Literaturgefluester

2017-09-24

Margaretner Sonntag

Filed under: Alltagsgeplauder,Veranstaltungen — jancak @ 15:55
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Ich lebe ja schon über zwanzig Jahre in Margareten, im fünften Wiener Gemeindebezirk. Aufgewachsen bin ich in Hernals in einem alten Gemeindebau in der Wattgasse. 1977 zog ich  als Studentin in die Otto Bauergasse, später mit dem Alfred in die Gumpendorferstraße. Dann hatte ich Anfang Neunzig einePraxis in der Reinprechtsdorferstraße. Eine Zeitlang sind wir auch von Harland nach Wien gependelt und seit Ende 1990 habe ich meine Praxis und meine Wohnung in der Krongasse und seit da beschäftigte ich mich  auch mit dem Bezirk, beziehungsweise der Kunst und Kultur die des dort gibt.

In „M.M. oder die Liebe zur Germanistik“, habe ich darüber geschrieben und mit der Frau Bezirksrat Steininger, habe ich meinen ersten Frauenspaziergang durch Margareten gemacht.

Ich erinner mich genau, da sind wir in dem Cafe gewesen, das sich in dem Haus befindet wo die Mutter von Bruno Kkreisky geboren wurde und als wir in die Zentagasse wollten habne wir da bei den Bankerln bei dem Durchgang zur  Siebenbrunnengasse Jeannie Ebner getroffen und gleich angesprochen.

Das Wiener Lesetheater hat seinen Ostersapziergang 2009 durch Margareten gemacht.Da habe ich an einigen Stationen gelesen, darunter im Cafe Standard mein Gedenken an Elfriede Gerstl die da gerade gestorben war und wir haben den „Read!!ing room“ besucht, wo ich inzwischen mehrmals gelesen habe und der ja selbst Bezirksrundgänge macht. Einen habe ich einmal besucht und jetzt hat mich der Alfred auf einen Wiener Frauenspaziergang aufmerksam gemacht die Petra Unger veranstaltet und dem Bezirk anbiegtet.. Drei solche hat sie und einer ist den Künstlerinnen, vorwiegend bildende, wie sich herausstellen sollte, gewidmet und es war wieder sehr interessant, was es alles in dem Bezirk gibt, beziehungsweise wer dort gelebt hat, was ich nicht wußte.

So zum Beispiel Teresa Feodowna-Ries eine Bildhauerin, die von Russland nach Wien gekommen ist, da in der Laurenzgasse lebte, wo der Spaziergangbegonnen hat.

Und Petra Unger scheint eine sehr kämpferische Frau zu sein, so flocht sie in ihrem Vortrag immer wieder Beispiel der Unterdrückung der Frau ein. So haben Frauen lange nicht an der Akademie studieren dürfen, sondern mußten Privatunterricht nehmen. Teresa Feodowna-Ries hat sich aber trotzdem durchgesetzt und auch eine Skulptur geschaffen, die immer noch im Kongreßpark steht.

Dann ging es weiter zu einer Volksschule in die Gassergasse, in der sich einmal das „Sulkowski Theater“, befand wo eine Burgschauspielerin namens Stella Hohenfells laufgetreten beziehungsweise geprobt hat.

Und in dem Hochhaus in der Leopold Ristergasse, Petra Unger nannte es „Prominentensilo“ und zeigte ein Foto aus einem Artikel her, wo das so bezeichnet war und das in meiner „M.M. Geschichte“ auch vorkommt, hat die Schauspielerin Gretl Schörg gelebt, die als „Fiaker Milli berühmt geworden ist, aber auch Christine Busta.

Dann wares schon aus mit der Literatur und es ist in die Siebenbrunnenfeldgasse zu dem ehemaligen Atelier einer bildenden Künstlerin gegangen, die aber inzwischen im sechsten Bezirk tätig ist  und danach zum sozialen Wohnbau der Neunzehhundertdreißgerjahre, sprich den Gemeindebauten erbaut aus der Breitnerschen Wohnbausteuer, wo es am Gürtel ja ein paar sehr große gibt, die ich während meiner „M.M.-Recherche“  auch abgegangen bin.

Wir gingen als zum Matteotti-Hof, wo es eine Gedenktafel, des von den Faschistisn ermordeten italienischen Politiker gibt und Petra Unger erklärte, daß bei dem Wohnbau tamals immer ein Teil  der Kunst gewidmet werden mußte. So gibt es in diesen Gemeindebauten  auch Bronzereliefs und Skulpturen und man könnte jetzt fragen, was der sozialistische Gemeidebau und die „Matteotti- Gedenktafel“ mit den Frauen zu tun hat?

Richtig, sie wurde von einer Frau gestaltet  und dann ging es in die Brandmayergasse und zu Ulrike Linbacher, die ja die „Nazi-Idylle-Tafel“ umgegstaltet hat und woch vor kurzem auch gewesen bin, um mit der Ruth den öffentlichen Raum zubeschreiben.

Petra Unger wies hier auf die Familienidyllen hin, meinte, daß Familie nicht Privatsache sei und, daß es erst durch die zweite Frauenbewegung bessere Gesetzte für die Frauen gibt und man bei den Wahlen, die ja bald auf uns zukommen aufpassen muß, daß diese Rechte nicht wieder still und einfach verschwinden und in eine falsche Idylle übergehen, worauf Ulrike Linbacher mit ihrer verkehrten Schrift auch aufmerksam machen wollte.

Weiter ging zum Siebenbrunnenplatz. Hier wies Petra Unger auf Haldis Scheicher hin, deren Atelier zwar geschlossen war, die sich aber sehr für die Umgestaltung der Reinpreichtsdorferstraße und für die Begrünung des Siebenbrunnenplatzes einsetzte und zuletzt ging es zum Künstlerhaus und ich dachte, ha?, denn das befindet sich ja am Karlsplatz. Also dachte ich, es wäre ein neues, aber es gibt, was ich nicht wußte, ein Ausweichquartier in der Siebenbrunnengasse mit einer aktuellen Ausstellung die Petra Unger sehr empfohlen hat.

Das war es dann. Petra Unger wies noch auf ihre Website und ihre anderen Themenspaziergänge hin.Ich ging nach Hause wo  mich der Alfred der da ja sehr fortschrifttlich ist, bekochte und am Nachmittag gibt es wieder das traditionelle Sturmfest im Schloßquadrat, was ja auch eine Margaretner Institution ist.

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3 Kommentare »

  1. Im obg. Matzleinsdorfer Hochhaus wohnte auch Erwin Lanc (*1930), als Verkehrs-, Innen- u. Außenminister von 1973-84 in der Regierung Kreisky, mit Gattin Melitta und Tochter Melitta. Gattin Melitta Lanc hat sich dort, 44jährig, im Jahre 1983 das Leben genommen, indem sie sich in den Kopf schoss. Sie soll an schweren Depressionen gelitten haben. Im Bezirk erzählte man sich damals aber, sie habe sich aus dem Fenster in die Tiefe gestürzt. Topsy Küppers wiederum berichtet in einem Buch, die Ursache für den Suizid sei in „unglücklicher Liebe zu einem jungen Fernsehdirektor“ gelegen gewesen. (Grab: Friedhof Ottakring, Gr.16, R.35, Nr.10)
    Jeannie Ebner wohnte in der Schloßg.3/8, Margarete Schütte-Lihotzky nacheinander Blechturmg.27, Hamburgerstr. 14/11 u. zuletzt Franzensg.16. Andrea Händler wohnt in der Gießaufgasse und Friederike Mayröcker in der Zentagasse. – Und benannt ist der Bezirk auch nach einer Frau: Margareta von Antiochia (+ um 305) war eine aus dem Gebiet der heutigen Türkei stammende Märtyrerin.
    So, jetzt gibt’s einen Kommentar!

    Kommentar von Anton H. Paschinger — 2017-10-28 @ 05:59 | Antwort

  2. Vielen Dank für die Ergänzungen, wohnen Sie auch in Margareten und waren Sie bei dem Spaziergang mit?

    Kommentar von jancak — 2017-10-28 @ 15:27 | Antwort

    • Bin erst jetzt wieder auf diese Seite gekommen und habe zu meiner Überraschung gesehen, dass es eine Reaktion auf meinen Kommentar gibt. Nein, bei dem Spaziergang war ich nicht dabei.
      Ich bin in Margareten in der Gassergasse aufgewachsen (1950er- bis 1970er-Jahre) und habe daher noch immer eine starke emotionale Beziehung zu diesem Bezirk. Außerdem hat in dieser Wohnung meiner Kindheit und Jugend bis zu ihrem Tod 2014 noch meine Mutter gewohnt, die ich regelmäßig dort besucht und betreut hatte. Jetzt werde ich die Wohnung nie wieder sehen, denn die hatte sich, wie sich herausstellte, mein im Ausland lebender Bruder heimlich unter den Nagel gerissen. Auch das eine Geschichte aus Margareten, aber das ist eine andere Sache…
      Ich interessiere mich immer näher für die Umgebung/Gegend, in der ich wohne. Besonders interessiert mich aber, Biographisches von Menschen auszugraben, die Besonders geleistet haben, aber weitgehend unbekannt blieben, oder von Menschen, die ein aufregendes (manchmal auch tragisches) Leben führten und einmal sehr bekannt waren, heute aber fast vergessen sind, wie zum Beispiel Karoline von Perin, Gina Kaus, aber auch Lizzi Waldmüller (deren Vater Wilhelm Waldmüller übrigens seine Theaterkarriere 1893 am Sulkowsky-Theater begonnen hatte).

      Kommentar von Anton H. Paschinger — 2017-11-19 @ 10:21 | Antwort


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