Literaturgefluester

2018-02-17

Stadt der Rebellion

Filed under: Bücher — jancak @ 11:59
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Nun kommt wieder ein Roman, der keiner ist, sondern der wahrscheinlich autobiografische Bericht über die ägyptische Revolution von 2011 des, wie im Klappentext steht, Essayisten und Filmemacher Omar Robert Hamilton, der, wie man ergooglen kann, 1984 geboren, Sohn einer ägyptisch palästinäsischen Mutter und eines breitischen Vaters ist, abwechselnd in London und in Kairo lebt und auch Mitbegründer eines Aktivisten und Medienkollektivs in Kairo, ist.

Ein sehr interessantes Buch also, das auf Englisch „The city always win“, heißt und 2017 erschienen ist, die deutsche Übersetzung von Brigitte Walitzek ist jetzt bei „Wagenbach“ erschienen.

Ein interessantes Buch,  nach außen in eine Romanform gekleidet, es gibt zwei Protagonisten, Khalid und Mariam, ein Liebespaar, das weil es die Revoltution auf Trab hält, nichtzu Liebe kommen, könnte man sagen, beziehungsweise im Klappentext nachesen.

Es ist in drei Teile geschrieben „Morgen – Heute – Gestern“ und das ist interessant, weil es eigentlich umgekeht läuft, der erste Teil erzählt die Geschehnisse von 2011, die Demonstrationen, die am Tahirplatz ablaufen, Khalid, der einen Vater in Amerika und auch palästänäesischen Wurzel hat, hat offenbar mit Freunden das Medienkollektiv gegründet. So machen sie Interviews mit Angehörigen von Märtyrern, die bei der Revolution verletzt oder getötet wurden, der Teil, der einundzwanzig Kapitel hat und in  Datum und Zeitangaben gesplittert ist, enthält auch Teewds und Mails, man sieht die neue Zeit und die neuen Medien, die Revolutionen erst ermöglichen, während Mariam, die Tochter einerÄrztin, mit ihrer Mutter vor Ort, die Verletzen betreut, sie im Gefängnis besucht und selber kaum Zeit hat zu essen und so immer dünner und dünner wird.

Handlung gibt es sogesehen keine oder eine kanpp eingestrete, die von den Vätern und den gescheiterten Ehen erzählt, in die wirkichen Ereignissen. Das Buch ist auch einem Cousin des Autors gewidmet, einem Aktivisten, der immer wieder verhaftet wurde und im Gefängnis sitzt.

Im zweiten Teil im „Heute“, der wenn ich es recht verstanden habe, 2013, spielt, für einen oder eine, die die Revolution nicht hautnah miterlebte, sind die sich überschlagenden Mitteilungen verwirrend, es gibt zwar im Anhang ein Sach- und Personenregister, aber keine Zeittafel und so dauert es auch etwas länger, bis man versteht, daß das buch rückwärts erzählt oder das gestern eigentlich, das Scheitern der „Gegenwart“ in der das Buch geschrieben wurde, darstellt, während das „hoffnungsvolle Morgen“ längst längst vorüber ist, haben die Wahlen stattgefunden, die Muslimbrüderschaft hat die Herrschaft übernommen oder die Revolutionäre verraten und das ist in dem Teil, in Schlagzeilen und Mails mit Datumangeben zu lesen

„5.  Dezember: Mutmasslich sechs Tote beim Präsidentenpalast“ etwa oder „24 Juni: schiitische Männer in  Giza gelyncht. Musii schweigt.“

„Mohamed Mursi“ liest man im Personenregister  „wurde als Vorsitzender der „Freiheits-und Gerechtigkeitspartei“ von den Muslimbrüder wieder begründet, im Juni 2012 zum Staatspräsidenten gewählt und im Juni 2013 durch einen Militärputsch wieder abgesetzt.“

Die Revolution ist vorbei, die Demonstrationen gehen aber weiter und im dritten Teil dem „Gestern“, ist Abdal  Fatah al Sisi, „der 2013 den Militärputsch  gegen Mohammed Mursi anführte“, schon Staatspräsident und man kann überall im Land oder in der“ Stadt der Rebellion“ Sisi Masken und Sisi Souveniers kaufen. Es gibt Demonstrationen gegen die neuen Demonstrationsgesetze, alle fürchten sich vor Verhaftungen und ein Teil der Freunde ist schon in den Polizeistationen und Gefängnissen verschwunden und werden von den noch Freigebliebenen gesucht.

Ein interessanter Bericht, der einer, das Beschäftigen mit einer schon wieder gescheiterten Revolutionen, wie das die Revolutionen, trotz Internet, You Tube und Twitter, das es heute gibt, leider offenbar immer an sich haben, schmackhaft machen kann.

2011 ist ja schon länger vorbei, das Leben hat sich seither gewandelt und die Nachrichten vom arabischen Frühling wurden  längst von der IS und der Flüchtlingskrise abgelöst, so ist es wahrscheinlich gut und wichtig sich in die „Stadt der Revolution“ zu vertiefen und ich habe mich ja in der „Wiedergeborenen“ ein bißchen damit beschäftigt und die „Literatur im Herbst“ hat es einmal auch getan.

„Das Buch erweckt die gescheiterte Revolution in den Straßen von Kairo zum Leben, in all ihren jugendlichen Mut und naivenOptimismus“ hat der Nobelpreisträger J. M Coetze am Buchrücken geschrieben und Richard Ford meinte; „Ein bewegender klarer und schlauer Roman über politische Unschuld und Angstlisgkeit“, wie geschrieben, ich halte das Buch für kein Roman, habe mir beim Lesen auch etwas schwer getan,  aber wichtigen Nachhilfeunterricht in der jüngeren Geschichte bekommen, auch wenn es eigentlich sehr traurig ist, daß sich auch der arabische Frühling wieder nur in den Winter zurückdrehte.

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