Literaturgefluester

2017-04-21

Von zweihundert Jahre Leo zur Krise der Nachkriegszeit

Vielleicht im Zusammenhang mit dem „Welttag des Buches“ oder nur so, feiert die Buchhandlung Leo an diesem Wochenende zu ihrem zweihundertjährigen Bestehen ein Lesefestival rund um den hohen Markt.

Eine Information, die ich von der Hauptverbandsseite habe, denn eigentlich, ganz ehrlich, war mir die Buchhandlung Leo kein Begriff, obwohl ich im Nachhinein daraufgekommen bin, daß ich sie schon einmal gesehen habe.

Ob ich in ihr drinnen war und etwas kaufte, weiß ich gar nicht so genau.

Denn ich ziehe mir ja inzwischen meine Bücher meistens aus den Abverkaufskisten des „Morava“, gelegentlich aus der kleinen alten Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße vielleicht und da gibt es noch den „Thalia“ in St. Pölten, das wäre außér den offenen Bücherschränken schon alles. Ja richtig, im Jänner habe ich mir in Salzburg auch etwas gekauft.

Auf das Lesefestival bin ich aber neugierig geworden, das am Freitag Nachmittag mit der Begrüßung der Buchhändlerin, die Buchhandlung wird von zwei Schwestern geführt, in den Räumen des Alpenvereins begonnen hat.

Warum das dort war, weiß ich eigentlich nicht so genau, aber wahrscheinlich wären in die Buchhandlung nicht so viele Leute hineingegangen und es hat sogar, glaube ich, deshalb ein Gewinnspiel gegeben, wie die Buchhändlerin erklärte, als ich kurz vor drei den Saal betreten hate.

Dann hat das Programm schon begonnen, das sich, glaube ich, auch rund um die Innere Stadt oder den hohen Markt zentrierte, denn es kam zuerst ein Geologe mit einem witzigen Buch, das „Haie, Goethe und die Gurken“ hieß und von dem er einen kurzen Einblick über die fünfzehn Kapitel gab, die erklärten, wo es in Wien Haifischzähne zu finden gibt, warum das Maria Theresia Denkmal und das des Goethes so verstrahlt ist, wie das mit dem Zentralfriedhof, den Dnosauriern und mit noch vielen anderen ist.

Dann kam der Psychiater und Filmemacher Houchang Allihary mit seinem Buch, das er, glaube ich, mit einem Ghostwriter geschrieben hat „Normalsein ist nicht alles“, wo er seinen beruflichen Werdegang erzählte.

Dazwischen gab es immer Pausen mit Buffet und Gesprächen, sowie einen Büchertisch. Für die Kinder hat es, glaube ich, ein Buchbinderworkshop, wo man sich ein „LEOrello“- ein Erinnerungsbuch an das „200-jährigeBestehen der Buchhandlung“ mit schönen Bildern von der Umgebung und den Orten, wo die Buchhandlung früher, beispielsweise im „Heinrichshof“ gegenüber der Oper, der 1952 abgerissen wurde, machen konnte  und ein Probeklettern, sowie eine Bücherecke gegeben.

Lida Winiwewick mit ihren Lebenserinnerungen „Der verlorene Ton“, sowie Wolfgag Popp, den ich schon einmal im Literaturhaus gehört habe, folgte mit seinem Roman „Wüste Welt“ da projezierte er auch die Bilder von seiner Recherchereise durch Marokko an die Wand und erzählte einiges zur Erstehung des Buch.

Dann wars schon kurz vor sechs. Es gab Wein, Brot und Aufstriche, vorher hat es eher Kaffee und Kekse gegeben und noch einmal eine Leserunde, die aus dem Krimiautor Andreas Pittler, Eva Geber, die, glaube ich, Rosa Mayreders „Haus in der Landskrongasse“, die ja ganz in der Nähe ist,vorstellte, Dick Stermann mit seinem neuen Buch und ein Nachrichtensprecher, aber ich habe mich doch entschloßen in die Wien-Bibliothek und zur zweiten Karl Kraus Veranstaltung zu gehen, wo ja das auf Deutsch übersetzte und in der „Bibliothek der Provinz“ herausgegebene Buch „Karl Kraus -Die Krise der Nachkriegszeit und der Aufstieg des Hakenkreuzes“ von Edward Timms vorgestellt wurde.

Der Lesesaal der Wien Bibliothek, die ja, wie die Direktorin Sylvia Mattl-Wurm erklärte, den Karl Kraus Nachlaß beherbigt, war sehr voll von Karl Kraus Experten, aber auch von anderen, so fragte mich die Frau, die neben mir saß, wer Karl Kraus war?

Gar nicht so leicht zu beantworten. Ein Schriftsteller und Satyriker, für Österreich ein großer Mann und streitbarer Geist, der die „Fackel“ herausgegeben und „Die letzten Tage der Menschheit“ geschrieben hat, mit Gott und der Welt wahrscheinlich zerstritten war, Gedichte geschrieben und, wie ich glaube auch Opernarien gesungen hat.

Näheres ist sicher bei „Wikepedia“ nachzulesen oder unter www.kraus.wienbibliothek.at, wie Sylvia Mattl-Wurm noch erklärte und das Buch kann man sich natürlich auch kaufen.

Ich habe aber noch zwei ungelesene in meinen Regalen. So hörte ich nur der Einleitung von Hubert Christian Ehalt und dem Vortrag von Edward Timms zu, der einige Symbole erörtere, die Karl Kraus in den Zwanziger- und Dreißigerjahren, als in Wien allmählich das Hakenkreuz aufzog und das andere verdrängte, störte.

Dann gabs ein Gespräch mit dem Autor und der Übersetzerin und es wurden auch über die „Letzten Tage der Menschheit“ gesprochen, die Edward Timms ins Englische übersetzt hat.

Dann gabs wieder Brot und Wein, ich habe aber nur ein schnelles Gläschen getrunken, weil ich dachte, vielleicht komme ich noch zur „Nacht-Lese-Party der Buchhandlung Leo zurecht.

Wär ich wahrscheinlich auch, nur leider war das Haustor verschlossen und es hat mir niemand aufgemacht. Es ist auch niemand hinuasgegangen und ich wollte auch nicht lange warten, so habe ich den Abschluß versäumt und kann meinen interessierten Lesern nur verraten, daß es morgen, um elf mit einem Vortrag zur Buchhandlungsgeschichte und einer anschließenden Rätselralley beziehungsweise einem Open House in der Buchhandlung am Lichtensteg weitergeht.

Da kann man sich vielleicht auch die „Anthologie zum Welttag des Buches holen“ beziehungsweise diesen feiern.

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2017-04-20

Fake News und Karl Kraus

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:14
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Ich gehe ja nicht so oft zu den „Wiener Vorlesungen“, nur wenn am Programm etwas besonders Literarisches ist und das gibt es diese Woche gleich zweimal.

Zweimal Karl Kraus, am Donnerstag im Festsaal des Rathauses, am Freitag in der Wien-Bibliothek und das habe ich mir natürlich vorgenommen, denn Karl Kraus ist interessant und da habe ich mich in den letzten Jahren ja ein bißchen eingehört, beziehungsweise eingelesen.

So brachte „Holzbaum“ 2014 ja einen Cartoon zu den „Letzten Tagen der Menschheit“ heraus, Hilde Schmölzer hat über seine Frauen geschrieben, das muß ich allerdings erst lesen und Richard Schuberth entpuppte sich auch als Karl Kraus Spezialist, bei einer Veranstaltung zum achtzigsten Todestag war ich im Sommer auch und in Leipzig hat mir Dieter Scherr auch ein, wie ich glaube, sehr sehr interessantes Buch aus der „Tarantl-Edition“ gegeben, das ich auch noch lesen muß.

Also bin ich heute in das Rathaus gepilgert, Beppo Beyerl hat mich auch noch ins tschechische Zetrum zur Präsentation seines neuen Buches übers Bier eingeladen, aber das trinke ich ja nicht und am Eingang hat sich ein junger Mann der Wache vor mich aufgestellt und wollte von mir wissen, wo ich hinwolle?

„Zur Wiener Vorlesung!“, habe ich geantwortet und gedacht, die Alternative wäre wieder ein FPÖ-Fest von dessen Buffet, er mich abhalten will, es war aber offenbar eine Veranstaltung in der Wien-Bibliothek, die Präsentation des Ebner von Esschenbach- Knorr Briefwechsel, dessen Einladung verlorengegangen sein dürfte und das hätte mich vor eine ernsthafte Alternative gestellt, von der ich wahrscheinlich immer noch nicht weiß, was die bessere Variante gewesen wäre?

Denn die Vorlesung, wo ich war, war nicht so besonders literarisch, war das Tema doch „Fake news: Karl Kraus, die Kritik der verfälschten Nachrichten und ihre Anwendungen auf den postfaktischen Diskurs unterer Zeit“, das klingt insoferne interessant, da ich mich in den letzten Monaten ja vermehrt mit meinen Kritiker Uli herumschlage, der mich beschimpft und die „Linken“ oder den „Genderwahnsinn“ und, daß die sogenannten Multikultis schuld wären an den Anschlägen von Berlin, Stockholm etcetera, kann man auch bei Martins Sellners Videos hören und das ist etwas, was mich erschreckt und der Vortragende, ein Edward Timms aus England sollte sich auch noch, was mir bisher völlig unbekannt war, als einer der bedeutensten Karl Kraus- Experten erweisen.

So gesehen war das Publikum auch voll von Historikern und Spitzenjournalisten und Hubert Christian Ehalt zählte in der Einleitung gleich seine Publikationen auf, so gibt es ein auf Deutsch übersetztes Kraus Buch von ihm und „The last days of Mankind“ hat er auch mit Fred Bridgam übersetzt.

Der war auch im Publikum und der Vortrag beschäftigte sich mit Beispielen, wo vor hundert Jahren, die Fakten verfälscht wurden, um einen Vorwand für den ersten Weltkrieg zu haben.

Edward Timms führte da einige Beispiele an, die Karl Kraus alle in seinen „Letzten Tagen“ verarbeitet hat und kam dann zu den „Fake News“ der Gegenwart, nämlich, als 2004 der Golfkrieg begonnen wurde, mußten Massenvernichtungswafen erfunden werden, die es nie gegeben hat und, als es in England zur Abstimmung bezüglich des Brexits kam, hat sich der dortige Minister vor einem Bus gestellt, wo die Geldzahl angeschrieben stand, die dann dem Gesundheitswesen zur Verfügung stehen würde und Donald Trump hat auch einen vermeintlichen Anschlag in Stockholm für seinen Wahlkampf verwendet.

Dann kam es zur Diskussion und zur Frage, was der Unterschied zwischen dem Heute und dem Gestern wäre und ich, die ich ja davon nicht sehr viel verstehe, habe mir gedacht, eh klar, damals hat es noch keine sozialen Medien sondern, gerade Mal ein Telefon und den Telegrammdiesnt gegeben.

Heute kann jeder seine Meinung in das Netztstellen und „Fake News“, wie ich das ja auch im letzten halben Jahr persönlich an dem Beispiel, ob der „Hanser Verlag“, jetzt Sigrid Löffler mit seiner Broschüre beeinflußen wollte oder nicht, erlebte, verbreiten und die Meinung im Publikum war auch, daß nicht mehr als früher gelogen wird, sondern daß es nur schneller auffliegt.

Interessant und morgen geht es mit der Präsentation des Timme Buchs “ Karl Kraus – Die Krise der Nachkriegszeit und der Aufstieg  des Hakenkreuzes“, das mich vielleicht noch mehr interessiert in der Wien-Bibliothek weiter.

Es gibt allerdings auch ein Alternativprogramm, nämlich ein Fest zu „Zweihundert Jahre der Buchhandlung Leo“ am Lichtensteig, das schon am Nachmittag beginnt, sich aber bis in den Abend zieht und da will ich auch irgendwie vorbeischauen.

2017-04-19

Zum Welttag des Buches

Seit 1995 wird der Unesco-Welttag des Buches gefeiert, 1997 oder 1998 bin ich in Wien darauf gestoßen, als ich gerade bezüglich meiner Frauenlesung in die GAV in die Rasumofksygasse gegangen bin.

Da wurde das deutsche und das österrerichsche Gratisbüchlein verteilt und etwas später bekam ich dann irgendwo eine Rose weil man am 23. April in Barcelona am St. Georgstag die verteilt.

Es gab an diesen Tag ein paar Gratisbüchlein in den verschiedenen Buchhandlungen und jetzt die Anthologie des Hauptverbandes, die ich seither sammle.

Texte zu eiem bestimmten Thema, meistens von einem Herausgeber zusammengestellt.

Voriges Jahr waren es die Tiere, Krimis von Eva Rossmann herausgegeben waren auch schon an der Reihe, das Reisen, Europa und das Essen waren auch schon Thema, heuer ist es der Humor und ich bin jedes Jahr, um den 23. April, die Buchhandlungen abgeklappert um an das Büchlein heranzukommen und  heuer schon ein wenig früher an der Reihe, denn der Hauptverband des Buchhandels lud schon am 19. April zur Präsentation der Antholgie in das Palais Fürstenberg in die Grünangergasse ein.

Diese Veranstaltung gibt es, glaube ich, schon länger, aber einmal war sie nicht öffentlich zugängig, beziehungsweise habe ich mich nicht getraut, die Frau Führer nach einer Einladung zu fragen, im vorigen Jahr hatte ich, glaube ich, keine Zeit oder eine Alternativeranstaltung, aber heuer hat es geklappt.

Nur leider hat das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn es schneite, als ich nach sechs das Haus verlassen habe und als ich eine halbe Stunde später, die Grünangergasse erreichte, war ich ziemlich durchnäßt und kalt war es auch.

Dabei war es eine durchaus prominent besetzte Veranstaltung, die da im Palais Fürstenberg abgelaufen ist.

Benedikt Föger hat eröffnet und  gleich, ich weiß nicht, ob das immer so ist, den Namen der Ehrenpreisträgerin des österreischischen Buchhandlels für 2017  bekanntgegeben und das wird in Zeiten wie diesen, eigentlich ganz selbstverständlich, die türkische Schriftstellerin Elif Shafak sein, von der ich den Roman „Ehre“ schon seit längeren auf meinem Sub habe.

Wann der Preis vergeben wird, ist noch nicht ganz klar, das hängt, wie Benedikt Föger sagte, von der in London lebenden Autorin ab. Dann kam  Günter Kaindlsdorfer der ORF-Moderator und Buch-Wien Programm Direktor an die Reihe und moderierte, beziehungsweise kündete er Eva Nowothny an, die den Eröffnungsvortrag hielt auf die Bedeutung des Lesens hinweis und auf das, was die UNESCO dazu tut, um es zu fördern und dann gab es ein Gespräch zwischen Günter Kaindldorfer und der Herausgeberi,n Brigtitte Sirnhuber-Harenberg, vom Amalthea-Verlag, die ihren Bezug zu Humor und den in der Anthologie enthaltendenen Autoren, erläutetertre.

Das hundertvierzig Seiten starke Büchlein „Humor  ist, wenn man trotzdem lacht“ ziert am Cover ein Hundebild mit Faschingsmütze von Verena Hochleitner und enthält Texte von Ehpraim Kishon bis Doris Knecht.

Die Rolle des jüdischen Humors wurde in dem Gespräch besonders erwähnt, seltsamerweise gibt es aberauch einen Weinerhaber Text „Der Phäake“ in dem Buch und das war zwar ein begnadeter Nazi-Dichter, sein „Wien-Wörtlich“, was wir zu Hause in der Wattgasse hatte, ist aber, glaube ich, trotzdem ein besonderes Buch.

Aber der Schauspieler Wolfram Berger, der dann Textproben  las, hat nicht auf ihn Bezug genommen, sondern mit Ernst Jandls „Otto Mops“ begonnen, dann hat er die Geschichte von Epraim Kishon „Gibt es einen typisch israelischen  Humor“ gelesen, bevor er zu  Peter Hammerschlags „Ungarischer Schöpfungsgeschichte“ überging:

„In Anfang war, das ist bestimmt – der Wort auf griehisch logos. In Weltmeer ist herumgeschwimmt. die Urgetier, das Fogosch“

Michael Niavarani hat dazu ein Pedant geschrieben, die „Niavraanische Schöpfungsgeschichte“, die auch verlesen wurde,  vevor es zu jüngeren Autoren, wie Doris Knecht und Daniel Glattauer überging.

„Der gschpfte Ferdl“ von Gerhard Bronner und ein Text von Helmut Qualtinger mußte auch dabei sein und in dem Büchlein gibt es noch Texte von Karl Kraus, der  im Rahmen der Wiener Vorlesungen zwei Vernastaltungen morgen und übermogen haben wird, Erich Kästner und und….

Lesen würde ich raten, am Samstag wird man das Büchlein wahrscheinlich in den Buchhandlungen, die es führen,  bekommen können.

Beim Hauptverband gab es im Amschluß ein Buffet mit Schinken, Käse, Brot, Weintrauben und Wein, wo ich mich mit einem Studienkollegen vom Alfrede sehr gut unterhalten habe, für die Anna und die Oma auch ein Büchlein mitnehmen konnte und derzeit gerade mein Buch zum Welttag des Buches, nämlich das, was die „Blogger lesen“ aus dem „Homunculus-Verlag“ lese und am Sonntag kann man, habe ich, glesen auch gratis in das Literaturmuseum und an einigen Führungen teilnehmen.

2017-04-18

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Jetzt kommt Susann Pasztors Buch, das in Leipzig bei dem „Kiwi-Bloggertreffen“ vorgestellt wurde. Eine Mischung zwischen einem Jugend- und einem All-Age Buch würde ich mal schätzen oder nein, ein reines Jugendbuch ist es wohl nicht, dazu ist das Thema zu schwierg, geht es dabei doch um das Sterben.

Ein Thema für mich könnte man so schätzen, denn ich habe ja meinen Vater betreut, dazwischen Sterbeseminare im damaligen Geiatrie-Zentrum Wiederwald gemacht, dort dort die Pflegehelferinnen in Kommunikation ausgebildet und habe auch manchmal Klienten, die ihre Angehörigen verloren haben oder verlieren werden und mich in meinen Büchern auch schon mehrmals mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Zum „Kiwi-Blogger-Treffen“ bin ich etwas zu spät gekommen, weil ich ja vorher mit dem Alfred in diesem Messerestaurant essen war und habe, als ich das Zimmer im dem Congreßzentrum endlich gefunden habe, Susann Pasztor, die 1957 in Solenau geboren wurde, jetzt ihr drittes Buch bei „Kiwi“ herausbrachte und auch eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin machte, daraus schon lesen gehört und zwar ziemlich bald die Stelle, wo Max der Schulfreund von Phil, dem dreizehnjährigen Jungen, der eine wichtige Rolle in dem Buch spielt, großschneuzig davon spricht, daß Sterbebegleiter, die sind, die den Menschen streng geheim, die Giftcocktails überreichen, als der ihm von der Ausbildung seines Vaters erzählt und habe schon befürchtet, daß da vielleicht etwas vermischt wird, denn ein Sterbegleiter gibt ja keine Sterbehilfe, zumindest keine mit dem Cocktail.

Aber natürlich wird in der Öffentlichkeit bei diesem Tabuthema viel gewitzelt, verdrängt,  gelästert und die Literatur ist ja dazu da zu übertreiben und zu erhöhen.

Aber Susann Pasztor umschlifft diese Kurve und das ist auch die einzige Stelle, wo es darum geht, sonst geht es um etwas ganz anderes, nämlich, um Fred, den vierzigjährigen übergewichtigen alleinerziehenden Vater, der in irgendeinem Amt sitzt und Pensionsanträge bearbeitet und endlich was Sinnvolles machen will.

So wird er ehrenamtlicher Hospitzmitarbeiter und soll nun seinen ersten Fall übernehmen, nämlich die sechzigjährige krebskranke Klara begleiten.

Susann Paszor schildert den Übergewichtigen am Anfang des Buches etwas tolpatschig. So, wie gut gemeint ist das Gegenteil von gut.

Auch da nimmt das Buch eine Wende, denn Klara weiß, wie es wahrscheinlich wohl vielen Hospitzpatienten geht, nicht, ob sie wirklich einen Sterbebegleiter will.

No na, so gelingt der Start etwas schwierig, obwohl Fred ja eine Supervisonsgruppe hat und da gibt es auch eine sehr aufmüpfige Theolgiestudentin namens Maria, die immer kritische Fragen stellt.

Fred hat auch eine Mappe, wo Unterlagen über Klara stehen, zum Beispiel die Telefonnummer der Schwester, die im Todesfall benachtrichtigt werden soll.

Sonst scheint es aber Spannungen zwischen ihr und Klara zu geben, über die Klara nicht spricht und nun hat Fred, das Buch spielt kurz vor Weihnachten, einen Einfall, der eigentlich ganz natürlich sein sollte, aber entsetzlich schiefgeht, er lädt beide Schwestern zu sich und zu seinem dreizehnjährigen Sohn Phil zu einer Weihnachtsfeier ein.

Klara verläßt, sobald sie die Schwester sieht, die Wohnung und bricht die Begleitung ab. Fred muß sich deswegen auch in der Supervisionsgruppe entsetzt ansehen lassen.

Wie kann man denn nur, diese Grenze überschreiten und wird stattdessen den Nachtwachen zugeteilt, wo man nichts mehr falsch machen kann.

Denn dort ist immer das Fenster offen, damit die Seele leichter hinausgleiten kann, wenn einer gegangen ist und solche Geschichten habe ich auch schon bei meinen Supervisionen gehört.

Klara hat aber vorher schon den dreizehnjährigen Phil, der ein heimlicher Dichter ist und Schwierigkeiten mit seiner esoterischen Mutter hat, die ihm immer Wachstumspräperate schickt, weil er ein wenig kleinwüchsig ist, engagiert, um ihre Fotos zu scannen.

Klara war Tänzerin oder Musikerin. In ihrer Wohnung hängen Bilder von einer Rockgruppe aus den Siebzigerjahren namens „Grateful Dead“.

Sie hat auch lange in Spanien gelebt,  einen Spanier geheiratet, so heißt sie Jenner-Garcia und ist erst zum Sterben wieder nach Deutschland zurückgekommen und so ist Phil eine Zeitlang, der Ersatz- Sterbebegleiter, weil Fred ja nicht mehr zu ihr darf.

Es gibt aber auch eine junge Frau namens Rona, die in in einem Cafe jobbt und sich in Prostituiertenkleidung von einem Maler im Haus malen läßt, was auch zu Mißverständnissen führt und einen Hausmeister namens Leo Klaffki, ein Althippie, der im Gegensatz zu Fred, die Rockband kennt und sich, um Klara kümmert, gibt es auch.

So ruft Leo Klaffki Fred auf einmal an, als Klara im Lift steckengeblieben ist und es dauern kann, bis der Reparaturdienst erscheint. Er soll kommen und sich mit Klara unterhalten.

So darf Fred wieder zu ihr und betreut zusammen mit Phil, der unbedingt noch alle Fotos einscannen will, obwohl die Zeit wahrscheinlich nicht mehr dazu reicht, in Verbindung mit dem Hausarzt und der Frau vom Pflegedienst, weiter Klara, die beschließt, ihr Sterben etwas zu beschleunigen, in dem sie nichts mehr ißt und trinkt.

Rona schläft bei ihr in der Nacht, Vater und Sohn wachen am Tag, der Hausmeister stiftet eine Fußballkerze. Phil, der ihre Kameria geschenkt bekommen hat, liest ihr vor und am Schluß übergibt Klara noch das Fotoalbum, das sie mit Achtzehn ihrer Schwester davongetragen hat und weshalb es vielleicht zum Bruch kam, damit er es an sie zurückschicken kann.

Ein sehr einfühlsames Buch, das alle Konflikte eines alltäglichen Leben leicht überhöht, wie es für einen Publikumsverlag wahrscheinlich sein muß, enthält und das ich allen, die sich mit diesem schwierigen Thema, das man, wie ich glaube, nicht verdrängen soll, weil es einen ja einholen und betreffen wird, nur empfehlen kann.

2017-04-17

Der Liebesdilettant

Noch ein Buch aus dem „Wortreich-Verlag“ und eine Entdeckung eines wahrscheinlich nicht so bekannten oberösterreichischen Autors.

Dabei habe ich den1961 in Bad Ischl geborenen Andreas Tiefenbacher, der deutsche Philologie studierte, in Wien und in  Bad Goisern lebt und seit 1995 bei der GAV ist, schon bei mindestens einer Lesung gehört.

Thomas Bernhard läßt grüßen, könnte man bei der zart melancholischen Geschichte über den jungen Wenzel Wurm, zitieren, die Bücherliebe, ein Thema, das mir ja auch sehr vertraut ist, wenn ich es auch wahrscheinlich ganz anders verarbeite, taucht auf, die anbeblich so Wienerische Todessehnsucht und noch vieles anderes.

Wenzel Wurm, man beachte den wahrscheinlich nicht zufällig gewählten Namen, ist achtundzwanzig und lebt als Zivildiener im Salzkammergut. Er hat ein Germanistik und Kunstgeschichtsstudium hinter sich, lebt bei einer Freundin namens Marion, die ganz anders ist als er, nämlich schnell und sportlich, während er als Rettungsfahrer durch die Gegend fährt und am Leben scheitert, sich in dieses nicht hinein traut, ihm nicht gewachsen ist, etcetera.

Ein sehr bekanntes und beliebtes Klischee könnte man meinen, vielleicht ist es auch nur eine ganz normale Entwicklungsstufe, die die jungen Menschen in das Leben machen. Zuerst kommt die Schule und das Studium, dann der Zivildienst oder das Heer bei den Männern. Eine Freundin braucht man auch und wenn man da nicht entsprechend hart genug, sondern sensibel ängstlich oder schüchtern ist, kommt es leicht zum sogenannten Scheitern.

In der Literatur muß man das Normale, das, was wahrscheinlich in der einen oder anderen Form alle durchmachen, natürlich entsprechend überhöhen und verstärken.

So zitiert der Germanist Tiefenbacher Arthur Schnitzer und meint, er hätte Wenzel Wurm, einen Liebesdilettanten genannt.

Aber zuerst wird einmal ein wahrscheinlich ganz normaler Arbeitsalltag des Zivildieners geschildert, der alte Leute zur Dialyse fahren muß oder auch mal zu einem Unfall gerufen wird. Als Zivildiener bei der Rettung sieht man wahrscheinlich viel, was man mit Neunzehn oder auch schon mit Achtundzwanzig vielleicht nicht so leicht verkraften kann. So kauft sich Wenzel nach dem Arbeitstag eine Kiste Bier, verzieht sich damit auf dem Balkon. Die Freundin ist natürlich nicht zu Hause, geht danach in die Badewanne und schneidet sich die Pulsadern auf. Als Zivildiener bei der Rettung weiß man natürlich, wie das richtig geht, dennoch ist Wenzel so betrunken, daß der nicht tief genug trifft, so findet ihn die Freundin. Er wird gerettet, wird, nachdem er verspricht sich psychotherapeutisch behandeln zu lassen, auf dem Spital entlassen und kann weiter bei der Rettung arbeiten.

Der Zivildienst ist auch bald aus und so beschließt Wenzel, um seine Beziehung zu retten, Marion auf eine Reise nach Griechenland einzladen. Die Rettung bleibt aber aus, denn Marion läßt ihn allein am Strand mit seinen Büchern liegen, trifft sich vielleicht mit anderen Männern. So kneift er aus, fährt zurück, sucht in Wien seinen Freund Konstantin auf und fragt ihm ob er vorläufig bei ihm wohnen kann?

Das geht, denn Stani kann nicht nein sagen. Wenzel braucht aber trotzdem einen Job und eine Wohnung, fängt, obwohl ja Germanist zuerst bei „Thalia“ am Westbahnhof, als Verkaufsberater an. Verdient dort aber nicht genugt, so wechselt er ins Musikhaus Döblinger und im Lentos in Linz bewirbt er sich auch.

Dabei trifft er im Zug auf eine Schöne, die er sich nicht recht anzusprechen traut. So gibt er wochenland Announcen auf, um sie zu finden. Trifft sie dann auch in einem Konzert wieder und als sie zu Ostern in die Musikalienhandlung kommt, um nach einem Lied zu fragen „Bist du bei mir geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh“, eine Arie von Bach, kneift er wieder aus, verläßt den Landen und rennt davon. So weit, so what.

Er wird entlassen, fängt an Rezensionen zu schreiben, eine Wohnung hat er inzwischen auch gefunden und geht in Internetforen, wo er verschiedene Frauen trifft, deren Liebschaften und das Scheitern mehr oder weniger genau beschrieben werden.

Rückblenden in die Kindheit, zu der schlagenden Mutter und den Großmüttern gibt es auch und dann tauchen kurz eine Nadja, eine Lea, die sich aber Cosima nennt auf, bis es ein Kapitel über eine Franka oder Franiska gibt, die eine Liebe zu einem Italiener hat, nach dem sie ihren Zwerghasen nennt.

Zu der beginnt er eine Beziehung, die ziemlich kompliziert verläuft. Sie tötet seinetwegen auch ihren Hasen, den sie dann weinend am Donauhafen versorgt, magert ab, und macht noch allerlei, was meiner Meinung nach viel zu flüchtig erzählt wird, bis sich dann Wenzel in der Berndhardschen Manier aus dem Fenster  und auf einen Lastwagen mit Textilplane stürzt.

Das hat sein Schutzengel für ihn arrangiert, daß ihm nicht viel passiert. Das Leben geht wahrscheinlich weiter, das Buch ist aus und ich habe dank „Wortreich“ eine sehr interessante Entdeckung eines nicht so bekannten österreichischen Autors gemacht, denn mir hat die Schilderung eines eher schüchternen jungen Mannes und sein Weg in das Leben sehr gefallen, obwohl ich wahrscheinlich zwei Bücher daraus gemacht hätte.

Das erste hätte den Tag als Zivildiener,  seine Arbeits- und Liebessuche in Wien, das alles eher episodenfhaft beschrieben, umfasst. Das zweite Buch wäre eine genauer ausgeführte Beziehung zu Franka geworden. Ein bißchen hätte ich das Buch von den Klischees und literarischen Anspielungen befreit, obwohl die wie Wenzel in das Gasthaus Blauensteiner strümt und dort Fotos von Hermann Schürrer und Heimito von Doderer sieht und dazu Anekdoten erzählt, sehr interessant ist und das zuviel an den Geschehen und  Zufällen weggenommen.

Aber sonst hat mir das Buch des oberösterreichischen Autors gefallen und kann es jeden, der sich für die österreichische Literatur abseits von Bernhard und Schnitzer interessiert, empfehlen.

Erich Hackl hat dazu noch: „Tiefenbacher ist ein unerbittlicher Chronist der Ungleichzeitigkeit, der Tatsachen also, dass der Alltag der Menschen nicht mit ihren Wünschen und Trieben Schritt hält“, auf den Buchrücken geschrieben.

2017-04-16

Cartoons zum Ruhestand

Filed under: Bücher — jancak @ 00:25
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Nach den Cartoons über Wien, Literatur, Kunst, Katzen, Hunde, Fußball, Weihnachten, etcetera, kommt nun richtig, etwas über den „Ruhestand“ und interessant, daß es sich dabei, um kein Hochglanzbuch, wie bei den genannten Bänden, sondern ein eher kleines Heftchen, um fünf Euro handelt.

Ob das eine Frage des Themas oder der Sparsamkeit ist?

Des letzteren würde ich vermuten, denn der Ruhestand ist ja ein Thema, das uns früher oder später wahrscheinlich alle erreichen wird.

Ein Thema für alle sollte man also meinen, das auch alle interessiert und das kleine Cover, merke ich, die über sechzigjährige, die keine Brillen hat, noch an, ist vielleicht für die ältere Generation gar nicht so gut lesbar, wie das größere Format.

Egal, egal, Ari Plikat, Christian Habicht, Dorte Landschulz, Elisabeth Semrad, FEICKE, HUSE, Johann Mayr, Karl-Heinz Brecheis, KATZI, Marko Finkenstein, Markus Grolik, Martin Zak, Matrattel, Michael Dufek, Miriam Wurster, Pascal Heiler, Petra Kaster, Rainer Schwalme, Rene Lehner, Schilling & Blum, Steffen  Gumpert und Uwe Krummbiegel, alles mehr oder weniger Bekannte, haben ihre Cartoons zu dem Büchlein beigetragen, das wie der Rücken verrät, Fragen wie „Was machen eigentlich Staatsanwälte im Ruhestand? Wie sieht die Sturm und Harnandrangperiode aus? Ist ein Arbeitssiumlator das richtige Geschenk zur Pensionierung? Und warum werden manche Menschen 278 Jahre alt?“, beantwortet.

Alos wieder ein Gang durch die Cartoons, die mir, ich kann es gleich verraten, zum Teil sehr gut, zum Teil gar nicht gefallen haben und einige von ihren habe ich auch nicht verstanden.

Was vielleicht auch am Thema und an der Betroffenheit dazu liegen könnte. An den Vorstellungen vielleicht, die jüngere Leute  zum Thema Alter haben und den Vorurteilen, die uns wahrscheinlich alle plagen oder plagten. Ist das ja ein Thema, das man leicht verdrängt und so wirken die Witzchen darüber vielleicht auch sehr leicht platt, geschmacklos und abgedroschen, aber manches, vielleicht das noch nicht so oft gehörte, wirkt wieder gut und regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Martin ZAK hat das Cover beigesteuert. Ein alter Mann sitzt mit einer fetten Katze am Polstersthuhl, daneben stehen zwei Prothesengläschen. Nun ja, nun gut, so wars einmal und wird vielleicht noch immer kommen und auch die Katzen werden älter. Selbstverständlich, kann ja gar nicht anders sein.

„Einer geht noch!“, denkt sich vielleicht die Frau Blauensteiner,  als sie mit ihrem Hündchen, die Grabsteine vom „Erwin“, „Karl“ und „Heinz“ verläßt. Aber vielleicht ist sie eine ganz gewöhnliche Dreifachwitwe und wir haben ihr nur etwas Schlechtes unterstellt.

„Unheilbar? Und wenn ich reich wäre?“, fragt der Patient den Arzt. „Dann wären Sie länger unheilbar krank!“, antwortet der kryptisch.

„Wie wahr!“, denke ich und merke ich  an, daß mir dieser Cartoon von Ari Plikart ausgezeichnet gefällt.

Der von Christian Habicht, wo ein alter Herr neben seinem Geburtagskörcbchen zum Achtziger sitzt und von seinem Sohn oder Enkel eine gute und eine schlechte Nachricht „Gleich kommt eine  Striptease-Tänzerin. Sie ist in deinem Alter“, bekommt, gefällt mir natürgemäß dagegen nicht.

Dagegen finde ich den von Dorthe Landschulzu, wo sich zwei alte Damen über den Sex unterhalten, wieder witzig:

„Ich bin für meinen Mann ja nur noch die Krankenschwester!“, klagt die eine.

„Oh je, ist er pflegebedürftig?“, fragt die andere.

„Nein, Quatsch. Er steht auf  diese albernen Verkleidungspielchen beim Sex!“

Dazu gleich der nächste worst case, beziehungsweise Geschmacklosigkeit, die auch von Dorthe Landschulzu, uje, uje, stammt.

Denn da zieht sich der Prinz am Zopf zum Rapunzel hoch, aber  uje, die ist eine alte Dame mit Brille und empfängt ihn grimmig lächelnd mit ihrer Brille „Hallo, mein Hübscher!“

Ob er jetzt loslassen wird?

Ach ja und was machen jetzt die Staatsanwälte im Ruhestand.

FEICKE verrät es uns auf Seite 12. Sie fordern ihre Gattin, zu einer „klitzekleinen Straftat auf, damit sie ermitteln können“.

Und Frage, ist es jetzt witztig, wenn die Frau im Rollstuhl „keinen Altenplfeger, sondern einen jungen!“, fordert. Der Gleichberichtigung wegen, müßte man auch das wahrscheinlich anmahnen. Aber ja, ich gebe es zu, ich hab geschmunzelt.

Und wieder sehr grimmig und hoffentlich nicht ganz wahr, die Statistik: „Ruhestand vor dreißig Jahren“, teilte sich gleichmäßig zwischen „Geld, Familie und Freizeit „auf. In dreißig Jahren wird man dann nur noch, befürchtet Katzi die „Ruhe haben.

Michael  Dufeks Cartoon, der die Frage beantwortet soll, warum „Herr Weber letztendlich 278 Jahre alt wurde“, ist einer, den ich nicht verstanden habe.

Oder sollte sich Gevatter Tod, wirklich durch die Aufforderung „Weißt was, geh scheißen!“, abhalten lassen. Wär schön, wenn das so einfach wäreoder auch nicht, denn alle Leute wollen vielleicht auch nicht dreihundert werden.

Wir erfahren dann noch etwas über die „Biologische Uhr des Mannes“ und welche Geschichten, die Enkel nerven werden.

Ein solcher Cartoon war auch schon auf Seite vier von Ari Plikat zu sehen und kann man Teenager  wirklich schocken, wenn man ihnen was über den Sex im Alter erzählt?

Ich denke eher, wenn sie erfahren, daß es das dann auch noch gibt, denn zu meiner Zeit, glaubte man vielleicht noch, das hört automatisch im Ruhestand auf, wäre das  eine Veränderung, wozu das „Holzbaum Büchlein“ einige witzige und einige ein wenig klischeehafte Cartoons anzubieten hat.

Neugierig geworden? Also auf zum Lesen. Wenn man schon älter ist, wird man vielleicht eine Brille brauchen, um das Kleingedruckte zu entziffern und Uwe Krummbiegel bringt es ganz am Schluß noch auf den traurigen Punkt. Auch ein Cartoon, den ich sehr empfehlen könnte.

„Benachrichtigung: Sie gehören ab sofort keiner Zielgruppe mehr an!“, steht in dem Brief, den  der Senior aus dem Postkasten zieht.

Aber so sollte es eigentlich nicht sein. Denn wir alle werden älter und wenn man dann nicht nur die Ruhe, sonder auch noch ein wenig Spaß, Gesundheit und Freude hat, wäre schon viel gewonnen und vielleicht gibt es dann auch Cartoons zum Ruhestand, die nur mehr klischeefrei sind.

Aber dazu muß man sich wohl schon in jungen Jahren mit dem Alterwerden auseinandersetzen. Also wieder ein Grund das Büchlein zu lesen und sich seine Gedanken darüber zu machen.

 

2017-04-15

Osterspaziergang

Manfred Lagler-Regall

Manfred Lagler-Regall

Ingrid Müller

Ingrid Müller

Anna Jeller hat heute auf ihrer Facebookseite, daß sie ihren Kunden wenigstens einen Osterspaziergang wünscht, dazu wird das berühmte Gedicht „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche zitiert“ und richtig, ich bin zwar keine Anna Jeller Kundin, obwohl ich oft an ihrem Geschäft vorbeigehe, wenn ich am Abend von der „Alten Schmiede“ komme, Osterspaziergänge mache ich schon lang.

Hat doch die LitGEs die Literarische Gesellschaft von St. Pölten einen solchen und den habe ich, glaube ich, 2001 oder so das erste Mal noch unter der Leitung von Alois Eder  besucht und habe dabei eine Ostereierszene aus der „Viertagebuchfrau“ vorgelesen. Da ging es an der Traisen bis zum Bootshaus. Dann waren wir einmal mit Robert Englhofer im Stadtwald und dann immer am Viehofnersee.

Seit dem ich blogge kann man meine Berichte darüber nachlesen, ich lese immer und suche mir diesbezüglich immer etwas mit St. Pölten Bezug, soweit vorhanden heraus.

So habe habe ich damals im Stadtwald, meinen „Harland Stadt-Text“ gelesen, der über eine Stadt  namens Harland geht, weil ja Manfred Wieninger in seinen Krimis über ein Harland schreibt, in dem es ein Leichenschauhaus gibt.

Das ist gar nicht so einfach, denn ich schreibe ja in, aber eigentlich nicht so viel über St. Pölten. Die Sommergeschichte, aus der ich,  das letzte Jahr gelesen habe, spielt aber in Harland und heuer habe ich meinen „Köpfe-Text“ vorgelesen.

Eva Jancak

Eva Jancak

Ingrid Messing

Ingrid Messing

Denn da hat ja der Alfred einmal die Eva Riebler in St. Pölten getroffen und die hat ihm ein „Etcetera“ gegeben, wo sie ja die Obfrau ist.

Da stand, daß man für das nächste Heft, das  Doris Kloimstein regidieren soll, Texte zu diesem Thema hinsenden soll und da Doris Kloimstein ja in unserer Schreibgruppe ist, habe ich im Februar das Thema vorgeschlagen.- Da hat sie zwar gesagt, sie redigiert nicht mehr, wir haben aber darüber geschrieben und ich habe den Text hingeschickt. Er ist natürlich nicht genommen worden, aber ich habe ihn gelesen und am Morgen als ich gerade bei meinem Rad, das schon ziemlich verdreckt war, einen Osterputz veranstaltete, hat der Alfred ein Telefonat bekommen und dabei immer „Uje, uje!“ gesagt und es hat sich herausgestellt, es geht um einen Achillessehnenriß und vier Wochen liegen müssen.

Ich habe gedacht, es ist die Ruth und mit der wollen wir ja im Mai um den Bodensee radeln und dachte „Scheiße!“.

Es war aber der Robert und die Ruth hat sich dann am Markt gemeldet und mir vorgeschlagen, daß wir, wenn ich nach unserer Radfahrt im Mai Strohwitwe bin und Recherchestuden machen will, das gemeinsam tun können. Denn die Stadt Wien hat ja eine Reihe öffentliche Kunstwerke und über die können wir schreiben.

So weit und gut und eine feine Idee, daß ich über meine Romanfiguren Texte schreiben könnte oder Minuten Texte über das, was ich erlebe, wenn ich beispielsweise an einer Kreuzug stehe und auf das „Grün-Werden“ warte, habe ich auch schon gedacht.

Aber jetzt ist erst Ostersamstag, ich habe am Markt einen Burger gegessen, einen Birnencidre getrunken und das österliche Einkaufstreiben beobachtet.

Susanne Huslisti

Susanne Huslisti

Eva Riebler

Eva Riebler

Dann haben wir noch beim „Tschibo“ einen Caffe Latte mit einem Osterbriochehäschen vom „Hager gegessen. Der Alfred ist mit den Einkäufen nach Harland zurückgefahren und ich bin  in der Stadt geblieben, war kurz beim „Thalia“ und dann gleich zum Viehofnersee.

Eine halbe Stunde vor drei war ich schon dort, habe mich bei der offenen Bücherzelle umgesehen. Sehr passend zwei Weihnachtsbüchlein dort gefunden. Aber das kommt ja bestimmt bald wieder und fast hätte ich es übersehen von T. C. Boyle „Das große Schlachten“.

Damit habe ich mich auf eines der orangen Sitzmöbel gesetzt, die es auch im Museumsquartier gibt und habe in den Büchern geblättert, bis mich Manfred Lager-Regall, ein eifriger Osterspaziergangteilnehmer angesprochen hat und nach und nach die Leute eingetroffen sind, die noch teilnehmen wollten.

Außer Mafred Lagler und Eva Riebler habe ich niemanden davon gekannt. Aber Manfred Lagler hat mir ein altes „Etcetera“ gezeigt, wo Bilder vom Osterspaziergang 2000  abgefildet waren, wo er schon mitgegangen ist.

Er hat dann auch als erster auf der ersten Station gelesen. Einen Text, der mit jean Paul Satre beginnt und, glaube ich, zu der Wichtigkeit des Lesens hinüberführte.

Dann kam eine junge Frau mit einem ganz anderen Text. Einem Gdicht von einem Stinktier, das nicht stinkt und das daher die größten Probleme mit den anderen Stinktieren hat.

Sie hatte auch ein Maskottchen, das sie Eva Riebler in die Hand gab, ein Opossom, über das sie auch einen Blog führt und dann habe schon ich meinen „Köpfe-Text gelesen und es ist weitergegangen.

Diesmal sind wir über die Brücke und zum Ratzersdorfersee, den es auf der anderen Seite gibt, gegangen. Ich bin mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die vorige Woche auch in Krems und Göttweig war und derzeit auf Verlagssuche ist. Sie hat bei der nächsten Station gelesen. Da gab es dann auch noch ein Gedicht, noch einen Text von Manfred Lagler und dann hat Eva Riebler einen Text von Andre Heller gelesen, in dem er seine über hundertjährige Mutter interviewt.

Dann ist es noch ein Stück weiter, zum nächsten Tisch und den nächsten Bänken gegangen, wo es wieder das berühmte Picknick und die Ostereier gab.

Nachher gabs noch eine Runde in der Seedose mit weiteren Gesprächen und Morgen am Ostersonntag werden wir mit den Klapprädern nach Traismauer zum Donaugasthaus fahren.

Den Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters gibt es übrigens, glaube ich, nicht mehr.

2017-04-14

Ich Dylan Ich

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In Leipzig  hat mir der „Wortreich-Verlag“ ein paar Bücher mitgegeben, darunter die 2015 erschienene Thomas  Dylan Hommage des 1954 in Rostock geborenen Peter Wawerzinek, von dem inzwischen bei „Transit“ „Bin ein Schreiberling“ erschienen ist.

Der Bachmannpreisträger von 2010 hat darüber am blauen Sofa diskutiert und interessant, daß er dabei etwas erzählte, was auch in „Ich Dylan Ich“ vorkommt.

Nämlich, daß er, der in einem Waisenhaus aufgewachsen sist, weil seine Mutter 1956,  die Kinder in der Wohnung zurückgelassen hat, um in den Western zu gehen, dann von einem Lehrerehepaar adoptiert wurde und dort in der Lehrerwohnung zwei Erfahrungen machte. Im Keller hat er nämlich die Literatur entdeckt, im Wohnzimmerschrank der Lehrer standen dagegen nur einige Lexika und Gesundheitsbücher und Alkohol hat er  da auch zu trinken angefangen.

Er hat dann auch noch im Radio eine Entdeckung gemacht, nämlich Gedichte des walisischen Dichters Thomas Dylan, der übrigens an meinem Geburtstag, den 9. 11. 1953, gestorben ist.

Von da an war er ihm verfallen und hat in seinem Sinn zu  dichten angefangen, auch davon ist wahrscheinlich in dem neuen Buch zu lesen, zumindest hat Peter Wawerzinek in Leipzig ein paar seiner Stehgreifgedichte vorgetragen.

Später als er dann erwachsen und die Mauer schon gefallen war, durfte er nach Wales, seinem Idol nachreisen und hat das, mit einigen Freunden, weil man allein nicht reisen soll, auch mehrfach getan.

Nach Swansea, dem Geburtsort des Dichters ist er mit seiner Freundin gefahren, hat dort sogar in dem Haus gewohnt und in den Kleidern des Dichters in seinem Bett geschlafen.

Das soll man aber nicht, denn er Schlaf war, wie Wawerzinek schreibt, der übrigens, was ich, obwohl ich  2010 für ihn stimmte und daher ein Teilchen dazubeigetragen habe, daß er auch Publikumspreisträger geworden ist, so genau noch gar nicht wußte, ein ausgezeichneter Schreiber ist, der die Töne ganz genau trifft, beschreibt, sehr unruhig.

So hat er die Kleider des Idols wieder ausgezogen, das Zimmer gewechselt und dem Dichter weiter nachgereist, nach dem sich Bob Dylan, der Nobelpreisträger von 2016 übrigens genannt haben soll und dessen Werke von Erich Fried in Deutsche übersetzt wurde.

Ich bin, was sich jetzt rächt, keine Pop-Poetin, so war mir der Name des Dichters, der an dem Tag gestorben ist, als ich zur Welt kam, bisher ziemlich unbekannt.

Peter Wawerzinek, der auch Stadtschreiber von Klagenfurt war und 2015, die diesbezügliche Festrede gehalten hat, führte mich aber in sein Leben ein, reiste zu den Schreiberhütten, die er bewohnt, erzählt von seiner Frau Caitlin, der er kein guter Gatte war und auch auf seine Kinder nicht besonders schaute, obwohl er gut verdiente, mit dem Geld aber nicht umgehen konnte und zu Tode hat er sich 1953 auch gesoffen.

Das ist auch eine Verbundenheit mit seinem Autor, hatte ja auch Peter Wazerinek Alkoholprobleme und darüber geschrieben und er meinte auch, daß er wenn er eine tötdlich Diagnose bekommen würde, an Meer reisen und dort achtzehn Whiskys trinken würde.

Thomas Dylan hat aber die Whiskys, die er nicht mehr vertragen hat und daher ins Koma fiel, in New York City getrunken und ich denke, daß mein Körper, wenn er Krebs hat, soviel Alkohol auch schon vorher auspeien würde.

Ein schönes Bild und auch das der Fürsorge, die Wawerzinek hat, der meint, daß er, wenn er könnte, zu dem Dichter reisen würde,  vom Trinken abhalten und ihm eine bessere Erhährung beibringen würde, ist sehr schön.

Ich bezweifle aber, daßes funktionieren würde. Der Dichter würde sich wohl auch von seinem Dichterkollegen nicht abhalten lassen, ihn wahrscheinlich eher mitreißen, mit ihm die  achtzehn Whiskys zu trinken.

Denn das  unterscheidet die Genies wahrscheinlich doch von den Normalmenschen, daß sie nicht Maßhalten können und sowohl geniale Verse schreiben, als auch sich selbst ruinieren.

Der Vergleich zu Till Eulenspielel, Dyl Ulenspiegel kommt auf und Peter Wawerzinek hat mich, wofür ich ihm sehr danke, den  1914 geborenen Dichter  nähergebracht, dem „Wortreich-Verlag“ von dem ich eigentlich dachte, daß er nur österreichische Autoren verlegt, danke ich natürlich auch dafür und ehe ich es vergessen,  Raben dürften sowohl bei Wawerzinek, als auch bei Thomas Dylan eine wichtige Rolle gespielt haben.

So heißt, das Buch mit dessen Ausschnitt, Wawerzinek, 2010 den „Bachmannpreis“ bekommen hat, ja „Rabenliebe“ und das Cover von „Ich Dylan Ich“, ist ein Gemälde, das die Künstlerin Alice Haring angefertigt hat.

2017-04-13

Ein paar Romanfiguren

Weiter geht es mit einem Artikel, wo ich wieder über mein Schreiben, beziehungsweise meine Themen, meine Bücher und jetzt über meine Protagonisten plaudern will.

Ein paar davon gibt es ja schon und wer will kann sich auf diese Art und Weise in mein Schreiben einlesen und dann vielleicht auch zu dem einen oder dem anderen Buch greifen.

Ich korrigiere ja jetzt an meiner Bibliotheksgeschichte „Vor dem Frühstück kennt dich keiner“ und habe vorhin über meine nächsten Pläne geplaudert.

Daß ich, wenn ich damit fertig bin, mir wieder ein Thema suchen muß und ich vielleicht ein paar Kurzgeschichten schreibe, um zu einer Handlung für das nächste Projekt zu kommen.

Denn ich bin ja, nach über vierzig selbstgemachten Büchern, wie ich fürchte, ein wenig ausgeschrieben, habe ich ja schon so viel geschrieben, obwohl das niemanden interessiert, ich keinen Erfolg habe und  auch niemand zu merken scheint, was es da alles schon von mir gibt.

Und in der letzten Zeit hantle ich mich auch ein wenig, um die Sache herum, wiederhole mich, schreibe vielleicht auch Serie oder Fortsetzungen, jedenfalls gibt ein paar Figuren, die in einigen meiner Bücher vorkommen.

Mein Lieblingsfiguren könnte man so meinen und ich habe auch ein paar mit denen ich mich vielleicht demnächst auf die Schreibchercherche begeben werde.

Denn ich schreibe da ja immer von einer Schreibwerkstatt oder einem Schreibworkshop, das ich mir selber geben möchte, auch wenn ich nicht wirklich weiß, wie das gehen kann und soll.

Aber die Fritzi Jelinek aus der „Absturzgefahr“ ist ja eine Schreibtrainerin und die kommt auch in der „Pensionsschockdepression oder Selmas Kopftuch“ vor.

Sie hat auch eine heimliche oder platonische Liebe zu dem polnischen Priester Janusz Warszinski und die, habe ich schon gedacht, könnte vielleicht in meiner Bloggeschichte wieder vorkommen oder die dortige Protagonistin beim Schreiben beraten und da gibt es ja schon bei den „Berührungen“ eine solche Konstellation, denn da schreibt ja Anna Augusta Augenstern, einen Roman und weiß nicht wirklich, wie das geht oder worüber und geht deshalb oder eigentlich wegen ihrer Depressionen zu einem Psychiater, nämlich zu Theo Hardenberg, der sie sehr aufmunternd berät und ihr wertvolle Tips gibt und den wir schon von der „Frau auf der Bank“ kennen, denn da ist er ja der Oberarzt, in dem sich Svetlana Mihic verliebt und noch nicht genug, er kommt auch beim „Frühstück“ wieder vor, da ist er Therese Schwarzenbergs Therapeut, obwohl die ja nur eine Leserin ist und nicht selber schreibt.

Das tut für oder über sie Dorothea Wewerka, das sogenannte Bibliotheksgespenst, das eigentlich gar keines ist und sie ist auch nicht wirklich obdachlos, sondern tut nur so, denn sie benützt die Hauptbücherei  eigentlich nur, um die „Viertagebuchfrau“ neu und umzuschreiben und in der, dem Buch, das ich 2000 über die ersten hundert Tage von schwarzblau schrieb, gibt es ja die Felizitas Fee, die schöneObdachlose und das ist eigentlich auch eine meiner Lieblingsfiguren, obwohl sie zwar im „Frühswtück“ zitiert wird, aber dort nicht wirklich eine Rolle spielt.

Die Fritzi Jelinek und der Theo Hardenberg kommen aber in einigen meiner Bücher vor und ich denke sie haben auch beratende Funktionen, er als Psychiater, sie als Schreibtrainerin und dann gibt es noch die Lisbeth Hahnenpichler aus den „Zwillingswelten“, auch eine meiner Lieblingsfiguren, die könnte als ehemalige Bibliothekarin beim Bücherlesen, den Bücherbergen und den Bücherlisten beraten, kommt aber bisher nur einmal, in dem 2011 geschriebenen Buch vor.

In der „Pensionsschockdepression“, gibt es eine depressive Pensionistin, die Selma Morgenstern, die alle ihre Bücher auflesen will und in Fritzi Jelineks“Roman-Therapiegruppe“ geht und in den „Dreizehn Kapitel“ gibt es eine ähnliche Figur, die allerdings den Namen Laura Augustin trägt.

Man sieht depressive Büchersammlerin haben bei mir Hochkonjunktur, beziehungsweise sind sie Figuren, die mich interessieren und über die ich öfter schreibe und in den „Dreizehn Kapitel“ taucht  auch schon die „Nika, Weihnachtsfrau“ auf, obwohl sie da noch anders heißt.

Der habe ich dann unter dem Namen Nika Horvath einen ganzen Adventkalender gewidmet, und da treffen wir die Fatma Challaki wieder, die syrische Germanistik Studentin, die mit einem Boot zuerst nach Lampedusa flüchtete und dann in den „Prekären Sommerereignissen“ nach Traiskirchen und zu ihrer Brieffreundin Sandra Winter kam.

Lauter Lieblingsfiguren und, wie man sieht, sind sie mit Ausnahme des freundlichen Psychiater Theo Hardenberg alle weiblich und ich will ja immer, wie ich ständig schreibe, als nächstes etwas ganz Neues schreiben.

Meine Figuren holen michalle irgenwie ein und jetzt schwebt mir schon wieder ein depressive Pensionistin im Kopf herum und ich bin nicht sicher, ob ich über sie schreiben will und ob ich mich nicht, wenn ich es tue, nicht schon wieder wiederhole?

Deshalb will ich vor dem nächsten Projekt auch eine ausführliche Recherche einlegen und meine Bücher, wie ich das auch immer gerne tue, auch wieder lesen, vielleicht auch, um damit abzuschließen und mich davon zu distanzieren, aber natürlich könnte ich auch über Janusz Warzinski, auch eine männliche Figur,  Fritzi Jelinekt, die meiner erfolglosen Schriftstellerin, also meinem Alter Ego, das Schreiben beibringt, die Bibliothekarin Lisbeth Hahnenpichler mit den Leselisten und die beiden depressiven Pensionitinnen Laura Augustin und Selma Morgenstern schreiben und jetzt hätte ich den freundlichen Psychiater Theo Hardenberg vergessen und könnte eine Fortsetzung über sie machen.

Aber vielleicht haben meine Leser andere Lieblingsfiguren und vielleicht habe ich jetzt auch etwas vergessen.

In der „Mimi“ taucht ja auch schon eine Büchersammlerin und depressive Lehrerin auf, das sind wahrscheinlich meine Haupt-Lieblingsfiguren, obwohl die Idee zu meiner neuen Protagonistin, eigentlich ein realens Vorbild hat.

Mal sehen, noch bin ich lange nicht so weit, noch schwätze, flüstere, schwadroniere ich darüber in meiner höchst privaten Schreibwerkstatt oder meinem Blogrtikel in dem ich meine interessierten Leser ein wenig in meine Figurenwelt einführen und auf meine nun schon über vierzig selbstgemacht Bücher aufmerksam machen wollte.

2017-04-12

Chiru

Der „Wagenbach-Verlag“ ist unter anderem ein Spezialist in italienischer Literatur. Da habe ich mir vor Jahren im Abverkauf bei der Buchlandung auf der Mariahilferstraße, eine Reihe ein Euro Büchlein gekauft und noch nicht sehr viel davon gelesen.

Der Alfred hat mir einmal einen Spezialband geschenkt und seit einem halben Jahr bekomme ich auch vom Verlag  Bücher angeboten, habe da ein sehr interessantes Debut entdeckt und jetzt auch etwas Italienisches gelesen.

Den neuen Roman der 1972 geborenen Sardin Michela Murgia und ich fühlte mich in die Zeiten eines Alberto Moravia versetzt, von dem ich ja auch einiges gelesen habe und kann nur staunend feststellen, daß die italienische Literatur offenbar etwas Besonderes ist, wo es knarscht und knistert voll geheimnisvoller Erotik, auch wenn die Autorin eine fünfundvierzigjährige Frau ist und in dem Buch Handies, SMS und blaue Fingernägel vorkommen.

Zum Glück tun sie es, denn sonst würde ich mich im Rom eines Alberto Moravia wähnen oder in Sizilien oder bei „Erica und ihren Geschwistern“ und es ist ein Buch mit vielen Fragezeichen.

Noch nie habe ich in eines soviele Fragezeichen hineingemacht, wie in diesen, wo es um die Beziehung einer achtunddreißigjährigen Schauspielerin zu ihrem achtzehnjährigen Schüler geht.

Die, die jetzt wissend nicken und „Aha!“, sagen, kann ich belehren, sie wissen nichts, denn darum geht es nicht.

„Um was geht es dann?“, wird man nun fragen.

Um das Knistern und die Spannung, die geheime Erotik, die heutzugtage vielleicht gar nicht so nötig wäre und auch, um das viele andere, was man nicht braucht oder doch. Doch nattürlich und das ist so wichtig, daß man dafür Lehrer braucht und die Schauspielerinnen sich Schüler halten.

Denn Chiru, der Achtzehnjährige ist Musikstudent, wozu braucht er also eine Schauspielerin als Lehrerin? Für den Sprechunterricht?

Nein, denn dieses Schüler-Lehrertum, von dem ich nicht sicher bin, ob es das tatsäöchlich in Italien gibt oder gab, ist eine Art Mentorentum oder auch nicht wirklich.

Eleonora soll Chiru in das Leben und in die Gesellschaft einführen. Und sie hat im Laufe ihres achtunddreißigjährigen Lebens schon einige solcher Schüler gehabt, drei um genau zu sein und sie waren alle jünger als Chiru. Deshalb ist ihr Ex-Geliebter Fabrizio auch besorgt und rät ihr davon ab, ihn anzunehmen, als sie ihm davon erzählt. Auch das ist etwas was ich nicht verstanden habe, was ist das Risiko daran?

Eleonora, die Ich-Erzählerin ist jedenfalls eine scharfsinnige Frau, die schon als achtjährige, das Unglück dieser Welt erkannte und es gibt ein paar sehr eindrucksvolle Szenen in den Buch, in eben diesen Moravia-Ton, würde ich meinen, die das belegen.

So hat Eleonra mit acht ihre Unschuld verloren, als sie mit Papa und Mama und dem älteren Bruder in dem Dörfchen, wo sie groß wurde, auf ein Fest ging und dort nicht den Eiswagen bekam, den sie sich wünschte, während der Bruder selbstverständlich, die Spritzpistole bekam.

Warum der Vater, das verwehrte habe ich auch nicht verstanden und auch nicht die Bedeutung darum herum.

Eleonora hat sich das Spielzeug aber offenbar selber gekauft, denn es steht jetzt in der Wohnung der erwachsenen Frau und es gibt noch so eine beeindruckende Sezne.

Das ist Eleonora schon über zwanzig, trägt ein schwarzes Kostüm und geht vorsprechen. Nachher wird sie von dem Regisseur zu einem Sushi-Essen eingeladen. Sie hat aber noch nie mit Stäbchen gegessen, kann es nicht, ist ungeschickt dabei, der Fisch fällt auf den Tisch oder auf den Boden und die Peinlichkeit beginnt.

Zwei wirklich sehr eindrucksvoll geschilderte Szene, obwohl mir die Bedeutung darum herum, wohl etwas zu pathetisch war. Denn natürlich muß man in Sardienien erst mit Stäbchen umgehen lernen, wenn man zu Hause mit Spaghetti aufgewachsen ist.

Eleonora entscheidet sich jedenfalls ihren Schülker anzunehmen und geht mit ihm in ein Stoffgeschäft, um ihn die unterschiedlichen Satmsorten anfassen zu lassen. Sie geht mit ihm auch auf Parties und dann geht sie auf eine Tournee nach Stockholm, Prag und noch wo anders hin.

Da soll er eigentlich mitkommen, aber in Stockholm beginnt sie ein Verhältnis mit dem dortigen Operndirektor Martin de Lorraine. Der war schon auf der Party in Italien und Chriu, der nicht wußte, daß er ein Operndirektor war, war unhöflich zu ihm.

Jetzt will der Eleonoras „Patensohn“ zum Vorspielen einladen, sie wehrt aber ab und als sie Chiru in Florenz dann doch trifft, bittet er sie darum und sie nennt das  genauso „ungehörig“, wie ihr damals der Vater den Wunsch nach dem Spielzeug versagte.

Es gibt dann noch eine Schlußszene, wo Eleonora mit dem Direktor in einem Restaurant ißt und Chiro dort mit einen anderen Direktor trifft und den beiden auch das Essen bezahlt und als Martin Eleonora fragt, ob das ihr Patensohn war, schüttelt sie den Kopf und verleugnet ihn.

Es tut mir leid, das war mir wohl zu viel bedeutungsschwangere und zu geheimnisvolle Erotik, beziehungweise eine solche, die ich in Zeiten, wie diesen eigentlich für unnötig und schon überwunden halte.

Vor ein paar Jahren habe ich Alberto Moravias „Romerin“ gelesen, die mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Denn sie spielt ja in einer vergangenen Zeit, wo die armen Mädchen vielleicht wirklich nicht anders konnten, als sich und ihren Körper zu verkaufen.

Vor einem Jahr habe ich „Mimikri-das Spiel des Lesens“ gelesen und da sollte der Roman  erraten, beziehungsweise umgeschrieben werden und ich war erstaunt, als der Autor oder Gastgeber ihn sehr kitschig nannte.

„Nein!“, habe ich gedacht.

„Das war eben damals so!“

Jetzt lese ich einen Roman von einer fünfundvierzigjährigen Frau, die sich genauso in geheimnisvollen Andeutungen übt und lese am Buchrücken, daß das den Kritiker gefallen hat und sie den Roman auch sehr loben.

Ich denke, die Zeit der erotischen Spielchen ist oder sollte vorbei sein und habe vor einigen Jahren auch einen  italienischen Roman gelesen, der einer anderen Tradition entstammte, womit ich mir leichter tat.

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