Literaturgefluester

2017-01-27

Höhenrausch

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Jetzt kommt ein ChickLit einer Bestsellerautorin „Ildiko von Kürthy ist Spezialistin für den schauen Frauenroman“, schreibt die Welt am Sonntag und am Buchrücken steht „Liebe! Romantik“ ein supertolles Buch- Harald Schmidt“

Da teilen sich die Geister offenbar wieder, denn wenn man zu „Amazon“, den bösen geht, was ich ja gerne tue, findet man ein bis fünf Sternrezensionen in großer Zahl. Ich wäre hier, obwohl ich das ja nicht tue, vermutlich für die Einsternvariante und Ildiko von Kürthy gehört wohl zu den Autoren, die mir nicht so liegen.

Wladimir Kaminer, David Sedaris und wahrscheinlich noch ein paar andere, gehören auch dazu, obwohl das andere Kaliber sind, da liegt es wohl am Humor, der mir nicht so liegt, hier wahrscheinlich an der Frauenschemaliteratur, obwohl ich ja ChickLits eigentlich ganz gerne lese und ich da auch meine Lieblinge habe.

„Mondscheintarif“ habe ich vor Jahren gelesen und ein paar andere liegen noch in meinen Regalen, alles Funde aus den Bücherschränken und bei „Mondscheintarif“ haben mich die bunten Bildchen gesötrt, hier ist es, obwohl nicht alles rosa ist, ähnlich. Ein blaues Cover mit gelben Luftballons und dann immer wieder Bildchen, die die Handlung demonstrieren sollem.

Bei „Amazon“ habe ich einige Leserstimmen gefunden, denen das Buch auch nicht gefällt, obwohl sie schreiben, daß sie die 1968 geborene, freie Journalistin sonst ganz gerne lesen würden und meinen, daß es hier immer das gleiche Schema gibt: ein wenig selbstbewußtes Dummchen wird von ihrem Freund verlassen, sucht sich einen verheirateten Liebhaber, eine Freundin und einen schwulen Berater gibt es auch.

So ist es, könnte man da sagen, zumindestens bei diesem Buch, da ich sonst ja nur  eines gelesen habe und mich daran kaum noch erinnern kann, aber bei meinem Vicki Baum Schwerpunkt ist mir vor kurzem auch aufgefallen, daß die Vielschreiber, no na, ich tue es ja auch, sich an ihren Plots orientieren  oder sie wiederholen.

Und aufgefallen ist mir hier besonders, was vielleicht ein Merkmal der Chick Lits oder vielleicht nur das der Ildiko von Kürthy ist, es geht um nichts, als um Männer, abnehmen, schöne Kleider, etcetera, keine Politik, keine Probleme und das ist es wahrscheinlich auch, was mich stört und dann bin ich wahrscheinlich auch noch so konservativ, daß mich das Verherrlichen des Fremdgehens stört, obwohl das Ildiko von Kürthy vielleicht sogar ein bißchen sarkastisch behandelt.

Außer den Bildchen gibt es noch ein paar Schreibstile, ein unbekannter Freund, der Mails schreibt, die Freundin, die sich durch ein Bilchen „Silke (Jülich) ruft an“ zu kennen geibt und besonders originell, die Kapitelüberschriften, findet man dann ein paar Zeilen später mitten auf der Seite wieder.

Das Buch war gar nicht so leicht zu lesen, weil es plötzlich mitten drin von der Handlung abwich und anfing von der Vergangenheit zu erzählen oder Einschübe kamen, daß die Mutter, der Protagonistin, die schlechteste Weihnachtsgeschenkverteilerin aller Zeiten ist, etcetera,  Pausenfüller würde ich sagen, wenn ich die Schreibwerkstatt schauen würde.

Das ist also Linda Schumann, fünfunddreißig und vielleicht ein bißchen pummelig, jedenfalls ißt sie sehr gern, sie ist freie Übersetzerin und übersetzt, wie sie sagt, schlechte Liebesromane (vielleicht auch einen der Ildiko von Kürthy?)

Sie wird von ihrem Freund, den sie nur Draco nennt, der aber anders heißt, seinen Namen darf man aber nicht aussprechen, verlassen, das heißt sie kam auf einen Seitensprung drauf, verlangte eine Entscheidung, er wollte Zeit, so war es aus und Linda so totunglücklich, daß sie mit einem ihr unbekannten Andreas für drei Monate die Wohnung tauscht und nun in Berlin am Prenzlauer Berg wohnt und verzweifelt ist, so begibt sie sich in eine seltsame Partnervermittlungsagentur und lernt durch eine Verwechslung den schwulen Halbtürken Erdal kennen, der dann ihr bester Berater wird.

Andreas schreibt ihr SMS, in denen er ihr auch Ratschläge gibt und plötzlich taucht auch noch ein älterere Hans Berger auf, Spitzenmnager, verheiratet, Vater eines Sohnes, der am Wochenende heim nach Kiel zur Family fährt, aber in Berlin etwas für das Herz oder den Penist sucht, Pech nur, daß Linda sich total in ihn verknallt, so daß sie seinetwegen auch sündteure Schuhe kauft.

Es kommt dann in Hamburg zu einer Begegnung mit seiner Ehefrau, Linda hilft bei einer Party, wo beide anwesend sind bei Erdals Partyservice aus und die Ehefrau entpuppt sich eigentlich als nett, die ihr sogar, weil sie in Berlin lebt, den Ratschlag gibt, sich um ihren armen Mann zu kümmern, der ja unter der Woche so einsam in Berlin ist und die beiden offenbar auch sehr verliebt sind.

Am Schluß des Buches taucht Draco auf, der sich nun doch für Linda entschieden hat und sie wieder zurückhaben will, aber jetzt ist es sie, die zögert und nicht weiß, für welchen der Männer sie sich entscheiden soll?

Es kommt zu einer Szene, wo Johann Berger mit Sekt und Blumen vor der Türe steht und drinnen in der Wohnung ist der nackte Draco und „Schätzchen du hast mich wohl doch mehr vermißt, als du zugeben willst!“, schreit, denn Linda hat von ihrer Mutter zu Weihnachten ein Kißen mit einer Männerhand geschenkt bekommen, daß er in ihrem Backofen gefunden hat und Linda kann sich nun entscheiden, schmeißt beide hinaus und fängt wahrscheinlich eine vielleicht bessere Beziehung mit den bisher unbekannten Andreas an.

„Sternschanze“, steht noch auf meiner heurigen Leseliste, vermutlich werde ich nicht mehr dazu kommen.

 

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