Literaturgefluester

2017-09-22

Jochen Jungs Wunderkind und Quotenmann

Am Mittwoch war ich ja bei einem „Buch und Kommunikation“, wo es um Sexismus beziehungsweise das Genderthema in der Verlagsbranche ging, wo Jochen Jung am Podium saß und gegen die Quote sprach, denn bei der Literatur zählt natürlich die Qualität und nicht die Quote.

Da wurde er von den jungen Buchhändlerinnen natürlich ordentlich angegriffen, dabei hat er bei seinen Buchpreisnominierten ohnehin nur lauter Frauen und außer Jonke und Handke seinen Superstars ist mir da so schnell nur Lorenz Langenegger eingefallen, dessen Bücher ich ebenfalls gelesen habe, aber sonst eigentlich nur Frauen bei den „Jung und JungBüchern„.

Am Donnerstag war Jochen Jung dann Gast in der Sendereihe „Im Gespräch“, wurde von Günter Kaindlsdorfer interviewt und erzählte von seinem literarischen Werdegang.

Er war ja lange Leiter oder Lektor des „Residenz-Verlages“, wurde dann dort hinausgeschmissen, hat 2000 „Jung und Jung“ gegründet, wo er mit seinem Büchern immer wieder mit Frauen auf der deutschen Buchpreisliste stand und zweimal dort auch gewonnen hat.

Für einen kleineren Verlag eigentlich beachtlich. Er hat inzwischen auch selber zu schreiben angefangen.

„Wolkenherz“ habe ich gelesen und er hat mich damals in den Siebziger und Achtzigerjahren, als ich meine Texte noch zu „Residenz“ schickte auch abeglehnt, allerdings, was kein Trost ist, er aber gestern in dem Gespräch erwähnte, auch Brigtitte Schwaiger, Robert Schneiders „Schlafes Bruder“ und Norbert Gstrein und jetzt hat er einen ganz jungen Autor und um an die Veranstaltung vom Mittwoch anzuschlußen, einen Quotenmann, nämlich, den 1994 in Wien geborenen Elias Hirschl, der schon 2009 im Literaturhaus slamte und auch Slam Welt- Europa- Österreicheichmmeister oder was auch immer ist ist und auch schon bei „Milena“ dem nicht mehr Frauenverlag zwei Bücher herausgegeben hat, eines trägt den langen Titel „Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist ein lausiges T- Shirt“.

Das klingt schon einmal interessant, ungewöhnlich und aufmüpfig und jetzt ist bei „Jung und Jung“ „Hunder schwarze Nähmaschinen,“ herausgekommen, wo es um die Erfahrungen eines Zivildieners in einer betreuten Wohngemeinschaft geht.

Clemens J. Setzt, der ja auch ein junger Erfolgsstar war, hat mit seiner „Stunde zwischen Frau und Gitarre“ auch etwas Ähnliches geschrieben und als ich das Literaturhaus um dreiviertel Sieben nach dem Open day im „Writersstudio“ erreichte, war es schon sehr voll. Vielleicht nicht so voll wie bei dem Poetry Slams, aber sehr viele junge Leute und eine DJ gab es auch.

Der Lektor Günther Eisenhuber hat eingeleitet und dann hat sich der sehr junge Mann durch das Buch gelesen und das Publkum hat zwischendurch gejohlt, gelacht und sogar eine Zugabe verlangt, dabei war das, was Elias Hrschl gelesen hat, gar nicht so lustig.

Es begann mit der Mariahilferstraße und den schrägen Typen, die offenbar dort verkehren, den Schnorrern und den Süchtlern und die WG in die der Zivi tätig ist, scheint sich auch dort zu befinden und Elias Hirschl hat sich offenbar besoders bizarre Szenen aus einem solchen WG-Alltag herausgesucht und vorgelesen, von einer Frau, die keine Veränderungen verträgt und dann schreit und tobt und sich mit Waschpulver vollstopft, damit sie wieder auf die Baumgartner Höhe und ins Otto Wagner Spital, ehemals Steinhof, kann, damit sich alle, um sie kümmern, während sie in der WG ihr Zimmer selber aufräumen muß. Aber dort läßt man sie nach zwei Tagen wieder hinaus, und der Zivildiener muß ihr weiter gut zureden und am Sonntag mit den anderen Klienten in die Konditorei Aida gehen, wo sie alle mit Kaffee und Kuchen vollstopfen, obwohl sie Diabetes haben und schwere Medikamente bekommen und das eigentlich nicht essen dürfen.

Spannend, spannend, das Thema, obwohl ich, wie schon geschrieben, nicht glaube, daß das so lustig ist und die Betreuer dort und die Zivis werden das wohl auch nicht finden, sondern überfordert sein und auch, daß es wieder ein junges literarisches Wunderkind gibt.

Fräulein Wunder kann man ja hier nicht sagen, der junge Mann war aber sehr freundlich und hat auf das Buffet verwiesen, als alle nach einer Zugabe riefen und da gab es Brötchen und nachher eine Torte in der Form des Buches und ich habe mich mit Anna Jung unterhalten und mich bei ihr für die beiden Buchpreisbücher ihrer nominierten Nichtquotenfrauen bedankt, die ich noch lesen muß.

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