der mit dem Vornamen Herbert hieß?

Ein wenig ambivalent bleibe ich zurück, weil mir ein bißchen das Unfertige und das Überfrachtete an dem Roman aufgefallen ist,  der seiner Handlung und auch der Sprache wegen irgendwie schon beeindruckend war, aber vielleicht gekürzt, gestrafft und noch besser ausgearbeitet werden könnte. Aber wenn man an meinen vorherigen Artikel mit den Textfragmenten denkt, an denen ich mich vorwärtshantle, hangeln, sagt, glaube ich, Cornelia Travnicek in dem Buch irgendwo einmal, sieht man, daß ich es auch nicht besser kann, obwohl ich ja schon viel älter bin und viel länger schreibe.

Ja und vielleicht bleibt mir noch zu erwähnen, daß die „Heimsuchung“ das Buch mit dem 2009 meinen ersten „Nanowrimo“ schrieb, auch von einer jungen Türkin handelt, die nach dem Tod des Großvaters in die Türkei reist, obwohl sie dort sehr fremd ist und den Dialekt einer Ausländerin hat und in dem Buch spielen auch Blogs eine große Rolle, die ich damals gelesen habe.

Einer war der, der Cornelia Travnicek, die inzwischen auch Gedichte veröffentlicht hat und am 20. Jänner auch in einer Pub` n´  Pub Veranstaltung auftreten wird, zu der ich vielleicht hingehen werde.

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