Literaturgefluester

2017-10-16

Klartraum

Jetzt kommt Buch fünf der österreichischen Buchpreisliste, das vierte und das letzte, das ich habe, der kurzen, beim östBp verhält es sich umgekehrt wie beim deutschen, denn da hatte ich am Tag der Shortlistverkündigung noch keines der Bücher gelesen, beim Öst waren es drei und das vierte „Klartraum“ ist jetzt gefolgt.

Daß es sich bei der 1968 in Wien geborenen und in Graz lebenden „Veza-Canetti-Preisträgerin“Olga Flor, um eine komplizierte Autorin, beziehungsweise um ein kompliziertes Buch handeln könnte, habe ich schon geahnt oder gewußt, schließlich hat sie  auch Physik studiert.

Ich habe die Diskussion bei ihrer GAV-Aufnahme verfolgt, sie dann das erste Mal, glaube ich, 2003 gesehen, als es da beim steirischen Fest am Rathausplatz eine Lesung mit steirischen Autoren gab, eine Lesung aus „Die Königin ist tot“, habe ich in der Hauptbücherei verfolgt,den sogeannten Bloggerroman „Ich in Gelb“ gelesen und im Sommer war ich auch bei den O-Tönen, wo ihr neues Buch „Klartraum“ vorgestellt wurde und da erklärte, die Moderatorin, ich glaube, es war Daniela Strigl, es handle sich, um einen Liebesroman. Dann hat Olga Flor sehr schnell und hastig höchstkomplizierte Passagen von Gott und die Welt könnte man so sagen und ich habe nichts verstanden.

Es sind auch, glaube ich, ein paar Leute gegangen und ein paar werden sich vielleicht gedacht haben, daß das Buch der Debutantin, die ja auch auf der Öst steht und die ich erst lesen muß, verständlicher war.

Jetzt steht „Klartraum“ auf der Shortlist, was mich nicht wundert, denn Olga Flor gilt ja als hochlititerarisch:

„Olga Flor gehört zum Besten, was die österreichische Literratur zur Zeit hat“, schreibt auch Helmut Gollner im „Falter“, bzw, am Buchrücken und ihr „Kollateralschaden“ ist auch, 2009 glaube ich, auf der deutschen Longlist gestanden.

Wenn man die Qualität der Literatur an der Sprache, den komplizierten Sätzen, Wenungen und Wortschöpfungen mißt, stimmt das bestimmt, was das Lesevergnügen und die Verständlichkeit, ein Anspruch, den ich vor allem beim zweiteren hätte, wäre ich mir nicht sicher oder würde mich fragen, wer außer Kritikern das Buch zu Ende gelesen hat?

Ich vermute nicht sehr viel und meine Schwiegermutter, eine passionierte Krimileserin würde es wahrscheinlich nicht verstehen und ich eigentlich auch nicht, obwohl mich ja irgednetwas immer wieder zu den Worträuschen einer Andrea Winkler und eines Richard Obermayr zieht.

Olga Flor würde ich auch dazuzählen und sie in eine Reihe mit Lydia Mischkulnig, der neuen „Canetti- Preis Trägerin“ stellen, aber nein, Olga Flor ist ernsthafter, distanzierter und das Buch, wo ich, ich wiederhole es, nicht so ganz verstanden habe, warum es hier eigentlich geht, hat mich mehrmals an die Jelinek und in besonderen an deren „Liebhaberinnen“ erinnert.

Ich glaube, es ist derselbe Grundton oder dieselbe Absicht, die dahintersteckt und wenn ich mich nicht irre hat Olga Flor auch an einer Diskussion zum siebzigsten  Geburtstag der Nobeltreigträgerin mitgewirkt und hier beklagt, daß ihr die Kritiker immer Distanziertheit vorwerfen.

Ich tue das jetzt auch und begründe es damit, daß die Protagonisten in dem Buch keine Nnamen haben sondern A, C, G und vorwiegend P heißen.

Das ist die Frau, die durch das Buch hastet, das in Kapitel, wie „Verlust 1“, „Glück  7“,  „Komik 1“ bis zu „Lust 12“ haben und wenn mich jetzt jemand fragt, was mir ja immer sehr wichtig ist, zu spoilern, was hier eigentlich passiert?

So habe ich verstanden, P hat sich von ihrem Geliebten oder Exgeliebten getrennt, kommt nicht von ihm los, schreibt ihm Abschiedsbriefe, liegt dazwischen in einer Wohnung auf dem Boden oder unterhält sich mit einer Nachbarin darüber, wie teuer Kinder kommen oder ob es peinlich ist, wenn man bei der Elternvertretung um Unterstürzung für den Schikurs ansucht?

Man sieht, Olga Flor ist auch hoch politisch und P denkt, während sie sich die Frage stellt, wo jetzt die Liebe im Zeiten des Neoliberalismus bleibt, sich auch mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt, beziehungsweise sich als ehrenamtliche Helferin betätigt, wird wie schon geschrieben, über Gott und die Welt, die Wirtschaft und deren Korrumpierung und noch vieles andere nach.

P dürfte, mit dem Spilern ist es hier wirklich schwer, weil die Handlung fortwährend von einem Thema zum anderen springt, man sich mal in Berlin, dann wieder in Wien oder auf einer Reise mit A., dem Exgeliebten befindet, den P offenbar, während des Studiums kennenlernte.

Beide haben Beziehungen so gibt eine C und, glaube ich, einen T Ob P Kinder hat, wurde mir nicht ganz klar. A. aber schon und P wollte das wohl auch, unabhängig bleiben. A scheint, wie das so ist, höher gestellt als P zu sein, die in prekären Verhältnissen leben dürfte und dann gibt es noch „Möglichkeit“ genannte Kapitel, wo eine G, eine Paketzustellerin, auftrittt, die offenbar ein Verhältnis mit A eingehen könnte. Es gibt auch  einen Fahrradboten, der eigentlich Islamforscher ist und einen Unfall hat und mit dem haben vielleicht P und G zu tun.

Sehr kompliziert für die Spoilerin, die vielleicht in dem Versuch Struktur in dem Buch zu finden, das Eigentlich übersehen hat. Aber ja, da gibt es noch eine Geschichte, wo sich OlgaFlor über den Literaturbetrieb, beziehungsweise über die E- Bookleser und die Fantasyschreiber lustig macht, beziehungsweise ihnen genaue Anweisungen gibt, wie man eine solche Handlung kostruieren muß, damit die Bankdaten am Ende stimmen.

Am Ende löst sich, glaube ich, A von p und C, As Gattin hat ein Problem mit ihrem Computer, geht daher in den ihres Göttergatten , findet die Mails, schickt sie an sich selbst und beschließt genüßlich sich von ihm, nachdem er sich endlich von P getrennt hat,  zu trennen und eine Quellenangabe gibt es in dem Buch auch.

„Die Pallindrome auf Seite 251 stammen von Brigitta Falkner“, die ja mit ihrem neuesten Buch ebenfalls auf der Shortlist steht.

Man sieht, Olga Flor ist tatsächlich kompliziert und experimentell und wenn ich jetzt raten soll, ob sie den Öst gewinnen wird, würde ich aus den schonzitierten Gründen „Nein!“, vermuten. Denn das würden die Buchhändler vermutlich aufschreien und stöhnen „Nicht schon wieder so ein kompliziertes Buch mit Minderheitengeschmack, den unsere Käufer nicht wollen!“ und auf die sicher leichter zu lesende kryptische PTSD-Geschichte von Paulus <Hochgatterer hinweisen.

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