Literaturgefluester

2018-03-31

Osterspaziergang mit Kunst im öffentlichen Raum

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 20:20
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Es gehört  zu meinen Gewohnheiten beim Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft mitzugehen. Sonst habe ich ja mit der LitGes der literarischen Gesellschaft, die es in St. Pölten gibt und die das „Etcetera“ herausgibt, nicht so viel zu tun. Robert Eglhofer, der eine Zeitlang Vizeobmann war, hat zwar einmal ein Portrait von mir herausgebracht und ich war auch bei der Veranstaltung, wo das entsprechende Heft vorgestellt worden und einmal, lang lang ists her, hatte ich auch einen Text im „Etcetera“, da war, glaube ich, noch Doris Kloimstein, die Obfrau, noch früher war das Alois Eder und einmal habe ich auch in der LitgGes gelesen. Das hätte ich gemeinsam mit Manfred Wieninger tun sollen, der hat aber abgesagt, so daß relativ wenig Lleute dabei waren, sonst habe ich eher Schwierigkeiten meine Texte im „Etcetera“ vorzustellen und meine Bücher dort rezensieren zu lassen. Denn da gilt ja wahrscheinlich auch das alte Lied „Danke, nein, denn Eigenverlag nehmen wir nicht!“

Beim Oterspaziergang ist das anders, da gehen immer nur ein paar Leute mit und jeder, der das möchte kann einen eigenen oder  einen anderen zum Thema passenden Text lesen und da ich das ja gerne tue, nüze ich die Gelegenheit und frreue mich auch schon immer auf das Highlight vor Ostern.

Zum ersten Osterspaziergang bin ich, glaube ich, 2000 oder 2001 mitgegangen. Da war noch Alois Eder dabei, vielleicht auch Doris Kloimstein und ich habe meine „Eierszene“ aus der „Viertagebuchfrau“ gelesen. Da ging es entlang der Traisen zum Bootshaus und das nächste Mal war schon Robert Eglhofer dabei. Es ging durch den Stadtwald und ein Ostereisersuchen gab es auch.

Ab dann ging es immer um den Viehofersee mit einem Treffen vor der Seedose und ich versuche immer Texte mit St. Pölten Bezug herauszusuchen, obwohl ich ja eigentlich sehr viel über Wien schreibe.

Im Stadtwald habe ich noch den Text „Harland-Stadt“ gelesen, den ich für die „Harland Anthologie“ geschrieben habe, die Alois Eder herausgegeben wollte und, die, glaube ich, nie erschienen ist.

Dann habe ich einmal den „Hochschwabblick“ aus dem „Haus“ gelesen, einmal den „Sommer am Wasser“ und meinen Brief an den Bürgermeister bezüglich der Frequenzy auch einmal und im vorigen Jahr ging es um die „Köpfe“, denn das war ja ein Text, den ich in der Schreibgruppe für das „Etcetera“ geschrieben habe und heuer habe ich lange nicht gewußt, welchen Text ich jetzt nehmen soll, denn über St. Pölten hatte ich nichts Richtiges.

Also vielleicht die Fabian Szene aus dem „Bibliotheksgespenst“, das ist wenigstens politisch originell, dann kam der „Hammer 95“ mit unseren literarischen Stadtspaziergangstexten und ich dachte, nehme ich das, der St. Pölten Bezug sind  Ruth Aspöck und Robert Eglhofer, denn die sind ja manchmal mitgegangen.

Die „Kunst im öffentlichen Raum“ befindet sich zwar in Wien, aber dann kann ich gleich meineKarten und den „Hammer“ verteilen, die Leute, wenn sie das wollen, zu dem Spzaiergang einladen oder am nächsten Mittwoch in die“Alte Schmiede“, wo ich ja das „Literaturgeflüster-Textbuch“ vorstellen werde und richtig das habe ich, wahrscheinlich vor fünf Jahren, auch einmal zum Osterspaziergang mitgenommen und es ist sogar eine sehr schöne Rezension daraus hervorgegangen.

Vielleicht weil das Wetter noch immer nicht so ganz österlich frühlingshaft war, haben heuer nur wenige Leute draran teilgenommen, Manfred Lagler-Regall, den ich, glaube ich, dort kennengelernt habe und der meistens mitging, fehlte und es war auf der Bank, wo wir die erste Station machen wollten, auch sehr windig. So sind wir ein Stück weiter an dem See, bis zu dem Aussichtsturm auf dem ich bei meinen Radtouren gerne hinaufsteiger gegangen, dort hat dann Eva Riebler, die derzeitige <obfrau ein paar Gedichte von Rose Ausländer aus dem „Blinden Sommer“ vorgelesen, die ja heuer ihren dreißigsten Todestag hat, dann kam schon ich mit meinem „Hrdlicka-Denkmal“.

Dann ging es weiter zu einer Bank, wo ein Tischtuch aufgelegt wurde, denn der Höhepunkt ders Spaziergangs ist ja immer das Picknick mit dem Ostereierpecken.

Vorher gab es noch einige Texte, ein paar Lieder aus der „Winterreise“,  Ingrid Messing, die ich schon vom Vorjahr kannte, hat einen Auszug aus einem Roman gebracht und ein Mundartdichter ein paar sehr lustig launige Texte, die ihm zu englischen Songs eingefallen sind.

Dann wurde das Brot aufgeschnitten, die Ostereier ausgepackt, das Salz, die Butter und das Grammelschmalz, ein püaar kleine österliche Süßigkeiten gab es auch, Wein uind Wasser und es begann das österliche Schmausen.

Dann ging es, für die, denen es zu kalt war, zum Aufwärmen in die „Seedose“ zurück und ein paar der „Ecetera-Hefte“ hat mir Eva Riebler auch wieder geschenkt.

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2018-03-30

Karfreitagszauber

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 00:01
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Die vier Praxistage sind vorrüber, da hat es am Montag einen Besuch mit experimenteller Literatur in der „Alten Schmiede“ und am Dienstag ebendort ein Konzert mit Werken von Werner Pirchner gegeben. Am Mittwoch habe ich mit dem Abrechnen begonnen, am Donnerstag Bankgeschäfte erledigt und am Dienstag und am Donnerstag hat es doch Bärlauch mit Rösit und Spiegelei mit Schninken gegeben, da wir den am Sonntag beim sontäglichen Spaziergang auf die Mostalm doch schon gefunden haben und einen Hasen mit zwei Ostereiern habe ich von einer lieben Klienten auch bekommen.

Also doch ein bißchen Osterstimmung, obwohl das Wetter noch nicht so österlich ist, als wir am Donnerstag Abend mit gepackten Taschen in das Osgterwochenende aufgebrochen sind und mit der Oma noch Sekt getrunken haben.

Diesmal nur zweieinhalb Bücher als Lektüre und nicht meine Patientenordner, ist es sich doch mit dem Abrechnen sehr gut ausgegangen und denKarfreitag habe ich mir, owohl ich nicht katholisch bin, immer als freien Tag aufgehoben, seit ich in der freien Praxis bin. Als ich noch Assistentin an der HNO- Klinik/ Sprachambulanz war, hat es dort ein Gestreite gegeben, denn die vom Bund Angestellten hatten an diesem Tag frei, die von der Stadt Wien angestellten Logopädinnen hatten zu kommen.

Nun ich habe mir meinen Karfreitag immer als Ferien- oder Feiertag erhalten und kann mich erinnern, daß ich in der Zeit, als ich noch in die Oper ging, mir öfter in der Karwoche den „Parsifal“ anschaute, obwohl ich jetzt nicht sagen kann, ob das, trotz „Karfreitagszauber“ am Karfreitag war, denn es kann sein, daß die Oper in den Siebzierjahren spielfrei hatte und vielleicht noch immer hat.

Einmal waren wir bei einem Osterkonzert in der Karthause Mauerbach, ich glaube vor fünf Jahren und da war es dort sehr kalt, viel kälter als zu Weihnachten, wie die anderen Zuhöhrer sagten und Foto von einem Spaziergang auf die Rudolfshöhe vom Ostermontag gibt es von diesem Jahr auch, während wir an einem anderen Karfreitag im Cinema Paradiso bei einem „Karfreitsslam“ waren.

Karfreitagszauber? Was ist das also für eine nicht gläubige Atheistin ohne Bekenntnis? Seit ich diese Tage in Harland verbringe, gehe ich da gerne Radfahren und ein paar Mal bin ich am Karfreitag nach Herzogenburg gefahren, dort durch das Stift gegangen und habe am Rückweg auch ein paar Ratschenbuam betroffen. Ob es die noch gibt, weiß ich auch nicht so genau.

Nach Wilhelmsburg bin ich auch schon mal am Karfreitag gefahren und einmal nach Traisen und habe mir dort bei „Spar“ eine Osterpinze gekauft.

Karfreitag, also zur Erholung und zur Einstimmung auf das Fest, das bei mir ein nicht Religiöses ist, mit ein paar Ostereiern , die man von Klienten oder in Geschäften bekommt. Am Palm- oder Ostersamstag der Osterspaziergang der Litges, auch das ist schon gute Tradition und am Ostersonntag die Radfahrt nach Traismauer in das Donaugasthaus.

Dazwischen liegt der Karfreitag und seit ich nicht mehr möglichst viel der Karwoche, sondern weil der Alfred in Altersteilzeit ist, nur noch ab Karfreitag in Harland bin, beginnt das Osterwoche bei mir mit diesem Tag, den ich sozusagen zum Karfreitagzauber stilisiere, obwohl höchstwahrscheinlich nicht so viel besonders passiert, als daß ich am Morgen und am Abend in der Badewanne, meist keine besonderen Osterbücher, sondern die von meiner Leseliste lese, dazwischen Radfahren und diesmal wahrscheinlich mit dem Alfred und der Schwiegermutter ins Bootshaus essen gehen, da gibt es sicher Fisch als Tagesmenu und dann wenn noch Zeit ist und es sich ausgeht, an meiner „Unsichtbaren Frau“ korrigere, was  auch etwasZauberhaftes sein kann, einKarfreitagretreat sozusagen.

Sehr viel Zeit wird dazu nicht bleiben, die „Hammer“ für die Lesung am Ostersamstag, habe mitgenommen und die vier Texte, die ich am Mittwoch nach Ostern, während in der „Dokumentationsstelle für ost und mitteleuropäische Literatur“ noch Osterferien sind, habe ich auch schon vorbereitet.

Wer da nicht dabei sein kann oder so ein bißchen hineinschnuppern will, dem sei verraten, daß ich den ersten Artikel, dann das Gerstl-Begräbnis, das ja vor neun Jahre auch kurz nach Ostern passierte, dann den „Wunderschönen Tintentraum“ und dnn noch einen Reisetext, nämlich „Samstag in Litauen“ lesen werden und jetzt hinein in das Osterwochenende und den „Karfreitagszauber“ in allen seinen Formen und Facetten genießen, bevor es zum Osterspaziergang und dann am Ostersonntag vor oder nach dem Ostereiersuchen zum in den April schicken geht. Den entsprechenden Text, das kann ich auch verraten, habe ich schon vorbereitet.

2018-03-29

Menschenfresser der Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt eine Anthologie aus einem kleinen, aber feinen Verlag, der sich mit speziellen Themen zwischen Sci-Fi und Experiment gelegen zu beschäftigen scheint und den ich, beziehungsweise seinen Leiter Philip Krömer durch das Debutpreislesen kennengelernt habe.

Ja, man lernt, wenn man sich mit der Literatur beschäftigt und ein Plädoyer für das über den Tellerrand hinausschauen gebe ich damit wieder und somit die Empfehlung sich mit den „Menschenfressern der Liebe“ zu beschäftigen.

Ein eher dünnes zweihundert Seiten Büchlein, das aber nicht zu Trotz vierzig Texte zu diesem Thema, das, wie von den Herausgebern Joseph Felix Ernst und Philip Krömer in einer  Grußnotiz erklärt wird, allmufassend ist und nicht nur, wie man naiv meinen könnte, banale Texte über den Kannibalismus enthält, wie auch die Namen der teilnehmenden Autoren eindeutig beweisen, denn da gibt es, höre und staune, sowohl Texte aus der Bibel, von Wiliam Blake, Dante Alighieri, Ludwig Uhland, Heinrich von Kleist, Walter Benjamin, bis zu Marina Büttner, die ich ja eigentlich als Bloggerin kenne, Paul Peter Wipplinger mit dem ich einmal, lang lang ists her, in einer Jury saß und noch immer nicht so recht weiß, ob er jetzt Mitglied des PEN, der GAV oder vielleicht doch verbotener Weise bei beiden ist, Timo Brandt, der, glaube ich, einmal Sprachkunst studierte, Jan Snela, der beim Bachmannpreis gelesen hat, CRAUSS, den ich einmal bei einer Präsentation des Ritter Verlages in der „Alten Schmiede“ hörte und dessen Buch ich mir dann später bei einem „Morava-Abverkauf“ um zwei Euro kaufte, um es Christel Fallenstein zu zeigen, gelesen habe ich es noch immer nicht, denn ich lese ja keine „Ritter-Bücher“ und und und….

Das Buch ist ganz dem Thema entsprechend, in einem Menüplan aufgegliedert. So gibrt es Kapitel zur „Potage“, dann kommt das „Hors d òuvre“, „Entre“, „Poisson“, „Sorbel“, bis zu „Entremel de fromage“  zum „Dessert“ und nun hinein in die einzelnen Gänge, sich wacker durch das Buch gelesen und sich die Textproben köstlich auf der Zunge zergehen  lassen, von denen, ich kann es nur wiederholen, sich einige, aber nicht alle, mit der Liebe und dem Menschenfressen beschäftigen und die meisten einladen, sich weiter und genauer mit der Thematik zu beschäftigen.

So jagt die 1986 in Wien geborene Lena Rubey, die 2015 Finalistin beim Open Mike war, durch den Wald, während sich der 1980 geborene Jan Snela, der 2016 beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat, mit dem „Frühstück“ beschöftigt und Sheik Nefzawi, auch als Abti Abdallah Muhammed an-Nafazawi bekannt, der um 1500 im heutigen Tunesien lebte, gibt ausführliche Anweisungen, wie man seinen Penis lustbringend vergrößern kann und schreibt am Schluß „Die Wirksamkeit aller dieser Mittel ist mir bekannt und ich habe sie selbst ausprobiert.“

„Aha!“, kann man da nur staunend sagen und zu den „Zwischengerichten“ weitergehen und hier besipielsweise ein Stück von Dante oder Ludwig Uhlands „Kastellan von Coucy“ lesen.

Dann kommt man zu den „Fischen“ und hier gibt es wieder erstaunliche Texte zu ergründen, beispielsweise, einen Reisebericht von Hans Staden, der 1525 im hessischen Homburg geboren wurde und als Landsknecht im Dienste Spaniens und Portulgals an mehreren Entdeckungsfahren nach dem heutigen Brasilien teilnahm. Dort in Gegangenschaft von Eigeborenen geriet und Zeuge von an  seinen Mitreisenden praktizierten Kannibalismus wurde, wie er auch in dem hier abgedruckten „Kapitel 29: Mit welchen Zeremonien sie ihre Feinde töten und essen. Womit sie sie sie totschlagen und wie sie mit ihnen umgehen“, schreibt, der wieder mit den Worten „Dies alles habe ich gesehen und bin dabei gewesen“, endet.

Zum  Sorbet gibt es die „Diagloge der Karmeliterinnen“, des 1971 geborenen CRAUSS, dessen „Motorradheld“ ja noch immer bei mir liegt. Dann geht es zum „Kamasutra“ und die 1978 in Linz geborene „Marianne von Willemer-Preisträgerin“ Marlene Gölz bringt in einem Gedicht, die Augen auf die Stirn: „dein auge auf meiner stirn meine lippen an deinen ohren deine nase in meinem mund so hab ich mir das nicht vorgestellt“.

Punktum aus oder weiter zum „piece de resistance“, dem „größten Fleischgang“ und da erzählt uns der 1967 in Saarbrücken geborene Christopher Ecker von seinen Phantasien, die er im Bus hat, wenn er neben jungen Frauen sitzt und sich vorstellt, wie es wäre, deren Arme zart mit Weißwein und Zitronenscheiben zu braten.

„Pervers, pervers!“, könnte man da sagen und zu Heinrich von Kleist übergehen.

Danach kommt bald der 1575 in Neapel georene Märchensammler Giambattista Basile, der von Felix Lebrecht, wie ich vermute sehr frei übersetzte wurde, der uns von einem Floh erzählt, von dem ein Königgebissen wurde, der darauf seine Tochter an einen wilden Kerl verheiratet , die dann von den wundersam starken sieben Söhnen einer alten Frau gerettet wird.

Man sieht, die Anthologie ist äußerst vielseitig in ihren Genres. Denn kurz danach erzählt uns, der schon erwähnte 1939 in Haslach geborene Peter Paul Wipplinger, der vor kurzem einen Unfall hatte, von dem er sich glaube ich, immer noch erholen muß, von seinen Erfahrungen in einem „kindergefängnis“, wo ihm die Erzieherin, ein „ehemaligen bdm-Weib“ in den Keller sperrte, was ihm zwar zum Phanatsieren brachte, ihm aber immer noch, trotz seiner „fünfundsiebzig jahre“ wütend macht, wenn er daran denken muß.

Der 1987 in  Schleswig-Holstein geborene Gorch Maltzen erzählt uns stattdessen in „Was passiert, wenn man in einem Vulkan springt“ von den sadistischen Spielchen zweier Freunde.

Und zum Käse gibt es die Jugenderinnerungen eines ebenfalls 1939 geborenen, nämlich die von Eckhard Sinzig, der in Krefeld geboren wurde, der wegen einer Frau nach Frankreich ging, sie dort in ihrer Wohnung in der Rue Erlanger 40, besuchte, aber als er das „Pflaster auf ihren Oberschenkel“ sah, erschlaffte, worauf sie ihn erstaunt „Est ce que tu ne m` aimes pas?“, fragte. Woran er als alter Mann wahrscheinlich noch ähnlich oft, wie Peter Paul Wipplinger, an sein „kindergefängnis“, beschämt denken muß.

Dann kommt ein Gedicht, des schon erwähnten, 1992 in Düsseldorf geborenen Timo Brandt „Man könnte meinen alles wär Prärie, vor allem die menschliche Seele“ und dann geht es wieder in die Vergangenheit nämlich zu dem Satriker Jonathan Swift, von dem man heute vor allem seine verharmloste Kinderversion von „Gullivers Reisen“ kennt, der aber in seinem „Bescheidenen Vorschlag im Sinne von Nationalökonomen, wie Kinder armer Leute zum Wohle des Staates, am besten benützt werden könnten“, eine sehr böse Anregung gibt, wie man die Armut von der Welt schaffen könnte. Denn die Körper der armen kleinen Kinder schmecken ja sehr lecker, wenn man sie vorher nur ein wenig aufpäppelt und dann sanft bratet. <ich habe gehört der „Gulliver“ soll im Original ähnlich  satirisch scharf gesellschaftskritisch sein.

Und schon gehts, wenn man da noch nicht kotzen muß, aber wir sind ja auch in unserer schönen heilen Welt, starke Kost gewohnt, zum Dessert.

Da nascht der Philosoph Walter Benjamin, der sich, der sich 1940, in Spanien auf der Flucht vor den Nazis, umbrachte von „Frischen Feigen“, der 1965 in Nürnberg, geborene Armin Steigenberger serviert uns „Kannibalische Kirschen“, die 1967 geborene, in Berlin lebende Marina Büttner, die Buchhändlerin war und jetzt Lyrikerin und bildende Künstlerin ist, kredenzt und die „Götterspeise“ und zum Schluß gibt es noch eine sehr witzige Geschichte, des 1951 in Ingelfingen gebornen Eugen Egner, der uns erzählt, was passieren kann, wenn die Eltern einen Dreizehnjährigen in den Konfirmandenunterricht schicken. Ein bißen erinnert es an „Hänsel und Gretel“ kann ich verraten oder spoilern und damit wieder  die Anthologie, die eine wirklich gelungene Mischung von alt und neu und zu meiner Überraschung auch sehr viel Österreichisches enthält, empfehlen.

Denn liest man die zweihundert Seiten, hat man wirklich einen Parcour durch die Literaturgeschichte gemacht oder kann sich natürlich nur entschließen, sich mit dem einen oder anderen Meisterwerkt, wie der Bibel oder der „Göttlichen Komödie“, beispielsweise weiter zu beschäftigen oder auch nur ergründen, was man in den Literaturinstituten lernt oder was sonst die jungen oder auch schön älteren deutschsprachigen Schriftsteller in ihren Schubladen haben und, daß es wahrtscheinlich besser wäre, möglichst auf den Fleischkonsum zu verzichten, weil man sich sonst vom Kannibalismus nicht wirklich unterscheidet, lernt man wahrscheinich auch oder nimmt den Gedanken wenigstens mit, wenn man sich vor den nächsten Hamburger oder das nächchste Schnitzel setzt. Aber jetzt haben wir ohnehin noch Fastenzeit und verzehrt am Gründonnerstag seinen Spinat oder Bärlauch mit Spiegeleiern.

2018-03-28

Du sagst es

Filed under: Bücher — jancak @ 00:09
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Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich gat nicht lesen wollte, denn der biografische Roman über Sylvia Plath, erzählt von ihrem Ehemann Ted Hughes, der 1955 geborenen, niederländischen Autorin Connie Palmen ist schon 2016 erschienen und ich habe auch in verschiedenen Blog über ihn gehört.

Obwohl mich Sylvia Plath, seit ich die „Glasglocke“ gelesen habe, sehr interessiert und ich auch schon einige andere Bücher über sie, darunter Cornelia Travniceks Gedichte gelesen habe, wäre es mir eigentlich nicht eingefallen, „Diogenes“ diesbezüglich anzufragen.

Dann war aber Klaus Cäsar Zehrers „Genie“ auf der Shortlist des Bloggerdebutpreises, ich brauchte das Buch und „Diogenes“ hat mir daraufhin seine Frühjahrsvorschau geschickt.

Da stand ein anderes Buch von Connie Palmen drinnen, das mich aber irgendwie nicht so sehr interessierte, wie Banana Yoshimoto, Bernhard Schlick oder Antony McCarten und der hat  einen  biografischen Roman über Jack Kerouac geschrieben und dieses Buch hätte zu mir kommen sollen.

So stand es vor ein paar Wochen auf dem Beipackzettel, es lag aber „Du sagst es“ drinnen. Zuerst habe ich mir gar nicht soviel dabei gedacht und das Buch auf meinen Badezimmerstapel gelegt. Dann dachte ich, das ist aber schon erschienen und noch ein bißchen später, interessant, das will ich sehr gern lesen.

Jetzt habe ich es getan und finde es interessant, daß die großen  Schriftsteller, reale Personen, in diesen Fall sind es zwei Dichter, als Vorlage für ihre neuen Romane nehmen, was ja gut ist, weil man viel über diese Personen lernt und auch Anlaß zu der Frage gibt, ob den großen Schriftstellern vielleicht nichts mehr anderes einfällt?

Aber, um mich selber an der Nase zu naehmen, ich habe mich in meinen „Dreizehn Kapitel“ ja selbst mit der Biografie des Sinologen Ernst Schwarz beschäftigt, weil ich dessen „Gesprengtes Grab“ mal in einem Bücherkasten fand und Sylvia Plath, die große amerikanische Lyrikerin, die mit ihrer „Glasglocke“, glaube ich, posthum berühmt wurde, da sie sich 1963 mit einunddreißig Jahren das Leben nahm, scheint ja offenbar viele Dichterinnen  veranlaßt haben, sich mit ihrem Werk und ihren Lebensdaten zu beschäftigen.

Das Leben kann man sicher nachgooglen und die „Glasglocke“ ist ja auch ein autobiografischer Roman und so steht in Connie Palmens Buch vielleicht gar nicht so viel Neues drin, aber es ist sicher interessant sich in einer Romanform mit dem Leben der amerikanischen Dichterin zu beschäftigen.

Connie Palmen wählte dafür die Ich-Form und läßt Plaths Ehemann, den Dichter Ted Hughes, das Leben seiner Frau erzählen, beziehungsweise sich mit ihm auseinanderzusetzten und sich zu verteidigen. Denn wenn  man der Mann einer Frau ist, die den Kopf in den Backofen steckt, weil man sie gerade betrogen hat und das Ganze auch noch das öffentliche Interesse und die öffentliche Aufmerksamkeit erregt, ist das sicher nicht leicht zu verdauen.

Obwohl ich die „Glasglocke“, Cornelia Travniecs Gedichte und auch Sigrun Höllriegls bei „Keipers“ erschienenes „Odysseus x“ gelesen habe, war es gar nicht so leicht in das Buch hineinzukommen und ich habe, da Connie Palmen über eine sehr dichte Sprache verfügt, auch länger mit dem Lesen gebraucht, weil ich nie mehr als vierzig oder fünfzig Seiten auf einmal schaffte, obwohl, das habe ich schon geschrieben, man das, was hier berichtet wurde, wahrscheinlich sowohl in der „Glasglocke“ als auch bei „Wikipedia“ nachlesen kann.

In der „Glasglocke“ natürlich nicht alles, denn dieses Buch wurde ja erst während Ted Hughes Bericht geschrieben und so erzählt er, fünfunddreißig Jahre nach Sylvia Plaths und kurz vor seinem Tod, der 1998 erfolgte, von seinem Leben mit, wie er es nennt, „seiner Braut.“

Ted Hughes wurde in England geboren, Sylvia Plath, die Tochter eines deutschstämmigen Biologieprofessors in der Nähe von Boston, sie war offenbar hochbegabt, sensibel und sehr ehrgeizig, studierte Literatur und wollte, die größte Dichterin der USA oder vielleicht auch Englands werden und trat damit auch mit Ted Hughes, der vielleicht, die gleichen Ambitionen hatte, in Konkurrenz und wie das so ist, wurde er vielleicht auch ein bißchen mehr und ein bißchen früher, als sie anerkannt, was sie zu emotionalen Ausbrüchen veranlaßte.

Sie war auch sehr eifersüchtig, dann aber auch wieder sehr fleißig. Wusch, kochte und putzte, neben ihrem Studium und ihrem Schreiben, für ihn und sie litt schon an Depressionen, bevor er sie kennenlernte und hatte da schon einen Selbstmordversuch hinter sich gebracht, der sie in die Psychiatrie und zu Elektroschockbehandlungen, wie das damals so üblich war, brachte.

Das Paar heiratete in England und mußte die Heirat, weil Sylvia Plath noch studerte und dann kein Stipenddium mehr bekommen hätte, eine Zeitlang verbergen. Sie gingen kurzfristig nach Amerika zurück und dann wieder nach England, wo Sylvia Plath, ja auch 1963 starb und zwei kleine Kinder hinterließ, die nebenan friedlich schliefen, während die Mutter den Kopf in den Backofen steckte.

Die Ehe der Beiden war damals schon geschieden oder sollte es werden, nachdem Ted Hughes sie betrogen hatte und das alles erzählt er oder besser Connie Palmen in sehr dichten eindrucksvollen Worten.

Wie nun scho öftern erwähnt, so neu ist mir das alles nicht gewesen, habe ich ja während ich die „Glasglocke“, „Parablüh“und „Odysseus x“ las, das alles wahrscheinlich nachgegooglet. Weiß aber jetzt wieder ein Stückchen mehr von Sylvia Plath und ihrem Leben, obwohl, das alles wirklich, so wie beschrieben war, wird sich wohl nicht so ganz  mehr klären lassen und ich habe in den Schränken, glaube ich, auch noch einiges anderes von Sylvia Plath gefunden, was ich vielleicht lesen sollte.

Aber wann komme ich bei meinen Bücherbergen und meiner endlos Leseliste dazu?

2018-03-27

Verloren in Frankfurt

Die Taschen wogen schwer in ihrer Hand, pflegte sie doch an den Mmesseständen regelmäßig und mit Interesse einzupacken, was sich ihr da bot. Verlagsprogrammen, Leseproben, Prospekte, manchmal auch ein Goody, wie ein Kugelschreiber, ein Notizheftchen, ein Keks oder eine buntschillernde Postkarte und sie war  auch ein wenig verärgert, als sie durch dieMessehöfe wankte. Hatte sie doch vorhin auf einer der Lesebühnen, als sie höflich aufgestanden war, um die neben ihr Sitzenden hinauszulassen, ihren Platz, als sie ihn wieder  einnehmen wollte, besetzt gefunden und war an den sich nun dort Befindenden, als sie ihnen ihren Unmut äußern wollte, abgeblitzt. Sie ihatten sie einfach ignoriert und gar nicht dran gedacht, aufzustehen und sie wieder hinzulassen, hatten höchstens und auch das sehr unfreundlich, die Achseln gezuckt und etwas gemurmelt, das wie „Selber schuld!“, klang.

„Was bist du auch so blöd, aufzustehen, um die anderen an dir vorbei zulassen, du hättest doch auch sitzen bleiben können und sie sich an deinen Knien vorüberdrängen lassen!“

Wieder etwas gelernt, könnte man so sagen. Aber jetzt war es zu spät dazu. Jetzt hatte sie die Halle, an einem Tisch, wo, was sie ein bißchen gewundert hatte, österreichische Magazine aufgestaptelt waren, vorbei, verlassen und überlegte, wann sie ihren Liebsten am Foyder treffen sollte? Hatten sie zwölf Uhr Mittag, um etwas zu essen oder doch erst den Nachmittag, um gemeinsam zu einer anderen Veranstaltung zu gehen, abgemacht?

Die Gedanke daran beschäftigte sie so sehr, daß sie gar nicht bemerkt hatte, daß sie die das Messegebiet bereits verlassen hatte und erst aufmerksam darauf wurde, als sie plötzlich Häuser vor sich sah, ein Postamt, Straßen und keinen Messehof, wo man sich an einer Imbißbude hinsetzen oder Prosepekte einsammeln konnte.

Shit, sie hatte das Messegebiet verlassen, was an sich nichts machte. Hatte sie ja ihren Akkredierungsausweis bei sich in der Tasche und konnte sie also jederzeit wieder betreten, wenn sie nur den Eingang fände und genau das war das Problem, denn sie hatte ihn verloren. War unbeachsichtigt aus ihm hinausgetreten und hatte sich ein paar Schritte in der fremden Stadt verwirrt, die sie an sich  gerne  besichtigen würde, was sie aber nicht konnte, wenn sie Norbert um zwölf vor dem Hauptausgang treffen wollte.

Aber wo war der? Sie hatte ihn und die Orientierun verloren. Befand sich in einer fremden Stadt und plötzlich auf einem Moped. Saß dort festgekrallt hinter einer anderen Frau und wußte gar nicht, wie sie auf es hinaufgekommen war? Natürlich ja, es war offenbar ein öffentliches Verkehrsmittel und sie hatte es bestiegen, wahrscheinlich, um wieder in die Messehallen zurückzukommen. Aber jetzt fuhr es mit ihr davon. Eine dichtbefahrene Straße entlang. Sie bemerkte,  daß sie Angst hatte herunterzufallen und klammerte sich aus diesem Gefühl heraus fest an ihren Sitz.

Sollte sie abspringen oder auf die nächste Station warten? Aber wo befand sie sich diese und wie fand sie wieder auf die Messe zurück, die ja, wie ihr mit Schrecken einfiel, sehr groß war und daher höchstwahrscheinlich nicht so einfach, den richtigen Eingang, den sie vor kurzen verlassen hatte, wiederzufinden.

Die Angst war immer noch in ihr vorhanden, wie sie da nach der möglichen Haltestelle Ausschau hielt und nicht recht wußte, ob sie die vor ihr sitzende Frau ansprechen sollte?

Diese Frage wurde ihr nun abgenommen, hatte sich nun doch eine andere Frau auf das Mopoed aufgeschwungen und sich zwischen sie gedrängt. Eine Geister- oder Schwartzfahrerin, eine Trittbrettfahrerin fiel ihr ein und merkte mit Befriedigung, daß sich nun auch ein Kontrolleur dazugesellte, der der Aufgesprungenen ein Ticket in die Hand drückte und die anderen Fahrgäste, die sich inzwischen auch hier befanden, zu kontrollieren begannen. Das war für sie kein Problem, hatte sie ja ihre Akkreditierungskarte, mit der sie auch die öffentlichen Verkehrsmittel benützen konnte, hatte aber ohnehin vor das Fahrzeug zu verlassen und begann nun mit ihren Taschen abzuspringen, was insofern mit einer Katastrophe endete, daß sie den Halt verlor und auf den Boden fiel und nun doch eine helfende Hand benötigte, die ihr beim Aufstehen half.

Das war nun gelungen und sie stand nun auf der Straße und vor der Frage, wie sie wieder auf die Messe zurückkommen konnte? Da hatte sie, da sie kein Handy besaß, keine Ahnung und fühlte sich völlig orientierungslos. Also jemanden fragen. Zum Glück war die Straße, die sie inzwischen hinuntergegangen war, dich bevölkert und sie mußte sich nur die Person aussuchen, die sie nach ihrem Ziel befragen konnte.

„Entschuldigen Sie, sind Sie vorn hier?“

Sie hatte sich für ihre Frage einen eher zwergenhaft kleinen Mann ausgesucht, der ihr freundlich zuzwinkerte und sich bei näheren Ansehen auch als eine Frau entpuppte.

„Ja!“, antwortete sie ihr freundlich.

„Das Messegelände? Natürlich ja-“ und begann dann etwas von einem Ballhausplatz zu schwatzen und einem Cafe Central, das sie ihr zeigen wollte. Orte, die sich, wie sie wußte, in Wien befanden und ihre Hoffnung von der kleinen Frau auf das Messegelände zurückgeführt zu werden, schwand, obwohl die nun, immer noch fröhlich vor sich hinschwatzend, zu laufen angefangen hatte und sie eine Weile orientierungslos hinter ihr herrante, bis sie sie verloren hatte und sie stehenblieb und sich wieder suchend umblickte.

Sie befand sich nun vor einer Straßenbahnhaltestelle, an der der wieder eine Menge Leute warteten, die sie wahrscheinlich fragen konnte. Wen aber aussuchen, wer würde die Antwort wissen?

„Entschuldigen Sie, sind Sie vor hier?“, fragte sie jetzt eine größer gewachsene junge Frau, die auch nickte und zu überlegen begann, wie sie ihr die Lage des Messegeländes erklären konnte, als just die Straßenbahn vorfuhr und sie ihr bedeutete, daß sie leider in sie einstieigen müsse.

„Hat es Sinn mitzufahren, fährt sie in die richtige Richtig?“, fragte sie noch hoffnungsvoll. Die junge Frau aber schüttelte den Kopf und war schon weggefahren, während sie weiter origentierungslos an der Haltestelle stand, sich umblickte und keine Ahnung hatte, wie sie auf das Gelände zurückfinden sollte, um rechtzeitg um zwöfl vor den Eingang zu stehen und ihren Liebsten dort zu treffen.

2018-03-26

Stadtspaziergangsliteratur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:43
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Johannes Tröndle

Johannes Tröndle

Norbert Kröll

Norbert Kröll

„Unterwegs im Stadtraum – Lesungen und Gespräche“, zu diesem Thema diskutierte heute Johannes Tröndle mit Norbert Kröll und Bastian Schneider, die beide 1981 geboren wurden, beide am Institut für Sprachkunst studierten und beide zum Thema Stadt sehr abstrakte längere oder kürzere Texte vorgelegt haben.

Roman steht auf Norbert Krölls bei „Löcker“ erschienenen „Sanften Asphalt“, dafür war er Stipendiat der Stadt Wien und hat seinen Stadtroman, wo der Mensch in Du-Form mit seinem Körper spricht und dabei seine Schritte und seine Herzschläge zählt, schon einmal im MUSA vorgestellt.

Dann habe ich ihm noch bei der „Langen Nacht im Amerlinghaus“ gehört und jetzt leitete Johannes Tröndel sehr lange genau und ausgührlich in diesen Stadtroman ein.

Ein Mann geht durch die Stadt, ein Tag in Wien, am Morgen steht er auf und durchstreift dann die verschiedensten Orte, wobei er die verschiedensten Begegnungen hat. Es gibt auch eine Stimme und kursiv gesetzte Texte, sowie eine Fotostrecke und, um das ganze noch ein bißchen komplizierter zu machen, hat Norbert Kröll auch noch von hinten nach vorn gelesen und dabei, glaube ich, zum Teil auch ganz andere Texte, als im MUSA.

Es beginnt in der inneren Stadt bei den Luxusboutiquen, wo das Ich überlegt oder von der Stimme angesprochen wird, ob es sich jetzt eine Handtasche kaufen soll? Dann ging es in den Neunten und zwar in die Berggasse zum Sigmund Freud Museum und da wird es meiner Meinung nach ein wenig kitschig oder zu allgemein, wenn sich das Ich nun auf Couch plaziert, die eigentlich in London steht, darüber nachdenkt, daß hier einmal Gustav Mahler gelegen ist und dann kommt die Alma und sagt „Ich will dich und nicht den Mahler, den Werfel, den Kokoschka, etcetra.

Männerphantasien gibt es also auch in der konkreten experimentellen Literatur und dann geht es weiter in das Servitenviertel und da zu der Musikschule, wo das Kind mit den leeren Notenblättern steht und vom Protagonisten verlangt, es möge seine Notenblätter verbrennen. Diese Stelle habe ich, glaube ich, schon einmal gehört.

Dann geht es noch in eine Bäckerei, wo dem Ich die letzten Mohnzelten weggekauft wären, die befindet sich glaube ich im sechsten Bezirk und dann geht es zurück an den Morgen und zu den Körperszenen unter der Dusche, die ich, glaube ich, auch schon kenne.

Johannes Tröndle

Johannes Tröndle

Bastian Schneider

Bastian Schneider

Und Bastian Schneider hat bei Sonderzahl sein zweites Buch „Die Schrift, die Mitte der Trost“, das sind hunderteinundszwanzig Textstellen, die alle das Wort „Stück“ als Betitelung haben von zwischen einer Seite und einer Zeile lang sind, herausgegeben. Kurze Prosastücke halt, Prosaminiaturen.

Aus dem Prosadebut „Vom Winterschlaf der Zugvögel“ hat Bastian Schneider glaube ich in Klagenfurt gelesen oder war das Buch damals schon fertig und stammte seine Lesung aus den neuen Texten, die wieder von Johannes Tröndel genau erklärt wurden? Der dazu sagte, man möge sich einen Stadtflaneur vorstellen, der mit seinem Notizbuch in der Hand durch die Stadt geht und alles aufschreibt, was er hört sieht und ihm einfällt.

Das Ganze hat vier Teile oder Parcours mit Mottis von Robert Walser, Paul Nizon, Peter Kurzeck und Walter Benjamin und durch zwei Parcours hat Bastian Schneider auch seine Zuhörer mitgenommen. Dann gibt es noch einen Adressteil, wo den sämtlichen Stücken Adressen zugeordnet werden, eine ist davon die „Alte Schmiede“, der  Ottb Bauergasse, wo ich einmal gewohnt habe, ist auch ein solches Stück gewidmet und achtundsiebzig Stücke, klärte Johannes Tröndle, die Zuhörer noch auf, spielen in Wien, der Rest dann in deutschen Städten, Marseille, Istanbul, etcetera und im anschließenden Gespräch fragte Johannes Tröndel dann noch die Autoren nach den weiterenPlänen?

Ob Bastian Schneiders Prosastücke vielleicht einmal zur Lyrik werden könnten? Da meinte er, glaube ich, es wäre umgekehrt. Er wäre vom Gedicht zur Kurzprosa gekommen, weil er eher kopflastig wäre und Norbert Kröll will, glaube ich, nicht zu sehr in die Dramtaktik, als zum erzählenden Roman.

Man kann gespannt sein, weil das ja auch das wäre, was mir mehr gefällt und ich einen besseren Zugang hätte, obwohl ich  auch einmal einen „Stadtroman“ geschrieben haben und meine früheren Texte auch eher analytisch beobachtend, als narrativ waren.

2018-03-25

In die Osterwoche

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 00:14
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Obwohl es das Wetter  kaum glauben läßt, bis vor kurzem war es ja ziemlich kalt und in Leipzig hat es auch geschneit, hat die Karwoche begonnen.

Die Osterdekorationen sind in der Krongasse schon hergerichtet, für Harland muß ich das noch tun, wenn ich dort hinkomme. Was ich erst am Gründonnerstag tun werde, weil wir wegen Alfreds Altersteilzeit, Montag und Freitag frei, jetzt immer nur Harlandwochenenden haben und ich habe auch Montag bis Donnerstag Stunden, so daß meine Osterferien, die wir in Harland verbringen werden, erst am Karfreitag beginnen.

Wenn ich es diesmal schaffe, meine Abrechnung schon am Donnerstag in Wien zu machen, kann ich dann gleich mit den Radtouren beginnen. Der Alfred will aber, glaube ich, daß ich ihm im Garten helfe und am Ostersamstag gibt es wieder den Osterspaziergang um den Viehofener See und da habe ich lange überlegt, was ich diesmal lesen soll?

Ich lese da ja bevorzugt St. Pöltner Texte, habe aber jetzt keinen, dachte dann an die „Fabinan Szene“ aus dem „Bibliotheksgespenst“, bis ich den „Hammer 95“ mit unseren „Kunst im öffentlichen Raum Texten“ in die Hand bekommen habe und dachte, ich lese daraus.

Was auf den ersten Blick vielleicht nicht passiend scheint, denn die Spaziergänge habe ich ja mit der Ruth in Wien gemacht, dann aber wieder schon, denn Robert Eglhofer, der ja beim Spaziergang am 18., die kunstgeschichtliche Einführung hält, war ja einmal Vizeobmann der Litges und die Ruth ist auch schon bei den Spaziergängen mitgegangen.

Der Ostersamstag ist also dem Osterspziergang gewidmet und das finde ich immer eine sehr schöne Veranstaltung. Am Sonntag fahren wir vielleicht wieder mit dem Rad zum Donaugasthaus nach Traismauer, was wir ja  gerne zu Ostern machen und am Ostermontag Rudolfshöhe. Das wäre dann schon das österliche Programm.

Und in die österliche Stimmung bin ich diesmal wahrscheinlich nicht nur wetterbedingt oder doch vielleicht, erst sehr spät hineingekommen. So habe ich die Osterdekorationen erst diese Woche aus dem Keller geräumt. In Harland steht zwar schon ein Lindt-Osterhase, den mir der Alfred, das letzte Mal, als wir dort waren, vom Einkaufen mitbrachte. Die erste Pinze habe ich mir aber erst kurz bevor wir nach Leipzig fuhren, gekauft und dann nur halb gegessen und den Rest eingefroren.  Bärlauch den ich mir ja meistens in der Karwoche mache, gibt es diesmal wettermäßig, glaube ich, auch noch nicht. Obwohl ich mir schon vor einigen Wochen Schneeglöckchen pflückte.

Eine passende Osterlektüre habe ich eigentlich auch nicht, obwohl irgendwo in meinen Bücherstößen liegt der „Kameramörder“, den ich einmal in den Schränken gefunden habe. Ich habe aber noch soviele andere Bücher auf meiner Leseliste, daß ich ihn erst später lesen werden und sonst, was kann man sonst zu Ostern tun, wenn man nicht gerade gläubig ist und in die Kirche geht?

Richtig, einmal waren wir im Cinema Paradiso beim „Karfreitags-Slam“, aber das ist schon lange her. Den Osterspaziergang des Lesetheaters, wegen dem wir manchmal schon früher von Harland nach Wien fuhren, gibt es seit Rolf Schwendter gestorben ist auch nicht mehr und da wären wir schon bei der traurigen Seite des Osterfestes, denn 2009  als es den Osterspaziergang noch gab ist ja Elfriede Gerstl in der Karwoche gestorben und vor einigen Jahren war ich am Dienstag nach Ostern beim Begräbnis der Friedl Hofbauer.

Diesmal werde ich knapp danach zu dem der Ingrid Wald Gerhards Jaschkes Lebensmenschen gehen und Ostereier werde ich wahrscheinlich auch keine suchen. Nur Eierpecken beim Picknick, das es nach dem Osterspaziergang der Litges immer gibt.

Das wären sie also meine Osterpläne. Aber vorher habe ich noch vier Praxistage bis ich in Osterstimmung kommen kann. Habe aber und das will ich auch verraten, schon Pläne für den Karfreitagszauber über den ich dann auch berichten will.

2018-03-24

Vollversammlung zu fünfundvierzig Jahre GAV

Als ich in die GAV aufgenommen wurde, das war, glaube ich, 1987, wurde ich zu einer Vollversammlung, die, glaube ich wieder, im Mai stattfand, eingeladen. Damals war Josef Haslinger der Generalsekretär und stellte die neuen Mitglieder vor. Außer mir wurde damals, glaube ich, noch Ronald Pohl aufgenommen und die Vollversammlungen gab es eine Zeitlang im Frühling, ich glaube, zu einem bestimmten Thema und im Herbst die Generalversammlung. Damals gab es drei oder vierhundert Mitglieder inzwischen sind es schon siebenhundert, die jeweil bei den Generalversammlungen aufgenommen wurden und die Vollversammlungen wurden irgendwann, ich glaube wieder aus Kostengründen eingespart.

Das heißt vor zehn Jahren hat es eine in Graz gegeben, da habe ich noch nicht gebloggt und da habe ich mich damals, glaube ich, beschwert, daß mich das Literaturhaus nicht mehr meine Veranstaltungen machen läßt. Genützt hat das nicht viel und ich reiche inzwischen auch keine Veranstaltungen mehr ein, habe aber von 2001 bis 2009 den „Tag der Freiheit des Wortes“ organisiert und auch einige Frauenlesungen gemacht.

Es hat dann vor einigen Jahren noch eine Vollversammlung gegeben, nur leider war die zeitgleich mit Leipzig, also habe ich sie versäumt, diesmal ist es sich aber ausgegangen, weil schon wieder zurück aus Leipzig und beim „Tag der Lyrik“ der anderen großen GAV-Veranstaltung, die inzwischen oder auch schon immer Präsidentensache ist, bin ich gestern auch  gewesen.

Da kann ich vielleicht noch anmerken, daß es den „Tag der Lyrik“ einmal, ich glaube, 2007 in Leipzig gegeben hat. Wir waren mit der Ute dort, die Silvia Bartl hat den Büchertisch gemacht, ich habe aber noch nicht gebloggt, kann also nur aus dem Gedächtnis zitieren.

Und das Thema der heutigen Vollversammlung war die Positionierung der GAV, denn ein Verein, der fünfundvierzig Jahre besteht verändert sich und da ist es wohl sehr gut einmal darüber nachzudenken wer er ist und wohin er will?

Die GAV, die Grazer Autoren Autorinnenversammlung, die auch so heißt, weil sie sich 1973 in Graz gegründet, beziehungsweise vom damals sehr konservativen  PEN abgespaltet hat, war zu ihrer Gründung sehr avantargardistsisch, waren doch Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Friedrich Achleitner, Gerhard Rühm also Mitglieder der Wiener Gruppe Gründungsmitglieder. Sehr linkspolitisch war sie auch und inzwischen sind eine Reihe ihrer Gründungsmitglieder gestorben oder vielleicht auch ausgetreten und es waren heute bei der Vollversammlung in der „Alten Schmiede“ auch einige neue Gesichter, die ich nicht kannte.

Die große Prominenz könnte man so sagen, fehlt oder kommt nicht mehr, obwohl ja auch Clemens J. Setz, Olga Flor, Valerie Fritsch, Thomas Stangl und viele andere Mitglieder sind.Inzwischen sind Mgdalena Knapp-Menzel und Jopa Joakin im Sekretariat und Petra Ganglbauer ist die Präsidentin, die die Versammlung auch begrüßte und ein Eingangsstatement verlas, in dem sie auf die angesprochenen Probleme hinwies, bezeihungsweise darauf, daß die GAV kaum mehr in der Öffentlichkeit präsent und ihre Mitglieder vielleicht auch zu wenig selbstbewßt sind.

Danach gab es zwei Impulsreferate, eines kam von Stefan Schmitzer, der sich mit der „Positionierung des Schreibens in der politischen Wirklichkeit“ auseinandersetzte, beziehungsweise sehr kritische Fragen aufwarf, für wen die Autoren schreiben? Ob sie ihr Publikum erreichen und, ob es das ist, was die Leser auch lesen wollen?

In der Diskussion wurde dann auf den „bösen Amazon“ hingewiesen und die Selfpublisher, die ihre Texte da einfach einstellen können und die Rollen der Schreibschulen wurden auch diskutiert. Da gab es Widerstand, denn viele Autoren leben ja von den Schreibseminaren die sie veranstalten, aber wenn sie das Schreiben lehren, gibt es wieder mehr Konkurrenz und die Zahl der GAV- Mitglieder, die dann kommen und ihre Veranstaltungen machen, steigt an, könnte man so polemisch formulieren.

Das zweite Impulsreferat von Ilse Kilic und Christa Nebenführ vorbereitet, beschäftigte sich mit der Frage, warum ein Verein? Bezwiehungsweise damit, was ein Verein kann und was er will oder seine Mitglieder von ihm haben.

Da habe ich auch schon die Frage öfter gehört, was die GAV einem bringen könne? Nun für mich ist der der Kontakt zu anderen Mitgliedern. Ich habe, wie erwähnt eine Reihe von Veranstaltungen organisiert, werde manchmal noch immer zu solchen eingeladen und freue mich auch, wenn ich bei Veranstaltungen, die anderen Mitglieder treffe. Aber wie gesagt, inzwischen, da jetzt jetzt auch keine Neuaufnahmelesungen mehr gibt, kenne ich gar nicht mehr alle, sondern eigentlich nur die die in Wien lesen oder zu den Versammlungen kommen.

Danach gab es eine Mittagspause, die ich allein verbrachte, das heißt mir am Schwedenplatz Chickennoodles, ein Eis und einen Kaffee kaufte und in der „Frick-Abverkaufsbuchhandlung“, habe ich was mich sehr freut Natalka Sniadankos „Frau Müller hat nicht die Absicht mehr zu bezahlen“ um zwei Euro bekommen, die ich schon einmal in der „Gesellschaft für Literatur“ hörte. Den Rest der Zeit habe ich beim „Morava“ verbracht, wo es keinen Abverkauf gab, ich mich bei den Büchertischen aber umgesehen habe, was ich von den Neuerscheinungen schon gelesen habe, beziehungsweise welche noch zu mir kommen müssen.

Am Nachmittag ging es dann um die Regionalversammlungen. Jedes Bundesland hat ja eine eigene Regionalgruppe und ein kleines Budget, so daß es auch Veranstaltungen machen kann. So habe ich in den Achtzigerjahren, als wir von St. Pölten nach Wien pendelten, ja dort auch ein paar Veranstaltungen organisiert.

Ruth Aspöck moderierte die Veranstaltung und befragte die Regionalvertreter Patricia Brooks, die jetzt für NÖzuständig ist, Karin Ivancsics für das burgenland, Bernd Schuchter für Tirol, Martin G. Wanko für Graz, Josef  K. Uhl für Kärnten und Kurt Mitterndorfer für OÖ nach ihren Projekten, Plänen und Problemen.

Erika Kronabitter die Vorarlberg vertritt, fehlte, ebenfalls Christine Haidegger, die das für Salzburg macht, da hat Margot Koller ein bißchen was über die Situation erzählt und als Schwierigkeit scheint sich der Name zu erweisen, weil da die Subventionsgeber mahcnhal sagen, daß in in OÖ oder Salzburg keine Grazer-Veranstaltung untersützen möchten.

So kam der Wunsch nach einer Broschüre auf, die man den Politikern in die Hand drücken könnte. Es gibt,  glaube ich, schon eine und ein Buch über die GAV habe ich mir auch einmal gekauft und es kam sogar der Wunsch zu einer Umbenennung in „Österreichische Autorenversammlung“, wogegen ich sehr wäre, weil die GAV ist ja, da ich  nun schon lange Mitglied bei ihr bin, ein Stück meiner Identität, obwohl ich ja höchstens fünf oder sechsmal in meinem Leben in Graz war und auch schon die Frage hörte, ob ich aus Graz käme, wenn ich meine Veranstaltungszettel ausgeteilt habe.

2018-03-23

Tag der Lyrik

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:59
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Die „Gesellschaft für Literatur“ hat ihre „Lyrik im März“ Veranstaltungen, die offenbar von Wolfgang Kraus, dem früheren Präsidenten, eingeführt wurden, die Grazer Autorenversammlung, die heuer fünfundvierzig wird, weil 1973 in Graz gegründet, hat sie auch und so fand heute, wie Gerhard Jaschke in seiner Einleitung betonte, die Veranstaltung zum vierunddreißigsten Mal statt. Im Hörsaal 1, der Universität für angewandte Kunst am Stubenring. Früher hat sie, wie auch den „Tag der Freiheit des Wortes“, die zweite große GAV-Veranstaltung, die ich auch ein paar Jahre lang organisierte, im NIG, im Hörsaal 1, stattgefunden und da haben inzwischen wahrhaft literairsche Legenden, wie Ernst Jandl, H. C Artmann, Wolfgang Bauer und und und von denen inzwischen leider viele schon gestorben sind, stattgefunden und ich kann mich an einige sochger legendärer Veranstaltungen von Gerhard Kofler beispielsweise moderiert, erinnern, die sehr lange dauerten.

Ich bin aber nicht bei allen gewesen, weil der „Tag der Lyrik ja im März“ und oft zeitgleich mit Leipzig stattfand und seit ich blogge, war ich, glaube ich, nur bei drei dieser Veranstaltungen, einmal im Universitätscampus, wo auch der  Alfred fotografierte und es ein schönes Foto vom damaligen Präsidenten gibt, denn die „Lyrik im März“ ist oder war ja Präsidentensache und so hat sie auch Heidi Pataki oftmals moderiert, dann ein Jahr später und noch eine im sogenannten Zwanzigerhaus, da bin ich aber zu spät gekommen und als ich nach Hause gegangen bin, habe ich vor einem Cafe einen Klienten getroffen und hörte,  wie er jemanden erzählte, daß wir  einen neuen Papst namens Franziskus hätten.

Heute ist es sich wieder aufgegangen und als ich den Hörsaal 1 betrat, war ich einen Moment lang in Sorge keinen Platz zu finden, weil alles voll und bin auch an einigen literarischen Größen, wie Ferdinand Schmatz, Gerhard Rühm, Rosa Pock etcetera vorbeigegangen. Habe Waltraud Haas in der ersten Reihe sitzen sehen, bin an der Ruth vorübergegangen, die mir die Karten für unseren Spaziergang am achtzehnten April übergab, habe Margot Koller gesehen und dann noch einen Platz neben Peter Pessl gefunden.

Gerhard Jaschke, dessen Frau, die Malerin Ingrid Wald ja vor zwei Wochen gestorben ist, moderierte gemeinsam mit der derzeitigen Präsidentin Petra Ganglbauer und neu an der Veranstaltung war, daß es einen Block in Memorian gegeben hat, wo die beiden Moderatoren Gedichte verstorbener Mitglieder gelesen haben. So gab es gleich zu Beginn drei kurze Lautgedichte von Meister Jandl und eines von Heidi Pataki, sowie eines von Rolf Schwendter und Gerhard Kofler.

Gerhard Jaschke erwähnte Werner Herbst, der ja gerade seinen zehnten Todestag hatte, dann kam der ersten Block, der lebenden Mitglieder und da eröffnete Wolfgang Helmhart, den ich ja oft im MUSA sehe, Friederike Mayröcker die auch angekündigt war, ließ sich mit einigen anderen entschuldigen, wie Friedrich Achleitner, so folgte der Prominenteste, der noch Lebendenen und ebenfalls Angehöriger der Wiener Gruppe Gerhard Rühm, dann kam Marie Therese Kerschbaumer, die ich ja vor vierzig Jahren im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ kennenlernte und zu der Zeit, wo ich in die Gav eintrat, dort sehr aktiv war.

Julian Schutting las, wie er betonte eine Blödelei, die ihm zum Thema „vom vom zum zum“ Worte aus einem Jandl-Gedicht2, das Motto des Abends eingefallen war. Ferdinand Schmatz und Rosa Pock, die Witwe H. C. Artmanns, folgten und die vielleicht nicht so bekannte Lyrikerin Waltraud Haas, die aber sehr schöne und sehr leise Gedichte hatte.

Peter Pessl, Christine Huber, Günter Kaip, Lsa Fritsch und dann unter den jüngeren Lyrikerinnen Susanne Toth, die ihm stehen und teilweise auf Englisch las und, wie einige andere in ihren Gedichten auch sehr politisch war.

die GAv ist vielseitig und neben dem Experimentellen, gibt es auch das Kritische und in einem weiteren in Memorian Block stellte Gerhard Jaschke die legendären GAV- Größen Joe Berger, Hermann Schürrer und Gerhard Bisinger vor.

Ich bin ja ein großer Fan von Gerald Bisingser dessen immerwährendes und immerabgewandeltes Gedicht „Ich saß im Zug nach Prag, trank ein Glas Rotwein und dachte an Karl August“, mich sehr beeindruckt hat und er war das auch ein bißchen von mir und hat mir ja einmal empfohlen mein „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ Jochen Jung zu schicken, nur leider war das schon dort und ich hatte es schon zurückbekommen.

Der Karl August war im Saal und filmte die Veranstaltung mit und Herbert J. Wimmer der im nächsten Block folgte brachte Ausschnitte aus zwei seiner Bücher, die er vor kurzem in der Alten Schmiede vorgestellt hat.

Dann kamen wieder jüngere Autoren wie Nikolaus Scheibner, der auch sehr politisch war, Patricia Brooks, Renate Aigner, Christoph W. Bauer und ganz am Schluß noch eine Überraschung, nämlich Willi Resetarits, der den, wie er sagte, heiligen H. C in zwei Kirchhofgedichten und einem Lied rezitierte und es ist sehr schnell und sehr eindrucksvoll durch die GAV- Geschichte und die Vielfalt der österreichischen Lyrik gegangen.

Gerhard Jaschke wies noch auf den Büchertisch hin, wo man sich die Lyrikproduktionen kaufen konnte und dort gab es auch den Folder, der ebenfalls zum „Tag der Lyrik“, der offenbar eigentlich am 7. März stattfindet vom „Literaturkreis Podium“ heraussgegeben wurde und in dem man auch viele schöne Gedichte lesen kann.

2018-03-22

Unter der Haut

Jetzt kommt, wenn man so will, das dritte Highlight von 2018 und es ist vielleicht eine Antwort auf die Blogbusterdiskussion, daß man da nur Bücher vorschlagen kann, die wirklich das ganz besondere sind, denn ein solches ist offenbar im Vorjahr auf die Longlist gekommen und hat dann, wie ich vor kurzem hörte, schon im März, also noch vor der Entscheidung, einen Verlag gefunden.

Was ich nicht wußte, so daß ich bisher dachte, daß es vielleicht Tobias Nazemi und Dennis Scheck nicht so ganz berühren konnte, es aber trotzdem beim „Piper-Berlin Verlag“ erschienen ist und mich hat es, schreibe ich gleich, berührt und denke einen so frischen und ungewöhnlichen Ton habe ich schon lange nicht gelesen, denn der 1976 in Köln geborene Gunnar Kaiser, der auch Blogger ist und den ich schon von seinem „Kaiser-TV“ kenne, versteht es, glaube ich vorzüglich auszusparen, durch Widersprüche hinwegzugleiten und immer wieder ein Stück voraus zu sein.

So ist das fünfhundert Seiten Ouvre ein sehr vielschichtiges Buch, das und das ist sehr interessant, in Amerika spielt und für mich ganz besonders wichtig, es geht um Bücher.

Um das Sammeln, um die Besessenheit und die Bibliophilie. Es geht um das Nazideutschland und die Frage, ob ein Jude morden kann?

So ganz habe ich das auch nicht mitgekommen, denn Gunnar Kaiser baut ja in sein Ouvre viele Schlefen ein und es ist auch ein Krimi.

Vielleicht hätte es deshalb den Blogbuster nicht gewonnen. Denn dort sind ja die Genres ausgeschlossen. Allerdings ein sehr literarischer. Eine Parodie auf die große amerikanische Literatur, die ich ja nicht so mag, ist es vielleicht auch und natürlich und da können die politisch korrekten Bloggerinnen vielleicht aufschreien, eine über den Sex oder die Jagd der jungen Männer nach den Mädchen mit den kurzen oder längeren Röcken.

Ein vielschichtiges Buch in verschiedenen Zeitebenen und verschiedenen Teilen geschrieben und, was mich etwas verwirrte war, daß der erste Teil nach dem zweiten folgte. Aber halt, es dann der zweite Teil davon und der Roman ist aus zwei Perspektiven geschrieben.

Da gibt es einmal in New York des Jahres 1969, den erfolglosen jüdischen Literaturstudenten Jonathan Rosen, der jagt natürlich, wie kann es anders sein, den Röcken nach und trifft dabei einen bibliophilen Sammler, der gerne klassische Musik hört, namens Josef Eisenstein.

Mit dem begibt er sich, sowohl auf die Frauen- als auch auf die Bücherjagd und schläft, glaube ich, auch mit ihm einmal in einem Keller eines Antiquariats auf Büchern und dann, da ist man in das Buch vielleicht noch nicht so hineingekommen, geht es in einen anderen Kontinent und bis in das Jahr 1918 zurück und in das „Leben eines Verbrechers“, denn da wurde Josef Eisenstein beborren. Der Vater hieß Samuel und war ein bedeutender Literaturwissenschaftler. Die Mutter Fanny  Schauspielerin und die spanische Grippe hat den kleinen Josef sehr geprägt, denn um ihn herum sterben seine Ammen und auch andere Frauen und es geht schon das Gerücht herum, der kleine Josef könnte vom Teufel besessen sein.

Der kommt aber vielleicht in anderer Form in den Dreißigerjahren nach Berlin und da die Mutter nach Wien ins Theater in die Josefstadt geht, kommt Josef zu einer Halbtante nach Berlin, nennt sich fortan Josef Schwarzkopf und entdeckt in dem Gymnasium, das er besucht, die Bibliothek und dort im Hinterkammerl, die Bücher jüdischer Autoren und auch das seines Vaters, die er zu retten beginnt.

Das heißt, er fängt an Bücher zu stehlen, geht da in Antiquariate und berühmte Bibliotheken und fängt später an, das Buchdruckhandwerk zu erlernen.

Mit dem Sterben geht es weiter. Zuerst ist das vielleicht nur ein Zufall, daß ein Mädchen mit einem wertvollen Buch ins Wasser fällt. Dann macht es Josef systematischer und geht „unter die Haut“, denn die kunstvollsten Bücher sind vielleicht mit Frauenhaut gebunden und da Gunnar Kaisers nicht an den skurillen Details spart, übt sich der Meister erstmals an Hitlers „Mein Kampf“ und da könnte man sich natürlich fragen, wieso dieses Buch in den Neunzehnhundertdreißigerjahren schon restauriert werden mußte?

In New York in das wir wieder zurückgehen, werden nun auch Frauenleichen ohne Haut gefunden und dann geht es wieder ein paar Jahrzehnte weiter und zwar nach Israel, wo Jonathan Rosen, der inzwischen  literarische Texte geschrieben hat und wahrscheinlich auch erfolglos versuchte, den großen amerikanischen Roman zu schreiben, in einen Kibbuz lebt und da bekommt er 1990 Besuch von einer schönen Frau. Einer ehemaligen Polizistin, die Josef Eisenstein auf der Spur ist und in Jonathan Rosen einen Zeugen, nämlich, den einzigen, der ihn erkennen kann, vermutet und überredet ihn mit ihr nach Argitienen zu fliegen, wo sie  in einem überschwemmten Hotel einer ehemaligen deutschen Kolonie Eisensteins Leiche finden und ein Buch, daß Rosen mit sich nimmt.

„Ich ziehe das Buch aus meiner Tasche, lege es auf mein Knie und auf ihres. Der Einband schimmert tiefrot im Schein der nacht. Ich befühle es lange, schteichle die weißen Buchstaben. Dann öffne ich die erste Seite.“

So endet Gunnar Kaisers Debutroman, den ich auch schon für den entsprechenden Preis vorgeschlagen habe und das mich einmal wirklich berührte. Mal sehen ob es auf die Shortlist oder die Longlist des dBps kommt?

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