Literaturgefluester

2017-01-29

Adam geht durch die Stadt

Filed under: Bücher — jancak @ 10:03
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Ich suche mir seit einiger Zeit für meine „Reisen“ ja immer die nötige Reiselektüre aus, für die Salzburg-Lesung also Salzburg Bücher, wie sie beispielsweise, die von Margot Koller sind, da habe ich mir diesmal „Alle Wege führen…zum Wasser“ mitgenommen und ungelesen nach St. Pölten zurückgebracht, denn wenn man eineinhalb Tage in Salzburg ist und sich auch ein bißchen die Stadt und ihre Bücher ansehen will, kommt man nicht sehr zum Lesen.

Obwohl ich Erich Landgrebes „Adama geht durch die Stadt“ schon vorsorglich Donnerstag früh in der Wiener Badewanne zu lesen angefangen habe und jetzt in der in Harland beendete, denn eigentlich habe ich das Landgrebe-Buch ja schon bei unserem vorjährigen Salzburg-Aufenthalt lesen wollen, aber da hatte ich Margit Schreiner „HausFrauenSex“ halbgelesen mitgenommen und dann noch im Zug Margot Kollers „Im Paradies der Bücher“.

Und „Adam geht durch die Stadt“, den Roman, des 1908 in Wien geborenen und 1979 verstorbenen Malers und Schriftstellers Erich Landgrebe dessen Nachlaß im Salzburger Literaturarchiv, das wir uns im Vorjahr mit Margot Koller angesehen haben, verwaltet wird, habe in einem der offenen Bücherschränke gefunden.

Das Cover ist mir dabei wahrscheinlich aufgefallen und vielleicht auch der Name, ich suche mir meine Bücher meistens nach den Covern und den Autorennamen aus.

Ob ich da schon kombinierte, daß ich, als Kind einmal zu Weihnachten sein „Aufruhr in Salzheim – Ein Roman für die Jugend“ geschenkt bekommen habe und von der Geschichte der beiden Gauner, die mit einem falschen Tausendschillingschein eine ganze Kleinstadt lahmlegten, schwer begeistert war, kann ich nicht sagen.

Jetzt habe ich den „Adam“ ein Buch eines in Wien Geborenen, der in Salzburg gestorben ist, also gelesen und kann den spärlichen „Wikipedia-Angaben“, Landgrebe ist ja inzwischen, glaube ich, so gut wie vergessen und seine Bücher höchstwahrscheinlich nur mehr in den Schränken, Antiquariaten oder Archiven zu finden, nicht entnehmen, wann es geschrieben wurde und die früher erschienenen Bücher haben oft keine Zeitangaben. Da gab es ja einmal einen Krieg. Ist das Buch vorher oder später geschrieben worden? Dem Inhalt nach kann man es nicht erkennen, denn dort findet soetwas nicht statt.

Ich habe jedesfalls eine „Donauland-Ausgabe“ mit dem Copyright von 1954 und da steht im Klappentext, den es da wunderbarer Weise schon gibt, daß es sich bei dem Buch, um eine Neubearbeitung handelt und Landgrebe seinen Adam also wieder und neuerlich in die Stadt schickt.

Das hätte ich  damals im Archiv erfragen können, auf welche Ausgabe ich noch schauen soll. Bei „Wikipedia“ steht jedefalls auch etwas von einer sehr frühen NSDAP-Mitgliedschaft, daß sich Landgrebe nach dem Krieg davon distanzierte und, daß er Freunde wie Weigel, Doderer und Matejka hatte, die ihn förderten und stützten.

Nun denn hinein in das Buch, das für den am heutigen Schreibstil gewohnten etwas schwierig zu lesen ist, denn Landgrebe spielt sehr mit dem Raum zwischen Phantasie und Wirklichkeit und es auch nicht ganz einfach herauszufinden, was er damit sagen will?

Ist es ein Lob  auf das Künstlerlleben und eine Paradies auf das bürgerliche Beamtentum, wo die Menschen in stregen Regeln mit Ärmelschonern und Stempeln herumlaufen und das wirkliche Leben dabei versäumen?

Wenn das so ist, geht das Buch vielleicht zu schlecht aus, denn die Seifenblasen zerplatzen ja irgendwie und Adam, hat zwar einen Romanpreis gewonnen, sein Mädchen aber verloren, weil beide nie ehrlich zueinander sein konnten und sich immer etwas vormachen mußten.

Nun denn genug der Vorreden. Da liegt einer auf einer Wiese mit einem Zeitungsartikel in dem steht, daß er von der Polizei gesucht wird, weil er etwas angezündet haben soll. Also fälscht er seine Papiere, radiert den richtigen Namen aus und nennt sich fortan Adam, damit er nicht gefunden wird und zieht als Vagabund mit dem Rucksack herum.

Man erfährt auch noch, daß der falsche Adam aus einem bürgerlichen Leben gekommen ist, Familie und einen Beruf hatte, aber wegen einem untreuen Mädel mit dem Rucksack hinausgezogen ist, dort ist er zwar auch nicht immer ganz treu geblieben, sondern hat so manche Magd am Heustadel genommen und sie dafür gezeichnet, man sieht die autobiografischen Elemente, würde ich mal vermuten, denn auch einen Roman hat er vorher schon geschrieben und an eine Zeitungsredaktion geschickt.

Jetzt zieht er also herum und es kommt der Winter, die Zeit also, wo die Landstreicher irgendetwas stehlen, damit sie erwischt werden und den Winter warm auf Staatskosten überleben können. Adam tut das nicht, er geht in die Stadt. Ob Wien damit gemeint ist, weiß ich nicht, würde ich aber vermuten, Salzburg erscheint mir zu klein dazu. da wird er an der Stadtgrenze gleich von zwei Gaunern erwartet, die ihm sein Erspartes, das er noch hat, abknöpfen wollen. Adam ist aber, obwohl er so naiv wirkt, schlauer und zieht am Ende mit dem im Falschspiel gewonnenen Geld davon.

Er mietet sich in ein Zimmer ein, sucht sich einen Job als Kinorollenübertrager, ja das gab es damals offenbar, Pendler, steht im Buch. Dazu braucht er allerdings ein Motrrad, das er sich billig kauft, so ganz glatt ist es mit seiner Mittellosikgeit also doch nicht und er lernt auch gleich ein Mädchen, seine Sibylle,Tochter aus guten Haus, die einen lieben Papa hat und eine Mama, die den leider mit einem Gecken betrügt, kennen. Vielleicht ist das die Ursache, daß Adam und Sibylle nicht zusammenkommen können.

Sie lädt ihn jedenfalls zu einem Tee ein, ich habe ja schon geschrieben, daß ich mich wundere, wie freizügig man  in den alten Büchern war, dort lernt er Prinz Jeremias, den Luftkönigaufschneider und Rudolf, einen Malen, der eine Eisenhandlung übernehmen muß, kennen.

Prinz Jeremias oder Jeremias Prinz, wie er wirklich heißt, ist ein armer Teufel, einer von denen, die im Amt mit dem Ärmelschoner herumlaufen, lebt aber in seiner Traumwelt und flunkert allen alles vor. Metrostationen in Paris beispielsweise, die nach irgendwelchen Adeligen heißen,  Güter oder Fabriken, die er bald als Direktor übernehmen wird, dabei hat er kein Geld die Ringe zu bezahlen, die er seiner Inge, einer Gutstochter zur Verlobung schenken will. Die ist ihm aber über, nimmt sich alle Männer und luchst am Ende Adam noch das Auto ab, das er sich von dem Geld kaufte, das er mit dem Los gewonnen hat, das Jeremias ihm einmal schenkte und den gewonnenen Betrag partout nicht zurücknehmen will, denn er lebt ja in seiner Traumwelt und will von der Wirklichkeit nicht wissen.

Da merkt man schon, wie das Buch, beziehungsweise Erich Landgrebe gestrickt ist, schade, daß ich nicht weiß, wann er es geschrieben hat und wie er dazu gekommen ist, die Welt so zu sehen und natürlich ist es ein schöner Traum, sich einfach durch den Tag zu leben, einfach seine Papiere zu fälschen und sich damit eine Motorrad und sogar ein Auto zu kaufen und wenn man keinen Job hat, geht man zu einem Geschäft hin und putzt ungefragt die Fenster.

Heute würde das in Zeiten der Hochsicherheitssysteme ind Identitätskarten nicht gehen, damals war es offenbar anders, aber Adam und Sibylle, ich habe es schon geschrieben, kommen nicht zusammen. Sie erleben zwar in einem Hotel ihr Hochzeitsessen, aber immer wenn er sie besuchen will, läßt sie sich verleugnen, obwohl sie ihn liebt, ihn sogar Handschuhe schickt, damit er, wenn er seine Kinorollen ausfährt, keine klammen Finger bekommt.

So ist das Leben bei Erich Landgrebe und die Wünsche, die vielleicht ein Krieg und ein falsches Heilversprechen verstört haben?

Adam verläßt jedenfalls, als der Frühling wieder kommt, die Stadt und da trifft er dann den Landstreicher wieder, der ihm damals vernadert hat, er hat auch wieder einen Zeitungsartikel für ihn. Nur diesmal steht nichts von der Bradtstiftung sondern „Gesucht … steltsamer Steckbrief… der Preisträger des großen Wettbewerbes — unter falschen Namen als Gelegenheitsarbeiter … groß, dunkelblond, graue Augen… zweckdienliche Angaben…“ darin.

Und Adam geht weiter: „Wind weht über die Wege. Großes und Kleines wirft er drucheinander. Mist, Spreu, Samen – und manchmal ist eine Blume darunter. Und die Menschen gehen dazwischen und berechnen das Ihre und schwanken zwischen drohendem Gefängnis und Ehrungen, ahnungslos – wie wir alle.“

So schließt das Buch und Erich Landgrebe entnehme ich weiter „Wikipedia“ hat sich später hauptsächlich, als Maler betätigt. Ein buch über Vang Gogh hat er auch geschrieben, das noch auf meinen Bücherstapel liegt.

Vielleicht komme ich bei meinem nächsten Salburg-Aufenthalt dazu es zu lesen.

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