Literaturgefluester

2017-03-23

Die Stierin

Von Andrea Stift, die ich 2008 kennenlernte und die dann einige Zeit meinen Blog begleitete und auch einige Zeit lang in der „Ohrenschmaus-Jury“ war, habe ich so ziemlich alles gelesen.

Aber jetzt schon länger nichts mehr von ihr gehört und als ich vor kurzem eines Abends von der „Alten Schmiede“, der „Gesellschaft“ oder von sonst irgenwo nach Hause ging, habe ich bei Anna Jeller ihr neues Buuch liegen gesehen. Zuerst habe ich geglaubt, es wäre bei „Kiwi“, es ist aber bei „Kremayr & Scheriau“ erschienen, die in ihrer literarischen Schiene nicht nur Debuts machen und ich kann es gleich verraten, es ist ein sehr dichtes Buch, wahrscheinlich das beste, das ich von der 1976 in der Südsteiermark Geborenen, gelesen habe, obwohl mir, das schreibe ich auch dazu, nicht alles daran gefällt.

Stammleser werden jetzt schon wissen, worauf ich anspiele, bin ich ja nicht nur gegen Sterbehilfe, sondern auch dafür, daß sich Frauen gegen die Gewalt, die die Männer auf sie ausübend, wehren sollen, aber nicht mit jeden Mittel und nicht um jeden Preis.

Mord gehört nicht dazu, da gibt es viel bessere Mittel.

„Nein!“, sagen gehört schon einmal dazu und dann gibt es noch Frauenhäuser, Pfeffersprays, Karategürtel, aber kein Pflanzengift und auch keinen Hammer.

Aber sonst ist es ein sehr vielschichtiges Buch, das in mehreren Ebenen gegliedert ist und bis in die Antike zurückgeht. So gibt es wie in einem der Frischmuth-Bücher, einen Chor, hier ist es vielleicht kein ganz griechischer, sondern einer von irischen Königinnen, die auch einmal Krähen genannt werden und da ist Maeve, eine rothaarige Frau um die Fünfzig, wie uns der Chor schon eingangs verrät.

Andrea Stift, die sich inzwischen offenbar verheiratet hat und sich jetzt Stift-Laube nennt, etwas, was vielleicht auch ganz gut zum Sujet passt, ist rothaarige, aber weil 1976 geboren, etwas jünger und Maeve ist die Besitzerin eines Käseladens.

Da steht sie  mit der Schürze hinter der Budel, schneidet mit scharfen Messern Käse ab, schenkt auch Wein aus und wenn nichts zu tun ist, schnitzt sie aus harten Käseresten Stiere und ein Heer von Krieginnen.

Nach und nach erfährt man ihre Geschichte und die ist auch sehr vielstimmig und diffizif und wird in verschiedenen Ebenen erzählt.

Der Klappentext erzählt von Alli ihrem Mann, den sie nachts besucht und dieser Alli tauchte eines Tages im Laden auf, bestellte eine bestimmte Sorte Käse und lud sie zum Essen ein. Beim zweiten Versuch stimmte sie zu und heiratete ihn  auch bald, er aber behandelte sie sehr schlecht und darin hatte Maeve,  die mit Achtzehn von ihren Eltern weg und in eine Stadt gegangen ist, ob es sich dabei um Graz handelt, wird nicht erwähnt, schon ihre Erfahrungen.

Denn da hat sie eine Weile in einer Pension gewohnt, bis sie der Käsehändler ansprach, sie  in seinem Geschäft arbeiten ließ und sie dann heiratete.

Danach mußte sie zu Hause bleiben, das Haus putzen, der namenlose Käsehändler war da sehr penibel, für ihn kochen und sich am Abend für ihn schön machen.

Als er gestorben ist, hat sie den Laden übernommen und, als sie noch Schülerin war und auf den Schulbus wartete, tauchte eines Tages ein behinderter Mann auf und begann an ihr herumzukrapschen. Sie konnte sich nicht wehren und, wie Andrea Stift hier die Dissoziation beschreibt, sie läßt sich von den Krähen wegtragen und sieht eine irische Königin, die mit ihrem Mann, um die Herrschaft beziehungsweise, um die Stiere streitet, ist wahrhaft meisterhaft. Großes Kompliment, so habe ich das noch nicht gelesen.

Jetzt ist sie aber erwachsen, Witwe, schnitzt in kundenlosen Momenten ihr weibliches Kriegerheer und da taucht eines Tages eine schwarzgekleidete Kundin auf, kauft Käse und erzählt ihr von Frauen, die ihre Gatten ermordet haben.

Am nächsten Tag kommt sie mit ihrer Schwester wieder und lädt Maeve zum Essen in ihre Wohnung ein, da gibt es  noch eine dritte Schwester.

Sie heißen Bod, Morrigen und Macha, das sind irische Namen und  haben ihre irische Vergangenheit und Lebensgeschichte, werden aber auch als Krähen beschrieben und sie helfen, wie ich schon erwähnte, mit für mich sehr unlauteren Mitteln, Maeve sich von der Unterdrückung zu befreien.

Wahre Emanzipation geht, glaube ich, anders und ich denke, die Frauen müssen den Männern nicht jede Gewalt nachmachen.

Sonst ist er aber ein starkes Stück, der kleine Roman, der am Buchrücken noch mit „Ein düsteres Kammerspiel, zwischen Freiheit, Mord und Selbstbestimmung“, beschrieben wird, der mich sehr beeindruckt hat.

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