Literaturgefluester

2018-02-03

Zwei Schachteln voller Bücher

Filed under: Büchergeschichten — jancak @ 21:02
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Ich bin ja nicht nur eine Vielleserin, sondern auch eine Büchersammlerin und tue das eigentlich schon seit Jahrzehnten. Da war der Bücherkasten meiner Eltern, als Studentin habe ich mir viel gekauft, dann kamen die ersten Gelegenheiten, wie die Büchertürme bei der „Literatur im März“ oder die Bücher aus der aufgelösten Buchhandlung im Haus der Edith B. aus denen ich mich bedienen konnte, die offenen Bücherschränke, jetzt auch die Rezensionsexemplare und das was ich mir aus den Abverkaufskisten ziehe und jetzt sind wieder zwei volle Bananenschachteln zu mir gekommen voll von besonderen Büchern, nämlich die meisten aus dem „Löcker Verlag“, bei dem auch die Ruth ihre letzten Bücher verlegte, der da eine „Edition PEN“ betreibt, ein paar wurden nur vom österreichischen PEN-Club herausgegeben, dem Dichter oder Schriftstellerverein von dem sich die GAV, die Grazer-Autorenversammlung, bei der ich ja, ich glaube, seit 1987 Mitglied bin, 1973 abgespaltet hat.

Der PEN-Club hatte damals den Ruf ein Hort konservativer alter Männer zu sein, bei dem die jungen, wie damals Peter Turrini nicht mehr Mitglied sein wollten.

Inzwischen hat sich das wahrscheinlich etwas gewandelt, so gibt es das „Writers in Prison-Programm“, der PEN hat internationale Kontakte und Josef Haslinger einst GAV Generalsekretär ist auch, glaube ich, Vorstand des internationalen PENs und darf das auch, obwohl man beim österreichischen PEN und bei der GAV nicht gleichzeitig Mitglied sein kann, weil das in den Statuten so steht. Das ist etwas widersprüchlich und es gibt darüber auch öfter Diskussionen und wahrscheinlich trotzdem Doppelmitgliedschaften und der PEN hat, was die GAV nicht hat, auch eine eigene Edition, nämlich die „Edition PEN“, die die Werke seiner Mitglieder aber auch, die der von ihm betreuten Autoren aus dem „Writers in Prison-Programm“ herausgibt.

Ich war nie in Versuchung Mitglied zu werden und könnte das wohl auch nicht, weil ich ja meine Bücher selber herausgebe und deshalb würden sie mich wohl nicht nehmen. Er ist mir aber auch zu konservativ. Cornelia Travnicek ist aber, glaube ich, der internationalen Kontakte wegen, wahrscheinlich eines der jüngsten Mitglieder und Doris Kloimstein, die ich einmal vor  Jahren bei einer Regionalversammlung der IG Autoren in St. Pölten kennenlernte, sie regelmäßig sehe und sie auch Mitglied unserer Schreibgruppe ist, ist das ebenfalls.

Sie ist, glaube ich, auch im Vorstand und sehr engagiert. Jedenfalls hat sie im Herbst im Stadtmuseum von St. Pölten eine Ausstellung „Gschichten aus dem PEN-CLUB –  siebzig Jahre österreichischer PEN-CLUB von der Reorganisation 1947 bis heute“ kuriatiert.

Da war ich nicht bei der Eröffnung, wohl aber an einem Samstag etwas später, habe mir die Bildtafeln, die die Geschichte erklärte und auch den Tisch, wo an bunten Fäden schön angekettet, damit sie nicht gestohlen werden konnten, die Bücher der „PEN-Edition“ auflag, die mich natürlich interessierte.

Was geschieht mit den Büchern nachher, die ja, weil mit einem Loch durchbohrt und von den Ausstellungsbesucher durchblättert, unverkäuflich waren, habe ich gefragt und die Frage ob ich sie haben möchte, natürlich mit einem „Ja!“, berantwortet.

Natürlich, denn ich bin eine Büchersammlerin und wenn ich sobald auch nicht zum Lesen kommen werden, ist es ja sicher interessant sich durch die „PEN-Edition“ hindurchzublättern und zu schauen, was ich kenne und was nicht und dann einen Artikel darüber zu flüstern, um auf einen Teil der österreichischen und auch internationalen Literatur aufmerksam zu machen, die vielleicht nicht so allgemein bekannt ist und hinter den lautschreienden Buchpreis– oder Bestsellerbücher im Hintergrund steht.

Und da wäre einmal zu sagen, daß die „Löcker-Bücher“ meist ein sehr schönes Cover haben. Oftmals ein pastellfarbighes graphisches Design, machmal gibt es auch Zeichnungen darauf, also schon optisch ein Genuß und dann lohnt sich der Rundgang, obwohl ich ja, wie beschrieben, sehr PEN kritisch bin, wirklich, denn man taucht da in ein sehr interessantes Stück Literatur ein, wo ich einmal mit dem  1925 geborenen und 1986 verstorbenen und inzwischen, wie ich glaube, fast vergessenen Dichter Herbert Eisenreich beginnen will. Der war natürlich PEN-Mitglied und wurde in den letzten Jahren von der Editon PEN wieder aufgelegt,  so daß ich demnächst, den von Christine Fritsch und Helmuth A. Niederle, dem derzeitigen PEN-Präsident herausgegebenen Roman „Auch in ihrer Sünde“ lesen werde.

Dann gibt es noch das lyrische Werk, zwei Erzählbände wiederum sehr  ästhetisch mit dem Portrait des Dichters mit der Pfeife auf dem Cover und einen Korrespondenzband mit Friedrich Torberg, der höchstwahrscheinlich auch Mitglied war.

Im Ausstellungsband kann man das wahrscheinlich nachlesen und Ilse Tielsch, die mit Valerie Szabo befreundet war und der ich einmal vor langer Zeit auf ihr Anraten etwas schickte, hat auch einen gesammelten Gedichtband. Dann gibt es Bücher der PEN- Urgesteine Roman Rocek 1935-2013 „Aufzeichnungen, Aphorismen und Gedichte“ und das „Gesamte lyrische Werk“ von Kurt Klinger, sowie Gedichte von einem früheren PEN-Präsidenten Helmut Stefan Milletich, mit dem ich einmal  in einer Jury war.

Von den jüngeren Mitglieder kann ich Elisabeth Wäger erwähnen,  da habe ich eigentlich gedacht, sie wäre in der GAV und war, glaube ich, in der „Alten Schmiede“ als sie „Töchter und andere Bewohner – Ein Rundgang in ein privates Office“ vorstellte.

Dorothea Macheiner war einmal in der GAV oder hatte eine Doppelmitgliedschaft und hat die zwei Erzählungen „Djerba, la Douce und „Komet.Stille“ in der „PEN-Edition“.

Von Alfred Zellinger, der glaube ich, als es die „Bawag“ noch gab, ihre Anthologien herausgab, gibt es zwei „Flash- oder Slam Poetry Bände“, die sicher auch sehr interessant zu lesen sind und dann gibt es, meist herausgegeben von Helmuth A. Niederle und Christian Teissl einige Anthologien und da ist verwirrend, daß eine oder zwei davon zum neunzigsten Bestandsjubiläum herausgegeben wurden. Aber vielleicht wird beim Katalog die Vorkriegszeit nicht mitgerechnet und es gibt auch einen österreichischen und einen internationalen PEN.

Jetzt hätte ich fast die zwei Bände von Peter Paul Wipplinger vergessen, mit dem ich auch einmal in einer Jury war und den ich immer bei den IG Autoren treffe, der ist, glaube ich, aus dem PEN ausgetreten, um bei der GAV-Mitglied zu werden. Er setzt sich, glaube ich, auch für das „Writers in Prison-Programm“ ein und da habe ich jetzt eine Menge Bände, meistens Gedichte, aber auch Romane und Prosatexte von Autoren bekommen, die sonst an mir vorgbeigegangen wären.

Ishraga Mustafa Hamid, die 1961 im Sudan geboren wurde und von der es zwei Gedicht- und einen Gedicht und Prosaband gibt, habe ich aber schon vor Jahren durch die „Widerstandanthologie“ des „Milena Verlags“ kennengelernt und sie war, glaube ich, auch bei der Ausstellung, die, die Doris vor zwei Jahren in St. Pölten kurarierte.

Interessant sich durch einen solchen Bücherberg zu wühlen und jetzt hätte ich fast das schönste Stück, nämlich den von Ulrich Gansert herausgegebenen Bildband „Erlebnis Czernowitz- auf den Spuren von Paul Celan“ vergessen, jetzt muß ich das alles noch lesen und habe oder werde dabei wahrscheinlich auch ein paar meiner PEN Vorurteile abbauen, schon die schönen Cover-Designs können eine wahrscheinlich dazu bringen ud interessant ist auch, daß ich während des Katalogisieren als Hintergrundbeschallung das Hörbuch von Ray Bradburys berühmten „Fahrenheit 451“ hörte, in dem es ja um  Bücherverbrennungen geht, während ich meine Bibliothek, um ein Stück erweiterte, aber Stephan Teichgräber hat mich gestern zu seinem Sommersemester-Workshop eingeladen und da will er sich mit dem utopischen Roman beschäftigen und hat dazu zwar George Orwells „1984“ unter anderem vorgeschlagen, aber „Fahrenheit 451“ ist ja auch ein utpoischer Roman, den ich in den Siebzigerjahren mit Oskar Werner, als Feuerwehrmann gesehen habe, in dem es um eine Welt ohne Bücher geht, die dann einige aufrechte Seelen auswendig lernen, um der Welt das Wissen weiterzugeben und ich habe jetzt einen Teil der schönen „PEN-Edition“ in meiner Bibliothek gesammelt, die ich nach und nach lesen will.

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