Literaturgefluester

2017-07-29

Der kurze Schlaf

Filed under: Bücher — jancak @ 00:33
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Mein erster Roman des 1964 in New York geborenen Jonathan Lethem, ein Fund aus dem Bücherschrank, zu dem mich wohl der Name inspiriert hat, der Autor war auch einmal im Literaturhaus während eines „Erich Frieds Symposium“, da hatte ich aber, glaube ich, gerade mein Geburtstagsfest, so daß ich jetzt erst mit Buch und Autor Bekanntschaft machte und etwas überrascht in die Mischung aus SF und Kriminalroman hineingetaucht bin, an die ich mich erst gewöhnen mußte, die mir dann aber,  sehr gefallen hat.

Die „Amazon-Krtiken“, sagen etwas anderes, die halten die Mischung zum Teil für mißlungen und wenn man ein Schreibseminar bucht, lernt man, glaube ich, als Erstes, daß man niemals die Genres mischen darf und dann vielleicht ein bißchen später, daß man es darf, wenn man es kann.

Ich denke Jonathan Lethem versteht es und am Buchrücken hat die „Welt“ geschrieben: „In seiner Hexenküche schmeißt Jonathan Lethem gern gleich ein halbes Dutzend Genres in den Schnellkochtopf, rührt gut durch und pfeffert mit Humor“ und die „Boston Review“ schreibt: „Diese Buch ist eine Mischung aus Raymon Chandler und Philph K. Dick mit extrem hoher Oktanzahl.“

Nun habe ich, glaube ich, auch von Raymond Chandler noch nicht viel gelesen, aber nachgegooglet, daß es da einen Roman mit Namen „Der große Schlaf“ gibt und vor Jahren habe ich einmal einen Agatha Christie Krimi gelesen, wo ein Paar ein Detektivbüro aufmachte, dann auf den ersten Klienten wartete und dem  vortäuschte es wäre sehr beschäftigt.

So ähnlich beginnt es auch hier, beziehungsweise hatte ich den Typ des harten Detektiven, der raucht, trinkt, politisch unkorrekt ist, mit allen Schwierigkeiten kämpft, aber dann doch den Fall brillant auflöst, vor Augen, vermutlich habe ich in den sechziger Jahren solche Krimis gelesen oder im Fernsehen gesehen, ob sie von Raymond Chandlar waren, weiß ich nicht mehr.

Hier ist es so, nur mit dem Unterschied, daß das Ganze in der Zukunft spielt, in einem LA wo Tiere und Babies dank einer „Evolution“ gleich erwachsen sind, beziehungsweise aufrecht gehen und Kleider tragen, in einer Welt, wo alle Drogen nehmen, um zu vergessen oder sich aufzuputschen, wo das Fragenstellen verboten ist oder nur den Inquisitoren erlaubt und Conrad Metcalf, der Protagonistist, ein ehemaliger Inquisitor, aber irgendwie ausgestiegen, so hat er eine Lizenz, als Privatinquisitor oder Detektiv, wie das wohl heißt und seine Karmakarte ist ziemlich weit unten, ist sie dann ganz gegen Null, kommt man in den Tieffrierer und wird, wenn man Pech oder Glück hat, als Sklave wieder aufgetaut. So weit, so gut und nicht ganz so leicht verständlich.

Conrad Metcalf, der auch noch, Detail am Rande, was eigentlich nicht wirklich eine Rolle spielt, Probleme mit seiner Sexualität hat, sitzt also in seinem Büro, wo er sich das Wartezimmer mit einem Zahnarzt teilt und draußen laufen Psychologiestudenten herum und wollen einem ein Kapitel aus Freuds „Unbehagen an der Kultur“ vorlesen, was wohl die satirische Note ist, erhält den Besuch eines Klienten, den es noch schlechter als ihm geht, seine Karmakarte ist auf Null, denn er wird eines Mordes verdächtigt und Metcalf ist nun seine letzte Chance ihn vorm Einfrieren zu retten.

Der tut was er kann, hat aber überall Schwiergikeiten, die Inquisitoren sind ihm auf der Spur und dann auch noch ein Känguruh mit einer Knarre, überall bekommt er die Faust in den Magen, aber das läßt ihn nicht beirren, er untersucht und untersucht und bekommt auch einiges heraus.

Zuerst geht er in die Praxis des ermordeten Arztes, spricht mit dessen Nachfolger beziehungsweise Vorgänger und kommt nach einigen weiteren Verwirrungen im Inquistorenbüro in Kontakt mit einer schönen Inqustorin namens Catherine Teleprompter, in die er sich, noch ein Genrewechsel verliebt, was ungefähr auf Seite zweihundertfünfzig und weiteren Verwicklungen, Metcalf hat den Fall, der wahrscheinlich zu kompliziert ist, ihn nachzuerzählen und man soll auch nicht spolern, inzwischen ziemlich aufgeklärt, dazuführt, daß sie, während sie ihn bewachsen soll, in seinem Bett landet und er hat mit ihr auch seinen Sex wiedergefunden, dann geht die Türe auf und herein kommt ein anderer Inquisitor und führt ihn ab in die Tiefkühltruhe, wo er sechs Jahre später wieder aufwacht.

Die Lage hat sich inzwischen noch verschlechtert, es gibt nur mehr Einheitsdrogen und die Menschen haben ihr Gedächtnis verloren, was ihn aber nicht daran hindert, den Fall zu Ende zu führen.

Die schöne Catherine ist inzwischen im Büro aufgestiegen, er geht zu ihr und sie verspricht zu tun, was sie kann, das heißt , der unschuldige Klient kommt aus der Tiefkühltruhe und der Mafiaboss, der Drahtzieher des Ganzen vor sechs Jahren, sitzt inzwischen senil im Alterheim, das Kängaruh hat seine Rolle übernommen, also muß Metcalf es beseitigen, dann geht er ins Büro, stellt sich und bevor er für immer eingefroren wird, das Leben ist wahrscheinlich, so wie es jetzt ist, ziemlich sinnlos und es gibt auch keine Privatinquisitoren mehr, er hat kein Geld und keine Wohnung, bekommt er von einem freundlichen Wärter noch einmal eine individuell gemischte Dosis Stoff und dann geht es ab ins Vergessen und ich fand es, im Gegenteil zu dem oben zitierten „Amazon-Rezensenten“, durchaus spannend, da eine klassische Ermittlergeschichte im SF-Gewand zu lesen, obwohl das letztere eigentlich nicht mein Genre ist und ich für Hardcore Krimis auch nicht viel überhabe, würde aber das satrisiche Element darin sehen und so habe ich das Ganze vielleicht sogar Interessanter gefunden, als Amaryllis Sommerer psychosoziale Psychothriller, die ich vorher gelesen habe.

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