Literaturgefluester

2017-08-23

Über das Schreiben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:23
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Bevor es ans Buchpreislesen geht, Charles Bukowski „Über das Schreiben“, ein Buch, das schon im Frühjahr erscheinen sollte und man irrtümlich für einen Schreibratgeber halten könnte.

Vielleicht sind das die „Briefe an meine Weggefährten und Gönner“, des 1920 als Heinrich Karl Bukowski in Andernach am Rhein geborenen Autor, den man, wie am Buchrücken steht, Untergroundautor nennen kann auch.

Statt Untergroundautor könnte man wahrscheinlich auch Angehöriger der Beatgeneration sagen und irgendwie hatte ich den Namen im Gedächtnis, als ich das Buch, am Cover ist ein Whiskyglas“ zu  sehen bestellte.

Schaute ich in meinem Bibliothekskatalog nach, fand  den Gedichtband „Flinke Killer“ und kann so schnell nicht sagen, ob ich ihn gelesen habe.

Also ein  bißchen in kalte Wasser gesprungen.

„Kiwi“ ist nicht ganz schuldlos daran, gibt es zwar im Netz auf der Verlagsseite einen Lebenslauf, im Buch aber nicht. Das beginnt mit dem „Vorwort des Herausgebers“, Abbel Debritto, beziehungsweise eigentlich mit einer Zeichnung, denn das war Charles Bukowski wohl auch und der Herausgeber läßt gleich wissen, „daß es praktisch unmöglich ist, die Briefe in der reinen Textform wiederzugeben“ und da kommt man gleich auf etwas, das mich aufhorchen ließ, nämlich die Rechtschreibung.

Mir wird ja immer vorgeworfen, ich hätte soviel Fehler könne nicht rechtschreiben und kiefle dann daran, weil ich das ja eigentlich nicht will, aber muß oder sollte, denn wenn man einen Rechtschreibfehler hat ist man gleich unten durch.

Dem saufenden Undegroundpoeten war das offenbar egal und er hat geschrieben, wie er wollte oder konnte. Also eigentlich bewunderswert.

Es kommt dann später einiges, an dem ich mehr zu kiefeln hatte, zuerst aber ein Foto des Herausgebers, die Erkenntnis kein Lebenslauf, was sich dann nicht als nicht so schlimm herausstellen sollte, denn erstens gibts ja „Wikipedia“, zweites ist der in den Briefen selbst mehrmals enthalten und Bukowski scheint auch besonders gerne zu betonen, daß er 1920 in Deutschland geboren wurde, dann setzte er meistens sein momentanes Lebensalter hinzu.

Die Briefe beginnen 1947 und enden 1993. Im März 1994 ist der Autor in San Pedro gestorben und wenns schon keinen Lebenslauf gibt, gibt es wenigstens ein Personen und Sachregister, also ein Verzeichnis der Personen an die Bukowski seine vielen Briefe geschrieben hat.

Das ist aber leider nicht ganz vollständig und manchmal sind den Briefen, die Angaben, wer der Adressat war und warum Bukowski das geschrieben hat, auch vorangestellt.

Genau genommen ist das Buch also ein Lebenslauf und in den Briefen an die Weggefährten, erfährt man  auch einiges über das Schreiben, denn der Autor, der vielleich,t wie ich ein Schreibbesessener gewesen ist, schreibt sehr viel darüberund die meisten Adressaten sind Beatpoeten oder Herausgeber von Literaturzeitschriften, bei denen Bukowski publiziert oder jedenfalls hingeschickt zu haben scheint.

Der erste Brief stammt aus 1945 und ging an die Mitherausgeberin des Magazins „Story“, wo Bukowski erstmals publiziert hat:

„Ihr Ablehungsschreiben habe ich erhalten, zusammen mit dem formlosen KKommentaren Ihrer Lektoren. Klingt als wäre das was für mich. Bitte melden Sie sich, wenn sie einen weiteren Lektor benötigen. Ich finde nirgendwo Arbeit, daher dachte ich, ich probier es mal bei Ihnen“

Klingt interessant und originell und wenn man dann doch an den inzwischen gefundenen Lebenslauf geht, bekommt man heraus, daß der in Deutschland geborene Sohn eines Besatzungssoldaten, 1923 mit seinen Eltern in die USA ging.

Dort begann er sehr früh zu trinken, hatte 1954, das ist schon ein paar Briefe später, einen Magendurchbruch, wo er in einem Armenspital behandelt wurde, auf das er sich öfter in seinen Briefen bezog.

Er lebte von Glegenheitsjobs, was er auch öfter beschrieb und sein Schreiben begann in drei Phasen, zuerst kamen die Erzählungen, bis zu eben jenen Magendurchbruch, dann die Gedichte, die er an die verschiednenen Kleinverleger schickte, die die Texte mal nahmen und mal auch nicht.

Interessant ist auch, daß Bukowski nie mit Durchschlag schrieb und auch nie vermerkte, wem er was geschickt hat und was davon veröffentlicht wurde.

Noch viel später hatte er auch eine Kolumne, er hat auch lang in einem Postamt gearbeitet und darüber einen Roman geschrieben.

Als bekannter Schriftstellernamen, auf den er sich bezieht, taucht immer wieder Hemmingway auf und dann das, was ich bedenkelich finde, Lous Ferdinand Celine, den er als großes Vorbild nannte, der aber, glaube ich, auch ein großer Antisemit war.

Da gibt es eine Stelle in den Briefen in der er sich darauf bezieht und dann schreibt er seinen Freunden und Weggefährten auch viel übers Schreiben, beschwert sich einmal, daß man jetzt auch unbekannte Autoren oder Musiker näme und dafür Beethoven aus der Rangliste herausschmeißen würde, ja richtig, für Musik scheint sich das Rauhbein, daß sich auch sehr intensiv herumgevögelt haben dürfte und mehrmals geschieden oder verheiratet war und eine Tochter hatte, auch zu interessieren. Einmal beklagte er sich, daß ihm der Erfolg nicht so beschieden war, er wurde einmal auch bei einnem Stipendium abgelehnt und einmal beschwert er sich über eine Feministin, die sich über seine rauhe Sprache, beziehungseise seine Beschreibung einer Vergewaltigung beschwert.

Es gibt einen Brief an Henry Miller, den er im August 1963 geschrieben hat, dem waren  einige Zeichnungen beigelegt, die auch in dem Buch abgebildet sind.

Allmählich wird der berühmt, die größeren Verlage fragen an und er bekommt in Carl Weissner einen Übersetzer, der ihm im deutschen Sprachraum bekannt macht.

Bei dem beklagt er sich über seinen Verleger, John Martin, der ihm zuviel beschnitten und verändert hat.

„Irgendwie habe ich den Eindruck, er präsentiert mich ständig ein bisschen normaler und angepasster, als ich bin!“

Aber, wie er 1986 an Kurt Nimmo, keine Ahnung, wer das ist, da hier die biographische Angabe feht, schreibbt: „Ich will aber keinen Kleinkrieg mehr … mit Martin. Ich will nur meinen Wein trinken und an der Schreibmaschine sitzen.“

Er will auch keine kreativen Writingseminare, macht sich über die, auch wenn er eine Einladung, als Dozent bekommt gehörig lustig und auch über die Lyrik fällt er entsprechend her.

„Wenn die Jungs auf dem Schulhof Lyrik nicht mögen, sie sogar als Hobby für Weicheier verachten, dann haben sie nicht ganz unrecht.“

Und 1990 schreibt er: „Seminare, Seminare sind für Dummies. Ein Gedicht zu schreiben, ist nicht schwerer, als sich einen runterzuholen oder eine Flasche Bier zu trinken. Schauen Sie, hier kommt eins:

mutter sah den waschbärn, sagte mir meine Frau ach, sagte ich so viel zum stand der dinge an diesem abend.“

Später probiert er sich auch am Computer und schreibt 1992 an Jack Grapes, auch keine biografische Angabe,

„So siehts aus. In der Zwischenzeit tue ich mein bestes Mensch zu bleiben. Heißt. ich spreche mit meiner Frau, streichle die Katze, sitze auf dem Sofa und gucke Fernsehen, wenn das geht, oder lese auch nur die Zeitung von vorne bis hinten durch, gehe früh ins Bett. 72 zu sein, ist nur ein weiteres Abenteuer. Mit 92 blicke ich zurück und lache darüber. Nein, ich bin genug rumgekommen. Am Ende ist es doch immer derselbe Film. Nur dass die Gesamtsiutation nicht unbedingt schöner wird. Trotzdem, ich hätte nie gedacht, dass ich das noch erlebe, und wenn ich irgendwann gehe, bin ich bereit.“

Das ist fast ein Schlußwort. Trotzdemdem gibt es 1993 noch einen Brief an Joseph Parisi und ein Foto des „angry old man“, der aber ganz freundlich in die Kamera schaut.

„Kiwi“ hat noch ein paar weitere Bücher von Charles Bukowski verlegt, die man im Anhang finden kann. Das vom „postoffice“ heißt auf Deutsch „Der Mann mit der Ledertasche“.

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2 Kommentare »

  1. hallo, eva jancak, nach längerer Abstinenz schau ich wieder einmal vorbei und sehe ein buch mit briefen von Bukowski, das mich interessiert, danke dir dafür, hab sonst noch nirgends davon gelesen…, verbringst du die Sommerfrische wieder in der nähe von st.p.? liebe grüße! und schreib ruhig einfach weiter so drauf los wie bisher, fehler hin und fehler her, rundherum das ist nicht schwer oder sauschwer oder so ähnlich halt. ciao derweil! herzlichst r.

    Kommentar von rudolf lasselsberger — 2017-08-27 @ 15:53 | Antwort

  2. Fein, wieder etwas von dir zu hören, habe schon gedacht, du bist dem „Literaturgeflüster“ verloren gegangen.
    Ja, das Buch kann ich dir empfehlen, es ist sehr interessant und was die Fehler betrifft, ich tue was ich kann, habe, glaube ich, inzwischen meine eigene Rechtschreibung, werde im Alter offenbar etwas legasthen und habe jetzt auch einen neuen Computer, wo die Maus macht, was sie will.
    Ich korrigiere jeden Text mindestens einmal, da ich aber oft nach den Veranstaltungen, also sehr spät schreibe und auch noch schlafen muß, denke ich, eine Stunde für das Bloggen sollte reichen.
    Tut es natürlich nicht, so sind sicher in den schon über dreitausend Artikeln viele Flüchtigkeitsfehler drinnen, an denen sich meine Leser manchmal stören, ich bessere auch aus, denke aber, daß außer den paar Flüchtigkeitsfehlern und denen, wo mir die Grammatik wurscht ist und ich denke, daß ich mich da nicht anpassen will, auch sicher viel Wichtiges und Interessantes drinnen steht, was man sonst so leicht nicht findet.
    So wird es wahrscheinlich bleibe,n wie es ist und ich freue mich natürlich sehr, wieder etwas von dir zu hören und hoffe es geht dir gut, daß Hans Jörg Zauner, den du glaube ich, auch gekannt hast, gestorben ist, hat mich übrigens sehr getroffen.
    P.S. Kommst du aufs Volksstimmefest?

    Kommentar von jancak — 2017-08-27 @ 18:32 | Antwort


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