Literaturgefluester

2017-01-23

Liaisonen, Abhängigkeiten und vermeintlich Berichtenswertes

So ganz habe ich den Titel der heutigen von Renata Zuniga moderierten „Textvorstellungen“, was das vermeintliche betrifft, nicht verstanden, wurden da ja drei sehr unterschiedliche Bücher, die dann irgendwie doch zusammenpassten, vorgestellt und eines davon habe ich sogar schon gelesen und habe es bei einer Lesung gehört.

Bin aber obwohl ich das dann ja nicht mehr so gerne tue, trotzdem in die „Alte Schmiede“ gegangen, weil ich außer Ruth Aspöck, noch Carina Nakolny, die Frau oder Freundin des Tischlers, der Alfreds Küche in der Krongasse machte und mit der ich beim ersten „Fest für Kunst und Kultur“ im Amtshaus Margareten aufgetreten bin, kannte.

Ja, die Leute sind aufgestiegen, während ich mir von meinen Kritiker die Frage gefallen lassen muß, ob ich sicher bin, daß das Schreiben das richtige für mich ist und  vom Dritten im Bunde, de 1952 in Feldkirch geborenen und in der Steiermark lebenden Günther Freitag habe ich schon den Namen gehört und bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht schon einen Ausschnitt seines 2015 bei „Wieser“ erschienenen Romans „Die Entführung der Anna Netrebko“im Radio hörte.

Und der hat nach einer kurzen Einleitung von Renata Zuniga auch mit dem Lesen begonnen und ich muß sagen, es ist ein Buch das mich sehr interessierte, ging es darin ja nicht nur über Opern, sondern auch um psychologisch schwierige Beziehungen.

Zumindest habe ich das so verstanden, es kann sein, daß Günther Freitag es eher gesellschaftskritisch anlegte und um Abhängigkeiten ging es auch, zumindest hat der Autor  diese Stücke gelesen.

Der Ich-Erzähler ist ein vierzigjähriger Sohn einer berühmten Anwälte, bei der er noch immer lebt und in deren Praxis er die langweiligen Fälle übernehmen darf, während ihm die Mutter ständig vorwirft, daß er ein Versager ist.

Die geht in jede Oper und hört sich alle berühmten Tenöre aller berühmten Verdi, Puccini etcetera Opern an, dann schleppt sie, wenn der Sohn vierzig ist, wird sie wohl so zwischen sechzig und siebzig sein, junge Aspiranten unter Vorspieglung ihnen vielleicht einen Job zu verschaffen ins Bett und der Sohn muß sich die Vögelgeräusche anhören. Das ist vielleicht ein bißchen männlich übertrieben, aber lustig war die Stelle, wo einer der Kandtiten kurz vor dem Orgasmus abbricht und eine schriftliche Zusage eine fixe Stelle in ihre Praxis zu erhalten verlangt.

Er hat sie nicht bekommen, die Mutter war frustriert und der Sohn mußte wieder eine Operarie hören und, als dann die ehrgeizige autoritäre Mutter einen Schlaganfall erleidet, fährt sie mit einem roten Helm superschnell mit einem Rollstuhl durch die Gegend das ist auch tragisch.

Der Sohn dürfte sich dann von der Mutter ab- oder doch nicht ablösen, in dem er sich in die Stimme der Anna Netrebko verliebt.

Für mich sehr nachvollziehbar und spannend,  Ilse Kilic hat es, glaube ich, nicht gefallen, daß die Frau als ein Monstrum bezeichnet wurde, der Sohn der mit Vierzig noch bei der Mutter lebt, zwar über sie schimpft, sich aber weder ablösen noch eine Stelle bei einem anderen Anwalt suchen kannt, ist selber eines meinte sie. Ich denke er wurde durch die Mutter zerbrochen, halte das leider sehr realistisch und würde das Buch gern lesen.

Das Buch der 1963 in Linz geborenen Carina Nekolny „Fingerspitzen“ in der „Edition Meerauge“ erschienen, passt in einer ganz anderen Art und Weise zu den Abhängigkeiten.

Wieder sehr psycholigisch, tragisch und wahrscheinlich etwas weniger lustig, handelt es doch von einer Familie, die Zimmer vermietet und einen achtzehnjährigen taubblinden Sohn hat.

Einen solchen hat Carina Nekolny einmal in einer Pension kennengelernt und schildert jetzt seinen Schicksal aus der Sicht des Vaters, der Mutter und des kleinen Bruders.

Ruth Aspöcks essayistisches Teilmemoir „Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst“ passt da scheinbar viel weniger hinzu oder doch ein bißchen, geht es  irgendwie auch, um Abhängigkeiten und, wie ich meine höchstwahrscheinlich tatsächlich Berichtenswertes, berichtet sie darin doch ausgehend vom Ausräumen ihrer Bücherei über ihr versäumtes Leben, ihren literarischen Werdegang und und und.

Es war sehr voll in der „Alten Schmiede“, viele bekannte, aber auch unbekannte Gesichter. Klaus Khittl, Ottwald John, Erika Kronabitter, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Christl Greller Axel Karner, Michaela Hinterleitner, Lukas Cejpek und  ebenfalls noch viele mehr.

Mit Klaus Khittl, Oswald John, der Ruth und dem Alfred sind wir dann noch inc Cafe Hawelka, das ehemals und immer noch sehr berühmte Künstlercafe in die Dorotheagasse gegangen und die Ruth wird morgen in Linz im Stifterhaus ebenfalls aus ihrem Buch lesen.

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