Literaturgefluester

2017-05-11

Parablüh

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:29
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Cornelia Travnicek, die nun schon dreißigjährige Autorin, deren literarischen Weg, ich von Anfang meines Bloges an ziemlich kontinuierlich verfolge, hat einen neuen Gedichtband geschrieben, auf den ich auf ihrer Facebookseite,  aufmerksam geworden bin.

„Parablüh – Monologe mit Sylvia heißt er“ und ist in einem schönen Cover, weiße Regenschirmchen auf dunkelblauen Hintergrund bei „Limbus-Lyrik“ herausgekommen und damit ist natürlich die berühmte Dichterin Sylvia Plath gemeint, deren „Glasglocke“ ich vor einiger Zeit gelesen habe.

Bernd Schuchter vom Verlag, ein GAV-Kollege, war so freundlich mir das Buch zu schicken, das mich vorerst, ich sage es gleich, einmal verwirrte.

Denn der deutliche Plath- Bezug ließ ja die Vermutung zu, daß die Gedichte gegenübergestellt wären, so daß man  vergleichen beziehungsweise die Unterschiede mitverfolgen kann.

Mitnichten, das Wort Sylvia kommt außer im Titel einmal in dem achtzig Seiten Buch vor.  Dafür gibt es aber ein ausführliches Nachwort mit dem Titel  „Eigensinn und Widerrede“, der Literaturkritikerin Daniela Strigl, die erklärt, daß Sylvia Plaths Gedichtband „The Colossus and Other Poems“, 1960 bei Heinemann in London erschienen ist. Da war sie achtundzwanzig. Zwei Jahre später ist das Buch leicht verändert in New York erschienen und erst 2013 in der Übersetzung von Judith Zander auf Deutsch erschienen.

„Diese zweisprachige Ausgabe“, schreibt Daniela Strigl „bildete die Vorlage für Cornelia Travnices ungewöhnliches Projekt“ und fügt hinz,u daß es sich bei den vierundvierzig oder fünfzig Gedichten,um keine „Nachdichtung, sondern um  „Dichtung“ handelt, so daß man das Buch lesen kann, auch wenn nicht viel über Sylvia Plath und ihr Leben weiß , was aber, wie sie weiteranmerkt, „eine zusätzliche Dimension“ wäre „notwendig ist sie aber nicht“.

Das klingt sehr beruhigend, denn über Sylvia Plaths Leben, weiß ich so ziemlich Bescheid, habe ich ja nicht nur ihren berühmten Roman oder ist es ein Memoir gelesen, sondern auch  Sigrun Höllrigls „Odysseus X“ und könnte mich nun dirket in Cornelia Travniecs Monologpoesie einlassen.

Daniela Strigl scheint aber auch die zweisprachige Gedichtausgabe gelesen zu haben und gibt nun auf einigen Seiten weitere Einblicke in das Buch, beziehungsweise in seine Irrungen und Wirrungen.

So heißt Cornelia Travnices Antwort auf Sylvias Plaths „Colosssus“ in dem die sich mit ihrem Nazi-Vater auseinandersetzte nun „Standbild“ und beschäftigt sich mit der EU „Du sammelst Sterne für dein Banner“ und aus „Two views of a Cadaver room“ ist Cornelia Travniceks „Titelgedicht geworden, in dem es, um einen Dialog mit einer Mutter und einem Kind geht: „Paraplui, sagt die Mutter: Dunkles Blau auch zwischen Regen und sie. Parablüh, sagt das Kind und pflanzt Schirme in die Landschaft.“

Ganz schön verwirrend.

„Was mache ich nun?“, dachte ich  in der Badewanne, besorge ich mir nun die zweisprachige Gedichtausgabe, um zu vergleichen oder lasse ich  das und auch mein Vorwissen weg und  mich naiv in Cornelia Travniekes Monologe ein?

Für das Erstere spricht die Gründlichkeit, denn der Bezug zu der amerikanischen Dichterin, die sich 1963 das Leben nahm, in dem sie ihren Kopf in das Backrohr steckte, während ihre Kinder nebenan schliefen, ist ja schon da, für das Zweite die Bequemlichkeit und ich bin ja eine ungeduldige Leserin….

Also dafür entschieden und die Plath- Bezüge sind trotzdem im Kopf und wer weiß, vielleicht finde ich einmal das Original und dann kann ich mich  dann auf Corneleia Travnices Monologe beziehen, die, wie Daniela Strigl noch anmerk,t nun auch schon dreißig ist, wie es die Dichterin war, als ihr „Koloss“ erschienen ist.

Vierundvierzig Gedichte also und ein letztes langes in sieben Teilen, das bei Cornelia Travnicek „Gedicht für Rauhnächte“ heißt.

Ich kenne Cornelia Travnicek ja  zuerst als Prosaschreiberin, habe die „Asche meiner Schwester“, „Fütter mich“, das jetzt bei „Haymon“ neu herausgekommen ist und von ihren zwei Romanen bisher nur die „Jungen Hunde“, bei denen sie auch beim „Bachmannpreis“ gelesen hat, gelesen.

„Chucks“ muß noch warten und ihre Gedichte sind eher an mir vorbeigegangen, habe eines einmal in ihren Blog, den sie jetzt nicht mehr so ausführlich betreibt, ein anderes, in den „Podium-Lyrik Flyer“ zum „Tag der Lyrik“ gelesen und im letzten Jahr war ich auch in der „Gesellschaft für Literatur“ als dort ihr bei „Berger“ erschienenen Gedichtband herausgegeben wurde.

Jetzt also Lyrik geballt oder die Antworten auf Sylvia und ich kann gleich sagen, es sind sehr lyrische Monologe, in die ich aber, geschuldet  meiner Verwirrung, ich habe das Nachwort zuerst gelesen und später noch einmal, nur langsam und zögernd hineingekommen bin.

Dann ist es mir aber gelungen, den Kopf draußen zu lassen, Sylvia Plath zu vergessen und mich auf Cornelia Travniceks Verse zu konzentrieren, von denen ich hier mit ein paar Beispielen einen kurzen Rundgang durch das schöne blauweiße Büchlein geben möchte, dessen Lektüre ich sehr empfehlen kann, obwohl ich jetzt noch immer nich so weiß, ob man es eher mit oder ohne Sylvia Plath lesen soll.

Die Titelgedichte habeich schon zitiert.

„Ach Sylvia“, heißt es dann auf Seite siebenunddreißig und das ist, wie schon geschrieben, der einzige Plath-Bezug für mich, wenn man von dem Nachwort und dem Unterttitel absieht.

„Der Ausflug ist kurzgehalten, für Reisekrankheit bleibt keine Zeit: vierundzwanzig Bilder lang, wässrig verlaufene Schnappschüsse. Der Herbst ist es, der mit den Fingern durch diese Farben malt. – Weggeschickt hatten: Hochwasser & Touristen“

Bei „Ratespiel“, das, wie Daniela Strigl verrät, bei Sylvia Plath „Hurenlied“,  wird, wie es weiter heißt „das Urteil über die Frau, durch Fragen aufgelöst“:

„Da kommt die Frau, die vielleicht oder vielleicht auch nicht ein selbstbestimmtes Leben führt — Und von der anderen Seite tritt auf: Ein Mann, der vielleicht oder vielleicht auch nicht ein guter ist“

„Es gibt Aufschwung“ heißt es auf Seite einundsechzig:

„Die einen spielen hier seit vierzig Jahren Theater, die anderen jagen Dinosauriern nach – sie reiten eine Spielzeugeisenbahn. Wo früher die Umverteilung geprobt wurde, bräunen sich unzureichend die Schnitzeln.“

Ganz schön kryptisch oder geheimnisvoll poetisch, schön gedichtet, könnte man so sagen und  bei der „Ausgebombten Zeit“, wurde ich ein bißchen an die Bachmann erinnert.

„Hier wurde ein Krieg beendet – Zu sehen dafür sorgen die Bagger“

So geht es weiter und sofort, bis zu den schon zitierten „Rauhnächten“ und, um die poetische Verwirrung noch ein bißchen zu steigern, empfehle ich auf Cornelia Travniceks Seite zu gehen, weil es hier sowohl eine japanische, als auch eine Übersetzung auf Russisch „für alle“ gibt.

Die Buchpräsentation, wo das alles vielleicht ein bißchen genauer erklärt wurde, habe ich versäumt. Da habe ich den „Welttag des Buches“ vorgezogen, jetzt mußte ich mich allein  durch Cornelia Travniceks poetische Sprache lesen, was ich, wie schon erwähnt, mit oder auch ohne Sylvia Plath nur empfehlen kann.

 

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