Literaturgefluester

2018-01-29

Balkanfieber

„Mammons Fall“, der 2011 erschienene Krimi, des 1957 geborenen Sozialpädagogen und Bibliothekars Dietmar Gnedt war eines der ersten Rezensionsexemplare das ich für das „Literaturgeflüster“bekommen habe. Das ist lange her, den „Kehrwasserverlag“, gibt es, glaube ich, nicht mehr und jetzt habe ich  von „Anton Pustet“ eine Anfrage bekommen, ob ich das neue Buch von Dietmar Gnedt besprechen will, habe zugesagt und “ Balkanfieber“ lange für einen Krimi gehalten, bis ich daraufgekommen bin, daß es wahrscheinlich mehr eine Liebeserklärung an das zerfallene Jugoslawien, Belgrad, Serbien oder eine Parabel über die Schwächen der Menschheit ist.

So steht auch etwas von „Vergeben- vergelten- vergessen“ am Buchrücken und das Buch ist jemanden in Beglgrad geeidmet, „dessen Lebensgeschichte aber so versteckt ist, daß nur er sie finden kann.“

Es gibt auch ein Nachwort, das die Liebeserklärung an den Balkan verstärkt. Ivan Ivanij von dem ich einige Bücher gelesen habe, wird erwähnt und natürlich auch Peter Handke, der den Autor, wie er erklärt, ermutige, das Buch fertigzuschreiben.

„Es gibt kein Volk, in dessen Geschichte nicht schreckliche Taten zu finden wären. Gerade wir Österreicher und Deutsche haben unsere Schreckensgeschichten noch sehr nahe vor Augen. Vielleicht zu nahe um sie zu sehen? Mögen die Politiker aller Vöker  vor der eigenen Türe kehren und nicht Steine auf andere Türen werfen.“, so endet das Nachwort und dann beginnt der Versöhnungsroman mit einer Fahrt eines ehemaligen Politikers und Ex Botschafters Christoph Forstner von Wien nach Belgrad. Weiße Haare hat er, glaube ich, seine Hände zittern wahrscheinlich, denn er ist ein Alkoholiker und hölt ein Moleskine in de rHhand aus dem er Briefe einer Maddalena liest und langsam, ganz langsam und bedächtig kommen wir in die Gechichte hinein.

Maddalena Todesco, die schöne Venezianerin,  Tochter eines Schriftstellers und kürzlich an Krebs verstorben, war die Liebe zweier Männer, des Österreichers Christoph Forsters und des Serbens Lazar Üetrovic. Den Serben hat sie. glaube ich zuerst kennengelernt, auch auf einer Bahnfahrt nach Wien, die sie als junges Mädchen mit einer Freundin unternommen hat, sie hat ihn geliebt, aber er zu bedächtig,  hat lange gezögert, ihre <liebe anzunehmen, beziehungsweise hat er sich inzwischen mit einer Slavica verheiratet und von ihr eine Tochter bekommen, so  daß ihr nichts anderes überblieb, als Christoph, den sie inzwischen auch kennengelernt hat, zu heiraten und von ihm zwei Söhne zu bekommen.

Er wird, das Buch beginnt in den siebziger Jahren Sekretär oder Adjudant des damaligen österreichischen Außenministers und späterer Botschafter von Belgrad. Er hätte auch der von Brüssel werden können, aber Maddalena entschied sich für das erstere. Dann bricht der Krieg  aus und Christoph, zu sensibel für die Politik, zerbricht an der Wirklichkeit, die er vermitteln soll, fängt zu trinken kann, so daß er nach Wien zurückversetzt wird und die Ehe verbricht.

Langsam, langsam und in vielen Schleifen erfahren wir die Geschichte. Denn wir sind inzwischen in den Zweitausendzehnerjahren, die handelnden Personen, die, wie im Buch auch steht, erfunden sind, sind über sechzig. Maddalena, die die letzten Jhre in Italien gelegt hat, ist verstorben, aber vorher hat sie Endlosbriefe geschrieben, an Christoph und an Lazar, in dem sie beiden ihre Liebe erklärte und Christph hatte offenbar den Auftrag seinem Rivalen, den seinen zu überbringen.

Denn die beiden Männer sind einander spinnefeind, jeder gibt dem anderen die Schuld, am Nichtzustandekommen oder Scheitern der Beziehung  und Lazar hat Christoph schon einmal in Belgrad niedergestochen.

Inzwischen ist Lazars, der auch sehr schön Akkaordeon spielt, Enkelsohn Milan an Leukämie erkrankt und nur viel Geld und eine teure Behandlung kann ihn retten, das serbische Gesundheitssystem nicht, so kommen Fantasien auf, Maddalena darum zu bietten, Lazar weiß offenbar noch nichts von ihrem Tod, während Christoph den Racheplan sinnt, Lazar damit zu demütigen, das er Milan sterben läßt.

Dieser Teil ist etwas verworren, denn er, inzwischen Repräsentant einer Hilfsorganisation ist, geht in das Krankenhaus und erzählt Milans Mutter, daß das Kind in Wien gerettet werden könnte, wenn sie eine Scheinehe eingeht und während die noch überlegt, wird Christoph von Lazar nochmals niedergestochen und liegt in der Intensivstation, während Lazar in das Häuschen seiner Mutter nach Südserbien flieht.

Sehr verworren die Parabel um Schuld und Vergebung und die Geschichte Jugoslawiens und seiner Schönheiten wird dabei auch noch erzählt.

Sehr verworren und verwirrend, die hochpolitische Parabel, einer der Söhne Maddalenas hat sich inzwischen auch noch der FPÖ zugewandt und ist Assistent von Norbert Hofer geworden, der Name wird erwähnt, der des ehemaligen Außenministers und politischen Ziehvaters Christoph nicht, während der andere Sohn in New York lebt und ein schwuler Jazzmusiker ist.

Und das Ende, bleibt wie immer offen oder kann je nach Lust und Laune auf die eine oder andere Seite ausgelegt werden. Der schwerverletzte Christoph hat das Krankenhaus verlassen und ist mit dem Taxis zu dem Hof von Lazars Großvater gefahren. Lazar legt, als er Christoph erscheinen sieht „den Finger auf den Abzug“, während in dem Brief von Maddalena „Meine Lieben! So will ich euch ansprechen. Ihr zwei seid die Lieben meines Lebens. Ich diktiere meinem Vater Luciano diese Worte, weil ich selbst nicht mehr zu schreiben vermag. Ich fürchte, daß ihr nicht zur Versöhnung finden könnt. Das ist meine letzte verbliebene Sorge. Was man nicht mit Liebe betrachtet, hat man nicht erkannt! Könnt ihr euch nicht erinnern?“, steht und am Buchrücken findet man noch die Worte „Das große Thema des Romans lautet Vergebung – bleibt sie eine illusion, so wie der Traum von Versöhnung zwischen den Völkern auf den Balkan?“

Wahrscheinlich ja, denkt die Realistin in mir und hat in den letzten zwei Tagen ein sehr interessantes Buch über den Balkan, seine „Katastrophen, seiner Lebensfreunde und seiner Gastfreundschaft“, gelesen, das ich nur empfehlen kann.

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