Literaturgefluester

2017-07-30

Sunset

Jetzt kommt das nächste Leseexemplar aus dem offenen Bücherschrank:„Liebe Buchhändler nicht zu besprechen vor dem 1.3.2011“, da scheine ich wirklich einen Glückstag gehabt zu haben, denn die damals gefundenen Bücher, die ich jetzt nach und nach alle lese, waren sehr interessant und das ist es auch, was da so alles 2011 erschienen beziehungsweise geschrieben wurde, Bücher an die ich sonst wahrscheinlich nicht gekommen wäre und interessant ist auch der zeitliche oder inhaltliche Zusammenhang.

Nämlich das dritte Buch das in den Fünfzigerjahren handelt und auch das dritte, wenn auch in anderen Exemplaren, das von berühmten Dichtern, berziehungsweise Künstlern handelt, die das dritte Reich nach Amerika brachte,  beziehungsweise von dort schon wieder zurückgekommen waren.

Vermutlich stammt Hans Pleschinskis „Königsallee“ ein Buch über Thomas Mann auch vom selben Buchhändler oder vom gleichen Bücherschub, Michael Köhlmeiers „Zwei Herren am Strand“ ist wahrscheinlich auch ein Leseexemplar, aber das stand erst 2014 auf der LL und interessant ist auch, daß sich die Verlage offenbar alle Romane über bekannte <persönlichkeiten bestellen oder sich die Schriftsteller solche aussuchen.

Nun denn, ich lüfte das Geheimnis, der neuerliche Fund heißt „Sunset“ und ist von dem 1951 in Oldenburg geborenen Klaus Modick, dessen Namen ich seit einigen Jahren kenne und mir auch einmal dachte, er würde mit „Konzert ohne Dichter“ auf LL kommen.

Ist er nicht, er hat aber auch „Klack“ geschrieben und das habe ich  ebenso gefunden und „Klick“, ein Buch von einem anderen Autor, habe ich im Frühjahr gelesen und leicht legasthen, wie ich zu sein scheine, die beiden Bücher auch miteinander verwechselt, oder gedacht „Klack“ wäre noch heuer zum Lesen dran, ist es aber nicht und „Sunset“ spielt in LA , am gleinamigen Boulevard, wo sich während des dritten Reiches ja viele Dichter hinflüchteten und da lebt jetzt im Jahr 1956 mit seiner Frau Marta, der berühmte Schriftsteller Lion Feuchtwander, ist  da 1884 geboren schon ein alter Herr und allein zu Haus, denn seine Frau ist in San Diego um etwas wegen der Einbürgerung zu erledinge, die Sekretärin Hilde in New York und er macht zu Beginn  am Morgen, das Buch spielt an einem Tag, Liegestütze, worauf ihm alles wehtut. Es läutet aber an der Tür, ist es wieder die Einwanderungsbehörde mit ihren unbequemen Fragen, bezüglich Kommunismus?

Nein, es ist der Postbote mit einem Telegramm vom DDR-Kulturminister Johannes R.Becher und der teilt ihm mit B. B. oder Bertolt Brecht ist in Ostberin gestorben und lädt ihn zum schon am nächsten Tag stattfindenden Staatsakt ein.

Das wird sehr schön und umständlich geschildert, Feuchtwanger hat nämlich nur eine Turnhose an und daher kein Trinkgeld in der Tasche, so muß er ins Haus hecheln, in der Brieftasche sind aber nur Scheine. Soll er nocheinmal zurück, nein und, um auch nicht als geizig zu gelten, hält er dem Boten einen Dollarschein hin, der bedankt sich übereifrig und wünscht noch einen schönen Tag!

Der soll es dann nicht werden, oder doch, denn die Mitteilung des Todes, des Freundes der viel jünger war, regt den Dichter zum Nachdenken über sein Leben an, beziehungsweise Klaus Modick, der auch eine Dissertation über Lion Feuchtwanger schrieb, hat den entsprechenden Rahmen gefunden, in zwölf Kapiteln über das Leben der beiden Dichter und ihre Beziehung zu schreiben.

Nun habe ich von B.B. schon nach meiner Matura, beziehungsweise noch in der Schule ein paar Theaterstücke gelesen und Feuchtwangers wahrscheinlich bei „Aufbau“ erschienene Bücher, lagen schon vor längerer Zeit in den Bücherkisten, so habe ich einige gekauft und gelesen, darunter auch sein „Moskau 1937“, wohin er von Stalin  eingeladen wird und den Staat überschwänglich lobte, was ihn dann viel Ärger und vor allem auch unangenehme Verhöre durch die McCarthy Behörde einbrachte.

Brecht hat er aber nach dem ersten Weltkrieg kennengelernt, da hat der an seiner Tür geläutet, ihm eines seiner Theaterstücke hingehalten und Feuchtwanger hat sein Talent aber auch sein großes Selbstbewußtsein erkannt.

Von Kapitel zu Kapitel tauchen wir in das Leben der beiden Dichter, aber auch in die damalige Zeit ein, erfahren, daß Brecht ein großer Frauenheld war und viele uneheliche Kinder hatte. Er war aber auch sehr offen und ehrlich, so hat er die McCarthy Behörde nicht angelogen, hatte da aber schon das Rückflugticket in der Tasche und ist ja wie ,bereits erwähnt, in Ostberlin gestorben, obwohl er viel jünger als Lion Feuchtwanger war.

Der biografische Roman ist, ich wiederhole es, durchaus raffiniert aufgebaut, denn während Feuchtwanger denkt und denkt und auch noch einen Brief von Arnold Zweig bekommt und versucht ein Beileidschreiben an Brechts Frau Helli, beziehungsweise Helene Weigel zu verfassen, geht der Tag dahin und Marta Feuchtwanger hat ihrem Lion genau aufgeschrieben, was und wann er essen soll.

Zum Frühstück Obstsalat und Orangensaft, zu Mittag soll er sich das Gulasch mit Sauerkrau und Knödel aufwärmen, das der geborene Münchner gerne ißt, und das Marta im „Bavarian Deli“ in der Nähe einzukaufen pflegt. Er läßt es anbrennen, so gibt es wieder nur Obstsalat zu Mittag. Deshalb beschließt er am Abend den Speiseplan zu mißachten und in ein Fischlokal zu gehen und die Katzen und die Schildkröten füttern, muß er zwischendurch auch.

So geht es durch das Leben. Feuchtwanger hat noch den „Jud Süß“ geschrieben, mit dem er berühmt geworden ist, den die Nazis aber sehr mißbrauchten und schreibt gerade an seinem letzten Buch.

Denn er ist bald danach, nämlich im Dezember 1958 an Magenkrebs gestorben, wie in der angefügten „Note“ steht.

Einen Tag später hat seine Frau erfahren, daß dem Einbürgerungsansuchen stattgegeben wurde. Sie wurde da von der Behörde noch einmal gefragt, ob sie Kommunistin wäre, was sie bejahte und trotzdem eingebürgert wurde.

So ist viel später, nämlich erst im Oktober 1987 gestorben und wurde neben ihrem Mann beigesetzt.

Ja und mit den oben erwähnten Persönlichkeiten, wie Charly Chaplin und Thomas Mann waren die Feutwangers auch bekannt. Ebenso kommen die Werfels und andere Persönlichkeiten in dem Buch vor, die nach Amerika emigrieren mußten und mit  den Feuchwangers befreundet waren.

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