Literaturgefluester

2017-07-10

Besoffen Deutsch

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Der „Holzbaum-Verlag“, der mich ja seit einigen Jahren getreulich beschickt, so daß  im „Literaturgeflüster“ fast die ganze Buch-Produktion zu finden ist, ist ja ein Spezialist von Cartoons und Wien Spezialitäten. so gibt es das „Unnütze-Wien-Wissen„, das „Unnütze Habsburg Wissen“, aber auch „Wien zum Anschmieren“, etcetera und jetzt ist Harald Havas, der, wie ich den biografischen Angaben entnehme ein „Autor von Büchern, Comics und Spielen ist, aber manchmal auch abgrundtieen Nonsens“ schreibt, gelungen einen „Wiener Sprachführer“ für die Kommunikation mit Betrunkenen zu schreiben.

Auf diese Idee muß man erst kommen. Zwar gibt es das „Schimpfen wie ein echter Wiener“ schon, aber wie spricht nun ein Betrunkener und was ist das spezifisch Wienerische daran?

Er lallt, würde ich mal vermuten und habe vor einigen Tagen mit dem Alfred, der Ute und dem Andreas aus Leipzig beim musikalischen Abschlußabend des Heurigen Hengl-Haselbrunner auch diesbezügliche Studien gemacht. Das Kollegium Kalksburg führte mir das auch in Bregenz vor und sicher auch viele andere Wiener Liedsänger und live kann man es wahrscheinlich täglich in der U-Bahn oder am Würstlstand erleben.

Was liegt also näher, als beispielsweise den deutschen Gästen einen Wiener Sprachführer zu schreiben, den man ja  auch herrlich in das heimische Berlin oder nach Wuppertal mitnehmen kann?

So gibt es ein Vorwort des Autors und am Buchrücken des sehr kleinen natürlich blauen Büchlein mit dem gelben W am Cover, kann man lesen, daß „Man kann ihm immer und überall und völlig überraschend begegnen, dem Homo viennensis ebrius, dem betrunkenen Wiener, auch als „gemeiner Bsuff“ bekannt. Daher empfiehlt es sich vorbereitet zu sein! Dieses kleine Büchlein soll dazu dienen, bei einer unverhofften Begegnung mit einem betrunkenen Wiener, die Verständigung zu erleichtern. In 20 kurzen aus dem Leben gegriffenen, beispielhaften Lektionen wird archetypisch die Ausdrucksweise der Spezies vermittelt.“

Nun denn, durch die achtunddreißig Seiten und zwei Bonustracks sprich Rätselfragen gibt es auch und ich sage gleich, bei mir hat es mit der Verständlichkeit ein wenig gehapert.

Wahrscheinlich begegnene ich doch nicht so vielen „Bsuffs“, so ist ein erfundener oder ausgedachter Sprachführer durch die Welt des Rausches und der Räusche sicher hilfreich und man kann die Dialoge  auch Romanhaft lesen und wenn man nichts versteht, hat man auch die Übersetzung dabei.

So geht es also auch gleich in den „Club der einsamen Herzen“ „Hiasi“ heißt „Hallo“ und an der „Supermarktkasse“ wird schon mal ein „Magenbitter“ verlangt.

In der „U-Bahn“ fragt der „Gsuff“ vielleicht höflich „Isso Nofre?“, wenn er sich setzten will.

„Besetzt!“, wird wegen der Geruchsbelästigung da wohl meist die Antwort lauten, denn sonst kann es auch passieren, daß der „Gsuff“ vielleicht auch noch „Haubimus Noameu Schbeim“ , was hier  mit „Ich befürchte, ich muß mich erneut übergeben“ etwas gespreizt übersetzt wird.

Lustig wird es höchstwahrscheinlich auch am Arbeitsamt. Mit „Dog“ „Einen schönen guten Tag wünsche ich!“, beginnt da vielleicht die Vorstellungsrunde und dem bemühten Betreuer wird erklärt, daß man natprliuch den Termin wahrgenommen aber nicht aufgenommen wurde „Woreduad“,-“ Sisinigswuarn“ und so weiter und so fort. Alles verstanden?

Ich nicht, aber vielleicht das das Büchlein auch den AMS-Beratern zu empfehlen.

Im Freibad wird dann der „Nackbadebereich“ gesucht, im Eissalon „Eine Kugel Schokolade verlangt“ und man hat sich  durchgearbeitet durch das Besoffenenleben.

„Auf die Skipiste“ geht es natürlich auch ,auf den „Strand“ und auf den „Fussballplatz“.

Da gibt es diesbezüglich ja besondere Vorurteile, beziehungsweise Kontrollmaßnahmen und beim Kapitel über den „Würstelstand“ wird vorsorglich das meiste blau geschrieben.

Spannend auch die Konversation in der Buchhandlung:

„Oisnes?“ „A Buhanun?“

„Welche Ware führen Sie denn hier?“ „Bücher“ „Und was noch?“ „Ausschließlich Bücher also“ „Verstehe“  „schn Dog no“

In der Blumenhandlung wird nach einem Blümlein für die geschätzte Gattin am Muttertag gefragt und dann kann man, wie schon angedeutet noch erraten, welche Wienerlieder beim Heurigen mitgesungen werden.

Da haben wir ja beim „Hengl-Hasenbrunner“ Agnes Palmisano gehört und es wurde auch ordentlich mitgesungen und wenn ich auch bei Harald Havas Sprachführer nicht sehr viel verstanden habe, ist es vielleicht doch eine interessante Idee, sich vorzustellen, was ein Besoffener  am Würstelstand und in der Blumenhandlung verlangt und ich würde  jetzt nur noch gern wissen, wie Harald Havas zu seinen Feldstudien kam?

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