Literaturgefluester

2017-08-12

Das ist bei uns nicht möglich

Filed under: Bücher — jancak @ 00:29
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In meiner leicht legasthenen Ader hatte ich immer Schwierigkeiten Uptun Sinclair und Sinclair Lewis auseinanderzuhalten.

Der eine amerikanische Schriftsteller stand im roten Wien in den Zwischenkriegsjahren bevor die Austrofaschisten und die Nazis kamen in den Arbeiterbibliotheken und wurde dort an erster Stelle ausgeborgt.

In der Bibliothek meines Vater befanden sich auch einige Bände, die ich immer gerne lesen wollte, aber noch nicht dazugekommen bin und dann gibt es noch Sinclair Lewis auch ein Amerikander, der 1930 den Nobelpreis bekommen hat.

Von ihm habe ich auch einige  ungelesene Bücher in meinen Regalen und sein „Das ist bei uns nicht möglich“, kürzlich wieder aufgelegt, stand lange bei Anna Jeller in der Auslage.

Jetzt hat „Aufbau“ mir das Buch geschickt, das schon im Frühjahr erschienen ist, denn es gibt ja nicht zu übersehende Parallelen zu der gegenwärtigen amerikanischen  Präsidentenschaft, obwohl das Buch 1935 geschrieben und dann in Amsterdam in einem Exilverlag auf Deutsch erschienen ist und Sinclair Lewis, dessen Frau die Journalistin Dorothy Thompson, das Nazi Regime in Deutschland studierte und Hitler interviewte, beziehungsweise ein Buch über ihn geschrieben hat, hat auch wahrscheinlich Deutschland mit seiner Diktatur, die der da beschrieben hat, gemeint.

„It can`t happen here“ oder „Das ist bei uns nicht möglich“, wie es Hans Meissel, 1900- 1991, der Kleist-Preisträger, dann dann im Exil Thomas Manns Sekretärwar, übersetzte und angenehm für alle Sprachüter, „Aufbau“ ließ das Buch nicht neu übersetzen, so daß man den damaligen Sprachgebrauch „Neger“ und manchmal sogar „Nigger“ lesen, wenn gleich der wortgewandte Präsidentschaftskanditat und spätere Präsiident und Diktator Buzz Windrip, der mit dem Versprechen, allen von der Wirtschaftskrise gebeutelten fünftausend Dollar im Jahr zu geben, zu diesen in seinem Wahlprogramm nicht freundlich war.

Denn die sollten, wie die Frauen wieder an den Herd gedräng wurden, von allen Rechten ausgeschlossen, ein Populismus, der schon 1935 zog und so gewann der Gewaltige, die Wahl mit Bravour und verwandelte dann das Land frisch und fröhlich in eine Diktatur.

Das ist sicherlich von Nazideutschland angeschaut und ein bißchen schwer macht es das Lesen, daß da, glaube ich, immer reale Namen mit fiktiven vermischt werden. So kommen Hitler und seine deutsche Diktatur genauso vor, wie Mussolini und auch Upton Sinclair.

Die Hauptfigur ist aber der Zeitungsherausgeber Doremus  Jessup, seine Frau sagt „Dormaus“ zu ihm, der das „Can´t happen here“, wohl früher dachte.

Aber dann wandelte sich alles, nur die fünftausend Dollar wurden nicht eingelöst. Dafür gab es Arbeitslager in die die Arbeitslosen eingeliefert wurden, die sich dann bald Konzentrationslager nannte und eine private M M-Armee, die alles überwacht und bespitzelt, gab es auch.

Vorläufig residiert Doremus aber noch in seiner Villa mit Frau und Kindern. Es gibt eine rebellische Tochter namens Sisi oder Cäcilia und einen Sohn, der später Regimeanwalt wird, mit der Haushälterin namens Missis Candy und einem Hund namens Närrchen, nur der Diener Shad Ledue mit dem Doremus immer unzufrieden war, ihn aber aus humanen Gründen nicht entlasen wollte, hat schon früher das Lager gewechselt und ist nun der örtliche Gestaposchef.

Er ist es dann auch, der Doremus, als der einen rebellischen Artikel selber setzt, weil es seine Angestellten nicht mehr wollen, verhaften läßt, Doremus kommt aber noch nicht ins Konzentrationslager. Er muß noch seinen  Nachfolger einschulen.

Ein Fluchtversuch nach Kanada scheitert. So begibt sich Doremus mit ein paar kommuinstischen Freunden in den Widerstand, fertig mit seiner Frau und seiner Tochter Handzetteln an. Zuerst wird ein anderer statt ihm deshalb verhaftet. Man kommt sehr leicht ins KZ, es genügt schon, wenn ein anderer seine Stelle haben will oder man einen Witz erzäht. Später trift es den ehemaligen Herausgeber aber doch, er wird gefolter, geprügelt und kommt dann schon über sechzig zu siebzehn  Jahren in das Straflager, das einmal eine Mädchenschule war.

Inzwischen lebt der Präsident in Saus und Braus in einer Hotelswuite und läßt nur seine Frau aus der Provinz im weißen Haus residieren, hat aber in seinen Reihen natürlich seine Feinde. Wird gestürzt und der Nachfolger dann auch ein paar Wochen später vom nächsten Feind ermordet, der ein strafferes Regime aufzieht und Krieg mit Mexiko beginnen will. Das gibt dem ehemaligen Präsidentschaftkanditaten und Gegner Windrips, der nach Kanada geflohen ist, Aufwind. Doremus konnte inzwischen auch fliehen und kehrt dann, um den Widerstand zu leiten, nach Amerika zurück. Dort hat er zuerst eine Viso vom freien Leben, bevor er kalt geweckt wird, läßt sich aber  nicht unterkiregen, denn ein „Doremus Jessup,“ wie der letzte Satz des Buches lautet, „der stirbt nie.“

Es gibt ein Nachwort von Jn Brandt, das die damalige Situation erklärt. Das deutsche Buch, wurde 1936 von den Nazis verboten. Es gab dann in den Achtzigerjahren eine, glaube ich, ostdeutsche Wiederauflage und jetzt das Remake.

Donald Trumps Populismus macht es wohl möglich, ein Kultbuch daraus zu machen, mögen sich die Herausgeber gedacht haben und es fängt auch erschrecklicken ähnlich an, obwohl es damals das Radio war und nicht die Twitternews, die die Zuhörer, den verarmten Mittelstand fesselte und von Buzz Windrips Populismus verleiten ließ und so ist es sicher interessant  Siclair  Lewis Nazi-Parodie der Neunzehndreißiger Jahre zu lesen und in den ersten Kapiteln gibt es immer wieder Textauszüge aus „Die Stunde Null“ von Berzelius Windrip, wo er seinen Wahlwolk alles und jedes verspricht und nach der Wahl wurden dann alle „Anti Buzz“ sofort aufs Bitterste verfolgt.

Jetzt muß ich noch die anderen Bücher des amerikanischen Nobelpreisträger, wie der „Gottsucher“ oder „Die Benzinstation“ lesen.

Mal sehen wann ich dazu komme und bis dahin können wir uns an Donald Trumps Hoppalas und seinen Fehlbesetzungen  freuen und darauf vertrauen, daß das in Amerika hoffentlich doch nicht alles möglich ist und passieren kann.

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5 Kommentare »

  1. Halli hallo,

    ich lese dieses Buch auch gerade und es ist ob der Sprache tatsächlich nicht so einfach. Der Lesefluss stockt hin und wieder. Eben wegen der Thematik und der derzeitigen Lage in den USA hat mich dieses Buch gereizt. Ich hoffe auch sehr, dass wirklich nicht alles möglich ist, und am entscheidenden Punkt, die Amerikaner wieder den „richtigen“ Weg finden…

    GlG vom monerl

    Kommentar von monerl — 2017-08-16 @ 11:29 | Antwort

  2. Ich denke, daß es auch eher als Satire auf das dritte Reich geschrieben wurde und der Donald Trump halt der Aufhänger war, das Buch wieder zu verlegen.
    Die Sprache habe ich eigentlich eher nicht so auffällig empfunden, allerdings hat es etwas länger gebraucht, bis ich in das Buch hineingekommen bin. Im ersten Kapitel habe ich mich bei den vielen Persone,n die da erwähnt wurden noch nicht so recht ausgekannt.
    Viel Spaß beim Weiterlesen und liebe Grüße, Danke fürs Kommentieren!

    Kommentar von jancak — 2017-08-16 @ 11:52 | Antwort

    • Das Traurige ist eben, dass eine in 1935 geschriebene Satire aufs Dritte Reich heute wieder aktuell aufs derzeitige Zeitgeschehen angewandt werden kann. Nicht nur traurig, sonder auch erschreckend, zumindest für mich.
      Ihre Erfahrung mit dem ersten Kapitel teile ich. Mir schwirrte der Kopf vor so vielen Personen. Ich hoffe, das legt sich wieder.

      Habe Ihren Blog eben erst entdeckt und freue mich auf weitere Gemeinsamkeiten oder auch Empfehlungen!
      Liebe Grüße, monerl

      Kommentar von monerl — 2017-08-16 @ 12:40 | Antwort

      • Ja, ein bißchen geht es mir auch so, wenn ich beispielsweise im Internet verfolge, wie da die „Rechten“ gegen die „Mulitkultis“ und die „Linken“ hetzen und höre, daß angeblich schon fünfzig Prozent der Jugendlichen bei den Identitären sind, weil sie keine Ausländer wollen.
        Den Roman habe ich aber eigentlich nicht als so bedrohlich empfunden, sondern eher als Zeitdokument gelesen.
        Da hätte ich übrigens eine Empfehlung für Sie, nämlich Hannes Stein „Nach uns die Pinguine“.
        Das Buch kann man ab morgen besprechen, bei mir wirds glaube ich am Samstag erscheinen und da geht es auch um einen Präsidenten mit „komischen Haaren“ und eine Welt die schon fast untergegangen ist, da hat der dritte Weltkrieg durch Nordkorea begonnen, auch sehr dichte oder noch dichtere Ähnlichkeiten und man kann sich fragen, was dagegen tun?
        Außer möglichst keine Populisten wählen, fällt mir nichts Rechtes ein und natürlich ist es ein wenig erschreckend, wenn man solche Utopien in den Büchern liest und dann das Radio aufdreht und sich fürchten könnte, daß wir gar nicht sehr weit davon entfernt sind!
        Liebe Grüße, freut mich, daß Sie mich entdeckt haben und mich kommentieren, denn ich habe, glaube ich, gerne ein wenig Austausch auf dem Blog!

        Kommentar von jancak — 2017-08-16 @ 13:03

      • Ja, so fühle ich auch. Dieses nicht recht wissen, wie genau man dagegen halten kann und soll ist schrecklich. Wählen gehen, sich informieren, differenzieren, Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturkreisen suchen, Reisen, spenden, lesen und die Meinung immer wieder laut sagen. Sieht nach viel aus aber dennoch habe ich das Gefühl, es reicht nicht aus, wenn man sich umschaut, wer alles Stimmen erhält und wie sich die Welt so entwickelt…

        Herzlichen Dank für den Buchtipp, habe ihn mir sofort gespeichert!
        Ein kleiner und feiner Austausch auf dem Blog macht mir auch große Freude. Es lebe das Internet!
        Bis bald mal wieder! Monerl

        Kommentar von monerl — 2017-08-16 @ 13:23


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