Literaturgefluester

2017-01-29

Wolfgang Kauers Podium Portrait

Filed under: Bücher — jancak @ 22:25
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Aus Salzburg habe ich mir als Souvenir ein wenig Lyrik mitgebracht oder Wolfgang Kauers Podium Portraitband 92, das sind die kleinen sechzig Seiten Heftchen, die der Literaturkreis Podium immer zu den runden Geburtstagen seiner Mitglieder und Wolfgang Kauer wird im  Februar sechzig, herausgibt und sie dann meistens im Fünferpack in der „Alten Schmiede“ und wahrscheinlich auch an anderen Orten vorstellt.

Bei ein paar solcher Veranstaltungen bin ich gewesen und bekomme die Heftchen auch regelmäßig geschenkt, so daß ich schon ein paar besprochen habe, während noch andere auf meinen Stapeln warten.

Dabei liest sich Lyrik eigentlich sehr schnell und man sollte sich nicht nur im März, im Monat der Lyrik, wo es in der „Gesellschaft für Literatur“ regelmäßige Veranstaltungen gibt, die GAV einen „Lyrik im März Auftritt“ hat und der „Literaturkreis Podium“ auch immer einen diesbezüglichen Folder herausgibt, mit ihr beschäftigen.

Noch haben wir aber Januar, also einen kleinen Rundgang durch Wolfgang Kauers Lyrik, der 1957 in Linz geboren wurde, in seiner Jugend Schlagzeuger war, Germanistik studierte und jetzt als Lehrer und Kulturvermittler in Salzburg lebt, er hat da, glaube ich, eine eigene „Freitag-Reihe“, wo er in seinem Stadtteil Literaten vorstellt, mit Margot Koller hat er zweimal zum Thema „Abgeschoben“ und „Angekommen“ eine Veranstaltung im AAI in der Salzburger Wiener Philharmonikergasse, gleich beim Festspielhaus, organisiert, wo ich aus der „Wiedergeborenen“, sowie den „Sommererlebnissen“ gelesen habe.

Er ist auch, glaube ich, historisch sehr interessiert und forscht jetzt zu Felsritzbilder, die auch am Dom angebracht sind und, die er uns am Donnerstagabend zeigen wollte, hat  schon eine große Anzahl von Publikationen, den 2010 bei „Arovell“ erschienenen Prosaband  „Funken regen“, habe ich mir einmal vom Bücherflohmarkt der Stadtbücherei St. Pölten gekauft und jetzt habe ich Wolfgang Kauer auch, als Lyriker kennengelernt, das heißt einige der Gedichte, habe ich schon gekannt, hat er daraus doch bei unserer Lesung vorgetragen und hat, glaube ich, auch einige Gedichte speziell für das Portrait ausgesucht, in dem es, wie bei der Portraitreihe üblich, zuerst ein großes Bild des Autors gibt, dann folgt eine sehr genaue und ausführliche Einführung von Maria Herlo in Wolfgang Kauers künstlerisches Schaffen und dann geht es in die „Ausgewählten Gedichte“:

„Salzburg, kleine Stadt von Welt“, heißt es da gleich zu Beginn und man kann einen lyrischen Streifzug durch die Mozartstadt machen. Kann „Mit dem Flussgott auf Kuschelkurs“ gehen, „dem Jupiter aus Zorn beide Hörner abgebrochen und sie den Bürgern der Stadt aufs Haupt gesetzt hat.“

Man sieht, der Lyriker, Wolfgang Kauer hat eine sehr prosaische Sprache und er zeigt sich auch gleich weiter von seiner historischen Seite, in dem er auf die „Schnabelkanne“, das ist eine Bronzedarstellung, die im Keltenmuseum Hallein zu bewundern ist, der er, glaube ich, auch eines oder mehrerer seiner Werke, gewidmet hat.

Dann gibt es, für den Deutschlehrer typisch, mehrere Hommagen, an Trakl, Bachmann, Jandl, beispielsweise, aber auch, was  an den Musiker erinnert, einen Rap, der von Matthea  Harvey und Mieze Medusa inspiriert  wurde:

„Ja, wenn das Wippen über den Rippen zu langsam geht, dann wird es mal wieder viel zu spät.

Die die Trümmer kontrollieren, dürfen hier passieren, dürfen schikanieren, dürfen injizieren….“

Ein „So nett“ auf das Jahr „1968“, das ja für die in den Fünzigerjahren Geborenen, zumindestens, als Erinnerung sehr wichtig war, gibt es auch.

Von  den Achtundsechzigern geht es  zu einem „Anakreontischen Naturgedicht:

Die Vögel im Bade am Dach meiner Habe. In der Tonne die Sonne, im Spiegel das Siegel der Verschwiegenheit“

Es wird aber gleich wieder politisch, wenn es an die „Überfischung“ der Meere geht.

Wolfgang Kauer kann es  auch humoristisch und macht als Gymnasiallehrer eine „Ode an eine Gymnastikhalle“, über die man sicher schmunzeln kann.

Die Politik bleibt aber, was mir sehr sympathisch ist, nicht aus und wird uns gleich wieder einholen, wenn es an die

„Vergangenheitsbemächtigung“ geht:

„Streu mir Springkraut der Erinnerung auf die Waagschale Nagle mich fest zwischen den dornigen  Fingerkuppen“, heißt es etwa da und läßt einen lange nicht los und es geht weiter mit einem „Vergabespiel“:

„Es gab eine Zeit, da hat man Köpfe vermessen. Heute vermisst man sich am Faktor Mensch. Herr, gib uns die Kraft, Stand zu halten, wenn sie über uns kommen, die Heuschrecken!“

Die schon erwähnte Flüchtlingsproblematik holt uns ein in dem Gedicht „Volatilität:

„Wir lassen keinen mehr ins Boot, die Suppe reicht nicht mehr für alle!, bellts doggenhaft am Rednerpult“.

Im „Spießrutenlauf“ wird an die Ereignisse in Parndorf, wo ein LKW mit siebzehn erstickten Flüchtlingen, im August 2015 gefunden wurde, gedacht.

Dann geht es zurück nach Salzburg, beziehungsweise „Maxglan“, wo Leni Riefenstahl, den Film „Tiefland“ drehte, dafür einige Roma und Sinti aus den Lagern holte, sie „wunderschöne Menschen“ nannte und nach Abschluß der Dreharbeiten wieder zur Vernichtung zurückschickte.

Eine Hommage an die „Milchnudeln“, der 1945 im Internierungslager Karlsdorf verstorbenen Katharina Kauer, gibt es auch und man hat in dem schmalen Bändchen sehr beeindruckende, politische Gedichte gelesen, die sowohl nachdenklich, als auch auf eine weitere Lektüre der Kauerschen Werke neugierig machen.

 

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