Literaturgefluester

2017-01-10

Nach einer Handlung suchen

Daß ich eigentlich keine Ahnung habe, worüber ich schreiben will, hat mein kritischer Kritiker vorige Woche scharf erkannt. Das heißt, daß ich schreiben will, das weiß ich, dann habe ich eine Idee und springe los. Schreibe eine Weile vor mich hin, schreibe mich in den Graben oder schreibe fertig und habe dann das Gefühl, daß es das nicht ist, was ich wollte und noch nicht reicht, weil ja leider auf meine „Vorschauen“ und meine „Buch-Präsentationen“ mit dem Bild kaum eine Reaktion kommt und die Bücher, die ich herzeige, weil ich ja zwei immer in meiner Handtasche trage, finden auch kaum Beachtung, weil „Du hast ja schon soviel!“, „Das haben wir schon gesehen!“, höre ich da und öfter auch, daß man das Buch schon da oder dort stehen sehen oder eine Rezension gelesen hätte, was eigentlich nicht stimmen kann, denn ich schicke ja inzwischen nur mehr sehr wenig aus. Eigentlich nur mehr in die Nationalbibliothek und in die „Alte Schmiecd“, wo die Bücher aber dann nicht öffentlich sind und eines lege ich seit kurzem mit einer Widmiung in den Bücherschrank.

Ich arbeite dann meistens gleich am Nächsten weiter, nehme mir dafür viel vor, meistens mindestens ein Jahr daran zu arbeiten, weil ich ja irgenwie ein schlechtes Gewissen habe, daß ich zu schnell und zu flüchtig bin. Was aber nicht sehr gelingt und wenn ich dann zu Recherchezwecken meine älteren Bücher lese, bin ich manchmal erstaunt, wie gut das eigentlich bist, obwohl das keiner merkt und die Kritiken, die bisher kamen, eigentlich sehr negativ waren.

„Wow so was schlechters habe ich schon lange nicht gelesen!“, das steht ja schon hier und stand einmal in der „Literatur aus Österreich“ bezüglich der „Hierarchien

Das heißt ich habe schon ein paar Rezensionen, der liebe Otto hat mir ein paar wohlwollende geschrieben, der Helmuth Schönauer tut das auch gelegentlich, ebenfalls die Petra Ganglbauer im „Ganway-Magazin“ und manchmal bekomme ich auch positive Reaktionen von meinen Lesern.

Trotzdem die gefühlte negative Kritik bleibt und das Gefühl nicht schreiben zu dürfen oder  zu können, die Lizens dazu nicht haben,  das nicht zu können, zu gehemmt zu sein.

Das habe ich eigentlich noch immer, wenn ich mich über etwas Neues setzte und das ist warhscheinlich auch der Grund, warum ich so schnell und wahrscheinlich auch so flüchtig mit einer Idee nach vorne presche. Dann habe ich es hinter mir und ich habe früher sicher, als ich meine Sachen noch an Zeitschriften und Verlage schickte, sie unfertig ausgeschickt, eben weil ich es nicht besser konnte und froh war, daß ich damit fertig bin.

Aber ich habe nicht aufgehört zu schreiben und tue das jetzt schon kontinuierlich fünfundvierzig Jahre oder noch länger, denn eigentlich habe ich schon in der Volksschule gerne geschrieben und auch meiner Lehrerin das so gesagt und da sollte man ja besser werden. Zumindest sagt das der Hausverstand, Übung macht den Meister, wer wagt gewinnt, wo ein Wille ist, ist ein Weg und eigentlich habe ich schon viel geschrieben.

Zuviel sagen meine Kritiker und das interessiert uns nicht, aber eigentlich müßte das ja auch für mich gelten, daß man durch kontinuierliche Übung besser wird.

Das ist auch sicher so, obwohl das Feedback fehlt, denn die Leute interessieren sich wahrscheinlich eher weniger, als mehr für mein Schreiben. Sagen, das kennen wir schon und ich habe ja auch schon in meinem Blog sehr viel über mein Schreiben geschrieben.

Eigentlich tue ich das bei jedem Buch, weil ich meine Schreibprozesse reflektieren will und das finde ich auch für sehr hilfreich und ich weiß auch ungefähr, wo vielleicht die Anderungsschritte legen und, wie ich vielleicht weiterkomme.

Annika Bühnemann deren Blog „Vom schreiben leben“, bezieungsweise ihre Twitter Einträge, ich derzeit ja gerne lese und die ich für sehr konstruktiv halte, gibt regelrechte Marketingkurse und hat auch mir einen solchen angeboten und ich habe auch zwei diesbezüglich Artikel schon geschrieben. Aber eigentlich geht es mir ja nicht, um die Vermarktung, sondern um das Besserwerden, um damit aufzufallen und vielleicht endlich auch einmal ein anerkennendes Feedback zu bekommen.

„Aha, du schreibst, toll, zeig her, das ist interessant, das möchte ich gerne lesen, was ist dein neues Buch?“

Bei meinen Geburtstagsfesten passiert mir das manchmal, daß Leute sich mit meinen Bücher eindecken und, als ich einmal beim „Fest für Kunst und Kultur“ in Margareten gelesen habe, ist auch ein Mann zu mir gekommen, der Bücher für seine demenzkranke Mutter, die er ihr vorlesen wollte, haben wollte. Ganz so schlimm ist es also nicht.

Ich bin aber schon ein bißchen kritisch und überlege, wie ich es besser machen und wie ich meine Hemmung überwinden kann. Aber die, das habe ich ja schon geschrieben, habe ich nicht mehr wirklich, seit ich so viel und regelmäßig schreibe.

Da hat mir das Bloggen schon sehr geholfen, aber wenn ich mich dann mit meiner Idee: „Ich will über eine Frau, die in einer Bibliothek wohnt und über eine, die in einem Bus sitzt und zum Endbahnhof fährt, schreiben“, dasitze, kommt schnell die Hemmung und  ich schreibe mich mit zwei drei Sätzen an den Rand.

„Ich bin das „Bibliotheksgespenst!“, denkt Dorothea Werwerka!“, weiß dann nicht mehr weiter und habe das Gefühl, das es mir schon wieder nicht gelungen ist, in die Tiefe zu kommen und das zu schreiben, was ich eigentlich wollte.

Und so ist oder war es vor kurzem ganz ehrlich auch diesesmal.

Vor drei Wochen bin ich mit der „Kroatiengeschichte“ fertig geworden, da hatte ich ja schon die vage Idee oder Ideen, dann drei oder vier Personen, die Dorothea Wewerka, die Therese Schwarzenberg, die Karoline Prohaska und Fabian Hirschmann, ja ich habe gerne schöne und sprechende Namen, einen Rainer Müller, gibt es aber auch und habe dann zu schreiben angefangen.

Drei ungefähre Handlungsstränge sind mir da auch vorgeschwebt. Die Dorothea ist wohnungslos oder schreibt darüber, ursprünglich dachte ich sie kommunziert mi den Büchern, aber, wie geht das wirklich? Die Therese Schwarzenberg sitzt im Bus und ist inzwischen in Belgrad angekommen und von dort wieder nach Graz zurückgefahren, weil die Ivanka Gordelevic, die sie besuchen wollte, dort eine Performance macht und der Identitäre Jusstudent Fabian Hirschamnn bereitet ein Referat über Prinz Eugen vor und trifft in der Hauptbücherei Karolines Schwester Sophie, die Medizinstudentin, die auch eine syrische Flüchtlingsfamilie betreut und, die ihn auf ein Bier ins Cafe Oben einlädt.

Siebzehn Szenen, achtundvierzig Seiten und 22 762 Worte, also fast ein halber „Nanowrimo“, für den ich ungefähr drei Wochen brauchte, habe ich inzwischen und die Idee, weil ich ja nicht wirklich die Handlung mit Beginn, Mitte Schluß und den entsprechendenen Spannungsbögen, zu denen die Schreibratgeber immer raten, habe, sondern das Gefühl mich ganz flasch und oberflächlig von Szene zu Szene zu hanteln, drei kurze oder auch längere Geschichten zu schreiben, eine über Dorothea, eine über Therese, eine über Fabian und Soiphie und die dann inneinander zu verweben.

Das finde ich dann jeweils auch sehr gut, habe aber noch nicht begonnen, sondern hantle mich weiter und wenn ich erst mit der Rohfassung fertig bin, verändere ich dann meistens auch nicht mehr soviel, obwohl ich dann noch ein paar Monate daran korrigiere, tut mir leid, wenn das das Unprofessionelle an mir ist oder man es dafür halten könnte.

Ich schummele mich an der Handlung also meistens ein wenig vorbei, obwohl ich ja schon über vierzig Bücher habe, in denen ja auch etwas passiert. Ganz früher hat man mir gesagt, in meinen Geschichten passiert ja nichts.

Das gilt, glaube ich, jetzt nicht mehr und einen ungefähren Handlungsplan worauf das Ganze hinauslaufen könnte, habe ich auch schon, obwohl ich, wie meistens nicht so genau weiß, ob ich jetzt am Anfang, in der Mitte oder schon gegen Ende bin. Das heißt, so ganz am Anfang werde ich nicht sein, denn meine Geschichten werden immer kürzer und, daß sich die Sophie und der Fabi bei der Angelobung von van Bellen auf einer Demo wieder sehen könnten, weiß ich schon und die Therese wird mit der Jovanka zu der Performance in die Galerie Sonnenschein gehen. Aber die wird durch eine Demo gestört, die Jovanka wird verletzt, muß in ein Krankenhaus, um sich verarzten zu lassen und die Therese reist wieder ab und fährt vielleicht mit einem Bus nach Linz, um dort in eine Ausstellung ins Lenthos zu gehen, von der sie in der Galerie hörte oder ein diesbezügliches Flugblatt fand. Vielleicht kommt sie dann noch nach Salzburg, Berlin, etcetera, bevor sie am Donnerstag, den 20. Dezember zurückkommt, weil sie ja einen Termin mit ihrem AMS Betreuer Harald Fiedler hat.

Der Psychiater Theo Hardenberg kommt auch wieder vor und dann gibt es noch die Dorothea von der ich ja geschrieben habe, daß sie vielleicht gar nicht wohnungslos ist, sondern möglicherweise von der Karo nur in die Hauptbücherei eingeschleuest wurde, um darüber zu schreiben.

Ob es das werden wird, weiß ich gerade wieder nicht. Denn sie hat ja das ausrangierte Buch „Die Viertagebuch“ in ihrem Übernachtungszimmer gefunden. Wie ist das nur dahin gekommen?

Ach ja, damals habe ich ja noch herumgeschickt und es gab  auch eine Donnerstagsdemonstrationteilnehmerin, die mir gleich einen ganzen Haufen abgekauft hat.

Von dort hat sie sich die Identität der Felizitas Fee ausgeborgt, das muß ich noch in meinem bisherigen Konzept ändern und das jetzt überhaupt noch einmal von vorne durchkorrigieren, damit es wieder stimmig wird.

Weil sich ja während des Schreiben immer einiges verändert, so daß ich auch beim „Nanowrimo“ immer zwischendurch durchkorrigiert habe und etwas anderes für mich nicht für sehr sinnvoll halte.

Die Dorothea schreibt aber jetzt schon an einer Studie über Migration und Obdachlosigkeit, so hat sie es zumindestens der Karo erzählt, die sie ja ins Cafe Oben zu Kaffee  und Kipferl eingeladen hat. Also ganz spannend und irgendwie ganz langsam und ganz vorsichtig wird es mir vielleicht auch gelingen, mir Zeit zu lassen und mir nicht nur vorzusagen, sondern mich auch daran zu halten und es zu glauben, daß man ja einen Roman nicht in sechs Wochen schreiben muß.

Die sogenannten Profischreiber, die mit den Publikumsverlagen „Fischer“, „Suhrkamp“, „Kiwi“ etcetera, sitzen ja auf den Messen immer auf den blauen Sofen,  bei „3 sat“ oder sonstwo und sagen stolz, sie haben zwei, drei,  fünf  oder gar zehnJahre für den Roman gebraucht.

Von den Verlagen hört man dann immer, du mußt jedes zweite Jahr eines auf den Markt hauen, denn sonst bist du weg, und das, was da ja jetzt auf der deutschen oder österreichischen Buchpreisliste stand, liegt morgen in der Wühlkiste und kein Mensch interessiert sich dafür.

„Am Rand“ habe ich schon vor Weihnachten im offenen Bücherschrank gefunden und Jonathan Franzens „Unschuld“ lag dort auch im vorigen Jänner, als ich mich auf meine Recherchetour aufmachte, wie schade, daß ich mir das Buch vom Karl zum Geburtstag gewünscht habe. Gelesen habe ich es aber ohnehin noch nicht.

Die Selfpublisher haben aber den Spieß umgedreht und werfen alle paar Wochen ein Buch auf den Markt, also eigentlich das, was ich mache, auch wenn ich nicht bei „Amahon“ veröffentliche und Jacqeline Vellguth wollte im Vorjahr berühmt werden, in dem sie zwöf Bücher im Jahr schrieb und hat das auch geschafft.

Ich könnte das nicht, auch wenn ich nicht berufstätig wäre und so viel lesen und zu soviel Veranstaltungen gehen würde, aber das kann mir helfen zu meinen drei jährlichen oder den fünf zu stehen, die voriges Jahr erschienen ist.

Ja natürlich, es ist so wie es ist, das hat schon Erich Fried über die Liebe geschrieben, ich bin so schnell oder so langsam, so gut oder so schlecht, wie ich es eben kann und auch das öffentliche Bloggen ist kein Weg auf sich aufmerksam zu machen, weil die Leute ja wahrscheinlich mehr das eigene Schreiben, als das erfolglose, der anderen interessiert.

Auch das ist, wie es ist und ich finde es interessant über meine Schreibprozesse zu schreiben, das hilft mir auch weiter, mir mehr Zeit zu lassen und die Handlung vielleicht wirklich langsam langsam kommen zu lassen und drei oder auch vier oder zehnmal umhzuschreiben, bis es wirklich passt.

Das wäre schön, weil ja auch für mich gelten müßte, daß man durchs Schreiben besser wird, mit jedem Buch ein Stückchen, auch wenn, ich ganhz erlich bei meinen Büchern diese Fortschritte nicht so sehe und vielleicht auch die Gefahr ein wenig ausgeschrieben zu sein, nicht ganz so unrealistisch ist.

Aber das geht auch anderen so, das sagt man auch Martin Walser und Philiph Roth oder John Irving nach und komplizierter, als ich sind sicher James Yoce und Arno Schmidt.

Ich bin eher realsitisch aber eigentlich ist es sicher interessant über die politische Situation und über eine wohnungslose und eine depressive Frau zu schreiben, auch wenn ich das schon getan habe.

Neue Aspekte gibt es sicher und sei es auch nur, daß sich die Dorothea auf die „Viertagebuchfrau“ bezieht und, daß der neue Bundespräsident am sechsundzwanzigsten Jänner angelobt werden wird und die Sophie kann sich ja auch in den Fabi verlieben oder umgekehrt, aber, wie das genau werden wird, das weiß ich nocht nicht. Das habe ich mir noch nicht ausgedacht, das braucht noch seine Zeit….

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