Literaturgefluester

2017-01-22

Das Bildnis einer Verschollenen

Ich stehe ja auf alte Bücher, so auf Unbekanntes aus der Zwischen- oder Nachkriegszeit, beispielsweise und da habe ich einmal in einem der Bücherschränke Ferdinand Kögls „Das Bildnis einer Verschollenen“, erschienen in der „F. Speidelschen Verlagsbuchhandlung“, 1946 ,gefunden und der Name des 1890 in Linz geborenen und 1956 dort verstorbenen Musikers und Schriftstellers erschien mir bekannt, habe ich doch in meinem Bibliothekskatalog, die „Silberflöte“ und die „Gottesgeige“ eingetragen, aber höchstwahrscheinlich noch nicht gelesen.

Jetzt also der 1946 erschienene Unterhaltungs- oder Frauenroman mit einem geheimnisvollen Frauenbild am Cover und man  merkt dem Buch wahrscheinlich sein Erscheinungsdatum an, oder doch nicht, denn vom Krieg, der 1946 gerade vorüber ist, kein Wort und  Christian Vockh, der nach vierzehnjähriger Abwesenheit aus Los Angeles in seine Heimatstadt zurückkehrt, kommt auch in kein zerstörtes Wien.

Er kommt in ein Wien, wo man mit dem Auto auf der Kärtnerstraße und den Graben fahren kann, aber das war, glaube ich, noch bis zu den Sechzigerjahren so und er kommt in seine Heimat zurück, um endlich einmal einen zweimonatlichen Urlaub zu genießen und auch mit seiner Vergangenheit abzurechnen.

Denn die war nicht so schön, hat er doch in einem Bankhaus gearbeitet und mußte, weil er in eine Diebstahlsaffaire verwickelt war und bei ihm eine gestohlene Banknote gefunden wurde, nach Amerika fliehen.

Dort machte er allerdings Karriere, ist aufgestiegen und reich geworden und jetzt kann er sich an die Tochter des damaligen Bankdirektors, Brigitte, erinnern, die als einzige an ihm glaubte und  auch von seiner Unschuld überzeugt war.

Leider war er so beschäftigt, daß er nie darauf geantwortet hat. Jetzt hat er vor das nachzuholen, zuerst geht er aber auf die Bank und will dort eine große Summe abheben. Das passierte damals so, daß der Angestellte nach der Adresse und der Telephonnummer fragte und daß der Prokurist dann die Summe in die Wohnung brachte.

Vockh hat sich auch gleich am Graben bei einer hübschen jungen Frau eingemietet, die zwar eigentlich nur an ein Ehepaar vermieten wollte, aber Vockh hat  keine Frau.

Der Prokurist, der mit dem Geld kommt, ist ein bekannter, denn er war schon damals in der Bank, er spricht ihm gleich auf die Affaire an, will das Geld zurück, was Vockh aber verweigert. Dafür geht er später in ein Kartenbüro, kauft eine Opernloge und lädt den Prokuristen mit seiner Frau ein, denn er hat inzwischen erfahren, daß die Tochter des ehemaligen Direktors Brigitte Dunhart jetzt die Frau des Prokuristen Prikhil ist.

Sie kommt aber nicht mit ihm in die Oper. Es kommt nur der Prokurist mit seinem Rechtsanwalt und die sind sehr feindselig, sagen Brigitte hat ihren Mann schon lang verlassen, weil sie ja bei Vockh in Amerika ist.

So nimmt sich der einen Detektiven, erfährt etwas von Venerdig und reist der Verschollenen nach. In Venedig verliebt er sich zwar fast in eine andere Frau, macht dort auch die Bekanntschaft eines etwas sonderbaren Schriftstellers und reist weiter von Venedig nach Neapel, dann nach Capri und auch wieder nach Wien oder Altaussee zurück, wo der Prokurist mit seiner Freundin Ellen Elpert, die ihn eigentlich heiraten will, aber er ist ja noch nicht verheiratet, Sommerfrische macht.

Er kommt auch nach Salzburg und telefoniert mit seinem Sekeretär in Los Angeles, denn die Angelegenheit wird immer komplizierter. Schmuck wurde gestohlen und aus Neapel ist Frau Brigitte auch verschwunden. Ein Verbrechen wird vermutet. Sie hat aber einen Brief geschrieben, in dem auch ein Bild von Vockh enthalten ist und allmählich stellt sich heraus, Prikihl war aus Eifersucht der Täter und Brigittes Vater drängte sie in die Ehe zu ihm. Sie hat aber bald die gestohlenen Banknoten gefunden und ihn deshalb verlassen.

In Los Angeles hatte sie auch einen väterlichen Freund, der ihr immer Nachrichten über ihre heimliche Liebe, Christian Vockh gab. Sie wollte ihn auch nach Los Angeles nachreisen, hatte auf dem Schiff aber einen Unfall. So daß sie lange in einem Sanatorium lag.

Jetzt ist sie aber wieder gesund und auf dem Weg nach Wien, wo sich nach einigen weiteren Verwicklungen alles aufklären und die Ehe zwischen den zwei Liebenden geschlossen werden kann.

Ein bißchen konstruiert könnte man sagen, aber viel viel einfacher, als die heutigen Romane und interessant natürlich in das Wien von 1946 zurückzukehren, in dem offenbar nie ein Krieg stattgefunden hat und in dem man auch ohne Internet und Handy mit Telegrammen und Telegraphen sehr gut miteinander kommunizieren konnte.

Man brauchte natürlich das nötige Geld dazu, aber das stand dem aufgestiegenen Christian Vockh, der dann sogar sagte, daß er das alles dem eifersüchtigen Prokuristen verdankte, zur Verfügung, der  auch genügend herumreiste. Überall in den besten Gegenden seine Wohnungen hat und offenbar waren auch die Geschlechterverhältnisse kein Problem.

So hatte der eifersüchtige Prokurist eine Freundin, eine Modezeichnerin und Frau Maria Osketja nahm den einsamen Herrn dann doch in ihre Wohnung auf und war offenbar auch so emanzipiert, daß sie öfter erst um Mitternacht nach Hause kam und da dachte ich doch in den Nachkriegsjahren waren die Frauen noch nicht so emanzipiert und selbstädnig, aber in den Romanen ist es wahrscheinlich immer etwas anders, als in der Wirklichkeit.

Ein interessantes Buch, auch wenn  es wahrscheinlich nicht sehr literatirsch ist. Unterhaltungsliteratur mit einer damals wahrscheinlich gar nicht so geringen Auflage und Ferdinand Kögl hat sogar eine „Wikipedia Seite“, wenn auch seine Bücher inzwischen wahrscheinlich nur mehr antiquarisch erhältlich oder in den Bücherschränken  zu finden sind.

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