Literaturgefluester

2017-04-30

Realitätsgewitter

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
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Jetzt kommt ein Buch, von dem ich vor ein paar Monaten in „Ex Libris“ gehört habe, das ich ja gar nicht so oft konsumiere.

Das Buch, der mir unbekannten Autorin Julia Zange namens „Realitätsgewitter„, das im vorigen November erschienen ist und von dem der Moderator sagte, die Eltern hätten die Autorin daraufhin geklagt oder eine einstweilige Verfügung verlangt.

Das ist interessant und macht neugierig, also habe ich mir das Buch gestellt, das nur hundertfünfzig Seiten stark ist und am Cover ein sehr eindringliches Bild einer schwarzen Katze mit gelben Augen trägt. Das macht auch neugierig.

Am Buchrücken, hat dann Maxim Biller, der gestrenge Kritiker, der inzwischen aus dem literarischen Quartett ausgestiegen ist um wieder mehr zu schreiben geschrieben: „Das kann nur Julia Zange:Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!“

Das macht noch mehr neugierig also goolge ich nach und erfahre bei „Wikipedia“, daß die Autorin, eine trotzig dreinschauende blonde junge Frau, entweder 1983 oder 1987 geboren ist, 2006 den renommieren „Open Mike“ gewonnen hat. 2008 den Roman „Die Anstalt der besseren Mädchen“ bei „Suhrkamp“ herausgegeben hat und als Schauspielerin in Berlin lebt.

In der Biografie, die im Buch enthalten ist, steht keine Altersangabe und zusätzlich zu dem schon Erwähnten, steht noch, daß sie  als Redakteurin tätig ist.

Interessant, interessant. Der Klappentext verrät, „daß ‚Marla alles super hingekriegt hätte, die Vorlesewettbewerbe, das Abi und vor allem das richtige Lächeln an den richtigen Stellen. Dann ist sie in die Großstadt gezogen und fühlt sich verloren, bis sie, um ihrer Einsamkeit zu entkommen, sich in ihre Heimat zurück und ans Meer begibt, wo sie sich dann selber findet.“

Das von dem „Erwachsenenwerden und dem sich Selberfinden“, steht auch noch einmal am Buchrücken und irgendwo habe ich noch etwas von sehr vielen Facebookfreunden gelesen.

In den fünfzehn Kapiteln des Buches wird dann gar nicht soviel Vorgeschichte erzäöhlt, sondern man wird gleich hineingeworfen in das Leben, der jungen Frau, die zu Weihnachten allein in ihrer WG ist. Die finnische Mitbewohnerin ist nach Hause gefahren. MarlasEltern sind in Indien,  SMSen, daß es keinen Weihnachtsbaum und keine Weihnachtsgans dort gibt und kündigen ihr später noch den Scheck, weil sie jetzt alt genug ist, für sich selbst zu sorgen.

Sie hat aber ihr Philosophiestudium abgebrochen und kein Geld, aber viele Freunden, einen Ben, einen  Dylan, einen Lorenz, die sie zum Teil schon von ihrer Schulzeit kennt, zum Teil  kennenlernt, während sie durch das Berliner Leben taumelt.

Da sie Geld braucht, sucht sie eine Stellung, so geht sie in ein Geschäft hinein, das eine Aushilfe sucht. Aber dafür ist sie nicht passend genug angezogen und man braucht, als Aushilfe in einer Boutique offenbar auch ein abgeschlossenes Studium und andere Sprachkenntnisse, als Englisch und ein bißchen Französisch. Also wird nichts aus dem Job.

Englisch wird in dem Buch aber ohnehin sehr viel geredet, ist Marla doch total global vernetzt und die Freunde die sie in den Bars und Lokalen trifft, kommen oft auf dem Ausland.

Ein Holger verschafft ihr dann, sie hat inzwischen eine Zara-Klamottentüte zurückgetragen und mit den fünfundzwanzig Euro, die sie dafür bekommen hat, Lebensmittel eingekauft, einen Job als Redakteurin in einem Modemagazin. So reist sie herum und geht zu Pressekonferzenen, interviewt Star und seltsame Typen, die ein „Forever life“ Konzept entwerfen und mißbilligend auf sie schauen, wenn sie sich zwei Stück Zucker in ihren Cappucino kippt und sich ein Tomaten Mozarella Ciabatta bestellt.

Dann wird die Oma neunzig und sie fährt nach Haus. Die Eltern hatten mal eine Fabrik, die der Großvater, der schon vierundneunzig ist, gegründet hat. Jetzt  arbeitet der Vater in einem Center für Medical Research und die Mutter hat in dem Haus, wo sie wohnen eine Praxis als Lebensberaterin.

Als Marla dorthin kommt, empfängt sie nur die ihr unbekannte Haushaltshilfe. Später kommt die Mutter, sagt zuerst „Marla mein Schatz, ich hab dich vermißt. Du siehst gut aus,-viel erwachsener!“

Dann „Ich kann inhaltlich nicht mit dir reden, Marla. Wenn du etwas Tiefergehendes mit mir besprechen möchtest, können wir das gerne mit einem Psychologen oder Mediator machen“

Dann wieder „Natürlich, ich liebe dich mehr als mein Leben, Marla“ und schließlich:

„Ich schlage vor, du übernachtest bei deinen Großeltern oder fährst wieder zurück in dein Drecksloch. Ansonsten werde ich nämlich dieses Haus verlassen!“

Marla geht in ihr ehemaliges Zimmer, die Mutter in ein Hotel, was ihr der Vater, der vor dem Fernseher sitzt, mitteilt, als sie in der Nacht von Schreien, die sie im Garten hört, aufwacht.

Jetzt verläßt sie mit der geklauten Kreditkarte des Vaters das Haus und fährt nach Sylt. Am Bahnhof kauft sie sich noch die ersten Zigaretten ihres Lebens und ein Feuerzeug mit einer Katze. In der Villa der Eltern hing auch ein Katzenbild, das die Kinder einmal den Eltern schenkten, die Mutter aber daran etwas auszusetzen hatte.

In Sylt bekommt sie in einem Hotel, das in einem Hochhaus liegt, ein Zimmer für vier Tage, trifft einen Ole, den sie über eine Kontaktbörse kennenlernte, fährt mit einem Elektrorad den Strand entlang und dann wieder nach Berlin zurück, wo die Mitbewohnerin sie empfängt und sie schließlich zum Essen ruft.

Wie das mit der Selbstfindung und dem Erwachsenwerden ist, habe ich nicht ganz mitbekommen, wie mir überhaupt der Klappentext etwas konstruiert erschien und ich das Buch auch nicht als Roman, sondern, zugegeben als, scharf und pointiert geschriebene Episoden interpretieren würde.

Einen Roman müßte man erst darauf komponieren, würde die Kritikerin in mir sagen und dazu fällt mir auch noch auf, daß das Buch, das zu Weihnachten beginnt und bis zum Sommer 2016 handelt, der Brexit und der Anschlag von Nizza wird erwähnt und immer wieder taucht das Portrait von Andela Merkel auf, wenn es schon im November erschienen ist, sehr schnell geschrieben worden ist.

Der Titel „Realtitätsgewitter“ deutet wohl auf die Überforderung der jungen Frau hin und da habe ich ja schon einige diesbezügliche Romane gelesen, die die Überforderung der jungen Leute von heute zeigen, aber damals vor hundert oder achtzig Jahren, ist es wahrscheinlich auch nicht viel besser gewesen.

Wenn die Eltern von Frau Zange klagten, müßten sie sich wohl betroffen und angesprochen gefühlt haben, in diesem Fall wäre wohl wirklich ein Gespräch mit oder auch ohne Psychologen und Mediator zu empfehlen.

Ansonsten kann ich nur sagen, daß mir die Autorin bisher unbekannt war, daß ich die Episoden scharf und pointiert geschrieben empfunden habe und sie wohl auch sehr viel von der Überfordertheit ausdrücken, denen die jungen Leute heute wohl ausgesetzt sind und was man vielleicht auch lesen will.

Ansonsten ist es dieser Marla, trotz ihrer harten oder neurotischen Eltern, eigentlich nicht so schlecht gegangen. Der Job war ja da und die Freunde, wenn vielleicht auch oberflächlich auch und ob sie sich nach vier Tagen Sylt wohl wirklich gefunden und erwachsen ins Leben zurückgekeht ist, erscheint mir fraglich.

Wär schön wenn das so einfach wäre und wer hat das einmal zu mir gesagt, ein Roman ist etwas ganz anders und braucht wohl auch mehr, als vier Monate, um zu entstehen.Er muß auch berühren und etwas Neues, noch nie dagewesenes beinhalten?

Nun berührt haben mich die pointiert beschriebenen Szenen schon. Neu ist der Inhalt wahrscheinlich nicht und in Berlin, Wien und woanders, werden wahrscheinlich noch viel mehr entwurzelte junge Leute herumlaufen, die per Facebook kommunizieren, moderne Klamotten haben und sich mit ihren Eltern nicht verstehen.

Interessant ist vielleicht auch noch die „Amazon-Bewertung“, die ich ja sehr gerne zu Rate ziehe. Von ein bis fünf Stern ist da alles zu finden und zu den pointierten Bildern, mit denen auch das moderne Szene Berlin beschrieben wird, durch das Marla torkelt, fällt mir noch das „Mimikry-Spiel des Lebens-Buch“ ein, das ja auch bei „Aufbau oder zu der Verlagsgruppe gehörendenen Verlag“ erschienen ist und das in einem Sommer in diversen Künstlerwohnungen entstanden ist, die vielleicht denen gleichen, durch die Marla zieht und literarische Anspielungen kommen in dem Buch auch einige vor, scheint Marla oder ihrer Autorin ja sehr belesen.

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