Literaturgefluester

2017-12-02

Vor dem Frühstück kennt dich keiner

Filed under: Buchpromotion — jancak @ 00:23
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Gleich nach der Vorschau auf „Besser spät als nie“ gibts wieder eine Ankǘndigung, der Dezember ist offenbar produktiv, denn Teil drei meiner „Gestern- heute- morgen- Jahresproduktion“ – „Die unsichtbaren Frau“, die ich zwar schon nach dem August begonnen habe, dann aber doch einen „Nanowrimo“ daraus machte, ist am Tag achtzehn im Rohtext fertiggeworden und muß wahrscheinlich ab dem elften Dezember beim Writers Retreat den ich da beim Writersstudio ausprobierte, das erste Mal durchgesehen und dann nach und nach korrigiert werden, daß es dann im nächsten Jahr, wenn wir schon eine schwarzblaue Regierung haben werden, erscheinen kann.

„Proudly present!“, heißt es doch oder hier ist es das neue Buch, mein dreiundvierzigstes selbstgemachtes, in dem es um ein sogenanntes Bibliotheksgespenst, eine Frau, die mit einem Bus nach Belgrad, Graz, Linz, Salzburg und Berlin fährt und dabei in einige Turbulenzen gerät, sowie noch einiges anderes geht.

Ein Probekapitel gibt es hier zu lesen: www. jancak.at

Die Auflösung der drei Gewinnspielfragen lautet:

  1. Ein Bibliothekgespenst ist die Dorothea nicht wirklich, obwohl mir Richard Weihs ein so schönes Wunschgedicht, beziehungsweise den Beschreibungstext geschrieben hat. Sie wohnt aber in der Hauptbücherei, aber wie sich am Schluß herausstellt, auch nicht wirklich. Also lesen, wenn man das Geheimnis erfahren will.
  2. Therese Schwarzenberg, die depressive Frau in dem Buch, sollte sich eigentlich mit ihrer Freundin Karoline Prohaska treffen, aber weil sie das nicht will, steigt sie in einem Bus nach Belgrad, um ihre Freundin Jovanka Gordelevic zu besuchen, da sich diese aber gerade in Graz befindet, wo es die Vernissage zu ihrer Performance gibt, disponiert sie um.
  3. Die erste Lesung, die Fabian-Szene, die es auch als Probekapitel gibt, war am Volksstimmefest, dann habe ich sie noch bei der „Poet-Night“ und bei meinem Geburtstagsfest gelesen, da ja alle guten Dinge drei sollen. Ich bin aber gerne für weitere Lesungen bereit und stehe für Einladungen zur Verfügung.

Der erste Satz des Buches lautet, wie man schon in der Vorschau sehen konnte:

„Punkt neun, der Wecker klingelte schrill und laut.“

Leider hat mir keiner einen Absatz dazu geschrieben, so daß ich hier kein „Mimikry-Spiel des Lesens“ mit einem weiteren Gewinnspiel machen kann. Wem es aber trotzdem interessiert, wie es weiter geht, hier der erste Absatz, als Appetizer:

„….Dorothea Wewerka schreckte aus ihren Träumen, beziehungsweise aus der Tiefschlafphase, in der sie sich gerade befunden hatte. Mit der Hand über die halblange aschblonde Haarpracht gestrichen, die Decke falten, die Campingliege zusammenklappen und unter das Regal schieben. Denn bald öffnete die Hauptbücherei ihre Pforten. Die Angestellten, sowie der Sicherheitsdienst und auch die Putzfrauen erschienen und sie mußte ihren Schlafplatz räumen. Sich, wie sie das meistens tat, aus dem Kaffeeautomaten ein Heißgetränk herausdrücken. Das Kipferl würde sie sich später in einem Supermarkt besorgen, wenn sie die Bücherei verlassen hatte, um den Tag mehr oder weniger ziellos auf der Straße zu verbringen. Denn Dorothea Wewerka war wohnungslos. Hatte keine feste Adresse aufzuweisen und pflegte ihre Nächte seit sie auf das unbenutzte Zimmer gestoßen war, hier zu verbringen“

Neugierig geworden? Nun das Buch kann man bei mir bestellen, man mir auch eine Rezension für das „Literaturgeflüster“, den eigenen Blog oder wo auch immer schreiben und eine neue Idee habe ich in der Vorschau auch schon angekündigt.

Ich würde nämlich gerne hier eine Leserunde beziehungsweise eine Diskussion über das Buch in den Kommentaren veranstalten. Zu diesem Zweck stelle ich fünf Bücher zur Verfügung.

Wer eines lesen und mir dann einen Kommentar darüber schicken und in Diskussion mit den anderen Kommentierern treten möchte, soll sich bei mir melden, ich schicke das Buch gerne zu, wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich schon auf eine anregende Diskussion!

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6 Kommentare »

  1. Dorothea Wewerka ist der vordergründige Geist in diesem Buch – der Bedrohlichere ist Fabian Hirschmann. Er erfüllt die Klischees des rechten Jungreckens, vom frauenfeindlichen Mutterabstand über die gar nicht so heimliche Vaterverehrung bis zu den ausgreifenden Bezeichnungen von Links gegenüber allem, was nicht in sein Weltbild passt. Dabei geht er mit der am vdB-Sticker erkennbaren Multikultischwester sogar auf ein Bier.
    In der Wiener Hauptbibliothek treffen sich unterschiedliche Schattierungen des Lebens. Fabians Besuch hat seine Recherche über Prinz Eugen zum Hintergrund (er soll doch beim Stammtisch der Identitären über die damals erfolgreiche Türkenverteidigung referieren), Dorothea sucht Wärme zum Schlafen und menschlichen Kontakt. Karo macht sich Sorgen um Tessi, die wiederum nicht ganz nachvollziehbar und ohne Abmeldung nach Belgrad aufgebrochen ist und sowohl ihre Deutschkurse, als auch die innere Orientierung verloren hat. Kommuniziert wird über extralange SMSen und dazwischen verschläft Tessi den Rest.
    Der Reigen der Personen könnte auch ein Traum sein, viele wissen viel voneinander, die Realität der Obdachlosen und dieses einen Identitären lässt die Leserschaft aber verblüfft zurück: Was können wir tun, um die neue Rechte zu verhindern? Hat der Aktionismus der Identitären auch etwas Sympathisches? Dorothea weiß und vermutet allerhand, sie wird immer mehr zur obdachlosen Intellektuellen, die auch gut verbergen kann, nicht zu den angestammten Bibliotheksbesuchern zu gehören.
    Tessi, oder Theresa setzt ihre Verwirrtheit (oder ihren Traum) mit ungeplanten Reisen fort. Fabian Hirschmann demonstriert mit seinen Identitären sogar in Berlin, aber daheim kommt er doch noch zu einem Rendezvous mit der vermeintlichen Multikultischwester.
    Luis Stabauer

    Kommentar von LuisStabauer (@LuisStabauer) — 2017-12-06 @ 08:28 | Antwort

  2. Die Diskussion ist eröffnet, vielen Dank dafür! Ich freue mich über weitere Kommentare und Stellungnahmen.Bücher können noch vergeben werden, bei Interesse einfach melden!

    Kommentar von jancak — 2017-12-06 @ 08:55 | Antwort

  3. Liebe Eva!
    Nachdem ich nun glücklich die Klausurprüfung hinter mich gebracht habe, habe ich einmal einen Abend lang Wien im Adventfieber genossen. Dann aber mich mit deinem Buch beschäftigt und schicke dir die Rezension als Mail, die du in den Blog stellen kannst:
    In diesem Buch gibt es zwei wichtige Orte: die Hauptbücherei am Wiener Gürtel und eine Galerie in Graz. Eine dort geplante Performance bildet den Höhepunkt des Buches, wie mit einem Vorspiel und einem Nachspiel sind die Geschichten, die damit zusammenhängen, und die handelnden Personen des Buches um diese Geschehnisse gruppiert. Dann gibt es das Motiv einer Reise, die teilweise geplant, teilweise durch Zufälle gelenkt wird. Das ist überraschend und gut nachvollziehbar, sowohl die Route als auch die innere Situation der reisenden Therese. Sie ist mit Karoline, einer Bibliothekarin der Hauptbücherei befreundet, die sich um sie sorgt. Diese Verknüpfung wird noch dadurch verstärkt, dass Therese die Künstlerin Jovanka kennt, die in der Galerie auftreten soll. Beide Frauen sind mit der Bibliothekarin und deren jüngerer Schwester befreundet. Die Kontakte und Gespräche dieser Frauen laufen vorwiegend über SMS-Nachrichten.
    In der Bibliothek treffen ein Jus-Student und die Schwester der Bibliothekarin, sie studiert ebenfalls, aufeinander. Von Anfang an ist eine erotische Anziehung bzw. ein Interesse zwischen den beiden erkennbar. Der JUS-Student Fabian ist allerdings auch politisch ziemlich naiv in einer rechten aktionistischen Biergemeinschaft junger Burschen. Deren Denkweise (und Unsicherheit) und Herkunft aus rechten Kreisen wird eindringlich geschildert. Es mischen sich bei den Jungen Abenteuerlust und nicht durchdachte Stereotype und Vorurteile. Fabian ist sich seiner Meinung so sicher, dass er das junge Mädchen in seine Kreise bringen und überzeugen möchte. So erfährt sie auch, was für eine Aktion in der Grazer Galerie geplant ist. Sie kann das nicht verhindern (Scheisse-Bomben werden geworfen), zeigt Fabian aber bei der Polizei an. (Jovanka wird bei dieser Aktion verletzt.) Sein späterer nochmaliger Versuch, sie zu gewinnen, scheitert an der politischen Grundhaltung beider.
    Diese Ereignisse werden von einer Rahmenhandlung begleitet: Dorothea Wewerka ist eine Frau Mitte 30, die im Geheimen einige Wochen in der Bibliothek wohnt, da sie obdachlos ist. Wie sie damit zurechtkommt, wird genau geschildert. Sie muss aufpassen, nicht gesehen zu werden, vor dem Öffnen der Bibliothek aufwachen und auf die Toilette verschwinden usw. Da sie viel Zeit hat, ist sie eine genaue Beobachterin und beginnt auch Gespräche mit der Bibliothekarin Karoline und dem jungen Fabian. Auf diese Weise verknüpft die Autorin Jancak die Geschehnisse miteinander. Zuletzt wird – und das überrascht – klar, dass Dorothea die Situation einer Obdachlosen gewissermassen nachgespielt hat, um eine entsprechende Arbeit schreiben zu können. Am Ende des Buches ist ihr das gelungen, sie gibt den Schlüssel an Karoline zurück. Das ist logisch kaum nachvollziehbar, denn welche Angestellte riskiert ihren Job, damit eine Frau im Abstellkammerl des Betriebes wohnen kann? Jedenfalls macht das besser erklärbar, warum einander unbekannte Personen (Karoline und Dorothea) so viel miteinander sprechen und ins Kaffeehaus gehen wie alte Freundinnen.
    Es gibt zeitgeschichtlich aktuelle Bezüge (Bundespräsidentenwahl), die geschickt eingebaut werden. Die Lebenswelt von unterschiedlichen Realitäten (gutbürgerliche Akademikerfamilie versus arbeitslose und/oder psychisch instabile Frauen) wird gut verständlich dargestellt.
    Stilistisch ist einiges zu kritisieren. Es gibt mehrmals Sätze mit 10 – 13 Zeilen. Da wünschte man sich einige Punkte dazwischen oder wenigstens stringentere Argumentation und Themen innerhalb des Satzes. Dann lässt der pädagogische Zeigefinger bei den wiederholten Zusammenfassungen an Schulbücher denken. Die Dialoge sind an manchen Stellen eigentlich lange Monologe. Es ist kaum vorstellbar, dass jemand so lange einfach nur einem anderen zuhört. Dadurch, dass sich manches nur als Gedanken darstellt, gibt es erzählerische Vor- und Rückgriffe, wobei die dadurch komplizierte Zeitfolge falsch ist. Im Wortschatz gibt es einige Standard-Formulierungen, die wiederholt werden und typisch Eva Jancak sind.
    Ruth

    Ruth Aspöck ist mit Eva Jancak befreundet und seit Jahren in einer nunmehr bereits eingeschworenen Gruppe von Schreibenden mit unterschiedlichen Lebensgeschichten aktiv. Dort entstand die Idee, zu diesem neuen Buch Eva Jancaks „Vor dem Frühstück kennt dich keiner“ Kommentare zu schreiben.

    Kommentar von jancak — 2017-12-17 @ 20:45 | Antwort

  4. Liebe Ruth!
    Vielen Dank für deine Rezension, die ich oben eingestellt habe, damit sie alle lesen können.
    Ich hätte mir zwar, glaube ich, eher persönlichere Kommentare, beziehungsweise Leseeindrücke gewünscht, damit hier eine Diskussion entstehen kann, es ist aber mein erster Versuch einer Leserunde und muß wahrscheinlich noch Erfahrungen sammeln, wie das funktioniert!
    Ja, die Sprache und der Stil ist natürlich Eva Jancak und wird wohl auch so bleiben und es hat mich auch verblüfft, daß du erkannt hast, daß es zeitlich nicht ganz zusammenpasst.
    Das ist, wenn man nahe an der Realität bleibt und konkrete Daten hat, in denen die Handlung passieren soll, wahrscheinlich gar nicht möglich und ganz so realistisch sind meine Texte auch nicht mehr.
    So habe ich schon ganz bewußt mit meiner „Viertagebuchfrau“, dem Buch das ich vor siebzehn Jahren geschrieben habe, gespielt, wo es ja die Urobdachlose Felizitas Fee gibt.
    Jetzt recherchiert die Dorothea nur und „schleicht“ sich ein, um ihren Roman zu schreiben.
    Wie weit das wirklich realistisch ist, weiß ich nicht, denke aber, daß Günter Wallraff und wahrscheinlich auch andere Autoren in diesen Stil schreiben .
    Ich habe, als ich den Rohtext fertig hatte, noch einen Vor-oder Nachmittag in der Hauptbücherei verbracht, bin die Räume abgegangen die Öffnungszeiten studiert, habe auch mit einer Bibliothekarin gesprochen, die mir ein paar Tips gegeben hat und dann auch einiges abgeändert, einiges „Falsche“, weil ich es für meine Handlung brauchte, wie die Kaffeemaschine aber drinnen gelassen und bin auch gespannt, was Christian Jahl, dem ich das Buch versprochen habe, dazu sagt?
    Liebe Grüße und vielleicht könnnen wir in der nächsten Schreibgruppe wirklich darüber diskutieren, weil ich die zeitlichen Unklarheiten in der „Unsichtbaren Frau“, noch
    viel stärker drinnen habe.

    Kommentar von jancak — 2017-12-17 @ 21:02 | Antwort

  5. Liebe Eva,

    hier der versprochene Kommentar.

    In dem Roman „Vor dem Frühstück kennt dich keiner“ greift ein Zahnrädchen ins andere, ein penibel durchdachter Plot mit eigenwilligen Protagonisten, jeder auf seine Art sympathisch. Eine aus verschiedenen Perspektiven erzählte Story, in die österreich- und weltpolitische Ereignisse geschickt eingeflochten sind. Und keineswegs bierernst. Grinsen musste ich schon mal beim Namen Dorothea Wewerka, die sich selbst als Bibliotheksgespenst bezeichnet. Oder bei den Wörtern Vielvölkerklasse, Nullsummeninformation, Multikultischwester. Auch diverse Feststellungen haben hintergründigen Charme, z.B.: dass sich die Linken und die vdB-Freunde mit dem Heiraten Zeit lassen; oder: Licht ins Dunkel bringen beim Einschalten der Taschenlampe; oder: Linz reimt sich beharrlich auf Provinz. Sehr amüsant!
    Allerdings stimme ich Ruth Aspöck (siehe weiter oben) zu, dass die Dialoge allzu oft in Monologe ausarten – und auch die SMS haben oft nichts mehr von „Short Message“, sondern unrealistische Überlänge.

    Zum Schluss ein Diskussionspunkt: In vielen Kapiteln werden die Ereignisse der vorherigen Abschnitte im Detail wiederholt. Wie geht es anderen mit dieser vielfachen Rekapitulation der gesamten Handlung? (Also meine Leserehre rebelliert heftig, wenn ihr Gedächtnisschwäche unterstellt wird.)

    Liebe Grüße
    Margit

    Kommentar von Margit Heumann — 2018-01-12 @ 10:57 | Antwort

  6. Vielen Dank für den schnellen Kommentar, du hast da ja sehr flott gelesen! Was soll ich sagen, ein paar Punkte treffen wahrscheinlich, vor allem, das mit den Monologen und den langen short messages, das habe ich mir beim Korrigieren selbst gedacht, daß das nicht wirklich realistisch ist!
    Allerdings wohl meine Spezialität oder das besondere bei meinem Schreiben, bin neugierig, wie das die anderen sehen und ob sich hier noch eine Diskussin entbrennt?
    Bei den Wiederholungen muß ich wohl wirklich aufpassen, denn manchmal schreibt man wahrscheinlich was dahin, wohl um in den Stoff hineinzukommen, was nicht wirklich notwendig wäre, also nochmals vielen Dank!

    Kommentar von jancak — 2018-01-12 @ 11:04 | Antwort


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