Literaturgefluester

2017-05-20

Grenzverkehr

Wir leben in Zeiten der offenen oder schon wieder geschlossenen Grenzen, wie man merken kann, wenn man beispielsweise im März nach Leipzig zu der Messe fährt oder, wie ich das im Vorjahr mit dem Alfred machte zu einem Kabarettbesuch nach Salzburg.

Denn seit wir in der EU sind, gibt es ja den Schengenraum und so kann man, was damals sehr gepriesen wurde, innerhalb Europas ungehemmt die Grenzen passieren, kann von Deutschland nach Österreich oder Holland fahren und natürlich selbstverständlich auch umgekehrt und das Schöne ist, man muß auch kein Geld mehr wechseln, braucht den Schilling nicht mehr in DM, Gulden oder Lira tauschen und erspart sich so die Umtauschgebühr.

„Fein!“, könnte eine EU-Gegnerin, wie ich es eigentlich bin, sagen und den ungehemmten Grenzverkehr mit der Erinnerung an die finsteren Zeiten beginnen, als die Zwölfjährige im VW-Käfer  ihrer Eltern mit ihnen nach Deutschland und, ich glaube, auch Holland und nach England zu Onkel Alois und Tante Margret fuhr und  ein vielleicht schlecht aufgelegter Grenzbeamter den Vater das ganze Auto von vorne bis nach hinten ausräumen ließ.

Sehr fein, zum Glück gibt es das alles nicht mehr und man kann ungestört herumreisen und  seine Einkäufe machen. Braucht den eingekauften Wecker oder die Flasche Wein, nicht mehr im Hut oder im Büstenhalter verstecken, wie ich als Schülerin einmal, als Schreckgeschiche von einer Lehrerin erzählt bekommen habe, wie ich mich erinnern kann.

Fein, sehr fein sogar, doch dann kam das Jahr 2015 und die Flüchtlingskrise, die Grenzen wurden von den syrischen Flüchtlingswellen überschwemmt, die Wogen des Unmuts und die schlechte Stimmung schwellte hoch, die Angst kam auf und als wir im Jänner darauf, wie schon erwähnt nach Salzburg reisten, also gar keine Grenze passierten, standen am Bahnsteig, die Grenzbeamten oder Polizisten und ließen sich von denen, die nach Rosenheim oder München weiterfahrenwollten, die Pässe zeigen und zwei Monate später auf der Fahrt zur Leipziger messen, mußten wir zwar keinen Pass herzeigen, die deutsche Grenze aber im Schritttempo passieren und überall standen Grenzer und schauten in das Auto.

Das hat sich, wie man täglich in den Nachrichten hören kann, inzwischen noch verschlimmert. Die Grenzen sind trotz Schengenraum wieder zu, vorübergehend aus Angst von den Flüchtlingsmassen überrollt und verschluckt zu werden verschlossen und dann kam Ruths siebzigster Geburtstag und wir machten uns auf mit unseren Rädern den Bodensee zu umrunden, weil wir ja zehn Jahre früher mit ihr und ihrer Radkarawane von Ybbs nach Regensburg gefahren sind, wo  auch eine Grenze im Schenkgenraum unkontrolliert zu überwinden war.

Und der Bodensee hat, da zu  drei Ländern gehörend, ja auch seinen kleinen oder großen Grenzverkehr und eines davon liegt nicht einmal im Schengenraum und so fuhren wir die letzte Woche lustig von der einen Grenzen zu der anderen.

Passierten sie mit dem Schiff am Rhein gleich mehrmals, weil dieses von Station zu Station zwischen der Schweiz und Deutschland eifrig hin- und herpendelte, wobei sich auch die Frage stellte, wie man seine Konsumation bezahlen soll?

„Nehmen Sie Franken?

„Selbstverständlich!“

Und auf dem Schiff wurde auch darauf Rücksicht genommen mit welchem Geld man zahlte, in der Schweiz, Schaffhausen, Rorschach, etcetera sollte es dann anders sein.

Da kostete das Bier, die Bratwurst und der Kaffee neunzehn Franken und das Wechselgeld betrug selbstverständlich einen Franken, weil man muß ja nicht in Euro zahlen und später wurde auch in Franken retourniert mit dem höflichen Bedauern des Kellners, der Kellernerin, der oder die vielleicht, um ihr Trinkgeld fürchtet, daß es der Chef „Leider, leider!“, so wünschen würde.

Aber dennoch, trotzdem ein kleiner oder großer Greznverkehr und ein erhabenes Gefühl von dem Schiff in Gottlieben auszusteigen, in der Konditorei wo es die guten Hippen gab, einzukehren und da wurde, wenn ich recht informiert bin, der Euro auch in Franken umgerechnet und danach die vier Kilometer auf dem schönen Uferweg an Radfahren und Joggern zuerst vorbei und dann ungeheuert durch die Schweizer Grenze nach Konstanz gegangen, wo wir drei Nächte im schönen City-Hotel übernachteten.

Ein kleiner oder großer Grenzverkehr und wenn man, wie beispielsweise es Erika Kronabitter  einmal tat, in Feldkirch wohnt, hat man die Franken immer in der Tasche, denn der Weg nach Lichtenstein ist ja nicht weit und dort wohnen vielleicht die Kinder, ist der Arbeitsplatz oder man trifft sich beispielsweise zum Muttertag mit der Tochter im Kunsthaus, um dort ein Schälchen Kaffee zu trinken und den dann in Euro oder auch in Franken zu bezahlen.

Ein großer und ein kleiner Grenzverkehr und auch ein schöner Urlaub. Eine schöne Radrundfahrt im Dreiländereck am Dreiländersee und dann wieder nach Hause und die Nachrichten aufzudrehen, um vom Schließen der Greznen, dem Bauen der Grenzzäune und dem Flüchtlingsstop zu hölren und man weiß, der Urlaub ist zu Ende. Man ist wieder da und die Regierung hat sich während der schönen Urlaubszeit zufälligerweise auch umgebildet und Neuwahlen ausgerufen.

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2 Kommentare »

  1. Welcome back. Da habt ihr ja einen schönen grenzüberschreitenden Urlaub gemacht. Ich nehme an, du hast jeden Tag berichtet, da werde ich mich jetzt mal deinen Reisebeschreibungen widmen.

    Kommentar von Margit Heumann — 2017-05-20 @ 17:44 | Antwort

  2. Nein, nur einmal, aber ich habe ein paar Vorarlberg– oder BodenseeBücher, darunter auch deines, gelesen!

    Kommentar von jancak — 2017-05-20 @ 17:46 | Antwort


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