Literaturgefluester

2017-07-06

Für Kaiser und Vaterland

Im Sommer gibt es immer die Sommerakademie, das ist ein Symposium oder die Saisonabschlußveranstaltung des „Instituts für jüdische Geschichte“, das in St. Pölten in der ehemaligen Synagoge angesiedelt ist und das Programm ist immer dem der Wiener Vorlesungen beigelegt und da es nichts kostet und ich sehr neugierig bin, habe ich mir seit einigen Jahren angewöhnt den Sommer auf diese Art und Weise zu beginnen.

Das heißt, ich war nicht immer dort, denn manchmal war ich schon in meiner Sommerfrische und habe mir das „Bachmannlesen“ angehört, aber einige Male war ich da und zuerst waren die Veranstaltungen auch in der ehemaligen BAWAG, da hat es Kafee und Saft gegeben und meistens hat es vorher mit einem Festakt in der Synagoge begonnen, was für mich auch sehr angenehm war, weil wir da ja meistens in Harland waren.

Dann kam der BAWAG-Skandal, die BAWAG wurde verkauft, der Standort hat gewechselt, zwei oder dreimal wars in der WU, was auch sehr angenehm war, weil ich mich da immer mit dem Alfred zum Essen treffen konnte und heuer ist es im Völkerkundemuseum, einem historischen Ort, einem alten Palais mit schönen Park hinterm Schönbuornpark.

Ich habe da schon einmal gelesen und eine Veranstaltung zum ersten Mai war auch einmal da.

Es gibt immer verschiedene Themen, die sich mit dem jüdischen Leben beschäftigen und jedes Jahr einen Tagungsband dazu, den man um sieben Euro kaufen kann.

Die älteren Bände liegen dann gegen Spenden auf und heuer 2017 geht es um „Jüdische und nichtjüdische Erfahrungen im Ersten Weltkrieg“

Da könnte man nun sagen 1914 ist schon lang vorbei und da war ich auch schon bei diesbezüglichen Veranstaltungen, aber Martha Keil, die Direktorin wollte es nicht zu dem Zeitpunkt, wie alle machen, so gibt es eben erst heuer etwas zum World War I und das passt ja auch, hat der Krieg doch bis 1918 gedauert.

Martha Keil betonte in ihrer Einleitung zuerst den schönen historischen Rahmen und da hat es, glaube ich, auch schon Veranstaltungen des Institutesgegeben, in der WU war die Technik besser, hat sie gesagt und das stimmte wohl auch, denn die Mikrophone haben geknirscht und geknarrt, daß es sogar den Direktor verunsichert hat.

Aber der erste Vortrag vom Professor Schmidl über die jüdischen Soldaten im ersten  Weltkrieg war für mich sehr interessant, vor allem, wie postiv das Soldatentum geschildert wurde.

Wenn man sich mit Karl Kraus beschäftigt hat, sieht das man das ja negativ, daß sich da alle freiwillig und beigeistert gemeldet haben, für die jüdischen Soldaten ist es offenbar, um die Ehre gegangen, des Kaisers Rocks zu tragen und sich freiwillig zu melden und sie waren durchaus nicht wie der Professor sagte Drückeberger und auch nicht nur als Militärärzte tätig, sondern kamen sogar in Offiziersrang und weil die juden gebildeteter, als die anderen Soldaten waren, schreiben und lesen und auch Sprachen konnten, wurden sie oft auch im Verwaltungsdienst eingesetzt.

Tamara Scheer referierte dann über den Sprachgebrauch und das ist ja für mich sehr interessant, die  ich im Vorjahr den „Schwejk“ gelesen habe und mich da mit der Frage beschäftigte, ob der jetzt geböhmakelt hat oder nicht?

Aber ich denke er hat Tschechisch geredet und die ungarischen Soldaten Ungarisch und manche warhscheinlich auch Polnisch was leicht mit dem Jidischen zu verwechseln war.

Ein Referat über die jüdischen Soldten in den russischen Armeen, die durften, glaube ich, nicht Offiziere werden, gab es auch und eines über die Feldrabiner, die auch die deutsprachigen Gymnasien nach Galizien brachten.

Eines über die Hilfsorganisationen und eines über das koschere Essen im ersten Weltkrieg. Da herrschte ja bekanntlich eine Hungersnot, der Weizen fürs Brot kam aus Ungarn, es gab für alles Marken und man hat sich für alles lange angestellt und so war es wahrscheinlich schwer koscher zu essen.

Aber auch die nicht jüdische Bevölkerung, wie zum Beispiel meine Eltern, die ja damals kleine Kinder waren, haben wenig zu essen gehabt und sind später zum Aufpäppeln nach Holland beziehungswweise Belgien geschickt worden.

Mit der Ernährung ist es dann am Donnerstag gleich weitergegangen, bevor es zu den Hilfsorganisationen und der Rolle, die die Frauen dort spielten ging.

Die wurden im Schnellverfahren zu Krankenschwestern ausgebildet und haben sich um die Gefüchteten gekümmert und ein paar Referate haben sich dann auch mit den Kriegsgefangenen und den Zwangsarbeitern beschäftigt.

Dazu hat sogar ein Herr aus der Ukraine einen Vortrag gehalten, bis es dann, worauf ich schon die ganze Zeit gewartet habe, zu den jüdischen Intellektuellen im Widerstand ging.

Da hat Beata Mache aus Duisburg einen beeindruckenden Vortrag gehalten, in dem sie einige Dichter und auch widerständische junge Frauen erwähnte.

Briefe von Stefan Zweig an Romain Rolland wurden gezeigt und mir fällt dazu die Lyrik von Alfred Lichtenstern ein, obwohl ich nicht so genau weiß, ob der jüdisch war und natürlich auch Remarques großer Roman  „Im Westen nichts Neues“, der erst vor ein paar Tagen in der „Alten Schmiede“ in der Grundbuchreihe vorgestellt wurde.

Am Freitag geht es dann mit der Presse und den Künstlern weiter, aber da bin ich schon in Harland und werde mir stattdessen das Bachmannlesen geben und wie es im nächsten Jahr mit der Sommerakademie weitergeht ist auch ein bißchen fraglich, da Christian Ehalt, der die Programme ja immer denen der „Wiener Vorlesungen“ beilegt, in Pension gehen wird.

 

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