Literaturgefluester

2017-09-16

Nach Onkalo

Jetzt kommt Buch zehn der LL und eines das Malte Bremer vom „Literaturcafe“ gut gefallen hat, er hätte es auf die Shortlist gesetzt. Dorthin ist es nicht gekommen, es ist aber wirklich ein beeindruckendes Buch, denn es erzählt einmal nicht von der Milifekrise des intellektuellen Mannes, sondern von den kleinen Leuten, die irgendwo dort wohnen, wo man eigentlich wegzeht, wenn man es kann, dort wo die Füchse gute Nacht sagen und die Mütter vielleicht immer noch ihre vierzigjährigen Söhne mit dem Besenstil an der Decke wecken und ihnen das Frühstück richten.

Das hat einer You-Tuberin, die sich durch sie Longlistproben las, nicht gefallen und hat von Sklaverei gesprochen. ich denke es ist aber nur die ganz gewöhnliche Beziehung zwischen einer Mutter und dem noch bei ihr wohnenen erwachsenen Sohn, der keine Familie hat.

Da kenne ich einige davon und es ist, glaube ich, auch nicht die Geschichte einer Depression, sonder ein  depressives oder depressiv machen könnendes Buch, das die 1981 in Mecklenburg geborene Kerstin Peiwuß, die am  „Literaturinstitut in leipzig“ studierte und beim „Bachmann-Preis“ las, da geschrieben hat.

Ich habe es übriges für alle die es wissen wollen, doch in Buchform gelesen, obwohl es das einzige Buch  war, was ich bei „Netgalley“ öffnen konnte und es beginnt sehr eindrucksvoll.

„Mutter ist weg. Stimmt nicht, sie liegt noch im Bett, aber Matuschek kann nichts anders mehr denken.“

Das ist, denke ich, wirklich sehr eindrucksvoll beschrieben, das was wir alle vielleicht einmal erleben werden oder schon erlebt haben und das uns dann ratlos macht.

Bei Matuschek, dem wortkargen Wetterbeobachter am Flughafen, gibt es soetwas noch, ist das so und er rennt erst einmal durchs Haus, dann zu seinem Nachbar Igor, der mitkommt, Kaffee macht, die Ärztin ruft und den „Towarischtsch“ dann in sein Haus nimmt um ihm Wodka zu kredenzen.

Er verschafft ihm auch eine Frau, nämlich die Cousine seiner Frau, Irinia und es ist auch nicht so, daß Matuschek noch keine Erfahrungen hat. Die Mutter hat sehr oft wegen der hohen Telefonrechung an Sexhotlines geschimpft, nur ins Haus durfte ihr offenbar keine kommen und mit Irina, der ebenfalls wortklargen Russin klappt es auch nicht so ganz, denn die hat schon einen Sohn und verheimlicht ihm das.

Matuschek hat noch ein Hobby, nämlich das Taubenzüchten und außer Igor noch den alten Witt mit seinen Weltuntergangsphantasien als Freund.

Er verliert dann seine Arbeit und Igor mit dem er öfter angeln war, ertrinkt. Der hinterläßt ihm sein Boot, Galina zieht aus. Ein anderer Nachbar, ein rauer Kerl namens Lewandowski, der alle übern Tisch ziehen will, zieht ein und es macht vorerst den Eindruck, als würde es mit Matuschek bergab gehen. Er macht seine Post nicht auf, Staub liegt überall, auch die Tauben verkommen und er liegt schließlich nur besoffen in dem Boot, so daß ihn der Nachbar retten muß, der das mit rauhen Ton auch tut, dafür aber das Boot haben will.

Es kommt dann zu einer Kehrtwende, Matuschek nimmt sich zusammen, geht einkaufen, beobachtet dort, auch eine berührende Szene, eine alte Frau, die stundenlang vor einer Ampel steht und wartet und die er dann ins Pflegeheim zurückbringt.

Der alte Witt hat sich in seinen strahlensicheren Kellner eingebunkert und dort gestorben, so daß Matuschek seinem rauen Nachbarn, der von Inport und Export lebt, sprich, alles verkauft, anbietet auch sein Haus zu verkaufen und mit seinen und mit Witts Tauben in einen Wohnwagen zieht und dort offenbar in einem aufgelassenen Kernkraftwerk neue Arbeit und Freunde findet.

Für eine gewöhnliche Depression passiert hier eindeutig zu viel, das ist schon der Einfluß des Literaturinstituts zu merken und Mariki Fallwickl eine der heurigen offizielen Buchpreisblogger schreibt bei ihrem Buchpreischeck auch, das es kein Buch für jeden wäre.

Ja und nein, würde ich da antworten, eigentlich schon, weil wir ja alle einmal sterben und unser Leben meistern müßen, aber es kann in seiner Tristesse einen oder eine auch ganz schön hinunterziehen. Es ist aber sicher ein sehr literarisches Buch und eines das in schöner Sprache vom Leben der kleinen Leute, die es nicht so einfach haben in diesem Leben und dieser Welt und das mir deshalb ebenfalls sehr gut gefallen hat.

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