Literaturgefluester

2017-08-04

Sieben Nächte

Jetzt kommt offenbar das neue Kultbuch der Saison und eines das in den letzten Tagen ständig in den Blogs und Booktube Videos auftauchte und inzwischen auch schon auf der „Longlist des Bloggerdebutspreis“ gelandet ist.

Vielleicht kommt es auch noch auf die Longlist des dBp und mit etwas Verspätung ist „Sieben Nächte“ des 1988 in Berlin geborenen Simon Strauß auch zu mir gekommen.

Und ich kann sagen, das kleine dünne Büchlein mit dem traurigen Männergesich am Covert hat wirklich eine starke Sprache und scheint den Nöten der gerade Dreißigjährigen, die, die der trauigen Freiheit des Prekatriats gegenüber oder gegenunterstehen mit einem Faustischen-Bekenntnis und den sieben Todsünden, die man offenbar begehen muß, um dieser Tristesse zu entkommen gegenüberzutreten.

„Was für ein leidenschaftliches, angstfreies, traditionstrunkenes, zukunftsgieriges Kampfbuch gegen die Abgeklärtheit, gegen die Müdigkeit der in-Spuren-Geher. Ein Pamphlet für die Offenheit der Herzen“, schreibt der literarische Quartett Guro Volker Weidermann am Rücken des bei „Blumenbar“ erschienenen Büchleins, was ich ein wenig übertrieben und auch nicht ganz eingehalten finde.

Die starke Sprache und die stille oder laute Verzweiflung des noch nicht Dreißigjährigen, wie ich es mir interpretieren würde, hat mich aber auch beeindruckt.

Das sitzt einer „Vor dem Anfang“ und schreibt gegen die Angst. Der tut das dann auch in den folgenden sieben Nächten, wo die sieben Todsünden beschrieben werden und er tut das, jetzt schreibe ich das, glaube ich, schon zum dritten Mal, sehr stark:

„Das hier schreibe ich aus Angst. Aus Angst vor dem fließenden Übergang. Davor nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. Ohne Initiation, ohne Reifeprüfung einfach durchgerutscht  bis zur Dreißig“

Und so weiter und so fort, die Handlung ist dagegen schnell erzählt und haben mir schon die Blogger und Booktuber verraten.

Dem gerade noch oder schon Dreißigjährigen, der die besten Chancen und Angst vor der Verbürgerlichung hat, kommt ein  Bekannter, nein kein Pudel, entgegen und macht ihm das Angebot sieben Nächte lang je eine Todsünde zu begehen.

Die werden kapitelweise beschrieben. Im Buch steht dann beispielsweise “ I Superbia“ und weiter hinten im sogernannten Glossar „Superbia-Hochmut Das Hochhaus 07. September“ und von diesem Hochhaus springt der Hochmütige sogann oder läßt sich davon abseilen. Bevor er das tut, läßt er aber wieder seine sprachgewaltigen Pamphlete aus:

„Wie mich diese Welt braucht. Wie sehr sie mich nötig hat. Jetzt. Heute. Hier. Nicht morgen. Nicht irgendwann, sondern  jetzt“.

In der zweiten Nacht oder Sünde geht es  um die „Völlerei“. Da sitzt er dann vor dem Restaurant, damit ihn alle sehen können und läßt sich in Zeiten, wo das ja verpönt ist, die Fleischberge kommen , während er den Bettlern, die höflich auf ihn zugehen, ohne nachzusehen erklärt, gerarade kein Kleingeld zu haben.

Das nächste ist die „Faulheit“, da bleibt er zu Hause und telefoniert mit einem Marketinginstitut und ich denke, das wäre für mich Erstens keine Sünde und Zweites würde es mich wundern, daß der Marktforscher in der Nacht anruft.

Dann gehts zum Thema „Habgier“ auf die „Trabrennbahn“, er setzt zwei Euro gewinnt zweiundvierzig und ärgert sich, beobachtet dabei einen Familienvater, er nennt ihn, glaube ich, leicht verächtlich „Superdaddy“, der seinem Kind, auch in der Nacht?, Nutella Crepes besorgt.

Man sieht, ich bin etwas verwundert, weil der Inhalt nicht so ganz hält, was er verspricht, da sich die Sünden, wenn sie überhaupt welche sind, eher im Kopf, also in der verpönten „Tell statt show-Zone“ abspielen.

Und dann gibts es noch den „Neid“ und die „Wolllust“, die Todsünde „Neid“ wird in der Universitätsbibliothek, die „Wolllust“ auf derm Maskenball betrieben und der Jähzorn spielt sich während einer „Autofahrt“ ab.

Da kommt ein Asylwerber vor, der sich darüber ärgert, daß er seine Qualifikation trotz Traumatisierung erst nachweisen muß und das das wütend machen kann, ist ja leider auch in manchen rechten Publikationen zu lesen, während dem Helden der Geschichten, der schreibende Erzähler „Vor dem Ende“ von seinem Bekannten zur „Bestandenen Reifeprüfung“ gratuliert wird und ich bleibe bei dem neuen „Kultbuch“etwas verwirrt zurück.

Denn wäre es wahrscheinlich spannender, den Helden wirklich beim „Maskenball“ mit einer Schönen vögeln und sein Geld verspielen zu lassen, etcetera, bevor er dann nach Studienabschluß bav heiratet und seine Kinder zeugt.

Aber das hatten wir schon merhmals und wäre nicht so originell und ich kann gestehen, bei mir selber wieder „Neidgefühle“ entdeckt zu haben, als ich bei den „Amazon-Kritiken“, die auch nicht alle so euphorisch sind, entdeckte, daß es sich  bei Simon Strauss, um den Sohn des berühmten Botho handeln könnte und habe etwas neidig „Aha!“ und „Da sieht mans wieder!“, gedacht, da war es auch noch  nicht Nacht und bei den anderen Sündenarten wäre ich wahrscheinlich resistenter.

Die „Faulheit“ würde ich als „Müßigang“ oder „Entspannung“ sogar eher zu den Tugenden rechnen.

Enen Satz kann ich am Schluß noch anfügen, er stammt aus Kapitel I „Auf der Rolltreppe (und nur da) stehe ich immer rechts“.

Später habe ich dann nicht mehr so schöne Sätze gefunden, aber vielleicht war ich da die Sprachgewalt schon gewohnt und habe sie nicht mehr so wahrgenommen.

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3 Kommentare »

  1. Liebe Frau Jancak,

    vielen Dank für diesen Text auch über die „Sieben Todsünden“! Dieses Buch mit dem Titel „Sieben Nächte“, inspiriert mich, Ihnen einen neuen ReBlogger Text zu schicken.

    Im Katechismus der Katholischen Kirche steht geschrieben „206. Was bedeutet Sterben in Christus Jesus? Es bedeutet, in der Gnade Gottes, ohne Todsünde, zu sterben. Wer an Christus glaubt und seinem Beispiel folgt, kann den eigenen Tod zu einem Akt des Gehorsams und der Liebe zum Vater machen. „Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben“ (2 Tim 2, 11)““

    Da ich auch eine katholische Erziehung geschenkt bekommen habe, möchte ich mich auch daran festhalten, auch wenn mein „tägliches Kreuz“ noch schwerer geworden ist, und ich es mehr und mehr unerträglich finde, Jesus Christus nachzufolgen. Aber Herkunft ist Zukunft, hat mir ein Theologe der Wiener Erzdiözese einmal mitgeteilt und mir zu verstehen gegeben. Er hat Recht damit! Wie geht es Ihnen damit? Ich würde mich freuen, wenn Sie bereit sind, mir ein feed-back dazu zu geben.

    Liebe Grüße
    Ihr
    ReBlogger

    Manfred Lagler-regall

    Kommentar von Manfred Lagler - Regall — 2017-08-04 @ 16:14 | Antwort

  2. P.S.: Hier sind die 7 Todsünden aufgelistet! Ein jeder Klassiker des Katholizismus läßt sich hiermit im Reich der Online_Enzyklopädie „KATHPEDIA“ finden.

    Kommentar von Manfred Lagler - Regall — 2017-08-04 @ 16:21 | Antwort

  3. Vielen Dank für Ihre katholische Ergänzung und Ihren katholischen Kommentar! Sie wissen ja wahrscheinlich, daß ich als sozialistische Arbeitertochter und Atheistin, es mit der Religion nicht so sehr halte, obwohl ich im katholischen Österreich aufgewachsen bin.
    So habe ich das Buch auch nicht aus der katholischen Sicht gelesen und ich denke auch, daß es vom Verfasser nicht so gemeint war.
    Aber vielleicht sollten Sie es lesen und dannrezensieren, wie Sie es empfunden haben.
    Vielleicht hat die Kath Press Interesse an dem Buch.
    Ich wurde ja, wie geschrieben, während des Lesens etwas enttäuscht, weil es nicht ganz das gehalten hat, was versprochen wurde und habe das Buch zuerst als den neuen „Faust“ empfunden, aber dann schreibt der Protagonist nur in den höchsten philosophischen Tnöen darüber, anstatt sich wirklich in die Todsünden zu stürzen und im nachhinein könnte man ja fragen, warum man überhaupt Todsünden begehen muß, um erwachsen zu werden, wie der Klappentext mir zuerst ganz selbstverständlich hinüberbrachte, daß man das müßte.
    Jetzt denke ich, man muß natürlich nicht, man muß nicht lügen und nicht steheln, um ein brauchbarer kompetenter Mensch zu werden und dazu fallen mir gleich zwei Bersipiele ein.
    Als unsere Tochter Anna in die AHS gegangen ist, gab es dort einmal einen Infoabend, wo die Polizei den Eltern etwas über Drogen erklärte.
    Da war ein fortschrittlicher Polizist und ließ ein paar zur Ansicht herumgehen und sagte, dann etwas wie, daß man sie ausprobiert haben sollte, um mitreden zu können.
    Ich habe nicht. Ich habe nie gehascht und einen Joint geraucht und bin, als ich so etwa Mitte zwanzig war und noch studierte, mit einer Freundin über Weihnachten nach Amsterdam gefahren, wo die dann jeden Abend in das „Melkweg“,glaube ich, hieß das Lokal ging und meinte, ich sollte mitkommen und ausprobieren.
    Ich bin ich nicht und denke, ich habe nichts versäumt und dann habe ich das http://www.jancak.at/auszug_miranda.html, geschrieben und da geht es ja, um einen Joint den die Miranda zu Anfang raucht und eine Autorenkollegin sagte zu mir, daß man darüber nicht schreiben dürfe, wenn man es nicht ausprobiert hat.
    Aber dann dürfte man ja auch nicht über das Sterben, den Tod und alles andere was man noch nicht erlebt hat, schreiben…
    Ich schweife ab und schließe damit, daß mich Ihre Minung über das „Kultbuch der Saison“ wirklich sehr interessieren würde, ich bin gespannt!

    Kommentar von jancak — 2017-08-05 @ 20:44 | Antwort


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