Literaturgefluester

2017-06-22

Der Traum

Als Moritz Lichtenstern erwachte, war er sofort munter, obwohl ihm gleichzeitig, die vergangene Traumsequenz gefangenhielt und bildhaft klar vor Augen stand.

Er hatte von dem 2000 verstorbenen österreichischen Dichter, Ernst Jandl, geträumt, den er in seiner Eigenschaft, als Verleger  mehrmals auf Kongreßen und literarischen Colloquien begegnet war.

Im Traum war der Dichter noch am Leben, aber ungefähr so dement, wie sein Vater und sein Großvater, als sie gestorben waren und, wie offenbar er es insgeheim befürchtete, daß es auch bei ihm so kommen könnte, gewesen und hatte in einer betreuten Wohngemeinschaft gelebt.

Wenn er sich nicht irrte, war er sein Betreuer oder auch ein interessierter Besucher gewesen. Warscheinlich war das Letztere richtig. In seiner Eigenschaft, als Exverleger hatte er den dementen Dichter besucht, der ihm, wie er sich erinnern konnte, freundlich ansah und dann hatte er in seinen Texten gewühlt. Gewühlt oder geblättert, so genaukonnte er das nicht differenzieren. Konnte sich aber an eine Gedichtzeile erinnern, die er ihm vorgelesen hatte, als er beim Aufwachen war.

„Zwischen Erdberg und Brigittenau“, hatte der Text gehießen.

„Zwischen Erdberg und Brigittenau: Kindesmißbrauch, Haß, Gewalt, vergewaltigte Frauen, Liebe nicht oder doch vielleicht zwischendrin gestreut ein kleines Bißchen“.

Er war er mit dieser Verszeile auf den Lippen aufgewacht und hatte eine ganze Weile gebraucht, herauszufinden, ob die Zeile nun ein Text Ernst Jandls oder eine Eigenschöpfung war und damit endlich einmal, ein brauchbares Gedicht, das nicht kitschig war, sich nicht auf Herz und Schnmerz reimte und das er in seiner Eigenschaft, als kritischer Verleger, gelten lassen konnte?

Er mußte nachschauen, ob er wirklich ein Gedicht Jandls geträumt hatte oder, ob er dabei war, eine Wortschöpfung zu kreieren, mit der endlich einmal mit sich und seinem dichterischen Schaffen zufrieden war,“ dachte er, atmete  auf, schüttelte sich durch und stand auf, um im Pyjama in sein Arbeitszimmer hinüberzugehen und den Computer einzuschalten.

In den vielen Bänden Literaturlexika, die es in seinen Regalen gab, konnte er auch nachsehen, un den Urheber seiner Wortschöpfung ausfindig zu machen.

Aber eigentlich hatte er Mathilde anrufen und ihr mitteilen wollen, daß es soweit war und er  nach dem Frühstück mit seinem Bus losfahren und sich von ihr die Antwort abholen wollte, ob sie mit ihm zuerst nach New York zu Lily fliegen und dann mit dem Bus nach Berlin und wenn sie wollte, mit ihm neuanfangen und durch die ganze, halbe oder auch nur einen kleinen Teil der Welt fahren würde und das Gedicht konnte er ihr statt eines Osterei, das  höchstwahrschein ohnehin  ein wenig kindisch wäre, als Geschenk mitbringen, dachte er, stellte das Lexikon mit dem Buchstaben „J“ wieder in sein Regal zurück und begab sich in sein Bad, um sich dort zu waschen und zu rasieren. Sich für die Reise nach Wien zurechtzumachen.
Und er fühlte sich zum ersten Mal seit langen, wie er mit Erstaunen festellte, befreit und ruhig, als hätte er die Schatten der Vergangenheit, die ihn seit Jahren quälten, nun doch ein bißchen hinter sich gelassen.

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2017-06-21

Koreanische Comics

Das dritte Mal Literaturhaus in dieser Woche, ich kann mich gar nicht erinnern, daß ich das jemals drei Tage hintereinander getan habe.

Morgen geht es dann weiter mit der „Lese Auslese“ in der „Gesellschatt für Literatur“ und das ist  diesmal besonders interessant, weil Katja Gasser, die Jurysprecherin des dBps ist. Se wird aber natürlich nicht verraten,was auf ihrer Einreichiungsliste steht.

Stephan Teichgräber hat mir im „Centrope Workshop“ der heute ja das vorletzte Mal stattfand, selbstbewußt geraten, trotzdem danach zu fragen, damit sie sich wichtig fühlt, mach ich natürlich nicht und bin trotzdem neugierig und das Literaturhaus war heute wieder einmal sehr voll.

Überfüllt mitLeuten, die ich außer derAutorammsammlerin und der Crew nicht gekannt habe, gibt es ja, glaube ich, außer mir, kein literarisches Stammpublikum mehr und es wurde, was vielleicht auch ein bißchen ungewöhnlich ist ,ein Comic vorgestellt und da noch ein ganz besonderer und zwar hat, die in Wien und Berlin lebende Journalistin koreanischer Abstammung Vina Yun ein Stipendium für migrantische Kunst und Kulturproduktion gewonnen und die hat sich dann vier Zeichnerinnen gesucht undmit ihrer Hilfe einen Comic oder Graphic Novel über das Leben der koreanischen Krankenschwestern im Wien der Siebzigerjahre gemacht und da muß ich sagen, obwohl ich ja sehr viel im Krankenhausbereich supervidiert und unterrichtet habe, gar nicht gewußt, daß es da koreanische Krankenschwestern gegeben hat, philipiinische und indische wohl und einmal hatte ich auch eine, beziehungsweise ihren Sohn, als meinen Klienen, aber in den Siebzigerjahren wurden, die von der Stadt Wien hergeholt und vorher in Südkorea in einem sechs Wochren Schbnelldeutschkurs ausgebildet und Vina  Yun ist auch 1974, als Tochter koreanischer Eltern, die allerdings nicht Krankenschwester oder Pfleger waren, geboren worden.

„Homestories“ heißt der Comic in zwei Bänden mit einem Poster, der da entstanden ist, und Conny Lee vom FM4, die einen lornischen Vater hat, der, als Art in NÖ tätig war, moderierte.

Vina Yun und die Comiczeichnerinnen Tine Fetz, Patu, Moshtari Hilal und Sunanda Mesquita, die aus Wien, Berlin und Hamburg kommen und alle, glaube ich, keine Koreanerinnen sind, präsentierten, die  Comicbände, die projeziert und vorgelesen wurden.

Dazwischen gab es Musik aus den Siebzigerjahren und in Band eins kommt ein junges Mädchen mit anderen Koreanerinnen nach Wien, wird hier im Schwesternheim willkommen geheißen, bekommt zum Auftakt  Frankfurter Würstchen mit schwarzen Brot, Igit Pfui, zu essen, lernt einen koreanischen Studenten kennen und bekommt von ihm zwei Kinder.

Im zweiten Band wird dann die Geschichte der zweiten Generation erzählt. Dann gabs eine   Podiumdiskussion. Gebärdensprache Übersetzung gab es auch und sehr viele migrantische Kinder durchaus nicht koreanischer Abstammung im Publkum.

Ich interessiere mich ja sowohl für die migrantische Situation, als auch für Comics, habe da nicht viele, aber wohl ein paar gelesen und interessant, in derDokumenttionsstelle für ost europäische Literatur hätte es am Dienstag einen Vortrag über Comics in Osteuropa geben sollen, der um fünf beginnen sollte.

Leider habe ich mir gestern um sechs ein Erstgespräch eingeteilt, als ich mich aber schon darüber ärgern wollte, teilte uns Stephan Teichgräber heute mit, daß der Vortrag ausfällt, ich muß mich also mit den Comics über Korea beziehunGsweise Berlin begnügen, denn von der in Berlin lebenden Tina Fetz, gab es einen über die Berliner Subkultur, gestiftet von der „Lotto Stiftung Berlin“ zur freien Entnahme.

2017-06-20

Maja Haderlap und Juan Villoro auf Espanol und Deutsch

Diese Woche wird es wahrscheinlich dreimal ins Literaturhaus gehen und nach dem ich gestern auf Ausflug in Kroaten war, ging es heute nach Eiselnkappl und Mexiko, aber „En espanol, por favor“, denn das ist ja die Reihe die Enrique Moya mit dem „Lateinamerikanischen österreichischen Literaturforum“ seit 2008 alle zwei Jahre macht.

Zweimal war ich da schon im Literaturhaus und heute wieder, als präsentiert von der Übersetzerin Eva Srna und Enrique Moya zuerst Maja Haderlap, die Kärtner Slowenin und Bachmannpreisträgerin von 2011 und der mir bisher unbekannte meikanische Autor  Juan Villoro präsentiert wurde.

Das letzte Mal kann ich mich erinnern, war die Atmosphäre eher herzlich, weil ich und der Lehrer Christian, dem ich ein signiiertens Buch überbracht habe, gleich von einem der Autoren umarmt wurden und das erste Mal hat Lidio Mosca dort gelesen und es gibt ein Foto das mich mit ihm mit Franz Blaha zeigt, heute stand ich eher isoliert und frustriert herum, obwoh Erich Hackl da war, der im Herbst in der Reihe präsentiert wird und von dem habe ich ja gestern im Bücherschrank „König Wamba“ gefunden, aber das fördert offenbar nicht die Kommunikation und „Engel des Vergessens“ das in Ausschnitten mit dem spanischen Übersetzer präsentiert wurde, habe ich schon gelesen und die Ausschnitte aus den „Mexikanischen Freunden“ des 1956 in Mexiko City geborenen  Juan Villero hat mir nicht so gefallen, obwohl die Leute, um mich herum wieder herzlich lachten und in Entzücken ausbrachen, vielleicht deshalb, aber wahrscheinlich auch darum, weil es mir nicht gefällt, daß da der Proragonist Samuel Katzenstein vom Ich-Erzähler verarscht und veräppelt wurde, denn das ist ein amerikanischer Journalist, der nach Mexiko kommt um dort eine Reportage über das Land zu machen und dabei allen Klischees zum Opfer fällt, in die man nur fallen kann.

Nun ja, nun gut, trotzdem einen interessanten und sogar Deutsch sprechenden Autor kennengelernt, mich ein bißchen in der mexikanisch spanisch sprechenden Gemeinde umgehört und wieder meine Bücherkastenfunde gemacht und morgen, wird es, wie beschrieben wahrscheinlich mit dem Literaturhaus weitergehen, weil da ein Comic vorgestellt  wird. Mal sehen wie es mir da gehen wird.

Von Zoran Ferics Roman zu meinen Fortsetzungsgeschichen

Da habe ich mich ja vor etwas mehr als einem Jahr fast verzweifelt bemüht kroatische Autoren für meinen Kroatienurlaub zu finden, bin nicht besonders fündig geworden, aber jetzt wurde im Literaturhaus, wie Robert Huez in seiner Einleitung sagte, der neueste Roman eines der bedeutensten kroatischen Autoren, nämlich des 1961 geborenen Zoran Feric, von dem ich, glaube ic,h schon ein bei „Folio“erschienenes Buch gelesen habe, vorgestellt.

Er spielt, was auch ein Zufall ist auf der  Insel Rab und beschreibt dort die letzten Jahrzehnte an Hand der Hauptfigur Luca, der seine Sommer, wie sein Autor auf dieser Insel verbringt und dort,als sogenannte Möwe, die Toruistinnen aufreißt.

Also eigentlich ein Matschothema und eines, was vielleicht nicht so sehr die Herzen der älteren Frauen, die bevorzugt im Publkum saßen aufreißt.

Aber ich habe was ein weiterer Zufall war, mein gestreiftes Leiberl getragen, das mir der Alfred in diesem tollen Laden in Trogir kaufte und das Fischkettchen das ich in Split, um die in Dubrovinic gefundenen zweihunder Kuna erwarb und mein Buch meine Kroatiengeschichte hatte ich auch in der Tasche, als ich hinter Annemarie Türk das Literaturhaus betreten habe,mi reinen Platz in der zweiten Reihe suchte und dann Robert Huez eröffnen hörte.

Es lasen der Autor und sein Übersetzer, der 1939 in Sachsen Anhalt geborene Klaus Detlev Olov und für mich ganz besonders interessant, Robert Huez sprach in seiner Eoinleitung von Geschichten, die sich zu einem Roman zusammenfügen würden.

Was ist das?, habe ich gedacht, ist da jetzt ein Roman oder nicht, die ich ja in den „Dreizehn Kapitel“ und auch jetzt immer wieder Experimente darum mache, wie ein Roman entsteht.

Der Übersetzer sprach auch von neun Geschichgten und acht Protagonistien die in ihnen vorkommen nund in den Geschichten, die gelesenwurden kam immer,wieder ein Luca vor.

Zuerst war der ein sechzehjähriger Gymnasiast, der offenbar bei seiner Oma wohnte, nicht essen konnte,weil er an denStrand wollte unddort eine überf ünfzigjährige alte Frau aufriß und dadurch seine Unschuld verlor.

„Ach ja!“, dachte ich,“ ziemlich matschohaft, warum regt sich da unter den anwesenden Damen niemand auf?“

Aber ich habe es auch nicht getan, nur nachher, als ich Fragen stellen konnte, gefragt, ob das jetzt ein Roman wäre oder nicht und der Autor hat mir sehr lang und ausführlich darauf geantwortet, es sind neun Geschichten, die man einzeln lesen kann, aber durch den Ort, den Raum und die Zeit miteinander verbunden wären und bei der zweiten Geschichte, die gelesen wurde, war Luca schon fünfzig und ein Schriftsteller.

Aha, ein Alter Ego des Autors und reist mit seiner  Lektorin nach Polen, weil er einen Roman geschrieben hat, der um die erfundenen Kinder von Prostituierten handelt und einen zweiten, wo einer eine Zeitlang nur von Hostien lebt und die daraus erstehendende Scheißte dann zu einem Kunstwerk macht.

Aha, also eigentlich auch nicht sehr erfreulich und appetitlich!

Der Autor war aber sehr freundlich, hat geduldig Auskunft gegeben, wie er zu dem Thma gekommen ist, er hat seine letzten vierzig Sommerauf der Insel  Rab verbtracht und, wie das mit dem Interview ist, das auch im Buch vorkommt.

Beim Wein bin ich dann auf Helene Hofmann gestoßen, die mir sagte, daß ihr das Buch aus den oben angeführten Gründen nicht gefallen hat. Sie hat das dann auch dem Autor gesagt, der darüber sehr erstaunt war und meinte, daß er natürlich keine Matscho wäre und ich habe mich darüber nicht geärgert.

Vor zehn oder fünfzehn Jahren hätte ich es wahrscheinlich noch getan und meinen Unmut  geäußért, jetzt hat mich Zoran Ferics Geschichten-Roman auf eine Idee gebracht, weil ich ja jetzt auch Fortsetzungsgeschichten schreibe, die ein Roman werden sollen und von Donnerstag bis Samstag dann meine Juni zehn Geschichten Challenge erfüllte. Jetzt habe ich also vierzehn oder fünfzehn Fortsetzungsgeschichten, je nach dem ob man „Angekommen“ mitgrechnen will, die eigentlich davon handelt, da?die Studentin Slavenka Jagoda ein Stipendium bekommen hat. um die Nichtnobelpreisträgerin E, J. zu erforschen, die ich aber inzwischen nach N. Y ins dortige Kulturinstitut schickte, wo sie Lily vielleicht bei ihrem Blogroman assisieren kann.

Am Donnerstag und am Samstag habe ich also sehr intensiv Geschichten zu Annika Bühnemanns Impulsen verfasst, am Samstag war ich da besonders aktiv und habe fünf Texte geschrieben, die inzwischen nach und nach alle erschienen sind, war dann etwas unzufrieden, als ich merkte, kein Hahn kräht danach und keiner meiner Leser sieht sich das an oder kommentiert darauf.

Außerdem war mit der letzten Geschichte, der „Vergangenheitbewältigung“ auch nicht so ganz zufrieden und habe gesdacht, jetzt wei? ich nicht mehr weiter und habe mir am Sonntag, wo auch der Alfred zurückgekommen ist, die Geschichten nochmals durchglesen, festgestellt, da sind sowohl Flüchtigkeitsfehler, als auch Ungereimtheit darin, also ist jetzt Natalies Praxis in der Tautenzien- oder in derNollendorfstraße und wie ist Moritz Lichtenstern nach Wien zu Natlies Begräbnis bekommen mit dem Flieger oder dem Bus?

Das habe ich jetzt korrigiert und festgestellt, eigentlich bin ich mit dem Text fertig und aus dem langen Roman, den ich  im Juli und im August im Rohtext fertig stellen und dann bis Enbde Oktober korrigieren wollte, damit ich im November wieder beim „Nanowriomo“ mitmachen kann, ist eher eine kurze Geschichte geworden, die noch dazu nicht einmal alle von mir geplanten Personen umaßt, so kommt der Mehmet nur in seiner Eigenschaft als Kellner in der Pizzeria vor, der Dusan Halkic, der budhistische Hausmeister, gar nicht.

Das heißt, jetzt ist mir gerade eine Szene eingefallen, die ich ohne Impuls schreiben könnte und Lilys Blogroman ist auch nur nebenbei erwähnt.

Das heißt, ich bleibe bei meinem Vorsatz bis Ende des Monats noch Geschichten zu schreiben und in meinen Blog zu stellen, wenn sich das ergibt, was vielleicht gar nicht mehr so oft sein wird, denn am Wochenende is twieder Sladky wandern, nächste Woche kommen die Hundertmarks, Praxistermine habe ich auch nicht so wenige und abrechnen mußich zu Monatsende auch und dann gehe ich mein Konzept durch, drei Szenen fallen mir da noch ein, eine mit derLily, wie sie Moritz anruft, dann die Schlußszene Mathilde entschließt sich mit Moritz um die Welt zu fahren und bittet den Hausmeister diesbezüglich auf die Zeitungen zu achten und da fällt mir ein, daß ich die beiden Szenen auch verbinden könnte.

Nun sei es, wie es sei, ich werde das Gehabte durchgehen und ergänzen wieder versuchen den Monsterroman daraus zu machen und wenn wir das wieder nicht gelingt und ich bis Ende August damit fertig bin und dann so zwischen vierzig und fünzig Rohtextseiten haben werde, kann ich im September und Oktober noch immer Lilis Blogroman schreiben und das als zweiten und vielleicht beim Nanowiromonoch einen dritten Teiul anfügen.

Mal sehen, wie es kommt, ich bin jedenfalls recht zufrieden und auch gespannt und wenn sich jetzt noch meine Leser für mein Romanprojekt interessieren sollten, würde mich das sehr freuen!

2017-06-19

Vergangenheitsbewältigung

Auch Mathildes Hände zitterten, als sie, nachdem sie sich von Moritz verabschiedet hatte, in ihre Wohnung gegangen war und als erstes in ihr Schlafzimmer ging, wo auf dem kleinen Schminktischchen vor dem Fenster, in einer kleinen Vase mit der längst vertrocknenen Valentinsrose stand.

Sie nahm sie hoch, sah sie an und schüttelte den Kopf. Daneben lag der Brief, den ihr Natalie durch ihren Anwalt geschickt hatte. Der Partezettel lag in ihrer Handtasche. Sie war, weil es Lily wollte und nicht aus eigenem Antrieb zu dem Begräbnis gegangen, hatte dort Moritz getroffen, mit ihm in der Pizzeria zwei Gläser Rotwein getrunken und energisch den Kopf geschüttelt, als Gusiseppe-Mehmet sie neugierig angesehen hatte und von ihr wissen wollte, ob der elegante Herr, der Freund der Signora sei?

Das nein, das nicht, das war völig ausgeschlossen. Wenn sie Berlin damals nicht so überstürtzt verlassen hätte, wäre er bald ihr Chef geworden oder auch nicht, denn da hätte sie ihn wahrscheinlich geheiratet und, um eine gute Mutter zu werden, für die nächsten Jahre den Verlag verlassen. Also ihr verhinderter Ehemann oder ihr Schwager. Ihr Exschwager natürlich.

Alles was er wollte, aber das ging, den jungen Kurden und Medienstudenten  nichts an und Moritz wollte in sechs Wochen wiederkommen und mit ihr mit einem orangen Bus, dessen Bild er ihr gezeigt hatte, durch die Welt reisen und sie wußte nicht, ob sie das wollte, merkte, das ihre Finger noch immer zitterten und dachte „Das ist doch verrückt!“

Vollkommen verrückt! Stellte die Vase wieder auf das Kosmetiktischchen und setzte sich auf den Sessel, der davor stand. Jetzt konnte sie wenigstens nicht umfallen und ihre Gedanken ordnen oder Lily anrufen , die sicher wissen wollte, ob die Mutter auf dem Begräbnis gewesen war?

Sie war dort gewesen, hatte Moritz wiedergetroffen und von Natalie einen Brief bekommen, in dem sie sich bei ihr entschuldigt hatte. Egentlich war es ein netter Brief gewesen, den die Schwester ihr geschrieben hatte, ein um Verzeihung bittender und versöhnlicher. Die Schwester war in der letzten Phase ihres Krebses in sich gegangen, hatte sich entschuldigt und Mathilde wußte auch hier nicht, ob sie verzeihen wollte?

Einer Toten darf man nichts Schlechtes nachsagen, mußte ihr verzeihen! So hieß es doch, so hatte sie es in der Schule und auch sonst im Leben gelernt, aber auch da wußte sie nicht, ob sie das wollte. Oder doch, sie wollte es nicht!

Deshalb hatte sie der Schwester auch keine Rose in das Grab nachgeworfen, weder die vertrockenete, die ihr Moritz vor fast einunddreißig dreißig Jahren schenkte, bevor die Schwester ihn ihr gestohlen hatte, noch eine  neu gekaufte. Sie war blumenlos auf den Friedof gekommen und auch nur, weil sie Lily versprochen hatte, das zu tun und sie verzieh Natalie nicht,  das war sicher, denn es war  wirklich infam gewesen, was die getan hatte und Moritz würde das von ihr auch nicht fordern. Ganz egal, ob sie in sechs Wochen  mit ihm und seinen Bus nach New York fahren würde oder nicht.

Aber mit einem Bus konnten sie nicht übers Wasser reisen. Damit konnten sie  höchstens nach Berlin fahrenund die Orte des damaligen Geschehens wieder aufsuchen. Aber Lily wollte ihren Vater kennenlernen. Hatte das  schon angedeutet, daß sie das auf jeden Fall tun würde.

„Ganz egal, ob du damit einverstanden bist oder nicht Mutter!“, hatte sie  versichert und sie war auch einverstanden. Hatte nichts dagegen und sollte Natalie für ihren Mut der letzten Stunde, die Sache doch noch aufzuklären, eigentlich dankbar sein. War es aber nicht. Nein, sie würde weder ihr, noch den Eltern  verzeihen, dachte sie erneut und merkte, daß sich ihre Finger ineinander verkrampften.

„Laß, das Math!“, dachte  sie.

„Laß dir Zeit!“ und zuckte noch einmal zusammen, als sie bemekrte, daß sie die Abkürzung verwendet hatte, die Natalie immer gebraucht hatte, wenn sie sich über sie lustig machen hatte wollen, was, wie sie sich ebenfalls erinnerte, sehr häufig vorgekommen war, denn Natalie hatte keine Gelegenheit ausgelassen, auf ihre Vormachtstellung hinzuweisen.

Einmal, daran konnte sie sich jetzt  erinnern und es trieb ihr vor Scham immer noch das Blut in den Kopf, so daß sie sicher so rot geworden war, wie es ihr damals passierte, war es besondern arg gewesen. Sie mußten zehn, elf oder zwölf Jahre alt gewesen sei. Es war ein Sonntag gewesen und sie waren im Wohnzimmer, um den Tisch bei der Nachmittagsjause Kuchen gesessen. Die Großeltern, die damals noch lebten, waren auf Besuch gekommen und hatten für jede von ihnen ein Geschenk mitgebracht. Sowohl sie, als auch Natalie hatten eine Schachtel Katzenzungen  bekommen, was Natalie, als sie sich schon darüber freuen wollte,  zu einem spöttischen Lächeln und der bissigen Bemerkung „Siehst du, Math, du bist gar nicht so benachteiligt, wie du immer behauptest, du bekommst doch auch etwas geschenkt!“, veranlaßt hatte. Dabei hatte sie laut und höhnisch aufgelacht, was ihr das Blut in die Wangen getrieben hatte, so daß sie um ihre Gefühlsanwallung zu verbergen das Zimmer verlassen hatte und aufs Klo gelaufen war.

Dort hatte sie, als sie ihr Geschäft erledigt hatte, versucht sich zu beruhigen,  hatte sich die Tränenspuren aus dem Gesicht gewischt, die Haare gekämmt und die Hände gewaschen und war mit dem Vorsatz ins Zimmer  zurückgegangen, sich bei den Großeltern besonders zu bedanken und ihnen zu sagen, wie sehr sie sich über ihr Geschenk freue, weil Katzenzungen ihre Lieblingssüßigkeit seien.

Es war aber wieder einmal, schlimmer als gedacht gekommen, hatte sie in ihrer Wut doch nicht bemerkt, daß ein Teil ihres Kleides in der Unterhose stecken beblieben war, was Natalie, die das natürlich sah, erst recht zum Lachen und zum Ausspruch „Zieh dich doch erst ordentlich an, Math, bevor du dich über uns beschwerst, könnte doch die Großmutter denken, daß du dich nicht benehmen kannst und svchlecht erzogen bist !“, was ihr sofort wieder das Blut auf die Wangen getrieben und ihr die Katzenzungen, wie sie sich erinnern konnte, so sehr verleideten, daß sie nie wieder welche gegessen hatte.

„Laß das, Math und zieh dich ordentlich an, sonst könnte die Großmutter denken, du kannst dich nicht benehmen!“, hatte Natalie gesagt und sich vor Lachen geschüttelt. Dann war sie aufs Gymnasium gegangen, hatte Medizin studiert und ihr in Berlin Moritz weggeschnappt und sie sollte sich beruhigen, verzeihen und die Vergangenheit ruhen lassen, um zu zeigen, daß sie gut erzogen war?

Aber  nein,  nichts davon, sie würde es nicht lassen und auch nicht verzeihen,  dachte  Mathilde nun entschloßen, atmete tief durch und stand auf, um ins Vorzimmer hinausgegangen war, den Mantel auszuziehen und die Schuhe abzulegen und sich dann ins Bad begeben, um sich für die Nacht zurechtzumachen.

„Laß das Math!“, hatte Natalie gesagt und immer darauf hingeweisen, daß sie nur Gast in ihrem Zimmer war, geduldeter Gast bei ihren Eltern war, weil sich die nur ein Kind leisten konnten und das Zimmer deshalb ihr gehörte und jetzt war sie übergeblieben, hatte aber jetzt schon lange ein Zimmer und sogar eine Wohnung für sich allein.

Hatte dies schon über dreißig Jahre und war heute Moritz wiederbegegnet, der mit ihr in sechs Wochen mit einem orangen Bus durch die Welt reisen wollte, während Natalie gestorben war und sich infolgedessen niemals mehr über sie lustig machen konnte. Die Vergangenheit war vorbei und das Leben ging weiter.  Sie konnte, wenn sie wollte, mit Moritz von vorne anfangen. Konnte Natalie verzeihen oder aber auch ihr auf ewig böse sein. Konnte auch den Zipfel ihres Nachthemdes in ihre Unterhose stecken und auch wieder Katzenzungen essen.  Natalie würde niemals mehr darüber lachen und sie wußte nur nicht, ob sie sich darüber freuen sollte, aber auch da konnte sie sich Zeit lassen und mußte das noch nicht heute entscheiden.

Schneeflockentreiben

Moritz Lichtenstern hatte sich, nachdem er sich angezogen, rasiert, gewaschen und seinen Morgenkaffee getrunken hatte, an das Fenster gestellt, sah den glitzernden Schneefloscken zu,  die vor seinem Fenster tanzten und schüttelte den Kopf.

War es doch schon Ende Februar und er hatte eigentlich gedacht, der Winter wäre vorbei. Der Frühling würde bald anbrechen und er konnte seinen orangen Kleinbus aus der Garage nehmen und mit ihm…

Ja was wollte er damit? Durch die Welt fahren, Afghansitan, Pakistan, aber auch China und Indien hatte er bereisen wollen, als sie ihm vor zwei Jahren  mit einer Gedichtgesammlung in Pension geschickt hatten, weil man ihn im Verlag nicht brauchte. Damals war ihm auch die Idee mit dem Kleinbus und der Weltreise gekommen, wenn er sich nicht irrte, war es Egon, der  Lyriker und ein guter Freund von ihm war, gewesen der ihn auf diese Idee brachte und er hatte sie für gut gefunden und sogar schon erste diesbezügliche Pläne gemacht. Das war zwei Jahre her und seither war nur  in Wien und auf Natalies Begräbnis gewesen, hatte das Bild von dem Bus  auch Mathilde gezeigt und sie gefragt, ob sie mit mitkommen werde?

„Laß uns abhauen, neu beginnen und die Welt anschauen!“, hatte er gesagt und sie hatte ihn verwirrt anblickt, den Kopf geschüttelt, nach dem Glas Wein gegriffen, das ihr der junge Kellner mit den dunklen Locken, der, wenn er sich nicht irrte, eine Kurde oder Türke war, obwohl er mit einem italienischen Namen gerufen wurde, hingestellt hatte, es hochgehoben und „Laß mir Zeit, Moritz!“ geantwortet.

„Ich fürchte, ich kann nicht so schnell begreifen, ist doch soviel passiert und das, was mir Natalie geschrieben hat und durch ihren Anwalt schickte, hat mich auch sehr verwirrt!“

Er hatte genickt,  verständnisvoll nach ihrer Hand gegriffen „Natürlich!“, geantwortet und behauptet,  daß er das  verstehe und ihr selbstverständlich Zeit lassen würde. Jede Zeit der Welt, die sie brauchte, daß er aber gern seine Tochter  kennenlernen würde und da er  schon fast zweiundsiebzig war, hatte er vielleicht diese Zeitfülle  nicht mehr und so schlage er vor, daß sie sich sechs Wochen Zeit lassen sollten und er in der Karwoche wieder kommen würde, um sie nach ihrer Entscheidung zu fragen.

Da hatte sie wieder genickt und war wahrscheinlich froh über diesen Aufschub gewesen, denn sie hatte geantwortet „Gut, Moritz, machen wir das so!“ und  noch hinzugefügt, daß sie froh über Natalies Brief wäre, sich über das Wiedersehen freue und Lily sicher gerne ihren Vater kennenlernen würde.

„Denn weißt du!“, hatte sie gesagt.

„Sie hat in der Pubertät eine sehr rebellische Phase gehabt und,  um jeden Preis deinen Namen herausbekommen und mit dir in Kontakt treten wollen! Aber was sollte ich ihr sagen? Daß ihr Vater, der Ehemann ihrer Tante Natalie ist, wollte ich ihr nicht verraten und so ist diese Zeit sehr schwierig für uns gewesen, wollte ich sie doch nicht enttäuschen und wußte auch, daß jedes Kind seinen Vater braucht, aber da bei uns die Verhältnisse so schwierig lagen-!“, sagte sie und brach ab.

„Natürlich, Mathilde!“, hatte er geantwortet und wieder nach ihrer Hand gegriffen.

„Ich fürchte, ich bin selber schuld an dieser Geschichte, weil ich ein solcher Trottel war!“

Sie hatte den Kopf geschüttelt, ihre Hand der seinen entzogen und hinzugefügt, daß Lily, weil sie sich nicht an ihren Vater wenden konnte, sogar Kontakt mit ihrer Großmutter aufgenommen und sich mit ihr angefreundet hatte.

„Aber die konnte ihr die Antwort auch nicht geben, hatte sie ja keine Ahnung, daß du ihr Vater bist! Sie scheint aber Schuldgefühle gehabt zu haben, hat sie sich doch, um Lily mehr als, um mich damals gekümmert!“, sagte sie und brach wieder ab, was ihn, wie er sich erinnern konnte, ratlos und unsicher machte, war es doch wirklich eine äußerst verrückte Geschichte, in die er durch Natalie hineingeraten war und Mathilde hatte sie  in doppelter Ausführung erlebt.

„Da war ich von Natalie  schon längst wieder geschieden!“,hatte er so nach einer Weile hinzugefügt.

„Denn weißt du, unsere Ehe hat nur drei Jahre gedauert und sie war eigentlich gar nicht, als solche zu bezeichnen, hatte ich doch seit der Erkenntnis an meinem Hochzeitstag, daß ich, ohne es zu merken, die falsche Frau geheiratet habe, Schwierigkeiten aus ihr wieder herauszukommen und brachte es nicht zusammen, gleich wieder die Scheidung einrzureichen, weil ich im Verlagt, bei meiner Familie und meinen Freunden nicht, als Vollidiot dastehen wollte. Ich weiß nicht, ob du das verstehen kannst!“, sagte er und jetzt war er es, der sein Glas erhob, sie hilflos ansah und den Kopf schüttelte.

„Warum hast du mir  nie  davon geschrieben, daß du Lilly bekommen hast! Das hätte mich wahrscheinlich eher zu einer Entscheidung veranlaßt?“, fügte er in der selben Hilflosigkeit hinzu und war über ihre schüchterne Antwort, daß sie das nicht gekommt hatte, nicht verwundert.

„Natürlich!“ antwortete er.

„Die Schuld liegt eindeutig bei mir! Ich hätte nicht so blöd sein dürfen, mich von Nataie auf der Straße ansprechen und verführen lassen, weil sie damit recht hatte, daß ihr trotz eurer vordergründlichen Ähnlichkeit sehr verschieden seid und ich den Irrtum merken hätte müßen!“, sagte er und dann noch, daß er keine andere Entschuldigung hätte und sie auf diese Art und Weise dreißig Jahre ihres Lebens verloren hätten, die sie jetzt durch Natalies Brief wieder gut machen könnten.

„Und ich wünsche mir sehr, wir würden das tun und könnten mit oder ohne meinen Bus neu anfangen! Was meinst du, Mathilde? Es war doch damals zwischen uns allles in so schöner Ordnung und  hat so gut begonnen und ich weiß nicht, ob du es mir glaubst, daß ich damals die schönsten Zukunftspläne in diese Valentinsrose steckte-! Aber ich weiß schon, du wirst mir antworten, daß es meine Schuld ist, daß es nicht weiter ging!“, wiederholte er, brach wieder ab und war froh, daß sie den Kopf schüttelte und sagte, daß sie die Rose noch habe und sie oben in ihrer Wohnung in einer Vase stünde.

„Sie hat meine überstürtzte Flucht nach Wien überlebt“, sagte sie fast mädchenhaft schüchtern mit geröteten Wangen, lud ihn aber nicht ein, in ihre Wohnung mitzukommen und das Beweisstück anzusehen, sondern verabschiedete sich von ihm und er war in sein Hotel gegangen, hatte die Nacht dort geschlafen, war am nächsten Tag, wie geplant nach Berlin zurückgefahren und jetzt stand er  vor seinem Fenster, sah dem winterlichen Treiben der Schneeflocken zu und überlegte, daß es noch sechs Wochen bis zur Karwoche waren, wo er wieder mit den Bus nach Wien fahren und sich Mathildes Enscheidung abholen konnte. Bis dahin mußte er warten, daß heißt er konnte nach New York telefonieren und Lily, seine Tochter, anrufen.  Hatte das auch schon  getan und mit ihr einen vagen Besuch nach Ostern vereinbart.

„Entweder mit oder ohne deine Mutter!“, hatte er gesagt.

„Ich komme auf jeden Fall dich besuchen und möchte dich kennenlernen, würde am liebsten aber deine Mutter dabei haben, ich hoffe du verstehst das!“, hatte er gesagt und sie war einverstanden gewesen und hatte salopp „Natürlich, Pa, auf die paar Wochen kommt es auch nicht mehr an!“, geantwortet, was ihn wieder daran erinnerte, daß er vielleicht nicht mehr so viel Zeit hatte. Er stand knapp vor seinem zweiundsiebzigsten Geburtstag. Sein Vater war fünfundsiebzig, der Großvater knapp achtzig geworden und beide waren zu ihrem Todesdatum senil, beziehungsweise dement gewesen oder wie man diesen Zustand sonst noch nennen konnte.

„Alzheimer Deasease!“, hatten es die Ärzte genannt und er hatte den heimlichen Verdacht, daß es bei ihm auch so kommen konnte. Hielt das Zittern seiner Finger, das ihm morgens manchmal quälte,auch für Parkinson. Schüttelte dann wieder den Kopf, nannte sich einen Träumer und Hypochonder und war zu feig noch  einmal zum Arzt zu gehen und diese Diagnose feststellen oder dementieren zu lassen.

Der Vater und der Großvater waren beide an Demenz verstorben und er war von seinem Verlag, zu dessen Leiter er es nach der Scheidung von Natalie sehr bald gebracht hatte, pensioniert worden, hatte sich auf Anraten seines Freundes Egon einen Bus gekauft, um damit um die Welt zu reisen und es bisher nicht getan, weil es Reisewarnungen für Länder, wie Afghansitan, Pakistan oder Syrien gab und er nicht so einfach nach Italien oder Frankreich reisen fahren hatte wollen und es ihm, als der Idiot, der er offensichtlich mit oder ohne Alzheimer und Parkinson war,  nicht einfiel, das Naheliegenste zu tun und mit  Bus nach Wien zu Mathilde zu fahren, aber  in der Karwoche würde er das tun! Das hatte er sich fest vorgenommen, dachte er und merkte mit Befriedigung, daß es zu schneien aufgehört hatte.

2017-06-18

Bücherparty

Filed under: Büchergeschichten — jancak @ 22:11
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Nachdem ich gestern fünf Fortsetzungsgeschichten, beziehungsweise fünfmögliche Kapitel meines Mathilde- Projektes geschrieben habe, die schon erschienen sind oder noch erscheinen werden, möchte ich mich heute wieder dem anderen für mich wichtigen Blogthema, nämlich dem Lesens widmen und da lebe ich nicht nur in einer „Bibliothek“ beziehungsweise zwischen Bücherregalen und aufgestapelten Bühcherwänden, ich habe auch meine Leseliste und fülle beides mehr oder weniger regelmäßig mit Funden aus den offenen Bücherschränken, die ich mehr oder weniger regelmäßig frequentiere, auf.

Im Schnitt lese ich drei Bücher in der Woche, meistens morgens in der Badewanne und wenn ich zu keiner Veranstaltung gehe auch am Abend und ich bin, wenn man das so nennen möchte, derzeit ein wenig im Streß, meine ohnehin schon sehr reduzierte Leseliste zu schaffen, da ich ja, glaube ich, von März bis Mai nichts, als Frühlingsrezensionsexemplare und dabei ein paar wirklich sehr schöne und interessante Bücher gelesen habe, mich jetzt bis cirkca Mitte August  meinen Leselisten-SUB widmen kann, denn dann kommt  schon wieder die nächste LL, die österreichische und die deutsche undda werde ich ja wahrscheinlich wieder anfragen und lesen und bei paar Herbstvorschauen sind bisher auch zu mir gekommen und da habe ich auch ein paar Wünsche geäußert, so daß es wieder knapp oder leseintensiv werden kann.

Aber mit meinen Geburtstagsbücher von 2016 bin ich jetzt durch und in meiner Strohwitwenzeit, die jetzt ja schon beendet ist, habe ich diesmal zwar keinen Pfingstlesemarathon eingeplant aber am Freitag davor eine sogenannte Bücherkastentour und da einiges für mich sehr Interessantes gefunden. Das ich in meiner jetzt improvisierten ganz privaten Bücherparty gerne durchschauen will.

Ich war ja  am Freitag auf einer Schundheftparty aber da habe ich mir sowohl den Abomenntbezug, als auch das Hefterln schnorren tapfer verkniffen, denn ich habe ja nicht nur genug, sonder ziemlich sicher sogar viel mehr, als ich lesen kann und in den Bücherblog ändern sich da auch die Meinungen.

Habe ich da früher immergehört, daß es Spaß macht zu sammeln und, daß man Bücher niemals unter gar keinen Umständen hergeben soll, sprechen die jetz tauch schon von Loslassen und Minimalisieren, belächeln die, also auch mich, mit dem zu großen Sub und lesen, wie ich allgemein merken kann, viel weniger.

Das tue ich wahrscheinlich auch und habe auch heute den ganzen Tag geschrieben und hatte da in der Badewanne bei meinem eigenen Bücherlesen, das ich ja parallel betreibe, gerade nur das „Haus“ wiederlesen und vom Viktor Klemperer „Warum soll man nicht auf bessere Zeiten hoffen“, eines der wenigen Rezensionsexemplare, das ich in diesem Monat bekommen habe, die Herbsterscheinungen kommen ja erst.

Viel weniger, als geplant, aber bei meiner Bücherkastentour vor zwei Wochen,  war ich fündig, da hat es vor allem, was ich sonst viel weniger erlebe, bei dem am Zimmermannplatz, jemanden gegeen, der, während ich dort gesessen bin und meinen beim Mc Donald`s gekauften Kaffee trank, sowohl ein Buch über die „Fünfziger und die Sechziger Jahre“, als auch eines über die „Wilden siebziger Jahre“ hineingelegt und in beiden kann man  sehr gut blättern, obwohl, das über die Fünfziger und die Sechziger, weil bilderreicher, interessanter ist und in dieser Zeit wurde ich geboren und bin auch in die Schule gegangen und so interessieren mich die Bilder von den jungen Mädchen in den knappen Caprihosen und den Hulareifen, um die Hüften ganz besonders und interessant, vorhin in der Badewanne, habe ich ja im „Haus“ gelesen und da kommet der Hulafreifen auch darin vor.

Am Zimmermannplatz habe ich auch ein Buch gefunden, mit dem ich mich, wenn ich nicht nur gern die eigenen Texte lesen würde, mich für den nächsten „Katzenfasching“ des Lesetheaters, wenn es den noch gibt, anmelden könnte, nämlich ein Buch mit Katzentexten, die von Elfriede Ott, der Doyenne und Lebensfrau von Hans Weigel unter dem Titel „Katze was schnurrst du“, gesammelt wurde.

Dann bin ich ja über die Lerchenfelderstraße nach Hause gegangen und habe mir dort in der verstauben ein Euro- Kiste der kleinen Buchhandlung die es dort gibt, das Leseexemplar von „Das geträumte Land“ von Imbolo Mbue, das ich auf den Blogs öfter gesehen habe, gekauft und Cornelia Travniceks „Junge Hunde“ liegen lassen, denn das war das Weihnachtsbuch vor zwei Jahren und daher  schon gelesen.

Richtig fündig wurde ich aber beim „Wortschatz“ erst zwei Tage später als ich mich mit der Ruth bezüglich unserer Büchertour in die Brandmayergasse begeben habe und dort am Hinweg Uwe Tellkamps,Dresdner Erkundungen „Die Schwebebahn“ und am Rückweg dann noch Amoz Oz „Judas“, das glaube ich, 2015 den „Leipziger Buchpreis“ bekommen hat. Da lag dann noch Ayelet Gundar-Goshen „Eine Nacht Markowitz“ im Schrank und deren „Löwen wecken“, das damals auch sehr besprochen wurde, steht jetzt auf meiner Leseliste und  werde es demnächst lesen.

Spannend, spannend sich so durch seinen SUB zu wühlen, mir jedenfalls macht das großen Spaß, obwohl man bei den Book-Tubern schon Diskussionen hören kann, wie groß ein Sub sein soll oder darf?

Eine müßige Diskussion, wie ich finde, denn man hat ja nie alle Bücher gelesenund da ist es egal, ob ich sie im Regal stehen habe oder nicht.

Habe ich sie im Regal, kann ich sie, wie jetzt, jederzeit herausnehmen und darin schmökern, ein Kapitel lesen oder mir vornehmen, das Buch im nächsten Jahr auf jeden Fall zu lesen. Das gibt es bei den Booktubern auch einen Tag, wo sie sich ihren SUB hernehmen und dann entscheiden, was sie als nchstes lesen werden.

Nun da bin ich durch meine Leseliste ein wenig vorbestimmt, werde aber als nächstes, wenn nicht schon die Herbst- Rezisonsexemplare dazuwischen kommen, Barbara Frischmuths Ferienfamilie und Andreas Okopenkos „KIndernazi“ lesen und ein Bilderbuch, wo man sich durch  durch das Leben von Jane Austen blätten kann, habe ich in dem englischen Delkiatessengeschäft, das auch eine Bcherkiste hat, in dem man aber manchmal auch Suppendosen oder Schokoladewürfel findet, auch gefunden.

Spannend spannend und während ich mich so durch meinen Sub wühle, die Dresden  Bilder von Uwe Tellkamp durchschaue, die ich ja brauche kann, während ich den Klemperer lese, mache ich mir schon ein paar Gedanken, was da vielleicht demnächst au den Longlisten stehen wird, wo ja Katja Gasser bei der deutschen LL diesmal den Vorsitz hat und die macht Ende Juni mit Cornelius Hell in der „Gesellschaft für Literatur“ ja auch wieder ihre Leseempfehlungen und da hoffe ich ja sehr daß Zaimoglus „Evangelio“, sowie Olga Gjrasnowas „Gott ist nicht schüchtern“ auf der Liste steht, sowie JuliaWolfs „Walter Nowak bleibt liegen“ vielleicht, denn das habe ich schon gelesen und was die österreichische Liste betrifft, da bin ich besonders ratlos, beziehungsweise, denke ich, daß ich da wahrscheinlich nicht sehr viel gelesen haben werde, obwohl ich mich ja regelmäßig durch die „Kremayr und Scheriaus Debuts“ lese, aber die stehen vielleicht nicht darauf und es die „O Töne“ zu dem ich durch Alfred Altersteiltzeit auch heuer wieder gehen werde, gibt.

Also spannend spannend, das Lesen und das Schreiben und ich habe in meiner Strohwitwnzeit auch wirklich viel gelesen, ein paar neue Bücher nach Hause gebracht und natürlich mich mit meinen Fortsetzungsgeschichten eingeschrieben und da kann ich gleich vermelden, daß ich damit sehr zufrieden bin.

Erkenntnis am Hochzeitstag

Dann setzte die Musik ein und die Menge begann zu tanzen. Walzer, Donauwalzer, der Braut aus dem schönen Wien an der angeblich genauso schönen Donau zu Ehren und Natalie in dem weißen Kleid mit der Brüsseler Spitze, das sie  selber entworfen hatte und  von einer Schneiderin genau nach ihren Anleitungen nähen hatte lassen, den Schleier hatte sie inzwischen abgelegt, der sollte sie nicht stören, befand sich mitten in der Menge und schmiegte sich an Moritz, ihren Ehemann, der in seinem schwarzen Anzug eine absolut eindrucksvolle Erscheinung war. Imposant und sympathisch, absolut der Held des Abends. Sie jetzt aber so zornig oder auch irritiert anfunkelte, daß sie intuitiv „Uje, Jetzt kommt die Standpauke!“, dachte und tief durchatmenen mußte, damit sie nicht aus der Fassung kam.

Denn jetzt hatte er es geschnallt, daß er Natalie, die Psychoanalytikerin, die einzige und richtige Tochter ihrer Eltern und nicht, wie er geglaubt hatte, Mathilde, das Aschenputtelchen geheiratet hatte. Jetzt hatte er es begriffen, während er vor zehn Tagen, als die Hochzeitsanzeigen geliefert worden waren, noch an einen dummen Druckfehler geglaubt und darüber gewitzelt hatte, weil da N.Schmidt und nicht das erwartete M. stand und sie hatte getan, als ob sie der Fehler ärgere und es hatte sie auch wirklich ein wenig geärgert, daß auf ihrer Trauanzeige, ein schlichtes unscheinbares „N“ und nicht, wie ihr eigentlich zukam und sie es sich immer so vorgestellt hatte: Dr. med Natalie Schmidt, Psychoanalytikerin, gestanden hatte.

Sie hatte es zwar selbst so ausgesucht und wenn man es so wollte, den angeblichen Fehler selber zu verantworten, weil es nicht anders ging, wenn Moritz sie statt ihrer Schwester heiraten sollte und, daß es so gekommen war, hatte sie, wenn sie eherlich war,  für ein Spel und eine Laune des Schicksals gehalten.

Irgendwie hatte sie, seit er sie damals auf der Tautenzienstraße angesprochen und sie für ihre Schwester gehalten hatte, der Teufel geritten und etwas in ihr hatte ausprobieren wollen, wie lange es ging, ihn in sie verliebt zu machen, ohne daß er den Irrtum merkte?

Und es hatte, was sie selbst ein wenig wunderte, geklappt, obwohl sie nur äußerlich, dem grauen Mäuschen ähnlich sah und auch das nicht wirklich. Denn er hatte sie  in der Ritterschen Weinstube in einem eleganten Kleid gesehen, während Mathilde mit der Valentinsrose in Jeans und einem graugestreiften Pullover daneben gesessen war.

Er hätte den Unterschied also merken können, daß sie plötzlich im Designerkostüm, geschminkt und parfumiert auf der Tautenzenstraße auftauchte, obwohl Mathilde in Krankenstand war und das Bett hüten mußte.

Er hatte es nicht getan, weil er es nicht merken wollte. Das war immer noch ihre These und etwas, was sie auch Dr. Gubinger, ihrem Lehranalytiker beweisen wollte und deshalb hatte sie zu spielen angefangen und sich die ganze Zeit gewundert, daß das so einfach ging und er nichts merkte.

Denn sie war mit ihm in seine Wohnung gegangen, hatte nur ein bißchen aufgepasst, daß sie sich nicht verriet und nicht aus Versehen im Besernkammerl statt am Klo landete, denn sie konnte nicht wissen, ob und, wie oft Mathilde schon in dieser gewesen war und, wie gut sie sich darin auskannte?

Sie tat das wahrscheinlich, wie sie später merkte. Aber sie hatte sich in Moritz Junggesellenheim mit den vielen Büchern auch bald ausgekannt. So groß war die Wohnung nicht und hatte die drei Tage ihres angeblichen Krankenstandes dort verbracht. Dazwischen war sie  zweimal bei Mathilde gewesen. Das erste Mal, um ihre Reisetasche abzuholen. Das zweite Mal, um ihr ihre Verlobung zu verkünden, worauf das graue Möuschen prompt reagierte und schreckhaft nach Wien geflüchtet war. Das wärere noch eine Schwierigkeit gewesen, weil sie das nicht ohne den Umweg in den Verlag und ihrem Chef zu kündigen tat.

Aber da war sie mit Moritz selbst in Wien gewesen, hatte ihn den Eltern vorgestellt und sich ihre Papiere abgeholt, um beim Standesamt in Lichtenberg später das Aufgebot zu bestellen. Und das war glatt gegangen, ohne, daß sie sich in den Weg gelaufen waren. Später war Mathilde aus dem Verlag verschwunden, weil sie, wie Moritz allen erzählte,  seine Braut geworden war und sich verändern wollte und auch hier hatte niemand etwas geschnallt. Er hatte nicht nachgefragt. Der Chef, der es anders wissen mußte, nichts verraten.

„Glück muß der Mensch haben!“, dachte sie ein wenig spättisch. Und sie hatte es auch und absolut keine Schuldgefühle. Denn es war ein Spiel, das sie ausprobieren wollte und so fand sie es nur faszinierend, daß es so leicht klappte.

Die nächste Schwierigkeit war die Trauanzeige gewesen. Aber da hatte er nur den Kopf geschüttelt und von den „Deppen!“, geredet die das „M“ mit einem „N“ verwechselten und sie hatte  so getan, als ob sie nichts höre. Sich das Kleid schneidern lassen, die Eltern zu der Hochzeit eingeladen, die natürlich auch nicht nach Mathilde fragten. Denn sie spielten dieses Verwirr- und Verdrängungsspiel selbst perfekt seit fünfunddreißig Jahren. An Mathilde hatte sie, damit, die sich auskannte, auch eine Anzeige geschickt, aber keine Sorge gehabt, daß sie zur Hochzeit kommen würde.

Sie war auch nicht gekommen. So kam der Tag heran und sie war in dem weißen Kleid mit dem Schleier zuerst zur Kirche, dann aufs Standesamt gefahren und da mußte die Erkenntnis natürlich kommen und tat es auch, denn der Standesbeamte, ein Herr Rainer Schneider, wie sie sich erinnern konnte, hielt ihr das Vermählungsbuch hin und forderte sie lauf auf ihren Namen: Dr. Natalie Schmid hineinzuschreiben, was sie auch tat.

Die Mutter und sein Vater unterschrieben, als Trauzeugen und sie sah an seinem Gesichtsausdruck, daß er jetzt etwas zu schnallen begann. Es war aber zu spät, einen Einwand zu machen, denn das Dr. Moritz Lichtenstern stand schon da. Der Standesbeamte gratulierte, die Eltern und die anderen Gäste taten das ebenfall und es ging auf in das Seehotel und dort zur Tafel, wo auch keine Gelegenheit zur Aussprache war.

Dann begann, die engagierte Musikkapelle den Donauwalzer zu spielen. Moritz mußte sie der Sitte nach auf das Tanzparkett führen und mit ihr allein die erste Runde tanzen.  Danach gesellte sich die Menge dazu. Sie tanzten mittendrin und Moritz sah sie jetzt scharf an, rückte etwas von ihr ab und fragte streng „Natalie? Du heißt Natalie und bist die Psychoanalytikerin und nicht Mathilde?“

Sie hatte sich inzwischen gefaßt, schaute spöttisch  und tat erstaunt.

„Natürlich, hast du das nicht gewußt? Mathilde ist meine Zwillingsschwester, die bei euch Sekretärin ist oder besser war, denn sie ist inzwischen nach Wien zurückgekehrt und hat eine andere Stelle angenommen. Wir sehen uns sehr ähnlich und man hat uns immer gesagt, daß wir leicht zu verwechseln sind, wie das bei eineigen Zwillingen üblich ist, obwohl wir grundverschieden sind. Im Charakter sind wir gänzlich anders und auch unser Berufsweg ist unterschiedlich verlaufen. Ich habe Medizin studiert. Math ist zuerst in die Hauptschule, dann auf die Handesakademie gegangen, weil sich die Eltern kein zweites Studium leisten konnten. Math ist danach nach Berlin gegangen und weil diese Stadt sehr interessant ist, bin ich ihr nach Abschluß meiner Lehranalyse gefolgt und habe in der Tautenzienstraße, wo wir uns, nachdem wir uns in der Weinstube kennenlernten, wiedergetroffen haben, meine Praxis aufgemacht. Ich finde, daß ich Math eigentlich nicht wirklich ähnlich sehe und auch einen gänzlich anderen Kleiderstil habe! Läuft sie doch, wie du sicher weißt, fast auschließlich in Jeans und Schlapperpullis herum, während ich mich dafür nicht erwärmen kann! Ich mag schlampig gekleidete Frauen nicht und schminke mich auch gern!“, versuchte sie möglichst harmlos zu sagen und nicht rot  dabei zu werden. Was ihr auch zu gelingen schien, obwohl er sie immer noch anstarrte, ihren Arm ergriff und sie, weil jetzt die Musik verstummte, zuerst auf die Terrassse und dann auf die Seepromenade hinausführte.

„Du bist nicht Mathilde, hast mich betrogen und dich bei mir eingeschlichen!“, sagte er jetzt scharf und sie schüttelte den Kopf und versuchte weiter harmlos dreinzusehen.,

„Wie kommst du darauf, daß ich Mathilde bin? Das kann nur ein Blinder sein, der mich mit ihr verwechselt! Aber ja, ich erinnere mich, auf der Tautenzienstraße hast du mich mit diesem Namen angesprochen! ich habe gedacht, das ist ein Scherz, weil ich ihr in meiner Kleidung  nicht ähnlich sehe und habe dir gesagt, daß sie wegen ihrer Halsschmerzen zu Hause ist und dann bin ich mit dir in deine Wohnung gegangen, weil du mich dorthin eingeladen hast und ich mich-“ jetzt schwankte ihre Stimme etwas, weil sie nicht ganz sicher war, ob er ihr das glauben würde- „in dich verliebt habe! Ist etwas zwischen dir und Mathilde gewesen? Habe ich eure Kreise gestört?“, fragte sie daher in der Angreiferpostion weiter und versuchte spöttisch aufzulachen.

„Hat sie vielleicht deshalb so überstürzt ihre Stelle augegeben und ist nach Wien zurückgefahren? Ich habe mich schon darüber gewundert und auch, daß sie nicht zur Hochzeit gekommen ist! Ich habe sie, wie du weißt, eingeladen! Hast du wirklich geglaubt, daß ich Mathilde und nicht Natalie bin?“, wiederholte sie lauter und sah ihn dabei herausfordern an.

„Dann bist du sicher enttäuscht!“, setzte sie in dieser Art und Weise hinzu „daß wir jetzt verheiratet sind! Aber ich dachte, du liebst mich genauso sehr, wie ich dich! Glaubte, es wäre Liebe auf den ersten Blick gewesen, daß wir so schnell geheiratet haben und jetzt ein Ehepaar sind!“, sagte sie energisch und atmete noch einmal durch.

„Geglückt!“, dachte sie dabei.

„Er scheint mir zu glauben oder hat zumindest keine Möglichkeit auszuweichen ohne zuzugeben, daß er ein Trottel war und was soll es? Ich habe mich wirklich in ihm verliebt und wenn er so blöd ist, nicht zu merken, daß ich Natalie und kein graues Mäuschen bin , dann ist er selber schuld und ich kann ihm auch nicht helfen!“

Königsallee

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2Im Sommer 1954 kommt der fast achtzigjährige Thomas Mann mit seiner Frau Katja und seiner Tochter Erika nach Düsseldorf in den Breidenbacher Hof, der sich offenbar in der Königsallee befindet, um aus seinem „Felix Krull“ zu lesen.

Das ist eine historische Tatsache, der 1956 geborene Hans Pleschinski von dem ich gerne „Ludwigshöhe“ lesen würde, hat einen Roman daraus gemacht, in dem er die Tatsachen mit der Fiktion verbindet und das Nachkriegsdeutschland der Fünfzigerjahre dadurch plastisch macht, in dem er scheinbar einen Skandal erzählt.

Denn Thomas Mann soll da Klaus Heuser getroffen haben, einen Freund seiner Kinder, dem er vor Jahren auf Sylt, als der ein Jüngling war, nahetrat und küsste und ihn später in seiner „Josefslegende“ und auch im „Felix Krull“ verweigt hat.

Der ist jetzt aus Asien zurückgekommen und mit seinem indoneischen Freund Anwar, ebenfalls in dem Hotel abgestiegen und Erika Mann bekommt das, als sie das Meldebuch durchsieht, heraus und bedrängt die Freunde das Hotel zu verlassen, weil man dem „Zauberer“, wie Thomas Mann genannt wird, nicht soviel Aufregung zumuten kann.

In fünfzehn Kapiel mit wechselnden Perspektiven wird die Ankunft der Manns bis zu dem Abend der Lesung und dem anschließenden Empfang erzählt und wir erfahren, wie schon erwähnt, viel  vom Deutschland kurz nach dem Krieg und dem Leben und Wirken von Thomas Mann.

Ich habe das Buch vor einiger Zeit im Schrank gefunden und in meiner Studentinnenzeit sehr viel, fast alles, von Thomas Mann gelesen und das meiste wahrscheinlich nicht verstanden.

In der Straßergasse nahmen wir den Tonio Kröger druch, um die „Biuddenbrocks“ habe ich mich mit meiner Schwester gestritten, den „Felix Krull“ verschlungen und war dann enttäuscht, weil ich mir etwas anderes erwartet habe, der „Erwählte“ hat mich auf eine eigene Idee gebracht und und und….

In der letzten Zeit war nicht mehr viel Thomas Mann in meiner Lektüre und ich sollte den „Zauberberg“, den „Doktor Faustus“, etetera, sicherlich nochmals lesen, was ich aus Zeitgründen wahrscheinlich nicht tun werde, so war mir dieser biografischer Roman  willkommen, wenn ich auch, was die Anspielungen auf das  Erotische betrifft, ein wenig skeptisch bin, weil ich das ja nicht so mag und eher denke, man sollte sich auf die Literatur konzentrieren.

Aer Hans Pleschinski, auch wenn er im Tonfall manchal sehr pathetisch ist, ist ein Meister seines Fachs und läßt und erzählt uns in seinen fünfzehn Kapitel noch sehr viel anderes und am Schluß, bekommen wir noch heraus, daß Katja Mann, Klaus Heuser und seine Begleitung, sie dachte da freilich an eine Frau, doch noch zum Empfang eingeladen hat und die beiden sich im Taxi ausgesprochen haben.

Es taucht auch noch Golo Mann, ein Mann Sohn auf und drängt Klaus Heuser mit dem Zauberer über ihn, beziehungsweise über eines seiner Bücher zu sprechen und eine Nazigröße, ein gewisser Ernst Bertram, der sehr viel mit der Bücherverbrennung zu tun hatte, des Meister Büchers aber doch davor bewahrte, erscheint fast gespenstisch und will des Zauberers Vergebung und ein anderer Nazi wird aus dem Hotel ausgeladen, um mit dem alten Herrn gar nicht in Berührung zu kommen.

Ein Zwergin, die von ihren Eltern vor der Vernichtung bewahrt wurde, interviewt den Meister und fragt ihn, warum seine Protagonistien keine Proletarier sind und die Friseurgehilfin steht vor ihrem Laden in der Hotelhalle und schaut neugierig dem Geschehen zu.

Spannend spannend und als Schnelllektüre, um neugiergi auf den Meister und seine Bücher zu werden, sicherlich sehr geeignet.

Ich habe, seit ich blogge, zwar nicht Tomas Mann gelesen, aber Frido Manns „Mein Nidden“ und vor dem Haus an der kurischen Nehrung, bin ich auch gewesen, aber nicht hineingekommen, weil am fünfehnten August auch in Litauen ein Feiertag und daher geschlossen.

Thomas Mann hat übrigens damals in Deutschland kurz vor seinem Tod zwar die eltern Klaus Heuers aber nicht ihn selbst getroffen.

Und ich könnte noch anmerken, daß ich vor kurzem ein anderes Buch eines Dichters, der in den Fünzigerjahren schlagartig berühmt geworden ist, gelesen habe, das sicher auch sehr zu empfehlen ist.

2017-06-17

Schwesternliebe

Zwei Wochen nach Mathildes Besuch bei Dr. Heumüller, sie war gerade dabei ihre neue kleine Wohnung zu beziehen und sich bei Zuschitzky einzuarbeiten, der Prospekt über die freien Abteibungsmöglichkeiten, die ihr die Ärztin mitgegeben hatte, lag immer noch auf ihrem Schreibtisch, denn sie konnte sich nicht entscheiden, sie wollte das Kind von Moritz und wollte es gleichzeitg auch nicht, weil es ohne jeden Zweifel unverantwortlich war, ein Kind ohne Vater und ohne Liebe aufzuziehen, denn das hatte sie an sich und ihren eigenen Eltern gesehen, daß das nicht gut war und nicht gut gehen konnte, kam ein Büttenbrief aus Berlin der Natalies Absender trug.

„N. Schmidt und M. Lichtenstern geben sich die Ehre am 14. 5. zu ihrer Hochzeit in die Nikolas Kapelle, in das Standesamt von Lichtenberg und zum anschließenden Festempfang in das Seehotel Stern einzuladen!“

„Ich hoffe, du bist mir nicht bös, Schwesterlein, aber ich habe mich in deinen Verleger verliebt!“, hatte Natalie mit  spitzer Hand dazugeschrieben.

Mathilde war in Tränen ausgebrochen und hatte fast spontan wieder zu Dr. Heumüllers Abtreibungsfolder gegriffen, das Ambulatorium am Fleischmarkt wurde dasehr empholen. Von wegen Schwesterlein? Was sollte dieser Unsinn?

Natalie hatte sich ihr gegenüber nie, wie eine Schwester verhalten. Von Anfang an war sie an der Seite der Eltern gewesen, wenn sie beispielsweisen vor ihrer Geburtstagstorte stand, die Kerzen ausgeblasen hatte, die Eltern umarmt „Vielen Dank, Papa und Mama!“, gerufen und sich am Gabentisch nach ihren Geschenken umgesehen hatte. Und sie war im Hauskleid dabei gestanden, hatte sich die Tränen verkniffen und höchstens nur ganz leise „Ich habe auch Geburtstag!“ vor sich hingeflüstert.

„Was willst du?“, hatte Natalie da, die sich gerade mit der neuen Puppe oder dem neuen schönen Kleid, das auf ihrem Gabentisch lag, beschäftigte, ausgerufen.

„Du weiß doch, Math, daß sich die Eltern nur ein Kind leisten können und nur eines haben wollten. Ein Kind ist genug! Du weiß doch auch, daß man in China nur ein solches haben darf oder lernt ihr das nicht in eurer Hauptschule, daß da die Einkindpolitik herrscht. Das Zweite in den Mistkübel geschmissen wird und die Eltern eine Strafe bekommen, weil sie nicht besser aufgepasst haben! Und ich kann nichts dafür, daß ich eine halbe Stunde früher auf die Welt gekommen bin und so das eine Wunschkind bin! So ist das einmal! in China wärst du stillschweigend in den Mistkübel geschmissen worden und hättest dich nicht beschweren können! Aber jetzt bist du, weil wir nicht im kommunistischen China sind, da! Darfst auch bleiben und zur Schule gehen, hast genug zu essen und zu anziehen, schläfst in meinem Zimmer! Warum willst du dich da beklagen? Sei doch bitte so nett und stör mir nicht die Geburtstagsparty! Du kannst ohnehin von meiner Torte ein Stück essen und den Kakao mit der Schlagsahne gibt es auch für dich!“

„Das ist gemein!“, hatte sie manchmal, wenn sie ganz, ganz mutig war und sich die Tränen nicht verkneifen konnte, gemurmelt. Aber das hatte auch nicht viel genützt. Dann hatte höchstens die Mutter aufgeseufzt, eine Tafel Schokolade oder ein Päckchen Mannerschnitten vom Gabentisch genommen und es ihr hingehalten.

„Du weißt doch, Mathilde, daß wir nicht so viel Geld für zwei Gabentische verdienen und uns nicht zwei Kinder leisten können, da der Papa  Bankangelstellter ist und ich nur Hausfrau bin! Wir wünschen dir aber natürlich alles Gute zum Geburtstag! Du bist  mitgemeint! Aber das Geld für zwei Puppen haben wir nicht! Natalie läßt dich, wenn du sie schön bittest, sicher damit spielen und ein Stück von der Torte gibt es natürlich auch!“

Von wegen! Hatte die Mutter da eine Ahnung gehabt? Oder sie hatte wahrscheinlich schon, aber sie war ihr egel gewesen. Sie fühlte sich im Recht und Natalie hatte sich das ihre ganz selbstverständlich, egoistisch und selbstbewußt genommen und sie natürlich nicht mit ihrer Pupppe spielen lassen. Sie hatte das Gymnasium besucht und studiert, während sie nach der Pflichtschule in den Haushalt der Zavrics geschickt wurde und ihr die Eltern verkündeten, daß sie jetzt alt genug wäre, auf den eigenen Beinen zu stehen und sie sie bitte in Ruhe lassen sollen.

Aber das hatten weder sie noch Natalie getan. Sie war, wie ein trotziges Kind, das sein  Recht, um jeden Preis erzwingen wollte, jedes Jahr zu den Geburtstagen und zu Weihnachten in die Neubaugasse gegangen, hatte dort jedes Jahr den genervten Blick der Eltern, Natalies Verachtung, die „Bist du schwer von Begriff, Math!“, gesagt und nebenbei hingeworfen hatte, wie schön oder schwer es auf der Uni sei und sie sich zur Psychoanalytikerin ausbilden lassen würde, geerntet, sowie jedes Jahr eine Tafel Schokokolade und ein Stück von der Geburtsagstorte oder den Weihnachtskeksen bekommen. Solange, bis sie aufgab, sich in Berlin beim Starverlag, um eine Stelle, als Sekretärin beworben hatte und das bei ihren, wie sie dachte, Abschiedsbesuch, den Eltern mitteilte.

„Ich gehe als Verlagssekretärin nach Berlin!“, hatte sie gesagt. Die Eltern hatten desinteressiert zugehört. Der Vater „Wie du meinst!“, geantwortet. Aber Natalies Augen hatten, was sie erst gar nicht so gemerkt hatte, aufgeblitzt, sie hatte „Ach wirklich?“, gefragt und hinzugefügt, daß sie sich vielleicht auch dort niederlassen und ihre Praxis aufmachen sollte.

Sie hatte das nicht ernst genommen, ihre Koffer gepackt und war losgefahren. Aber wieder drei Monate später. Sie hatte sich gerade in Moritz verliebt, läutete es an ihrer Tür und Natalie stand mit einer kleinen Reisetaschen draußen und wollte bei ihr ein paar Tage übernachten.

Warum hatte sie da nicht „Nein!“, gesagt und der Schwester verächtlich hingeworfen, daß sie die eigentlich nicht wäre, weil sich die Eltern nur ein Kind leisten konnten und daher auch nur für eines Geschenke hatten und ihre Wohnung hatte auch nur Platz für eine Person. Natalie solle das einsehen und sich ein Hotelzimmer suchen, als Psychoanalytikerin verdiene sie sicherlich genug, daß sie sich das leisten könne!

Sie hatte das nicht getan, sondern stillschweigend die Couch für Natalie hergerichtet und dann war sie noch so blöd gewesen, ihr zu sagen, daß sie  keine Zeit mehr hätte, weil sie sich mit einem Verlagskollegen, um halb acht in der Richterschen Weinstube treffen würde und dort war Natalie, um acht oder halb neun frisch fröhlich aufgetaucht, hatte Moritz angeschmachtet und ihn von ihrer Praxis erzählt, die sie sich in Berlin einrichten würde. Da war sie auch noch nicht argwöhnlich gewesen. Denn Moritz hatte nicht den Eindruck gemacht, als würde er sich von Natalie einfangen lassen. Sie mußte sich aber irgendwo verkühlt haben. War am nächsten Tag krank gewesen und die nächsten drei Tage nicht in den Verlag gegangen. Da hatte sie sich schon gewundert, daß Moritz nicht anrief, um sich nach ihr zu erkundigen, war aber zu schüchtern gewesen, ihn selber anzurufen. Und, als sie das doch tun wollte, war Natalie die, sich ihre Reisetasche, während sie mit Fieber im Bett gelegen hatte, abgeholt und verschwunden war, wieder zurückgekommen und hatte ihr mitgeteilt, daß sie sich in Moritz verliebt hätte und von ihr scheinheilig wissen wollte, ob sie ihr böse sein?

Sie war das natürlich. Selbstverständlich und kein Zweifel. Zornig auf die Schwester und au Moritz, den Verräter, der sich so einfach von ihr einfangen und sich ihr auspannen ließ und konnte wieder nichts dagegen machen, als ihre Stelle kündigen und nach Wien flüchten.

Sie hatte Moritz nicht mehr gesehen, denn als sie in den Verlag gekommen war, um Dr. Bereder ihre Entscheidung mitzuteilen, war der nicht dort gewesen und Dr. Bereder hatte ihr etwas von seiner plötzlichen Familienangelegenheit  gesagt, die ihn nach Wien geführt hätte und sie dabei fragend angesehen.

Sie hatte ihn nicht mehr wieder gesehen, war nach Wien und zu den Zawrics zurückgefahren, die ihr die kleine Wohnung vermittelt hatten, hatte bei Zuschinsky im Verlag zu arbeiten angefangen, von Dr. Heumüller erfahren, daß sie schwanger sei und dem Papa doch die freudige Mitteilung machen solle und jetzt bekam sie seine Hochzeitsanzeige von Natalie geschickt und konnte es ihm nicht sagen.

Sie konnte es nicht, auch wenn Natalie und auch Gisela Zawric sicherlich den Kopf darüber schütteln würden. Sie konnte es nicht und sie konnte das Kind, das kleine Mädchen, das es werden würde, wie ihr der Ultraschall verraten hatte, nicht abtreiben. Denn sie war nicht so herzlos, wie ihre Eltern, hielt nichts von Chinas Einkinderpolitik und hatte sich schon, als kleines Mädchen immer eine große Famile gewünscht. Eine heile Welt hatte sie sich da vorgestellt, die ganz anders war, als das, was sie erlebt hatte. Viele, viele Kinder, denen sie alle eine liebevolle Mutter war und sich auch Zeit für das zweite, dritte, vierte nehmen würde. Selbstverständlich und eine schöne Hochzeit hatte sie sich in den Kindertagen, wenn sie einsam  und geduldet in Natalies großen schönen Kinderzimmer in ihrem Klappbett lag, ausgemalt, mit einem weißen Kleid, einem Schleier, roten Rosen, Luftballons, vielen Geschenken, Brautjungfern und was sonst noch so alles dazugehörte.

Daß  der Bräutigam Moritz war, hatte sie damals noch nicht gewußt und es sich nicht vorstellen können. Sie hatte sich aber ganz ehrlich, ganz heimlich immer vorgestell, daß der Vater sie an den Altar führte und die Mutter und die Schwester ihre Treuzeugen waren und hatte das Schwesternliebe genannt. Das war ein schöner Traum gewesen, der spätestens jetzt zerplatzte, weil auf der Vermählungsanzeige  Natalies Name, wenn auch nur mit einem „N.“ und ohne Doktortitel, wie sie eseigentlich vermutet hätte, stand. So daß sie sich energisch und unter Tränen wieder zur Ordnung zurückrief. Denn was machte es, daß da N. Schmidt statt Dr. med. Natalie, Psychoanalytikerin stand? Gar nichts machte das.

Die verhasste Schwester würde  Moritz heiraten. Die Eltern standen, als glücklich Einladende auf dem teuren Büttenbillet und sie hatte von der schadenfrohen Natalie zwar eine Einladung bekommen, die sie ihr aber sicher nur geschickt hatte, um sie zu ärgern und von Moritz war kein Wort der Entschuldigung gekommen. Er war stillschweigend aus ihrem Leben verschwunden.  Hatte ihr nicht einmal erklärt, warum er ihr am Valentinstag eine langstielige teure Rose verehrte und drei Monate später Natalie heiratete, obwohl sie sein Kind in ihrem Bauch trug. Gut, das wußte er nicht. Konnte es nicht wissen, denn sie hatte ihm nichts davon geschrieben und würde es auch Natalie und ihren Eltern nicht verraten, damit die sie nicht auslachen und den Kopf über ihre Naivität schüttelten und das Kind würde sie trotzdem bekommen. Moritz Kind, von dem er nie eine Ahnung haben würde, denn sie würde natürlich nicht zu seiner Hochzeit fahren, dachte sie entschloßen und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Dann gab sie sich einen Ruck, griff sowohl nach dem Büttenbillet, als auch zu dem Abtreibungsfolder, nahm beides in die Hand und begann beides langsam und sorgfältig in hunderttausend kleine Schnipsel zu zerreißen.

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